Angedockt: Belkin Thunderbolt 3 Express HD Dock im Test

Marcel Am 06.08.2017 veröffentlicht Lesezeit etwa 5:10 Minuten

Mit dem MacBook Pro hat Apple gegen Ende des vergangenen Jahres für eine ordentliche Aufruhr gesorgt: ein „Pro-Notebook“, dass nur mit USB-C/Thunderbolt-3-Anschlüssen daherkommt, konnte sich niemand so recht vorstellen. Ein paar Monate später hat sich die Thematik ein wenig entspannt, auch aufgrund der Tatsache, dass einige Hersteller auf den Zug aufgesprungen sind. Mich persönlich tangierte die ganze Diskussion herzlichst wenig, zu selten benutze ich Geräte, die ich via USB an den Rechner bringen muss und dann geht es notfalls auch über einen Adapter. Was mich hingegen viel mehr reizte: Dank Thunderbolt 3 reicht ein Kabel aus, um das MacBook mit Strom zu versorgen und gleichzeitig am Monitor arbeiten zu können. Klang perfekt und so habe ich mein damals im Einsatz befindliches MacBook Air und den iMac verkauft und auf das MacBook Pro 2016 gesetzt.

Blöd nur, dass bis dahin kein wirkliches Dock verfügbar war, obwohl Hersteller wie Belkin, Elgato und OWC ihr Thunderbolt-3-Dock bereits im Oktober 2016 vorgestellt haben. Es gab wohl irgendein Problem bei der (technischen) Lizenzierung der Docks, seitens Intel und Apple notwendig. Ältere Thunderbolt-3-Docks? Nur bedingt kompatibel – entweder nur eine begrenzte Ladestärke oder aber es gab schlicht kein Bild. Alternativen gäbe es sicherlich, ich zähle die ganzen China-Multi-Adapter mit 10 cm Kabel aber nicht dazu – sowas ist kein Dock. Nun aber hatte das Warten ein Ende, ziemlich zeitlich gaben die erwähnten Herstelle die Verfügbarkeit ihrer Docks bekannt, seit Anfang Juni lassen sich diese nun auf Amazon und Co. erwerben. Meinerseits fiel die Wahl auf das Thunderbolt 3 Express Dock HD von Belkin.

Hierbei handelt es sich anders als die erwähnten Adapter-Dock-Alternativen um eine wirkliche Docking-Station für den Schreibtisch mit Abmessungen von etwa 20,5 x 9 x 3 Zentimetern. Das Gewicht beträgt rund Gramm, was für den stationären Einsatz jedoch eher eine untergeordnete Rolle spielt. Die Oberfläche vermittelt aufgrund der silbernen Lackierung ein Aluminium-Gehäuse, letztlich ist es aber nur eine effe Plastikabdeckung, die an den Seiten von schwarzem Hochglanz-Lack unterstützt wird. Hätte ich bei dem Preis etwas anders erwartet, dennoch ist die Verarbeitung an sich einwandfrei und ohne scharfe Kanten oder unliebsame Spaltmaße. An der Unterseite befinden sich noch vier Gummi-Standfüße, die für einen sicheren Stand auf dem Schreibtisch sorgen sollen.

Sinn und Zweck eines stationären Docks ist natürlich, möglichst viele Anschlüsse zur Verfügung zu stellen und diese mit möglichst wenig Kabeln mit dem Rechner verbinden zu können. Und davon bietet das Belkin Thunderbolt 3 Express-HD Dock eine ganze Reihe. Zur einfachen Erreichbarkeit findet sich an der Front rechts einen USB 3.0 Typ A-Stecker sowie eine Anschlussmöglichkeit für Kopfhörer. Die frontseitigen Anschlüsse sind natürlich für den temporären Einsatz gedacht, während die Anschlüsse an der Rückseite zur dauerhaften Bestückung gedacht sind. Dort findet sich neben dem Anschluss für das Netzteil auch noch ein Gigabit-Ethernet-Anschluss, nochmals zwei Stecker für USB 3.0 Typ A und einen 3,5mm-Klinkenstecker, einen DisplayPort 1.2, sowie zwei Thunderbolt 3-Steckplätze.

Die Leistung der USB 3.0-Ports wird mit jeweils 5 Gb/s angeben, während der Gigabit-Ethernet-Anschluss rund 1.000 MB/s liefern soll. Das Netzteil versorgt das Dock mit satten 170 Watt, von denen 85 Watt an das Notebook weitergereicht werden können. Auf diese Weise lassen sich sowohl das MacBook Pro mit 13, als auch jenes mit 15 Zoll geladen werden – was nicht bei jedem Konkurrenzprodukt der Fall ist, für mich aber einen der wichtigsten Punkte darstellt. Das gut ausgestattete Netzteil sorgt weiterhin dafür, dass auch angeschlossene USB-Geräte zuverlässig mit Strom versorgt werden. Schade: Die USB-Anschlüsse liefern nur dann Strom, wenn sich das MacBook nicht im Ruhemodus befindet. Doof gedacht, doof gelöst.

Zum Betrieb müssen schlichtweg nur sämtliche Kabel ans Dock angeschlossen und das MacBook mittels beiliegendem Thunderbolt 3-Kabel (1 Meter) verbunden werden. Effektiv weist das Dock also einen zusätzlichen Thunderbolt 3-Steckplatz auf, da ein Anschluss eben grundsätzlich belegt ist. Dürfte sicherlich nur die wenigsten stören, sollte man aber bedenken, falls man zum Beispiel einen Monitor mit USB-C oder Thunderbolt 3 und zusätzliche TB3-Hardware verwenden sollte. Rein technisch ließen sich zwei 4K-Monitore parallel ans Dock anschließen (über DisplayPort und Thunderbolt 3 mit Adapter) oder aber ein 5K-Display. Insgesamt sollen über DaisyChain bis zu fünf zusätzliche Thunderbolt-Geräte gleichzeitig möglich sein.

Rechnet man die 5 Gb/s der USB 3.0-Anschlüsse mal von Bit auf Byte um, so landet man bei 625 MB/s. Ein reiner Spezifikationswert, den sicherlich die wenigsten wirklich erreichen dürften. Immerhin sind es zumeist die angeschlossenen USB-Geräte, die den Flaschenhals darstellen und nicht selten maximal 100 MB/s liefern. Im Zusammenspiel mit meinem Dell U2715H machte das Dock keinerlei Probleme und auch der Ethernet-Anschluss wurde unmittelbar nach dem Einstecken des Netzwerkkabels als solcher vom Mac erkannt – eine Ersteinrichtung ist also nicht notwendig. Positiv: Auch nach einem Neustart des Macs wurde die angeschlossene Peripherie erkannt und war sofort einsatzbereit.

Was natürlich viele potentielle Nutzer von einem Kauf abschrecken dürfte ist der Preis, der mit rund 350 Euro alles andere als ein Schnäppchen darstellt – auch wenn vergleichbare Produkte von Elgato, OWC, Kensington und Co. nicht günstiger sind (ich habe zwei günstigere, ältere Thunderbolt-3-Docks von Dell und Lenovo ausgetestet, die aber mit dem MacBook Pro nicht so reibungslos zusammenliefen). Zwar schafft Intel die teuren Lizenzierungen aktuell ab, dafür aber handelt es sich hierbei noch um Nischenprodukte und zum anderen darf man nicht vergessen, dass es sich bei den Docking Stations nicht um einfache Portreplikatoren handelt. Vielmehr beinhalten diese aktive Komponenten, die sich um die Steuerung eines jeden Anschluss für sich kümmern.

Günstigere Multiport-Adapter (die ich aus den erwähnten Gründen nicht mag) verteilen die Anschlüsse lediglich, weisen ansonsten aber nicht im Ansatz die Bandbreiten und Leistungen auf. Die teureren Thunderbolt 3-Docks hingegen können dank befördern Datenraten im hohen zweistelligen Gigabit-Bereich, was durch den Einsatz an leistungsfähigen Chips und gesonderten Datenbahnen ermöglicht wird. Gerade wenn man Multi-Monitor-Betrieb benötigt, kommt man um ein „großes“ Dock eigentlich nicht drumherum. Dennoch hätte dem Dock ein SD-Kartenleser an der Vorderseite oder ein zusätzlicher HDMI-Anschluss nicht geschadet – auch wenn es nicht in meinen persönlichen Bedarf fällt.

Letztlich ist es nur eine Frage der Bequemlichkeit und wie stark der Innere Monk in einem ausgeprägt ist. Macht es einem nichts aus, mindestens zwei Kabel mit meinem MacBook Pro (oder einem Notebook der aktuellen Generationen) zu verbinden und möchte ich nicht zwangsläufig sämtliche Kabel vom Schreibtisch haben, so kann ich durchaus auf verschiedene Adapter oder eines der günstigeren USB-C-Hubs zurückgreifen. Möchte ich aber wirklich eine echte „Ein-Kabel-Lösung“ auf dem Schreibtisch und dazu die volle Leistung der benötigten Anschlüsse oder aber zwei Monitore für den stationären Einsatz anschließen, muss ich eben etwas tiefer in die Tasche greifen.

Und auch wenn ich aufgrund des Preises ein, zwei Nächte über die Kaufentscheidung schlafen musste, bereue ich den Kauf des Belkin Thunderbolt 3 Express HD Dock auch im Nachhinein nicht. Eher ist das Gegenteil der Fall: Ein Kabel ab, das MacBook in den Rucksack und los gehts. Bei der Rückkehr nach Hause wieder das MacBook aus dem Rucksack, das einzige Thunderbolt 3-Kabel anschließen und schon sind sämtliche Geräte sofort einsatzbereit und das Notebook wird mit voller Leistung geladen. Diesen Bequemlichkeitsvorteil möchte ich in dieser Form bereits nach wenigen Wochen nicht mehr missen. Ja, der Mensch (sprich: Ich) ist faul.

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