android-n

Android 7.0 „N“: Ein paar größere und kleinere Neuerungen der ersten Preview

Am 10.03.2016 veröffentlicht Lesezeit etwa 4:21 Minuten

Am gestrigen Abend hat Google völlig überra­schend eine erste Preview-Version von Android 7.0 „N“ veröf­fent­licht – obwohl glaube ich fast jeder auf eine erste Präsen­tation auf der Google I/O in wenigen Wochen gewettet hätte. Diese erste Version stellt eine Alpha-Version dar und ist für das Nexus 5X, Nexus 6P, Nexus 6, Nexus 9, den Nexus Player und das Pixel C Tablet verfügbar – das Nexus 5 wird nicht mit einer Vorschau-Version beglückt und in Anbetracht der Tatsache, dass Android 6.0 nicht mehr für das Nexus 4 erschienen ist, ist es gut möglich, dass für das Nexus 5 nun das Ende der Fahnen­stange erreicht ist. 

android-n-preview

Die Factory Images stehen auf dieser Seite zur Verfügung, gleich­zeitig hat Google aber auch ein neues Beta-Programm für Android gestartet, bei dem man schneller und vor allem wesentlich einfacher Zugriff auf neue Vorab­ver­sionen bekommen kann. Statt immer neue Factory Images aufspielen zu müssen, lassen sich Vorab­ver­sionen so einfach als Over-the-air-Update instal­lieren. Übrigens: Neue Version sollen alle vier bis sechs Wochen erscheinen, mit der nächsten Preview 2 wird man in die Beta starten, mit der Preview 4 werden APIs und SDKs final sein – und im 3. Quartal soll dann die finale Version veröf­fentlicht werden. Wer bereits jetzt auspro­bieren möchte: Es sind bereits einige Fehler bekannt, mit weiteren solltet ihr rechnen. 

android-n-6

Multi-Window-Modus: Einer der offen­sicht­lichsten Neuerungen dürfte der Multi-Window-Modus darstellen. Dieser ermög­licht es wie auch der Split-View-Modus auf dem iPad eine gleich­zeitige Nutzung zweier Apps, jeweils links und rechts neben­ein­ander. Auf kleineren Smart­phones macht es meiner Meinung nach auf im Querformat nur wenig Sinn, auf Geräten ab 7 Zoll aber dürfte es eine praktische Sache sein. 

Überar­beitete Benach­rich­ti­gungs­leiste: Die Benach­rich­ti­gungs­leiste hat ein größeres Update erhalten. Die wichtigsten Schnel­l­ein­stel­lungen sind nun dauerhaft am oberen Rand der Leiste angepinnt und statt dem bishe­rigen Karten-Design gehen die Benach­rich­ti­gungen nun über die volle Breite des Displays. Mehrere Benach­rich­ti­gungen von einer einzelnen App lassen sich zu einem Benach­rich­ti­gungs­eintrag zusam­men­fügen.

Inter­aktive Benach­rich­ti­gungen: Die aktuelle Hangouts-Version für Android ermög­licht bereits das Antworten auf Nachrichten direkt aus der Benach­rich­tigung und der Benach­rich­ti­gungs­leiste heraus. Dies wurde nun auch für weitere Anwen­dungen freige­schaltet – schaut ganz nett aus. 

Dark Mode: Seit der Verwendung des Material Designs besitzt Android keinen Dark Mode mehr. Gefällt nicht jedem und so haben viele gehofft, dass irgendwann mal wieder ein Dark Mode folgt. Diese Wünsche hat Google nun erhört und Android 7.0 einen Dark Mode spendiert, der in den System­ein­stel­lungen aktiviert werden kann. Außerdem an Bord: Ein nativer Nacht­modus. Ist dieser aktiviert, werden die Farben eures Displays „wärmer“ gemacht, was vor allem bei Dunkelheit für die Augen deutlich angenehmer ist und auch das Einschlafen nach dem Lesen erleichtern soll – etwas ähnliches wird übrigens auch iOS 9.3 erhalten. (via XDA Devs, Bilder via Reddit)

Verbes­sertes Doze: Mit Android 6.0 hat Google eine neue Energie­spar­funktion namens „Doze“ einge­führt, mit Android 7.0 hat man dieses nun noch einmal verbessert. So soll Doze laut Google automa­tisch einspringen, sobald sich das Gerät im Standby-Modus befindet – was die reine Standby-Zeit sicherlich nochmals um einige Stunden erhöhen dürfte. Wird das Gerät aller­dings viel genutzt, bringt auch die beste Energie­spar­funktion nichts.

android-n-10Data Saver: Mobiles Daten­vo­lumen ist ein teures Gut, das hat auch Google erkannt. Android 7.0 wird eine Option spendiert bekommen, die auf den Namen „Data Saver“ hört und in den Netzwerk-Einstel­lungen aktiviert werden kann. Ist der Modus aktiviert, können Apps im Hinter­grund nicht mehr auf das mobile Datennetz zugreifen. Hat den Vorteil, dass sie eben kein Daten­vo­lumen verbrauchen, während sich euer Gerät nur in der Tasche befindet – gleich­zeitig könnt ihr die Apps selbst aber wie gewohnt nutzen, ohne immer das mobile Datennetz ein- und ausschalten zu müssen. Gar keine schlechte Idee. (via Android Headlines)

Neuer Multi-Tasking-Button: In Bezug auf das Multi-Window-Feature hat Google auch die Funktion des Multi-Tasking-Buttons verändert. Wobei: Die bisherige Funktion bleibt erhalten – drückt ihr also einmal auf den Button, öffnet sich wie gewohnt eine Liste der zuletzt genutzten Apps. Neu hingegen ist: Ein Doppeltap wechselt direkt zur zuletzt genutzten App, ein Longpress auf den Button aktiviert den neuen Split-Screen-Modus. (via Reddit)

android-n-11Do not disturb: Der „Nicht stören“-Modus ist eine angenehme Sache, aller­dings ist die Art und Weise, wie der Modus aktiviert wird, etwas nervig: zuerst die Lautstärke auf „Vibration“ herunter regeln und dann nochmals reduzieren. Unter Android 7.0 ist das Ein- und Ausschalten per Schalter im Lautstärken-Overlay möglich. (via Reddit)

android-n-4Mono-Audio: Okay, hier habe ich mich zugegeben zuerst gefragt, wofür das ganze praktisch sein soll – aber ich wurde recht schnell eines besseren belehrt. Kurz gesagt: Android N wird in den Audio-Einstel­lungen des Systems einen neuen Regler zur Verfügung stellen, mit dem sich die Audio­ausgabe eures Smart­phones oder Tablets komplett von Stereo auf Mono umschalten lässt. Dies ist vor allem für Nutzer inter­essant, die auf einem Ohr eine (stark) einge­schränkte Hörstärke besitzen und mit Kopfhörern unterwegs sind. (via Reddit)

Notfallpass für Ersthelfer: Ein Feature, bei dem sich Daten­schützer sicherlich die Haare raufen, während es aber eigentlich eine praktische und lebens­ret­tende Sache ist, die auch iOS schon seit iOS 8 besitzt. So könnt ihr nun auch unter Android 7.0 verschiedene medizi­nische Infor­ma­tionen (wie Blutgruppe, bekannter Allergien, einzu­neh­mende Medika­mente, (Vor-)Erkrankungen und dergleichen) hinter­legen. Auf diese haben im Notfall nun (Erst-)Helfer Zugriff, ohne das Gerät entsperren zu müssen – der dazuge­hörige Button findet sich (wie auch unter iOS) im „Notfall“-Dialer des gesperrten Smart­phones. Bleibt zu hoffen, dass beide Wege im Notfall auch bekannt sind… (via Android Headlines)

Kurzes Fazit nach einem ersten schnellen Blick über Android 7.0? Keine Revolution, statt­dessen gibt es viele Kleinig­keiten, an denen Google geschraubt hat. Viele Funktionen sind iOS-Nutzern bereits bekannt, ein gutes Beispiel, dass auch Google gerne funktio­nie­rende Features in die eigene Software übernimmt. Gleich­zeitig glaube ich aber auch nicht, dass Google bereits sämtliche Funktionen imple­men­tiert oder freige­geben hat – man wird sich mit Sicherheit auch noch ein paar größere Neuerungen für die Google I/O 2016 aufge­spart haben. Vielleicht verschwindet ja dann auch der App-Drawer, der bislang (noch?) vorhanden ist.