Canon Zoemini Test: Mobiler Mini-Fotodrucker für Smartphones

Marcel Am 20.04.2019 veröffentlicht Lesezeit etwa 6:04 Minuten

Smartphones haben nicht nur klassische Handys verdrängt, sondern auch andere Gerätekategorien, besonders Mp3-Player, Navigationsgeräte und digitale Kompaktkameras. Laut Statista wurden im Jahr 2017 weltweit über eine Billionen Fotos mit dem Smartphone geknipst, getreu dem Zitat von Elliot Erwitt: „Die beste Kamera ist gerade die, die man dabei hat.“ Ein paar der Aufnahmen werden verschickt oder wandern zu Instagram, Facebook und Co., der Großteil dürfte jedoch im digitalen Nichts enden. Fotos ausdrucken? Ist auch im digitalen Zeitalter möglich, aber ebenfalls selten geworden. Noch seltener sind Sofortbildkameras wie jene von Polaroid geworden, die aber höchstens noch Liebhaber beflügeln oder als netter Partyspaß herhalten können.

Die modernere Variante einer Sofortbildkamer sind mobile Fotodrucker im Hosentaschenformat, die sich mit dem Smartphone koppeln lassen und dank ZINK-Technologie ohne Tinte einen unmittelbaren Ausdruck erlauben. Zur Gattung dieser Geräte zählt auch der Canon Zoemini, der auf der Photokina 2018 vorgestellt wurde und von Canon als „das ultimative Zubehör für jedes Mobilgerät“ beworben wird. In den letzten Wochen konnte ich mir den Zoemini einmal genauer anschauen und herausfinden, ob der Fotodrucker eine Alternative zur Photostation in den gängigen Drogeriemarkt-Ketten darstellen könnte oder doch nur ein spaßiges Gadget für Reisen, Partys und andere Events ist.

Optik & Verarbeitung

Frisch aus der Verpackung entnommen, die überigens neben dem Drucker auch ein MicroUSB-Kabel und 10 Blatt ZINK-Fotopapier enthält, macht der Zoemini einen soliden Eindruck. Mit seinen 118 x 82 x 19 Millimetern dürfte der Zoemini in nahezu jede Hosen- oder besser Jackentasche passen und durch gerade einmal 160 Gramm fällt er dort auch nicht sonderlich auf – nahezu jedes Smartphone bringt mehr auf die Waage. Zu haben ist er in den Farben Schwarz/Silber (jene Version, die ich mir anschauen konnte), Rosé Gold/Weiß, sowie Weiß/Silber. Glücklicherweise hat man sich für eine matte Oberfläche entschieden, was zumindest bei der schwarzen Version Fingerabdrücke nicht gänzlich verhindert, aber doch aufs minimale reduziert.

Der Zoemini ist komplett aus Kunststoff gefertigt, zum Einlegen von neuem Fotopapier lässt sich der Decken per Schiebemechanismus schnell und einfach entfernen. Das Papier selbst muss dann nur noch aus der Verpackung entnommen und mit der blauen „Karte“ nach oben eingelegt werden. Ist absolut idiotensicher. An der Rückseite findet man den MicroUSB-Stecker zum Laden des integrierten Akkus, seitlich ist der Powerbutton plan ins Gehäuse eingelassen – mehr gibt es dann auch schon nicht. Insgesamt wirkt das Gehäuse sehr solide verarbeitet, lediglich der recht dünne und biegsame Deckel trübt den Eindruck ein wenig – ein, zwei Millimeter dicker hätte sicherlich keinen negativen Effekt ausgeübt, ganz im Gegenteil.

Die App für iOS und Android

Canon Mini Print
Canon Mini Print
Entwickler: Canon U.S.A., Inc.
Preis: Kostenlos
Canon Mini Print
Canon Mini Print
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Genutzt werden kann der Zoemini – ganz der Vermarktung folgend – nur mit den Mini Print-Apps, die (natürlich) kostenlos für iOS und Android zur Verfügung stehen. Sind nun wie so oft bei Hersteller-Apps keine optischen Highlights, lässt sich aber trotzdem ganz gut bedienen und bietet eine Vielzahl an Funktionen. Aber zunächst mal muss man den Drucker via Bluetooth mit seinem Smartphone koppeln: Drucker einschalten, ein paar Sekunden warten, in die Bluetooth-Einstellungen eures Smartphones gehen und den Drucker auswählen. Funktionierte direkt beim ersten Versuch und auch bei folgenden Nutzungen machte die Kopplung keine Probleme, sondern hat sich sofort mit dem zuletzt gekoppelten Smartphone verbunden.

Für die Fotos kann die App auf verschiedene Quellen zurückgreifen: Entweder nehmt ihr mit der Kamera ein neues Bild auf oder wählt aus den bestehenden Aufnahmen, alternativ dazu könnt ihr auch auf Online-Alben via Facebook, Instagram, Google Photos und Dropbox zugreifen. Die Kamera bietet ein paar AR-Effekte, mit denen ihr euer Gesicht verzerren oder mit Gimmicks wie Brillen, Tierohren und derlei Gedöns versehen könnt. Allen Möglichkeiten ist gemein, dass die Bilder im Anschluss an den Editor in der Zoemini-App geladen werden. Die Bilder können im Übrigen nicht nur als Einzelbilder geladen werden, sondern können vorab auch zu einer Bildcollage zusammengefügt werden.

Der interne App-Editor bietet euch neben rudimentären Bildkorrekturen wie Helligkeit, Kontrast, RGB-Skala und Co. auch eine Reihe an verspielteren Features. So könnt ihr eure Bilder mit einem Filter versehen, mit einem bunten Rahmen versehen, ihr könnt Sticker und Text einfügen oder auch selbst auf dem Foto herumkritzeln. Vor allem bei Rahmen und Stickern gibt es unzählig viele Auswahlmöglichkeiten, wenn man denn mag. Ganz nett ist die Möglichkeit, ein Foto auf mehrere Fotos aufzuteilen und so ein großes Bild aus 4 oder 9 Einzelbildern drucken zu können. Habt ihr eurer Kreativität freien Lauf gelassen, kann das Foto in die Warteschlange geschubst werden, woraufhin der Drucker an die Arbeit geht. Wie erwähnt: Optisch gewinnt man mit der App eher keinen Designpreis, technisch aber ohne Mängel.

Performance und Bildqualität

Für einen Ausdruck benötigt der Drucker inklusive Übertragung etwa 40 Sekunden, der Akku mit seinen 500 mAh reicht für 20 Fotoausdrucke aus, die Ladedauer bei leer gedrucktem Akku beträgt rund 90 Minuten. Die Druckdauer geht für mich absolut in Ordnung, leider sind die 20 Drucke wirklich nicht sonderlich viel. Gerade auf größeren Events wie Hochzeiten und Co. dürfte dem Akku so sehr schnell das Papier im Halse steckenbleiben. Kleiner Lichtblick: Der Drucker lässt sich auch bei angeschlossenem USB-Kabel, also während des Ladens, nutzen. Mag im ersten Moment nach einer Selbstverständlichkeit klingen, ist aber bei mobilen Gadgets (leider) nicht konsequent der Fall, daher meiner Meinung nach einen Hinweis wert.

Die Abmessungen der Fotos fallen mit 5 x 7,5 Zentimetern recht klein aus, das aber weiß man bei Kauf natürlich vorher – dies ist aber auch ein Grund, wieso die Ausdrucke eher als Spaßbildchen herhalten können. Zum Einsatz kommt beim Zoemini, wie eigentlich bei allen Pocket-Druckern, die Zero Ink Technologie, kurz ZINK. Das Patent dafür liegt bei Zink Imaging, einer Tochter von Polaroid – der einstige Sofortbildkamera-Platzhirsch verdient hier also noch immer mit. Der Clou: Sämtliche Farbpigmente befinden sich bereits auf dem Fotopapier, genauer gesagt besteht ein Fotopapier aus Kristallen der Grundfarben Gelb, Magnet und Cyan. Durch verschiedene Temperaturen und Einwirkdauern werden die im Ursprungszustand weißen Kristalle in ihre Wirkfarbe gebracht.

Der Vorteil der ZINK-Technik: Die Drucker benötigen keine Tinte, die Bilder verschmieren demnach. Der Nachteil: Die Bildqualität ist nicht die beste. Die Farben wirken ein wenig blass und weisen einen sichtbaren Rotstich auf. Hier lohnt es sich, vor dem Druck im Editor die Farbintensität ein wenig zu erhöhen und die Rotwerte um zwei, drei Punkte zu reduzieren. Aufnahmen mit hohem Kontrast und Sättigung hingegen kommen meist am besten aus dem Drucker heraus. Auch feine Details kann die ZINK-Technik nicht liefern. Aber all der Kritik: Grobe Pixel sind trotz oder wegen der Auflösung von 314 x 400 dpi nicht zu sehen, auch Farbverläufe wirken sauber und  auf Querstreifen verzichtet der Zoemini.

Darüber hinaus bringt das Fotopapier von Canon noch ein nettes Gimmick mit, denn die Rückseite selbstklebend und mit einem Schutzpapier versehen. Zieht man dieses ab, kann man das Foto auf Wänden, Kühlschranken, Notebooks, Smartphone-Hüllen und sonst wo anbringen. Finde ich wirklich ganz dufte. Allerdings hat das kleine Fotopapier auch seinen Preis: Für ein 20er Pack (dass sich auch direkt aus der App heraus nachbestellen lässt) werden rund 12 Euro verlangt – das macht sann satte 60 Cent pro Mini-Ausdruck. Dafür gibt es in den Drogeriemärkten dann schon fast sechs Ausdrucke, die größer sind und qualitativ besser aussehen. Aber man kann sie nicht aufkleben und hat natürlich den mobilen Spaßfaktor nicht.

Fazit zum Zoemini

Um die Frage aus der Einleitung nochmal aufzugreifen, ob der Canon Zoemini mehr sein könnte, als ein spaßiges Gadget zu sein. Meine Meinung: Nein, kann er nicht. Wenn Fotos für das Fotoalbum oder die Fotokiste ausgedruckt werden sollen, kommt man an einen dedizierten Fotodrucker (wie dem Canon Selphy), den Drogeriemärkten oder Online-Diensten nicht herum. Alleine schon des Preises wegen, denn mit 60 Cent pro Ausdruck sind die Druckkosten enorm – hinzu kommt dann noch das kleine Foto-Format und die nur durchschnittliche Druckqualität. Aber: Der Canon Zoemini möchte ebenso wenig dedizierte Lösungen ersetzen, wie er sich an Profifotografen richtet.

Ich sehe den Pocket-Drucker primär auf Events wie Geburtstagen, Hochzeiten, auf Reisen und Co. Quasi als moderner(er) Pendant zur good ol‘ Polaroid-Kamera: Ein paar gut gelaunte Bilder schießen, mit dem ein oder anderen kreativen Erguss ergänzen und vor Ort ausdrucken. Erinnerungen, die Familie, Freunde und andere Gäste dann auch direkt mitnehmen und auf beliebige Gegenstände kleben können. Vielmehr als ein Spaßdrucker möchte er gar nicht sein und für diesen Zweck ist der „Fun-Faktor“ ausreichend hoch. Ob dies dem Anschaffungspreis von aktuell etwa 110 Euro und den Folgekosten mit 60 Cent pro Ausdruck aufwiegt, müsst ihr für euch entscheiden.

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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1 Kommentare vorhanden

Der Minidrucker sieht hübsch und handlich aus. Das einzige Problem ist der Akku. Sie hätten es dort besser machen können.

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