Bartender für den Mac: Fragwürdiger Besitzerwechsel und unsichere Zukunft – und die Alternativen

Marcel Am 06.06.2024 veröffentlicht Lesezeit etwa 3:18 Minuten

Die Mac-App Bartender zur Organisation der Menübar steht nach einem fragwürdigen Besitzerwechsel vor einer unsicheren Zukunft und ist mit Blick auf die Gesamtumstände der Übernahme keine Empfehlung mehr.

Der ein oder andere wird sicherlich bereits mitbekommen haben, dass es aktuell viele große Fragezeichen rund um die Mac-App Bartender gibt. Hierbei handelt es sich um Werkzeug, welches sich um die Organisation eurer Menüleiste kümmert, indem sich dort untergebrachte Icons nicht wie mit macOS-eigenen Mitteln anderweitig anordnen, sondern auch temporär oder dauerhaft ausblenden lassen. Bartender hat inzwischen rund 12 Jahre auf dem Buckel und wurde in all den Jahren konstant weiterentwickelt, das letzte große Update auf die Version 5 datiert aus dem September des letzten Jahres. Eigentlich galt Entwickler Ben Surtees als zuverlässig, bis vor wenigen Tagen der MacUpdater – ein Tool zum automatischen aktualisieren von installierten Anwendungen – Alarm schlug. Auslöser der Warnmeldung ist, dass das Entwicklerzertifikat (bereits zweimal) getauscht wurde, von Ben Surtees zunächst zu einer “App Sub 1 LLC” und anschließend nochmals zu einer nicht näher bekannten “Bartender App LLC”.

Nun ist das per se kein Grund zur Vorsicht, immerhin könnte ein Indie-Entwickler auch mal auf die Idee kommen, sein “Hobby” in eine Firma umzuwandeln oder nochmal Geld aus einem Projekt zu schöpfen und die App in andere Hände zu geben. In dem Fall wirkte das ganze aber aus zweierlei Gründen merkwürdig: Zum einen gab es keinerlei Information in Richtung der Nutzer, weder in den Releasenotes, noch im Bartender-Blog. Zum anderen brachte ein Update auf die Version 5.0.52 des neuen Entwicklers das Analyse-Framework “Amplitude” mit, welches sich automatisch aktivierte und fröhlich Nutzerdaten, unter anderem den Standort, an Drittserver versendete. Auch solche Analysetools sind heutzutage keine Seltenheit, wenngleich eine Info darüber das Mindeste gewesen wäre, selbiges gilt auch für eine nicht selten gebotene Option zur Deaktivierung der Nutzeranalyse. Verständlich, dass die Nutzer hiervon verunsichert waren.

Inzwischen ist das ganze etwas aufgeklärt, allerdings mutet das nicht ganz freiwillig an, vielmehr dürfte es sich um Schadensbegrenzung handeln. Wie Ben Surtees auf dem Bartender-Blog (und zur Verifikation auch auf seinem einen Blog) schreibt, hat er die App tatsächlich vor rund drei Monaten(!) verkauft. Ben kam nach dem Release der Version 5 die Erkenntnis, dass er die Pflege der App nicht mehr derart gewährleisten könne, wie er es selbst von sich erwartet. Insbesondere das sich schnell entwickelnde macOS-System nimmt jährlich viel Zeit in Anspruch, hinzu kommt kontinuierlicher Support und das Entwickeln neuer Funktionen. Wie er weiterführend aussagt, ist Bartender weiterhin von einem Entwickler mit gültiger Apple ID signiert und von Apple beglaubigt und verifiziert wurde – was zumindest im Ansatz etwaige Fragen nach implementierter Malware beseitigen sollte. Und wie gesagt: Das ganze ist keine Seltenheit und die Gründe sind nachvollziehbar – wer einmal eine App entwickelt und gepflegt hat, kann den Aufwand einschätzen.

In selbigem Artikel gibt Ben dann auch eine Aussage darüber, an wen er Bartender verkauft hat: an das in China ansässige Applause. Durchaus kein unbekannter Name, der aber mitnichten für Qualität steht. Selbstentwickelte Apps sind eher schrottig und übernommene Apps werden entweder kaum mehr gewartet oder werden auf ein Abo-Modell umgezogen. Letzteres ist vor einiger Zeit mit der Text-to-Speech-App Dream Reader geschehen, wobei auch Nutzer der Bezahlversion erneut zur Kasse gebeten wurden. Zwar hat Applause im Nachgang versichert, dass existierende Nutzer ihre bezahlten Funktionen weiterhin behalten, dies dürfte aber nur aufgrund der App-Store-Richtlinien geschuldet sein: Denn diese verbieten es Entwicklern, Apps per Updates mit einem neuen Bezahlmodell zu versehen und gleichzeitig bereits bezahlte Features zu streichen. Etwas, was im Fall von Bartender aber kaum wirksam sein dürfte, da die App nicht über den Mac App Store, sondern direkt über die Webseite vertrieben wird.

Natürlich heißt das ganze nicht, dass für Bartender kurzfristig ein Abo-Modell zum Einsatz kommen wird. Schaut man sich aber mal die Herangehensweise von Applause mit übernommen Apps an, würde dies Buchhaltern wohl kaum eine Wettquote entlocken. Und selbst wenn es bei einem Einmalkauf bleiben sollte: Das ganze drum herum an der Geschichte bleibt irritierend: Die mangelnde Kommunikation mit der “Flucht nach vorn” und die stille Implementierung des Analyse-Tools. Und in welcher Qualität Bartender zukünftig weiterentwickelt wird, steht auch noch in den Sternen, erwarten sollte man aber anscheinend nicht zu viel. Ich hoffe jedenfalls, dass sich der Verkauf für Ben gelohnt hat und spekuliere mal, dass sich das Geschäft für den neuen Eigentümer nicht rentieren wird. Klar, ein paar Nutzer werden eisern die Treue halten, es gibt aber etliche Alternativen, die vor allem quelloffen sind. Seit einigen Wochen von mir favorisiert und genutzt und nah an Bartender dran: Ice. Weitere Alternativen wären Barista, Dozer und Hidden Bar.

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