Dokumentenverwaltung Doo stellt die Dienste und Entwicklung ein. Gehässige Zungen behaupten: Selbst schuld.

Marcel Am 14.02.2014 veröffentlicht Lesezeit etwa 3:34 Minuten

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Was die Verwaltung meiner digitalen Dokumente angeht, so setzte ich schon seit geraumer Zeit auf die gleichnamige Dokumentenverwaltung aus dem Hause Doo, welche für mich trotz allen Problemen immer das größte Potential besaß – noch dazu gibt es derzeit einfach nicht viele einfache und brauchbare Alternativen. Nun aber hat man bekannt gegeben, dass man den Dienst und die Entwicklung der Apps zum 17. März diesen Jahres einstellen werde. Man konnte scheinbar nicht „die Bedürfnisse einer ausreichend großen Nutzergruppe ansprechen“, was nichts anderes heißen soll, als das zu wenig Nutzer zu wenig Geld in die Kassen spülten, irgendwann sind eben auch Geldvorräte von Investoren aufgebraucht. Die Apps für Windows und OS X werden natürlich weiterhin funktionieren, die mobilen Apps für iOS, Android und die Synchronisation zwischen diesen wird in Zukunft allerdings nicht mehr funktionieren. Soweit die nüchternen Informationen.

Wir haben dieses Unternehmen vor zweieinhalb Jahren gegründet, um die Art und Weise zu verändern, wie wir Dokumente organisieren und mit ihnen arbeiten. Aber nachdem wir für alle relevanten Plattformen (Android, iPhone, iPad, OSX, Windows Desktop & Modern UI) unsere Apps veröffentlicht, die Kernfunktionalitäten bereitgestellt sowie Performance und Stabilität kontinuierlich verbessert haben, scheint es, dass wir einfach nicht die Bedürfnisse einer ausreichend großen Nutzergruppe ansprechen.

Böse Zungen mögen hierbei behaupten, dass man dies hätte vorhersehen können und auch eine gehörige Portion Eigenverschulden dabei ist. Meiner Meinung nach hat man in der Vergangenheit zahlreiche Fehlentscheidungen getroffen. Der Start war mehr als erfolgreich, Doo wurde gehypt und war in den Medien des Webs – noch dazu hatte man quasi eine Art Monopol, denn ähnliche Dienste fehlten zu diesem Zeitpunkt und fehlen auch jetzt noch.

Dann irgendwann ist die erste Version von Doo für den Mac erschienen, bevor man das ganze dann irgendwann über den Haufen geworfen hat und sich für eine gänzlich neue Richtung entschieden hat. Bis heute hat die Mac-Version noch immer etliche kleinere Kinderkrankheiten und es fehlt die ein oder andere Funktion, die Entwicklung ist aber so lahm geworden, dass es fast schon nicht mehr zu einem „jungen und frischen Startup-Unternehmen“ passen sollte.

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Nächster große Punkt: Man konnte relativ früh eine entsprechende App für die ModernUI von Windows 8 veröffentlichen, eine entsprechende Anwendung für den klassischen Desktop fehlte allerdings lange Zeit. Genauer gesagt rund zwei Jahre. Anfang November erschien eine entsprechende Anwendung, diese sah aber nicht nur scheiße aus, sondern war funktionell auch nichts anderes als ein Dateiviewer. Was aber hat man kommuniziert? Eine optisch richtig schicke App, auf den offiziellen Seiten hat man nur „geschönte“ Screenshots präsentiert, die Wirklichkeit aber sah völlig anders aus – ich habe dazu bereits zum Erscheinen meinen Unmut geäußert.

O-Ton der Entwickler: Die Screenshots zeigen, wohin es gehen soll. Nun aber, rund vier Monate nach dem Erscheinen sieht die Windows-Anwendung noch immer so aus, wie sie aussah. Mit einer derartigen App kann man sicherlich keine Nutzer von sich überzeugen. Ähnlich sag es übrigens auch mit der ersten öffentlichen Beta für Android aus: Auch hier gab es nur eine richtig schlechte Beta-App, obwohl man mehr geplant hat. Was man scheinbar vergessen hat: Der erste Eindruck zählt. Ist die App scheiße, interessiert auch niemanden mehr, wie die finale Version aussah – und by the way, Version 1.0 war auch nicht wirklich besser, dies dauerte nochmals ein paar Monate.

Man hat also rund zwei Jahre die schier unendliche Zahl an Windows-Nutzern ignoriert – und klagt dann darüber, dass man scheinbar keine Nutzer für sich gewinnen konnte? Wie gesagt: Man hat recht ordentlich losgelegt, sich frisch und jung präsentiert. Diesen Schwung aber hat man recht schnell wieder verloren, zwischendurch hatte ich als Nutzer und Beobachter schon fast den Eindruck, dass man in den Entwicklungsräumen eingeschlafen sei, so lange Zeit benötigte man für Updates und diese ständigen „Neuausrichtungen“ des Dienstes „Doo“ waren sicherlich auch nicht gerade förderlich. Man hat sich immer wieder versucht neu zu erfinden, ohne sich dabei jedoch irgendwann einmal gefunden zu haben.

Natürlich ist es schade um eventuell verloren gehende Arbeitsplätze, keine Frage. Der Misserfolg von Doo liegt aber mit Sicherheit nicht in erster Linie an den fehlenden Nutzern; vielmehr hat man es versäumt, sich durch eine dauerhafte und klare Richtung zu profilieren und so die potentiellen Nutzer vom Dienst zu überzeugen. Und so ist mein Verdacht vom September, dass Doo davor ist, von der Bildfläche zu verschwenden, nun doch traurige Realität geworden. Irgendwann sollte man dann das „ewige Talent“ einmal abstreifen. Meiner Meinung nach ein Negativbeispiel, wie man sich als modernes Startup nicht präsentieren sollte. Schade, schade, aber die Macher kündigten bereits an, dass man an neuen Projekten weiterarbeiten werde:

Auch wenn wir doo nicht zum Erfolg führen konnten, so haben wir doch exzellente Online-Speicher-, Sync- und Daten-Intelligenz Technologien aufgebaut. Zudem haben wir das Glück, von großartigen Investoren unterstützt zu werden, die an unser Team glauben. Und so gab es für uns nur eine Möglichkeit: wir arbeiten bereits an neuen Produkten basierend auf dem, was wir gelernt haben…

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