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Altes Netbook oder Notebook mit Chrome OS wieder lauffähig machen

Am 22.02.2016 veröffentlicht Lesezeit etwa 4:14 Minuten

Habt ihr noch ein altes Netbook oder Notebook im Schrank rumfliegen und wisst nicht wirklich, was ihr damit anfangen sollt? Klar, die meisten Geräte dürften mit Windows XP ausge­liefert worden sein, welches zwar noch immer lauffähig ist – aber die Nutzung dürfte inzwi­schen keinen Spaß mehr machen. Weitere Alter­na­tiven wären zum Beispiel Ubuntu oder eine andere Linux-Distri­bution, aber auch diese sind inzwi­schen wie auch Windows 7, 8 oder 10 für die alten Netbooks zu schwer­fällig geworden – sind ja immerhin ein paar Jahre, die die kleinen Geräte schon auf dem Buckel haben. 

Eine gute Alter­native zu Windows oder den verschie­denen Linux Derivaten: Chrome OS aus dem Hause Google. Zwar handelt es sich hierbei größten­teils um einen Browser „im Mantel eines Betriebs­systems“, dennoch gibt es Dinge wie einen Datei­browser, die ein oder andere Offline-App (inklusive Unter­stützung für Android-Apps) und dergleichen, sodass sich Chrome OS vor allem für jene eignet, die außer Surfen und gelegent­liche Textver­ar­beitung nicht viel machen. Ist zwar schon einige Zeit her, als ich eines der ersten Chrome­books in den Fingern hatte, als Surfma­schine oder „moderne Schreib­ma­schine“ aber keine schlechte Sache. 

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Eigentlich kommt Chrome OS wie gesagt nur auf den Google’schen Chrome­books zum Einsatz, aber wie auch der Chrome-Browser, basiert auch Chrome OS auf das quell­offene Chromium OS. Dies macht es anderen Entwicklern möglich, das System für ihre Zwecke aufzu­be­reiten und eben jenes haben die Jungs und Mädels von CloudReady getan. Dank deren Arbeit, die für private Anwender völlig kostenlos zur Verfügung gestellt wird (lediglich für Business-Kunden wird eine Gebühr fällig). In wenigen Schritten lässt sich so ein altes Netbook oder anderes Notebook neues Leben einhauen. 

  • Zuerst einmal benötigt ihr natürlich ein entspre­chendes Net- oder Notebook. Die unter­stützten Modelle sind hier aufge­listet, wobei die Liste bei Weitem nicht vollständig ist. Im Grunde dürften aber alle Geräte unter­stützt werden, die nach Juni 2009 auf den Markt gekommen sind. Im Zweifel auspro­bieren, auch mein ASUS EEE PC 1008HA steht nicht auf der Liste. 
  • Zur Instal­lation wird natürlich auch ein Speicher­medium in Form eines USB-Sticks mit 8 oder 16 GB Speicher benötigt. Nicht mehr, nicht weniger – anderen­falls kann es zu Problemen kommen, wobei man nicht angegeben hat, weswegen diese Probleme entstehen können…
  • Zu guter Letzt wird natürlich auch das entspre­chende Image von Chromium OS benötigt, welches ihr an dieser Stelle herun­ter­laden könnt.
  • Die Erstellung des USB-Sticks für Chromium OS erfolgt über diese Erwei­terung für den Chrome-Browser, folglich müsst ihr den Google-Browser zumindest bis zum Abschluss der Erstellung auf euren Rechner instal­lieren.
  • Steckt euren USB-Stick an den Rechner und startet das Chrome-Tool für die Wieder­her­stellung. Hier klickt ihr oben rechts nun einmal auf das Zahnrad-Symbol, wählt den Punkt „Lokales Bild verwenden“ und wählt die herun­ter­ge­ladene und entpackte Image-Datei von Chromium OS aus.
  • Im nächsten Schritt müsst ihr euren angeschlos­senen USB-Stick auswählen und die folgende Warnung, dass sämtlicher Inhalt auf eben diesem gelöscht wird, bestä­tigen. Danach startet der Vorgang und kann je nach Rechner und USB-Stick einige Zeit in Anspruch nehmen – geht euch einen Kaffee, eine Cola oder was auch immer holen. 
  • Nach dem Abschluss des Vorgangs könnt ihr den USB-Stick an das gewünschte Notebook stecken und dieses starten. Nun ist es recht unter­schiedlich, was zu tun ist, denn ihr müsst dafür sorgen, dass der Rechner vom USB-Stick bootet. Dies klappt in der Regel, indem ihr während des Start­vor­gangs eine bestimmte Taste drückt (oftmals F12) oder eben im BIOS die Boot-Reihen­folge ändert.
  • Hat alles geklappt, so sollte sich nun der „CloudReady“-Splashscreen zeigen und danach könnt ihr auch schon mit der ersten Einrichtung beginnen. Sprache und Tasta­tur­layout auswählen, mit dem WiFi-Netzwerk verbinden und mit eurem Google-Account einloggen.
  • Nach weiterer kurze Zeit ist die Einrichtung abgeschlossen und ihr seht erstmals die Oberfläche von Chromium OS. Momentan ist es aber noch so, dass das System nur über den USB-Stick läuft, es also noch nicht instal­liert ist. Der Vorteil ist, dass ihr euch das System schon einmal etwas anschauen könnt – ohne Risiko. Beachtet nur, dass die Perfor­mance nicht so gut ist, als wenn das OS direkt von der Festplatte geladen wird.
  • Habt ihr euch für eine Festin­stal­lation entschlossen, klickt ihr unten rechts auf das Chromium-Menü und wählt dort den Punkt „Install CloudReady…“. Danach werdet ihr durch die Instal­lation begleitet, wobei dies eigentlich schnell gemacht ist. Neben der „Standalone-Instal­lation“ könnt ihr das System auch als Dual-Boot-System neben Windows instal­lieren (sprich ihr könnt beim Start des Rechners zwischen den Systemen wählen), dies erfordert aber neuere Geräte mit UEFI-Boot-Modus – mehr dazu an dieser Stelle.
  • Vorsicht: Solltet ihr die (sicherlich bevor­zugte) Standalone-Instal­lation wählen, werden sämtliche Daten auf der Festplatte gelöscht.
  • Nach Abschluss der Instal­lation startet der Rechner automa­tisch neu und ihr müsst die erste Einrichtung nochmals neu vornehmen. Danach aber hat sich das erledigt und das Gerät wird direkt in das System gebootet.

Ich habe mir das ganze mal spaßes­halber auf meinen EEE PC 1008HA geworfen und war positiv überrascht. Nicht nur, dass das Touchpad, WLAN und Bluetooth einwandfrei erkannt wurde und funktio­niert, auch die Perfor­mance ist durchaus in Ordnung. Natürlich lässt sich aus einem alten Gaul kein Rennpferd mehr machen. Da Chrome OS aber eben durch den gebotenen „Minima­lismus“ sehr sparsam mit den Ressourcen umgeht, ist auch die Perfor­mance auf dem fast sieben Jahre (!) altem Gerät absolut in Ordnung. 

Wer gerne gefühlte hundert Tabs offen hat oder zig native Apps und Fenster öffnet, der wird sicherlich das Gerät weit an seine Grenzen bringen. Zum gelegent­lichen Surfen und für Schreib­ar­beiten lässt sich das ganze aber super nutzen – auch wenn es sich „nur“ um das offene Chromium OS handelt, wirkliche Unter­schiede sind mir zumindest aber nicht aufge­fallen. Lediglich System­up­dates dürften etwas verzögert eintreffen, diese werden aber automa­tisch herun­ter­ge­laden und instal­liert.

Ich jeden­falls kann es nur empfehlen – oder habt ihr noch andere Verwen­dungen für die alten, einge­staubten Kisten? (^_^)

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