Apple AirPods 3 (2021) angehört: Neues Design, besser Klang und mehr – die goldene AirPods-Generation?

Marcel Am 21.11.2021 veröffentlicht Lesezeit etwa 8:21 Minuten

Die Spatzen pfeifen es schon länger von den Dächern, nun hat Apple rund zwei  einhalb Jahre nach dem Release der zweiten Generation seiner AirPods ohne Pro auch die dritte Generation offiziell auf den Markt gebracht. Betrachtet man die Analysen der Weihnachtsverkäufe, gehören die AirPods zu den erfolgreichsten Produkten und wer hier dann und wann mal mitliest, der wird wissen: Ich bin ein großer Fan der True-Wireless-Kopfhörer aus Cupertino – für mich das beste Apple-Gadget seit dem iPod. Und das gar nicht mal wegen dem Klang, sondern aufgrund des Zusammenspiels mit anderen Geräten aus dem Apple-Kosmos. Nun also die Generation 2021, die mit neuer Optik, einem neuen Ladecase und neuem Innenleben bei den Nutzern punkten und sie zu einem Wechsel überzeugen möchten. Ob der Plan aufgeht und die AirPods 3 die Erfolgsstory weiterführen können, konnte ich mir in den letzten Wochen anschauen oder besser gesagt anhören.


Beim Design der 3. Generation hat sich Apple ganz augenscheinlich an den hauseigenen AirPods Pro orientiert. Tatsächlich sind diese mit wenigen Ausnahmen 1:1 identisch, auffälligste Abgrenzung stellen die nicht vorhandenen Silikonaufsatzes der Pro-Modelle dar. Wie auch bei den beiden Vorgänger-Generationen gibt es nur eine Größe, sodass man schauen muss, ob sie passen. Apple selbst betont, dass man zahlreichen Ohrscans durchgeführt hat und die AirPods 3 daher in einer breiten Zahl an Ohren ihren sicheren Platz finden sollen. Im Vergleich zu den beiden ersten Generationen ist der von einigen geliebt-verhasste Stiel rund einen Zentimeter kürzer geworden und das Ohrstück ist im Volumen leicht gewachsen und insgesamt merklich rundlicher – auch zu den AirPods mit Pro-Label. Ansonsten ist das Design ähnlich-erkennbar geblieben, aber eben mit ein paar formgebenden Anpassungen.

Auch der Formfaktor des Ladecase hat eine Anpassungen erhalten und ist nun ebenfalls so gut wie nicht von dem Pro-Ladecase zu unterscheiden ist. Interessanterweise sind die Abmessungen zu den beiden Cases der Vorgängergenerationen identisch, allerdings wird dieses nun nicht mehr im Hochformat aufgeklappt, sondern im Querformat. Eine reine Designentscheidung, wenngleich ich sagen muss, dass das Herausnehmen griffiger erscheint, da mehr Platz vorhanden ist. Das Case besitzt eine kleine LED zur Ladestandsanzeige und kann wahlweise kabelgebunden via Lightning (wann kommt USB-C?) oder kabellos aufgeladen werden. Letzteres konnte die zweite Generation bereits per Qi-Standard, nun unterstützt das Ladecase aber auch den Apple’schen MagSafe-Ladepuk. Das kabellose Laden empfinde ich als ungemein praktisch, MagSafe hätte es für mich nicht zwingend gebraucht – aber manchmal ist haben bekanntlich besser als brauchen.

Eine kuriose Erfahrung bringt der Sitz in den Ohren mit sich. Ich empfand die AirPods – wie auch die kabelgebundenen EarPods – schon immer als ideal für meine Ohren, da sie sicher in meinen Ohren lagen. Ich konnte mich in der Vergangenheit nie mit Silikonaufsätzen anfreunden, finde ich schlichtweg unangenehm, Vorteile beim Sound hin oder her. Durch das vergrößerte Ohrstück sitzen die AirPods 3 enger in den Ohren, sind allerdings weniger spürbar als die zweite Generation. Dies ging zunächst mit fragendem Blick meinerseits einher, denn der Sitz ist gefühlt lockerer. Der Eindruck täuschte aber, wie ich dann feststellen konnte: Im Alltag bleiben sie wie auch ihre Vorgänger sicher im Ohr. Einen Unterschied konnte ich aber beim Laufen feststellen: Habe ich bei den AirPods 2 noch auf Silikonflügel gesetzt, verzichte ich bei den AirPods 3 inzwischen darauf, da auch beim Laufen nie das Gefühl aufkommt, dass sie kurz davor sind, aus den Ohren zu rutschen. Aber ja: Kein Ohr gleicht dem anderen, muss man für sich selbst herausfinden und wenn man sich mit dem Sitz nicht anfreunden kann, hat man eben Pech.

Ungewohnt ist auch die neue Steuerung der Kopfhörer. Bisher war es so, dass die AirPods einen Doppeltipp geboten haben, den man für den linken und rechten Kopfhörer mit einer Funktion belegen konnte – zur Auswahl standen Siri, Song vor und Song zurück. Nun gibt es an beiden Stilen einen Force Sensor, die auf leichten Druck reagieren: Ein einfacher Druck startet oder pausiert die Wiedergabe, ein doppeltes Drücken springt in der Playlist nach vorne, ein Dreifachklick springt in selbiger zurück und mit einem längeren Druck lässt sich Siri starten (alternativ reagieren die Kopfhörer auch auf „Hey Siri“). Muss man sich erstmal eine Zeit lang dran gewöhnen, dann ist es aber ganz angenehm. Vor allem, wenn man nur einen Kopfhörer trägt, kann man dennoch vor- und zurückspringen – vorher konnte man nur die Funktion nutzen, die man für das jeweilige Ohrstück festgelegt hat. Auch hier gilt: Trotz stärkerer Berührung des Stieles bleiben die Ohrstücke so in den Ohren, wie ich sie zuvor hineingesetzt habe, auch das war zunächst ein Fragezeichen.

Die AirPods 3 besitzen eine neue Trageerkennung. Hat Apple zuvor auf einen optischen Sensor gesetzt, gibt es nun einen Hauterkennungssensor, der unter der schwarzen, nach Innen gerichteten Fläche verborgen liegt. Und dieser funktioniert tatsächlich besser, als bei den Vorgängern: Sobald ihr einen Ohrstecker aus dem Ohr nehmt, pausiert automatisch die Wiedergabe und führt fort, wenn er wieder eingesetzt wird. Dies war auch schon bei der ersten und zweiten AirPods-Generation, allerdings sorgte der optische Sensor gerne auch für einen Start der Wiedergabe, wenn die AirPods kurz mal in die Jacken- oder Hosentasche gewandert sind. Bei der neuen Generation kam dieses kleine Luxus-Problem bis dato nicht auf, sodass ich den technischen Wechsel der Sensoren als Erfolg verbuchen kann.

Auch beim Klang hat sich einiges getan, auch hier hat Apple einige Funktionen der Pro-Modelle und der AirPods Max nachgeschoben. Erst einmal: Der Sound der AirPods 3 ist quer durch alle Musik-Genre, Podcasts und Telefonkonferenzen klar und deutlich. Im Vergleich zu den AirPods der 2. Generation macht sich der neue Tieftöner deutlich bemerkbar, die Steigerung ist deutlich zu hören. Natürlich bringen die AirPods Pro oder andere Kopfhörer mit geschlossenem Gehörgang ein satteres Bassgefühl mit, was schlicht in der Natur der Sache liegt. Zählt man sich aber selbst nicht zur Audiophilen-Bevölkerungsschicht, dürfte man in Sachen Sound mit den AirPods der dritten Generation mit jedem Genre glücklich werden. Hierbei kommt den AirPods 3 das neue Adaptive EQ-Feature zu Gute, welches bereits von dem Pro-Modell bekannt ist: Über dem uhrzugewandten kleinen Mikrofonen in den Ohrstücken und mit Hilfe des H1-Chips wird der Klang in Echtzeit und unauffällig an den Sitz der AirPods im Ohr angepasst.

Mit Spartial Audio und dem Head Tracking haben die AirPods 3 noch zwei Features der Pro-Reihe geerbt. Spatial Audio ist quasi Apples Übersetzung für 3D Audio und sorgt dafür, dass bei Tracks mit Dolby Atmos aus Apple Music ein Raumklang simuliert wird. Empfand ich ehrlich gesagt aber als unspektakulär und brachte mir keinen wirklichen Mehrwert. Spanennder empfand ich widerum das dynamische Head Tracking. Ist die Kopferfassung über das Kontrollcenter aktiviert, verändert sich die virtuelle räumliche Ausrichtung je nachdem, wie ihr euren Kopf bewegt. Beispiel: Nehmt ihr an einem Video-Call teil oder schaut ihr ein Video und dreht euren Kopf nach rechts, ist der Ton prominenter auf dem linken Ohr zu hören. Wie gesagt: Technisch interessant, in der Praxis aber kein Feature, dass ich auf die Liste der Kaufanreize setzen würde – und ich stelle einfach mal die These auf, dass sicherlich ein nicht kleiner Nutzerkreis die Kopferfassung erst gar nicht auf dem Schirm haben werden.

Die Akkulaufzeit der AirPods beträgt laut Apple rund sechs Stunden, also rund eine Stunde mehr als beim Vorgänger. Kann ich durchaus als realistischen Wert bestätigen, teilweise können sogar noch mehr erreicht werden und ist natürlich von der Lautstärke und den 3D-Audio-Features (siehe unten) abhängig. Eine genaue Einschätzung gestaltet sich für mich wiederum schwierig, weil ich selten über diese zeitliche Strecke Musik höre und auch zwei, drei Stunden Telefonkonferenz die Laufzeit nicht ausreizen. Sind die einzelnen Kopfhörer aber dann doch mal leergelaufen, können diese mittels des Ladecase flott aufgeladen werden: In einer Hand voll Minuten erreicht man wieder ein bis zwei Stunden Hörzeit. Das Ladecase selbst bringt eine zusätzliche Laufzeit von 30 Stunden mit sich – da kann man dann schon viel mit erreichen. Geladen wird das Case wie bereits erwähnt entweder per Lightning-Kabel oder kabellos per Qi oder MagSafe. Beim nächsten Mal darf es dann auch gerne USB-C werden, auch wenn ich in 99% der Fälle kabellos Lade.

Die gebotene Konnektivität ist weiterhin ein Paradebeispiel dafür, weswegen die AirPods bei mir den Vorzug vor anderen – teils besser klingenden oder günstigeren – Kopfhörern bekommen. Das Koppeln mit einem iPhone oder iPad geht Sobald ihr das Case in der Nähe eures Gerätes öffnet, poppt auf diesem ein Overlay auf, über welches die Kopfhörer binnen weniger Sekunden gekoppelt werden können. Und ja: Sie verstehen sich auch jedem anderen Bluetooth-Gerät, aber nicht sooo simpel. Sind die Kopfhörer dann einmal gekoppelt, verbinden sie sich beim nächsten Mal automatisch, sobald ihr einen Ohrstecker ins Ohr befördert. Was aber wirklich stark funktioniert, ist der automatische Wechsel zwischen den Geräten: Über die iCloud werden die AirPods mit allen angemeldeten Geräten „gekoppelt“ und können mit diesen genutzt werden. Klassisches Beispiel: Hört ihr Musik über das iPhone und es kommt ein Video-Call auf dem iPad oder dem Mac rein, wechselt die Verbindung zwischen den Geräten automatisch um und nach dem Anruf auch wieder zurück. Gerade in Home-Office-Zeiten gerne genutzt.

Auf das Active Noise Cancelling (kurz ANC) der Pro-Modelle muss auch die dritte Generation weiterhin verzichten – für mich aber kein großer Negativpunkt, da ich von der Abschottung kein großer Freund bin. Ich möchte schon noch etwas von der Außenwelt mitbekommen, vor allem beim Laufen. Die AirPods 3 mitsamt Ladecase sind nun offiziell nach IPX4-Standard gegen Spritzwasser geschützt, wobei ich auch mit der zweiten Generation beim Sport oder leichten Regen keinerlei Probleme hatte. Bei der Telefonie liefert auch die jüngste Generation eine gute Qualität ab. Beschwerden gab es keine, alle Testanrufer bescheinigten eine klare Stimme, die im Gegensatz zu vielen Freisprecheinrichtungen der anderen Seite nicht das Gefühl gibt, man sitzt meilenweit entfernt. Auch Hintergrundgeräusche werden gut herausgefiltert. Zu guter Letzt fügen sich die AirPods 3 nun auch dem „Wo ist?“-Netzwerk von Apple hinzu und können so zentimetergenau geortet werden.

Mein Fazit zu den AirPods 3 ist eindeutig: Die dritte Generation setzt dort an, wo die zweite aufgehört hat. War die zweite Generation noch eine kleine Verbesserung zur ersten Version, handelt es sich bei den AirPods 3 um einen großes Update. Natürlich in Sachen Optik, aber vor allem auch was die Features betrifft. Klar: Die neue Passform muss euch und euren Ohren zusagen, anderenfalls bringen all die Features null. Wenn ihr dies aber bejahen könnt, dann bekommt ihr einen hörbar besseren Sound, praktischere Mediensteuerung und Sensoren, sowie eine (wenn auch nur leicht) verbesserte Akkulaufzeit. Wer auf die AirPods Pro setzt, der wird dafür seine Gründe haben (Stichwort ANC und Silikonaufsätze) – zumal die Pros der dritten Generation ebenbürtig sind. Wer aber die zweite und erst recht die erste Generation besitzt, der kann einen Wechsel ohne Bedenken ins Auge fassen ohne enttäuscht zu werden.

Das gilt aber nur für Apple-Nutzer, wer mit Android unterwegs ist, der kann einen Bogen um die AirPods machen – würde ich zumindest. Für den von Apple aufgerufenen Preis von den üblichen 199 Euro (wobei es die AirPods 3 in 4-6 Monaten vermutlich ebenfalls regelmäßig für unter oder um 150 Euro geben wird) gibt es True-Wireless-Kopfhörer, die mit besserem Sound daherkommen und vielleicht noch günstiger sind. Aber wie bereits ausgesagt: Man greift nicht nur aufgrund des Klangs zu den AirPods, sondern wegen des Zusammenspiels mit anderen Geräten bzw. die tiefere Verzahnung in iOS und macOS. Der Vergleich hinkt natürlich ein wenig, da Apple ganz andere Möglichkeiten besitzt, als andere Hersteller auf dem Markt. Es gibt aber wohl nur wenig Gadgets, die so gut in einem System zuhause sind und nicht ohne Grund hat Google angekündigt, seinen Pixel Smartphones und Pixel Buds ähnliche Features zu spendieren.

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