Apple AirPods (2. Generation) angehört: Lohnt der Wechsel?

Marcel Am 24.04.2019 veröffentlicht Lesezeit etwa 4:29 Minuten

An den Apple AirPods scheiden sich noch immer die Geister: Die einen kritisieren das Design der True Wireless-Kopfhörer, andere lieben sie vor allem wegen dem nahezu perfekten Zusammenspiel mit iPhone, iPad und Co. Allen Unkenrufen zum Trotz gehören die AirPods zu den beliebtesten wirklich kabellosen Kopfhörern und für viele (mich eingeschlossen) gehören sie zu den besten Gadgets, die Apple in den letzten Jahren auf den Markt gebracht hat. Die erste Generation wurde Ende 2016 vorgestellt, nun gibt es nach etwas mehr als zwei Jahren die langerwartete Neuauflage in Form der „AirPods 2“ – ohne ein großes Event, nur mit stiller Pressemitteilung. Äußerlich hat sich dabei nichts verändert, wohl aber hat man den Kopfhörern ein paar neue Features und Kunststücke spendiert. Zeit einmal herauszufinden, ob sich ein Wechsel auf die neue Generation lohnt.

Ich möchte an dieser Stelle nicht sämtliche Zeilen vom Test der ersten Generation wiederkauen, daher einmal direkt der Verweis auf diesen Artikel. Dennoch ein paar Zeilen für die, die die AirPods wieder erwarten noch nicht kennen sollten: Die AirPods sind komplett kabellos und wirken etwa so, als hätte man einfach das Kabel von den kabelgebundenen EarPods abgeschnitten – daher ist mir der Verweis auf das Design ein kleines Rätsel. Das Koppeln mit dem iPhone (oder anderen Apple-Geräten) erfolgt automatisch, sobald ihr das Case öffnet und die Kopfhörer in die Ohren steckt. Knöpfe gibt es keine, stattdessen lässt sich in den Einstellungen festlegen, was bei einem Doppeltipp auf den linken oder rechten Kopfhörer passieren soll, z.B. Überspringen oder Pausieren eines Songs. Praktisch: Nehmt ihr einen Kopfhörer aus dem Ohr, pausiert die Wiedergabe automatisch. Soweit, so AirPod.

Mit der zweiten Generation hat der potentielle Käufer nun die Qual der Wahl, denn Apple hat zwei Varianten auf den Markt gebracht. Für 179 Euro gibt es die regulären AirPods 2. Gen, wer das Case kabellos via Qi-Standard laden möchte, der muss 229 Euro über die Ladentheke reichen. Die Qi-Spule kostet anscheinend 50 Euro und dürfte zusätzlich vergoldet sein, denn andere Unterschiede sucht man ansonsten vergeblich. Aber: Ich bin Fan des kabellosen Ladens und auch bei den AirPods gibt es nicht bequemeres, als diese einfach auf die Ladematte zu legen, anstatt nervige und häßliche Kabel herumliegen und einstöpseln zu müssen. Einen kleinen Unterschied gibt es aber dennoch, denn während beim kabellosen Lade-Case die Status-LED auf die Vorderseite gewandert ist, ist sie beim Kabel-Case weiterhin im Inneren zu finden. Aber: Gar nicht so tragisch, da Apple den Ladestand des Cases und der beiden Kopfhörer auch im Batterie-Widget von iOS anzeigt.

Apple hat den AirPods 2. Gen einen neuen H1-Chip und Bluetooth 5.0 spendiert. Dadurch verbinden sich die Kopfhörer laut Apple (und auch gefühlt) nochmals einen Tick schneller – wobei dies bereits bei der ersten Generation kein Kritikpunkt war, im Gegenteil. Dank des neuen Chips lässt sich Siri aber auch ohne Berührung aktivieren, indem ihr wie vom iPhone gewohnt einfach „Hey Siri“ sagt. Nett, aber ehrlicherweise nutze ich Siri nur selten und in der Öffentlichkeit kommt ein  Geblubber á la „Hey Siri, überspringe den Song“ auch eher skeptisch an. Für Hobbysportler, zum Beispiel beim Laufen, und solchen, die Siri auch über die AirPods rege nutzen, sicherlich aber eine nennenswerte Verbesserung. So kann man den bisherigen „Siri-Touch“ mit einer anderen Funktion belegen.

Die Reichweite der AirPods ist in der Vergangenheit nie negativ aufgefallen, durch Bluetooth 5.0 wird die Reichweite aber technisch vervierfacht. Werdet ihr unterwegs kaum bemerken, vielleicht aber, wenn ihr ohne Smartphone durch die Wohnung lauft. Darüber hinaus sind wurden laut Datenblatt auch die Qualität des Mikrofons verbessert, die Übertragungsgeschwindigkeit auf 2 MBit/s erhöht und Latenzen reduziert. Mag sein, lässt sich subjektiv aber nicht wirklich an etwas festmachen, wenn man nicht zuvor Probleme hatte. Zum Akku: Die Hörzeit bleibt bei 5 Stunden, die Sprechzeit hat sich von 2 auf 3 Stunden erhöht. Nach 15 Minuten Laden im Case bieten die neuen AirPods eine Hörzeit von drei und eine Sprechzeit von zwei Stunden. Die Gesamtlaufzeit mit Ladecase beträgt mehr als 24 Stunden.

Beim Klang gibt es dagegen keine Verbesserungen – zumindest für meine Ohren. Insgesamt ist er recht ausgewogen, aber ohne wirkliche Highlights. Es ist fast so etwas wie eine Glaubensfrage, ob man mit In-Ear-Kopfhörern glücklich wird oder es doch eher Over Ears sein sollen. Kurz: Wer die kabelgebundenen EarPods kennt und mag, wird klanglich nichts vermissen. Ich würde sogar die These aufstellen, dass Apple mit Blick auf die Abmessungen das bestmögliche herausgeholt hat. Als besonders audiophiler Mensch wird man aber sicherlich eh einen Bogen um In-Ear-Kopfhörer und erst recht echten kabellosen Modellen machen. Der typische Käufer und Nutzer schätzt vielmehr die drahtlose Bauart und weitere kleine Mehrwerte. Man geht als Veganer ja Klassischerweise auch nicht ins Steakhouse.

Was nett gewesen wäre, aber weiterhin nicht gegeben ist: Auch die zweite Generation der AirPods ist nicht wasserdicht. Schweiß beim Sport oder Regenschauer halten die Kopfhörer ohne große Makel aus, unter der Dusche oder beim Schwimmen sollte man mit ihnen allerdings nicht. Auch fehlt weiterhin eine Möglichkeit, die Lautstärke zu ändern, ohne das abspielende Gerät in die Hand nehmen zu müssen. Muss ja gar kein Button oder Rädchen sein, einfach über die Kopfhörer wischen würde ja schon reichen. Dies ist tatsächlich der für mich größte Kritikpunkt an den AirPods, egal ob man nun die erste oder zweite Generation betrachtet. Gerade unterwegs kann es etwas nervig werden, wenn man immer das Smartphone aus der Tasche ziehen muss – abgesehen von Zug und Bahn, wo man das Smartphone wohl meist eh in der Hand hat.

Mehr getippt als geplant, Zeit für ein kurzes Fazit: Die neuen AirPods sind eine durchaus gelungene Weiterentwicklung. Aber eben auch keine wirklich neuen Kopfhörer, sodass Apple bewusst auf die Bezeichnung „AirPods 2“ verzichtet hat und die neuen Modelle stattdessen als „2. Generation“ bezeichnet. Falsch macht man mit der zweiten Generation nichts, allerdings wird wohl kaum ein AirPods-Besitzer losrennen und nochmals 179 bzw. 229 Euro aus der Hand geben. Dafür sind die Mehrwerte in meinen Augen zu gering, wirklich relevant wäre höchstens das „handsfree Hey Siri“, wenn man es denn nutzen möchte. Die anderen technischen Verbesserungen stechen gefühlt zu wenig hervor. Und möchte man die kabellose Ladefunktion haben, der kann die erste Generation über das gesondert verfügbare Ladecase auch nachrüsten – mit 89 Euro kein Schnapper, aber deutlich günstiger.

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