Das HTC One S bekommt kein Update auf Android 4.2. Ist das nicht eigentlich scheiß egal?

Marcel Am 04.07.2013 veröffentlicht Lesezeit etwa 2:58 Minuten

htcones

In den letzten zwei Tagen sorgte eine Meldung für Aufregung, in der es darum ging, dass das HTC One S definitiv kein Update auf Android 4.2 und der HTC-eigenen Oberfläche Sense 5.0 mehr bekommen wird. Wer das HTC One S nicht kennt: Ein Smartphone der Mittelklasse, welches im April 2012 auf den Markt kam und nun eben auf „Lebenszeit“ auf Android 4.1 und Sense 4 festhängt. Aufregung auf den Newsseiten der Welt, Streitereien auf Twitter, manche sprechen sogar von einem Shitstorm gegen HTC.

Betrachten wir aber doch erst einmal die Handy-Welt Pre-Smartphone: Man legte sich zum Beispiel ein Nokia 5344145531 zu, welches die und die und die Funktion besaß. Wie sah der Funktionsumfang ein Jahr später aus? Noch genau so. Und zwei Jahre später? Noch genau so. Und drei… Ach, lassen wir das, ihr wisst schon was ich meine. Man bekam für einen gewissen Tauchwert in Form von Münzen und Scheinen ein Paket angeboten, welches aus Hard- und Software bestand. Damals hat auch keiner von einem Shitstorm gesprochen, wenn dann ein nahezu identisches Handy mit neuerem System auf den Markt kam. War halt so.

Und nun solch eine Aufregung? Dass die Hersteller gerne mal eine gefühlte Ewigkeit für ein Update benötigen oder erst gar keines anbieten ist ja nun nichts neues – das Thema gab es schon oft und immer und immer wieder wird so getan, als sei der Hersteller XY der Teufel persönlich. Ja, ich persönlich bevorzuge eigentlich immer das aktuellste System, beschäftige mich interessiert mit neuen Funktionen und seien sie noch so klein. Aber ich bin ein Spielkind – wie andere auch. Für mich persönlich spielt es schon eine Rolle, wie die Produktpflege in Sachen neuen Versionen des Herstellers XY so in der Vergangenheit ausgesehen hat – weswegen ich auch immer wieder ganz bewusst zu einem Nexus-Gerät greifen würde. Aber ich bin ich und jene Gruppe der „Spielkinder“ ist klar in der Minderheit.

Geht mal durch die Stadt und schnappt euch ein paar Smartphone-Besitzer. Fragt sie mal, welche Android-Version installiert ist. Fragt sie mal, worin der Unterschied zwischen Android x.y und y.x ist. Jede Wette: Die große Mehrheit guckt euch nur mit großen, unwissenden Augen an. Das gleiche geht natürlich auch mit diversen Hardwarekomponenten. Dual-Core. Quad-Core. NFC. Was-auch-immer. Die meisten kennen vielleicht Bluetooth, das war’s dann aber auch schon. So ist die „breite Masse“ – nicht umsonst kennt sicherlich jeder Administrator einer Firma den Ausdruck „DAU“. Um mal wieder den Bogen von der Hardware zurück auf die Software zu spannen: Es ist der großen Mehrheit scheiß egal, was im Handy steckt und welche Systemversion darauf läuft. Sie haben es nicht gekauft, weil es in Zukunft vielleicht mal neue Funktionen bekommen könnte, sondern weil es die Funktionen bietet, die es bei Kauf bot.

Bringt nun Hersteller XY kein Update auf eine aktuelle Android-Version heraus – glaubt wirklich jemand, dass sich der Großteil (gerade jener, denen 500€ für ein Smartphone zu utopisch ist) dafür interessiert? Sie können ja genau das machen, was sie auch machen konnten als sie sich für das Gerät entschieden haben. Es gilt immer noch in vielen Köpfen: Altes Handy, alte Funktionen. Neues Handy, neue Funktionen. Ich kenne sogar einige Leute, die sich wegen den Software-Funktionen von ihrem Galaxy S3 getrennt haben und auf das Galaxy S4 gewechselt sind. Als ich dann mal in einem Gespräch erwähnte, dass auch das S3 eine Vielzahl der Funktionen bekommen soll, bekam ich nur ein „Was soll den der Scheiß? Ich kauf mir ein neues Handy und das alte kann das auch?“ Kein Witz, echt passiert.

Solange eben alles vorhanden ist, wofür der Nutzer bezahlt hat, ist alles in Butter. Das ist das, was man von einem Hersteller erwarten kann – man kauft schließlich nicht das Recht, Updates zu erhalten. Natürlich bin ich der Meinung, dass ein langer Produktzyklus inklusive Featureupdates inzwischen zu einem guten und kundenfreundlichen Support dazugehört. Dazu muss man allerdings erst einmal wissen, welche Version man selbst auf dem Smartphone nutzt – und genau hier klinkt sich der „gemeine Nutzer“ bereits aus. Und mal ehrlich: So groß ist der Unterschied zwischen Android 4.1 und 4.2 nun auch nicht. ;) Daher ist es vielleicht maximal schade, wenn ein Hersteller (die immer für die Masse entwickeln und produzieren) kein Update mehr ausliefert – ein Weltuntergang ist es jedoch noch lange nicht.

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2 Kommentare vorhanden

Sehr schöner Beitrag, der mir heute morgen das Frühstück versüßt hat. Sind tolle Gedanken und aus diesem Blickwinkel habe ich das ehrlich gesagt noch nie betrachtet. Wir, bzw. ich gehöre auch zu der Fraktion, die sich immer beschweren das alte Geräte nicht mit Updates versorgt werden, aber irgendwie habe ich gerade durch dich eine Änderung meiner Sichtweise erfahren.

Eine interessante Sichtweise und sicherlich auch in einigen Punkten nachvollziehbar.

Ich habe die Update-Politik der neuen HTC Smartphones nicht mehr wirklich verfolgt, aber ich bin mir mit meinem Desire damals schon irgendwo veralbert vorgekommen, als am Ende doch kein offizielles Update mehr auf 2.3 kam – von diesem Developer Update mal abgesehen. Meine Entscheidung hin zum Desire ging nämlich durchaus auch auf das ursprünglich angekündigte Update auf 2.3 zurück.

Ab diesem Zeitpunkt war für mich auch klar, dass der weitere Weg ausschließlich über Custom ROMs geht. Bereut habe ich das auf keinen Fall, aber das ist ein anderes Thema.

Es ging mir also nicht einmal um das Update an sich, sondern um die Politik, die HTC gefahren ist. Ständige Ankündigungen, teilweise erst nach Druck durch die Community, gefolgt wiederum von weiteren Dementi und am Ende dann die komplette Streichung des Updates.

Klar, viele Updates machen keinen großen Unterschied und ein „Recht“ auf Updates in diesem Sinne gibt es auch nicht, jedoch ist es für mich durchaus verständlich, wenn eine Menge Anwender sauer sind. Was HTC hier einmal mehr veranstaltet, ist in meinen Augen peinlich und es lässt irgendwo tief blicken, wenn immer wieder Flagschiffe fallen gelassen und Versprechen lapidar gebrochen werden.

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