Android M vorge­stellt: Evolution statt Revolution

Am 28.05.2015 veröffentlicht Lesezeit etwa 4:30 Minuten

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Auf der Google’schen Entwick­ler­kon­ferenz I/O 2015 hat Google wie zu erwarten war den Nachfolger von Android Lollipop vorge­stellt: Android M. Der vollständige Name bleibt wie auch im letzten Jahr noch geheim, auch die Versi­ons­nummer dürfte sicherlich nicht von 5.x auf 6.x springen, statt­dessen denke ich eher an ein Android 5.1 oder 5.2. Hat man im letzten Jahr ein dickes Feuerwerk an neuen Funktionen und vor allem einer neuen Optik präsen­tiert, sieht es in diesem Jahr etwas anders aus, denn statt einer Revolution ist Android M eher eine Evolution und eine gelungene Produkt­pflege – darf sich Apple gerne auch für iOS 9 vornehmen. Hier nun einmal eine kurze Übersicht über die wohl wichtigsten Neuerungen von Android M. 

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App Permis­sions: Bisher war es bei Android so, dass man Apps vor der Instal­lation sämtliche benötigten Rechte mit einem Schlag einräumen musste. Kamera ja, aber Mikrofon nein? Bisher nicht machbar, entweder man lebt mit sämtlichen Berech­ti­gungen oder nutzt die App nicht. Mit Android M wird es möglich sein, Apps gezielt verein­zelte Rechte bei der erstma­ligen Nutzung zu gewähren. Wird also zum Beispiel innerhalb WhatsApp das erste Mal die Kamera gestartet, so fragt Android nach. Der ein oder andere wird sicherlich laut „Geklaut!“ schreien und ja, irgendwie hat man das Prinzip schon einmal gesehen. Dennoch setzen sich eben in der Regel die besseren Ansätze durch – und in diesem Falle war es eben eine Lösung aus Cupertino. Schlimm? Nope. 

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Web Experience: Ruft man einen Link aus einer App heraus auf, so wird hier in der Regel ein In-App-Browser genutzt oder an eine Standard-App weiter­ge­leitet. Beides Dinge, die oftmals nicht zufrie­den­stellend sind (wenn auch mit Link Bubble erträglich sind). Mit Android M werden Entwickler zukünftig auf so genannte Custom Chrome Tabs zurück­greifen können. Quasi ein eigen­stän­diger Chrome-Tab, welcher als Overlay über der eigent­lichen App angezeigt wird. Nichts gravie­rendes, aber kann sicherlich eine praktische Sache sein. 

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App Links: Im Grunde ein Punkt, der die oben beschriebene „neue“ Web-Experience aufgreift. Android M erkennt bei Links automa­tisch, wenn ihr einen Link öffnet, der nicht nur im Browser, sondern auch in einer entspre­chenden App geöffnet werden könnte und macht genau dies. Klickt ihr also zum Beispiel innerhalb einer Mail auf einen Link zu einem Tweet, so erkennt Android M dies und öffnet statt den Browser den Tweet direkt in der Twitter-App. Nett. 

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Android Pay: Mit dem Smart­phone per NFC bezahlen? Ist nun (wieder mal) auch mit Android M möglich. Im Grunde recht unspek­ta­kulär, denn das ganze Theater um Sicherheit und Co. hatte man schon zur Einführung von Apple Pay. Android Pay funktio­niert im Grunde ähnlich – wenn die Systeme nicht sogar irgendwie mitein­ander kompa­tibel sein werden, who knows? Auch Google betont, dass Kredit­kar­ten­daten oder ähnliches nicht an die Händler weiter­ge­geben werden. Zum Start hat man eine ganze Reihe an Partnern gewinnen können, insgesamt soll Android M in über 700.000 Läden angeboten werden – vorerst (und sicher auch noch für die kommenden 12-24 Monate) aber nur US-only. 

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Finger­print sensor: Muss man denke ich nicht viel zu sagen – kennt man ja bereits. Klar, Geräte wie das Galaxy S5, Galaxy S6, das HTC One Max und andere besitzen bereits einen Finger­ab­druck-Scanner, mit Android M wird Google aber erstmals eine native API für diese anbieten. 

Akkulaufzeit: Google möchte mit Android M auch ordentlich an der Akkulaufzeit schrauben, das Zauberwort heißt Doze. Mit Doze kann das System anhand der Bewegungs­sen­soren des Gerätes feststellen, ob ein Gerät wenig bis gar nicht genutzt wird und schaltet es nach einer gewissen Zeit in einen Tiefschlaf-Modus. Benach­rich­ti­gungen sollen dabei ebenfalls in Echtzeit auf das Gerät gepusht werden, sodass eigentlich kein großer Unter­schied zum Status Quo vorherrscht. Ach doch: Die reine Standby-Zeit von Geräten mit Android M soll sich gegenüber der L-Version nahezu verdoppelt haben. 

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USB Type-C: Naja, irgendwo war ja klar, dass der neue USB-Anschluss auf kurz oder lang auch in Smart­phones und Tablets mit Android verbaut wird – sicherlich auch das Ziel von Google, die mit der Vorstellung nun etwas Druck auf die Hersteller aufbauen, obwohl es eigentlich eine vom System losge­löste Thematik sein dürfte. Dank USB Type-C sollen sich Geräte drei bis fünf Mal schneller laden lassen. 

Besseres Copy & Paste: Das Markieren und Kopieren von Texten unter Android ist in meinen Augen bislang eine Qual – iOS macht es deutlich besser, sogar Windows Phone ist mir diesbe­züglich angenehmer aufge­fallen. Hat wohl auch Google bemerkt und ein System imple­men­tiert, welches optisch und funktionell stark an iOS erinnert. Aber auch hier gilt wieder: Sollen die Hersteller doch klauen wo und wie viel sie wollen – solange es das System weiter­bringt immer gerne. 

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Bessere Lautstärke-Steuerung: Mit Android L hat Google die Steuerung der Lautstärke stark erneuert, was nicht bei jedem Nutzer auf Gegen­liebe gestoßen ist (SoundHUD hilft, by the way). Mit Android M wird Google hier aber erneut Hand anlegen und eine neue, alte Lautstärke-Einstellung imple­men­tieren, sodass man die einzelnen Lautstärken für das System, den Klingelton und für die Medien-Wiedergabe getrennt vonein­ander festlegen kann. Aller­dings sieht es derzeit nicht so aus, als würde Google den „echten“ Lautlos-Modus zurück­bringen, hier setzt man wohl weiter auf den „Nicht stören“-Modus.

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Now on Tap: Auch Googles Sprachas­sistent Google Now hat ein neues Feature spendiert bekommen, mit dem ihr noch schneller an relevante Infor­ma­tionen gelangen sollt. Google integriert quasi den Google Knowledge Graph und erkennt so, den Kontext der Anzeige innerhalb eurer Apps. Schreibt ihr also zum Beispiel in Viber mit eurem Kontakt über ein Restaurant, so kann euch Google Now nun auf Knopf­druck mit weiteren Infor­ma­tionen zu eben diesem dienen, in entspre­chende Apps weiter­reichen und dergleichen. Schreibt ihr über einen bestimmten Film im Kino, so gibt es eben Dinge wie einen Trailer, Rezen­sionen, Reser­vie­rungen und ähnliches. Google spielt also ihre Daten­sam­melei aus und münzt diese in nutzbare Vorteile für den Nutzer. 

Das sind natürlich nur die größten und inter­es­san­testen neuen Features von Android M, welches irgendwann im Herbst final veröf­fent­licht werden soll. Aber natürlich wird es auch noch eine ganze Reihe an weiteren neuen Funktionen und Änderungen geben, oftmals sind es ja gerade die Details und Kleinig­keiten, die besonders spannend sind. Wer ein Nexus 5, 6 oder 9 besitzt, der sollte einmal die Augen offen halten, denn die erste Developer Preview von Android M(ilkshake?) wird noch im Laufe des Abends veröf­fent­licht. Ich bin gespannt…