Browser: Vivaldi 4.0 bringt Mail-Client, Übersetzer, Kalender und Feed-Reader mit

Marcel Am 09.06.2021 veröffentlicht Lesezeit etwa 5:22 Minuten

Die Vivaldi-Entwickler Vivaldi haben Version 4.0 ihres Browsers veröffentlicht. Dieser bringt unter anderem eine Übersetzungsfunktion für Webseiten, einen Feedreader sowie den lang erwarteten Mail-Client und Kalender mit.

Seit der Einführung 2015 hat sich Vivaldi als Tool für Power-User zu platzieren versucht. Man wolle das bieten, was Opera vor dem Umstieg auf Chromium geboten hat – quasi ein All-In-One-Tool fürs Surfen, Mailen und Co. Logisch, steckt hinter Vivaldi unter anderem der ehemalige Opera-CEO Jon Stephenson von Tetzchner. In der Vergangenheit hat man sich vorwiegend um Features für ein komfortableres Browsing gekümmert, beispielsweise mit umfangreiche Tastaturkürzel, eine hochgradig anpassbare Benutzeroberfläche mit Web-Apps, Panels und Tableiste und einigem mehr – auch das ein oder andere experimentelle Feature wie die Philips Hue-Integration war dabei. Mit der jüngst veröffentlichten Version 4.0 hat man aber einen großen Schritt nach vorne gemacht und den lang erwarteten E-Mail-Client, Kalender, RSS-Reader und Übersetzer für Webseiten in Vivaldi integriert.

Vivaldi Translate powered by  Lingvanex

Die Übersetzungsfunktion Vivaldi Translate ermöglicht das Übersetzen ganzer Webseiten sowohl auf dem Desktop, als auch in der mobilen Version für Android – unterstützt werden weit verbreitete Sprachen, darunter Englisch, Französisch, Deutsch und Chinesisch. Sobald eine Webseite in einer anderen Sprache als der Standardsprache des Browsers besucht wird, wird ein kleines Dialog-Fenster eingeblendet, über welches ihr die Webseite mit einem Klick übersetzen könnt. Wie für Vivaldi üblich, gibt es aber auch eine Hand voll Einstellungen, sodass ihr bestimmte Sprachen oder Webseiten immer oder nie übersetzen lassen könnt oder auch den Popup-Dialog deaktivieren könnt. In Falle von letzteren könnt ihr die Übersetzungsfunktion über das entsprechende Icon in der Adressleiste aufrufen. Für Vivaldi Translate arbeitet man mit Lingvanex zusammen, deren Server in Island gehostet werden. Mit einem kleinen Seitenhieb auf die Übersetzer von Google und Microsoft betont man, dass keine Server von Drittanbietern beteiligt sind und niemand, selbst Vivaldi und Lingvanex, auf eure privaten Übersetzungsaktivitäten zugreifen kann.

Vivaldi Mail Beta

Bei Vivaldi Mail handelt es sich zum jetzigen Stand um eine Beta-Version, die aber sehr umfangreich ist. Es ist tatsächlich ein vollwertiger Mail-Client, der rein lokal ausgeführt wird und sich auf alle gängigen IMAP- und POP3-Accounts versteht – und natürlich auch Gmail, wobei man hierbei auf OAuth setzt. Vivaldi Mail macht sich ebenfalls Tabs zunutze, beispielsweise wird beim Verfassen einer neuen Nachricht oder dem Öffnen einer Mail eine neue Registerkarte geöffnet. Von Haus aus setzt Vivaldi Mail auf das klassische Mail-Layout mit drei Spalten für Konten und Ordner auf der linken Seite, empfangene Nachrichten in der Mitte und aktuell geöffnete Nachrichten auf der rechten Seite. Wer ein horizontal geteiltes Layout bevorzugt, der kann mit einem Klick zwischen den beiden Ansichten wechseln. 

Eine interessante Funktion ist hierbei die automatische Erkennung und Kategorisierung von Mailinglisten, Newslettern und Mail-Threads. Gelesene und ungelesene Nachrichten werden in der Seitenleiste aufgelistet, darüber hinaus verfügt der Mail-Client über verschiedene Filter, Flaggen und Label, mit denen eine schlanke, weniger auf Ordner basierte Mail-Ablage ermöglicht werden soll. Die integrierte Suchfunktion basiert auf einer lokalen Datenbank, in welcher alle Mails aus euren Konten indiziert werden und daher auch offline durchsuchbar sind. Gelöschte Mails werden zunächst als Kopie in den Papierkorb gelegt und erst dann vom Server gelöscht, wenn ihr den Papierkorb wirklich entleert. Darüber hinaus gibt es insgesamt sechszehn Tastatur-Shortcuts zur flotteren Bedienung, von denen ein paar bereits standardmäßig vordefiniert sind – die ihr aber natürlich alle anpassen könnt.

Vivaldi Calendar Beta

Mit dem Mail Client geht natürlich auch Vivaldi Calendar einher – beides gehört natürlich irgendwie zusammen. Auch das Kalender-Tool ist eine rein lokale Angelegenheit, wobei aber natürlich auch Online-geteilte Kalender unterstützt werden – wahlweise per CalDAV oder aber auch von Anbietern wie Google, iCloud oder Fastmail. Die Entwickler haben verschiedene Ansichten integriert: Die Minimalansicht zeigt lediglich den Titel des Termins, während die Vollansicht alle Ergeignisdaten in der Hauptansicht einblendet. Ein Kompromiss aus „Alles oder Nichts“ stellt die kompakte Ansicht dar, der den Ereignistext ausblendet. Davon ab könnt ihr in eure Daten hinein- oder herauszoomen, um einen besseren Überblick über die Ereignisse mit wenigen Klicks zu erhalten. Ebenfalls an Board sind unterschiedliche Zeitspannen, wie gewöhnlich ist hierbei eine Tages-, Wochen-, Mehrwochen-, Monatsa und sogar eine kompakte Jahresansicht implementiert.

Der Inline-Editor erlaubt das flotte Anlegen von Terminen inklusive aller Details ohne zusätzliche Popups oder Registerkarten. Die Suche zeigt direkt mit der Eingabe von Text Ereignisse in der aktuellen Ansicht an – per Enter-Taste könnt ihr jedoch alle Ereignisse in die Suche einschließen. Weitere Funktionen des Vivaldi Kalenders sind beispielsweise das Anlegen von Aufgaben, Benachrichtigungen ist verschiedenen Stilen und Dringlichkeiten, sowie den Aufruf wichtiger Kalenderfunktionen per Tastatur (beispielsweise das Springen zwischen Tagen mittels Hoch-/Runter-Tasten), mittels Mausgesten oder per klassischer Shortcuts.

Vivaldi Feed Reder Beta

RSS-Feeds werden wie auch die altgediente Mail oftmals als Tod bezeichnet – dennoch haben beide auch in 2021 ihre Daseinsberechtigung. Der Feed Reader von Vivaldi setzt auf Vivaldi Mail auf und verwendet dieselbe Ansicht, kann also als eine Erweiterung angesehen werden. Dennoch bleibt es euch überlassen, ob ihr neue Artikel eurer abonnierten Feeds innerhalb des Mails-Panels sehen und verwalten wollt oder ob ihr alternativ ein gesondertes, dediziertes Feed-Panel nutzen möchtet. Letzteres sorgt für eine sauberere Trennung der Inhalte, aber die Integration in Vivaldi Mail bietet die Vorteile der Sortuerung, Suche und Indexierung. Feeds können entweder per OMPL importiert werden, ebenso blendet Vivaldi auf Webseiten mit Feeds ein entsprechendes Icon in der Adressleiste ein, worüber ihr diesen mit einem Klick abonnieren könnt. Dies funktioniert nicht nur mit klassischen RSS- und Atom-Feeds, sondern auch mit YouTube-Kanälen und Podcasts.

Minimal, Standard oder Komplett?

Seit dem Start vor rund sechs Jahren hat Vivaldi immer wieder neue Funktionen und Einstellungen spendiert bekommen, mit den Erweiterungen Mail, Kalender und Feed-Reader sind nochmal drei große Features hinzugekommen. Wer jedoch auf eigenständige Anwendungen setzt, der wird derart groß implementierte Features jedoch nicht benötigen und ein Tool wie Vivaldi als überladen bezeichnen – logisch, wenn man nur browsen möchte. Hierfür haben die Entwickler jedoch eine Lösung geschaffen, denn die Version 4.0 erlaubt es auch, zwischen drei Funktionsstufen zu wählen: Minimal, Standard und Komplett. Unter der Haube bleiben natürlich alle Funktionen vorhanden, die nicht genutzten beziehungsweise von euch nicht benötigten Dinge fallen euch aber nicht mehr prominent ins Auge.

  • Minimal: Fokus auf reinen Surffunktionen, inklusive Funktionen zum Schutz der Privatsphäre wie beispielswiese der Werbe- und Tracker-Blocker und Vivaldi Translate. Nicht vorhanden sind unter anderem Panels und die Statusleiste.
  • Standard: Das Standard-Layout, auch als Classic bezeichnet, aktiviert die Statusleiste und Paneele, womit der Funktionsumfang schon deutlich gesteigert wird. Ebenfalls unter Standard fallen Funktionen wie die Tab-Darstellung nebeneinander, Screenshots von Webseiten oder auch die erweiterte Vor- und Zurückspringen zwischen besuchten Webseiten.
  • Komplett: Mehr Vivaldi gibt es nicht. Während die Standard-Version den gesamten Funktionsumfang des Browsers bietet, ergänzt das Layout „Fully Loaded“ Vivaldi um die neuen In-App-Anwendungen zu Mail, Kontakte, Kalender und auch den Feed-Reader.

Weitere Neuerungen

Die vorgestellten Funktionen sind natürlich nur die Spitze des Eisbergs, denn auch abseits dieser fällt das Changelog beim Sprung von der vorherigen Version 3.8 auf die nun aktuellste Version 4.0 sehr umfangreich aus. Unter anderem gibt es neue Hintergründe für die helle und dunkle Anzeige und man hat etliche Verbesserungen und Fehlerkorrekturen an einzelnen Funktionalitäten und Komponenten wie zum Beispiel der Adressleiste, den Menüs, bei den Browser-Tabs, der Speed-Dial-Seite und den Web-Panels inklusive den Notizen vorgenommen. Nicht nur auf dem Desktop für macOS, Windows und Linux, sondern auch in der mobilen Version für Android hat man einiges optimiert. Wer Interesse hat und sich das gesamte Changelog durchlesen möchte, der sollte einmal hier entlang gehen.

Vivaldi für Windows, macOS und Linux

Quelle Vivaldi

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