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Einen Monat mit dem LG G2: Mein Eindruck

Marcel Am 16.12.2013 veröffentlicht Lesezeit etwa 9:11 Minuten

In den letzten vier Wochen habe ich mein iPhone in den Teilzeiturlaub geschickt und bin stattdessen mit dem G2 aus dem Hause LG durch die Weltgeschichte gebummelt. Bereits im Vorfeld konnte LG nach dem Erfolg des Nexus 4 ordentlich für Wirbel sorgen, nach der Präsentation ging das G2 dann durch alle Kanäle – immerhin war LG mutig genug etwas „Neues“ auszuprobieren und hat sämtliche Tasten des Flagschiffs an die Rückseite unter der Kamera angebracht. Ob sich dieser Mut gelohnt hat und meine warmen Worte zu meinem (fast) neuem Android-Liebling könnt ihr in den folgenden paar Zeilen einmal nachverfolgen.

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Technische Daten

Die reinen technischen Daten sind, wie wir alle wissen, wie auch Benchmark-Punkte nicht viel wert, dennoch hier einmal eine Auflistung der wichtigsten Punkte:

  • Display: IPS-Display mit 5,2 Zoll, 1920 x 1080 Pixel (424 ppi), Corning Gorilla Glass 3
  • CPU: Qualcomm Snapdragon 800 „Krat“ Quad-Core-CPU mit 2,26 GHz
  • Arbeitsspeicher: 2 GB
  • Interner Speicher: 16 oder 32 GB, nicht durch Speicherkarten erweiterbar
  • Hauptkamera: 13 Megapixel, optische Bildstabilisierung, Videoaufnahmen mit 1080p und 60fps
  • Frontkamera: 2,1 Megapixel
  • Konnektivität: LTE, Bluetooth 4.0, WiFi a/b/g/n/ac, Infrarot, GPS, NFC, Miracast
  • Sensoren: Kompass, Beschleunigungssensor, Näherungssensor, Umgebungslichtsensor, Gyroskop, Barometer, Glonass
  • Akku: 3000 mAh, Lithium-Polymer
  • Abmessungen: 138,5 x 70,9 x 9,14 Millimeter
  • Gewicht: 140 Gramm

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Lieferumfang

Beim Lieferumfang hebt sich LG nicht sonderlich aus der Maße heraus: Man findet eben alles, was man erwartet, aber nichts, was man nicht erwartet.

  • LG G2
  • USB- und Ladekabel
  • Netzteil
  • Kopfhörer
  • Kleinkram wie Beschreibungen und ähnlichem

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Erscheinungsbild & Haptik

Hat man das G2 das erste mal ausgepackt und in die Hand genommen schießt einem sicherlich ein „Oh Gott, ist das riesig“ durch den Kopf – die 5,2 Zoll wissen eben zu beeindrucken und sind schon eine ordentliche Hausnummer. Interessanterweise ist das G2 trotz der 0,5 Zoll Unterschied nur minimal größer als zum Beispiel das Nexus 4, was hauptsächlich daran liegt, dass LG die Ränder vor allem zu den Seiten hin fast vollständig entfernt hat und man somit fast „nur ein Display“ in der Hand hat – schick gemacht.

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Und schick ist das Schlagwort, das gesamte Gerät wirkt eigentlich recht liebevoll designt. Wie erwähnt finden wir seitlich keinerlei Buttons, sondern lediglich den Micro-USB-Port, den SIM-Kartenschacht und den Kopfhörerausgang vor, der Rest befindet sich auf der Rückseite des Gerätes. Hier finden wir Kamera nebst Blitz-LED, darunter gibt es dann die Lautstärke- und Powerbutton. Anfangs sicherlich ein wenig gewöhnungsbedürftig, dennoch hat man sich nach kürzester Zeit bereits daran gewöhnt und auch wenn mir persönlich die Displaydiagonale ein wenig zu groß wäre, so sind die Buttons dennoch für mich perfekt positioniert – ich habe mich zwischenzeitlich sogar häufiger bei anderen Geräten erwischt, wie ich auf der Rückseite ins leere gegriffen habe.

Von der Verarbeitung her gibt es an dem Gerät eigentlich nichts auszusetzen: Die Ränder sind sauber verarbeitet, das Display sitzt perfekt in der Schale, nichts gibt nach oder knarzt irgendwie. Lediglich die glatte Plastikrückseite trübt den gesamten Eindruck: Nicht nur, dass sich auf der leicht gemusterten Oberfläche Fingerabdrücke en masse niederlassen, es wirkt auch immer etwas billig – bin ich, wie schon häufiger geschrieben – kein Fan von.

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Dass man Plastik auch hochwertiger präsentieren kann hat Nokia ja schon häufiger gezeigt. Dennoch ist das G2 davon mal abgesehen ein schmuckes Stückchen Hardware, die Idee, die Buttons nach hinten auszulagern hat (zumindest bei mir) gezogen.

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Display & Touchscreen

Kommen wir nochmal kurz zurück zum Display, welches eben 5,2 Zoll misst, und mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel auflöst, wodurch man letztlich auf eine Pixeldichte von 424 dpi kommt. Oder auf Deutsch: großes Display, scharfe Darstellung, Pixel sucht man hier vergeblich. Die Farben werden vernünftig wiedergegeben, das schwarz könnte ein wenig schwärzer sein, aber das wäre jammern auf hohem Niveau. Auch an den Kontrasten findet man nichts, was man negativ aufwerten könnte – alles in allem eine saubere Leistung von LG. Für mich immer ganz wichtig: Die maximale Helligkeit des Displays, welche hier auf stärkster Stufe eine ordentliche Leistung abgibt. Ist definitiv ein Pluspunkt, denn somit ist das Display auch unter direkter Sonneneinstrahlung noch ordentlich lesbar.

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Für viele dürfte die Größe sicherlich erst einmal ein No-Go darstellen, ich war aber positiv überrascht. LG hat eben wie gesagt geschafft, das Gerät fast nur aus dem Display bestehen zu lassen, wodurch die Ausmaße ein wenig verringert wurden. Klaro, mit einer Hand komme ich dennoch nicht an alle Bildschirmpunkte (gerade dieser Punkt ist mir wichtig), es ist aber durchaus benutzbar. Für all jene, deren Finger nicht automatisch auf dem Powerbutton liegen hat LG dem G2 eine Funktion spendiert, welche wir bereits von Nokia her kennen: Ein Doppeltap auf’s Display aktiviert das Display (oder deaktiviert es auch wieder), was den Powerbutton für mich nahezu vollständig ersetzt hat.

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Kamera

Die Hauptkamera löst mit 13 Megapixeln auf und kann mit einer optischen Bildstabilisierung (OIS) aufwarten. Hier aber zeigt sich ein Bild, welches ich häufiger bei Smartphones beobachten konnte: Tagsüber machen die meisten Kameras, so auch die des G2, ordentliche Bilder, welche zwar kein Meisterwerk sind, aber doch eben „okay“ sind und sich weder negativ noch positiv von der Masse abheben. Nachts hingegen lässt die Qualität der Bilder doch schon recht stark nach, man erkennt zwar sämtliche Elemente der Bilder, dennoch machen die Bilder nicht unbedingt Spaß. Für Instagram und Co. dürfte es sicherlich reichen, es gibt jedenfalls auch definitiv schlechtere Smartphone-Kameras.

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Zu den Bildern muss man fairerweise sagen: Ein Test in den dunklen Wintermonaten ist natürlich etwas unfair gegenüber den Geräten in den Sommermonaten – andererseits machen eben inzwischen die meisten Kameras unter idealen Bedingungen gute Bilder, sodass die Geräte bei leichter Dunkelheit natürlich wesentlich mehr punkten könn(t)en und hier sieht es beim G2 gar nicht mal so schlecht aus, auch wenn ich eben kein Freund der Nachtaufnahmen bin. Bei der Aufnahme von Panoramas und Videos kann die Kamera dann aber doch wieder ein wenig punkten, hier verrichtet die optische Bildstabilisierung dann ordentlich ihren Dienst – zumindest, sofern es hell genug ist.

Lautsprecher

Im Gegensatz zu vielen anderen Smartphones die inzwischen so auf den Markt geworfen wurden, besitzt das G2 trotz der zwei Lautsprecheröffnungen an der Unterseite nur einen Lautsprecher, was sich natürlich auch in der Qualität niederschlägt. Wer sein Smartphone häufiger mal als mobilen Ghettoblaster nutzen sollte, der wird nur wenig Freude finden: Musik klingt kratzig, Bässe sind blass und übersteuert hier und da gerne mal. Bei ruhigerer Musik geht es, in meinem Falle mit Rock, Metal und Co. macht es aber definitiv keinen Spaß – hier habe ich schon wesentlich bessere Lautsprecher gesehen beziehungsweise gehört, das HTC One spielt hier natürlich fast schon in einer eigenen Liga.

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Mit Kopfhörern reiht sich das G2 dann wieder in der Menge ein, hier konnte ich mit meinen feinen Walkman-gestörten Ohren keinen großen Unterschied hören – kommt natürlich auch vieles auf die richtigen Kopfhörer an. Auch in Sachen Klang- und Tonqualität bezüglich „normalen“ gibt sich das G2 keinerlei Blöße: Sowohl mein Gesprächspartner klang klar und unverzerrt, ebenso konnte man mich einwandfrei verstehen. Dürfte wohl auch der wichtigere Punkt sein, auch wenn man hiermit wohl kaum noch einen Blumentopf gewinnen dürfte.

Akku

Der Akku des G2 besitzt mit 3.000 mAh eine ordentliche Ladung, eigentlich eine tolle Sache, dass LG lieber einen etwas dickeren Akku im Gerät platziert hat, als versucht hat, dieses auf unter sieben Millimeter zu bringen. 3.000 mAh klingen viel, allerdings kommt einem dabei natürlich die Displaygröße in den Kopf, welche wohl einen Großteil der Ladung für sich beansprucht. Aber hier wurde ich positiv überrascht, denn was die Akkulaufzeit betrifft ist das G2 das beste Smartphone, welches man derzeit auf dem Markt finden kann. Unterwegs mit den öffentlichen Verkehrsmittel bin ich fast dauerhaft damit beschäftigt, über das mobile Datennetz irgendwelche Inhalte (Chrome, Twitter, Facebook, Feeds, Nachrichten und Co.) zu aktualisieren, bei meinem iPhone 5s ist gegen 19/20 Uhr Schluss, vom Nexus 4 wollen wir mal gar nicht reden.

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Das G2 hingegen hat genug Power, auch nach dem Tage noch mit in die Kneipe genommen zu werden ohne dass man Angst haben müsste, später kein Taxi mehr rufen zu können. In der späteren Nacht fordert das G2 zwar dann doch wieder eine Ladestation, die meisten Nutzer aber dürften fast schon zwei Tage über die Runden kommen, zumindest wenn ich mir so die Nutzung meiner Freundin anschaue. Das einzige was richtig am Akku zieht sind Spiele – hier fordert der Snapdragon 800 samt Grafikeinheit eben doch ihren Tribut. Dennoch bin ich definitiv in den Akku verliebt.

Arbeitsgeschwindigkeit & Software

In Sachen Performance gibt sich das G2 mit seinem Vierkerner mit seinen 2,3 GHz und den 2 GB RAM keinerlei Blöße, das System läuft richtig rund, auch die sonst von Android bekannten Mikro-Ruckler stören den Eindruck nicht – pure Power eben. Ich persönlich bin kein Freund von Benchmarkwerten, da hier viele Faktoren eine Rolle spielen, die Leistung des G2 dürfte aber für die meisten über einen langen Zeitraum hinweg mehr als ausreichend sein und mit Android 4.4 dürfte die Geschwindigkeit nochmals zunehmen, da Google hier bekanntlich ordentlich Optimierung betrieben hat.

Viel interessanter ist hingegen die Software: Zwar kommt das G2 mit vorinstalliertem Android 4.3 daher, wie so oft hat aber auch LG hier Hand angelegt und das System – gelinde gesagt – etwas verstümmelt. So findet man diverse Softwarelösungen wie eine Backup-App, eine eigene Kamera-App, eine Notiz-App und Co. vor, welche das Erlebnis ein wenig abrunden sollen. Ich persönlich habe diese so gut wie gar nicht genutzt, mit Ausnahme der Kamera-App, welche mir doch recht gut gefallen hat und die etliche Optionen besitzt. Ebenfalls ganz nett ist ein Feature namens QSlide, welches dafür sorgt, dass bestimmte  (im Grunde nur die LG-eigenen) Apps quasi in einer Art Bild-in-Bild geöffnet werden, sodass man diese immer verfügbar hat.

Insgesamt gibt es in den Einstellungen etliche Zusatzfunktionen, die man aktivieren kann, sofern man möchte. Doppeltes Tippen um das Display ein- oder auszuschalten, Gerät auf’s Display drehen zum stumm schalten, wischen um Apps in den Hintergrund zu befördern und so weiter und so fort. Auch der Lock- und Homescreen lässt sich extrem anpassen, nahezu alle Details sind hier auswechselbar, sodass ich diesen als das kleinste Übel der großen Hersteller bezeichnen würde – wer sich nicht mit diesem anfreunden kann, der kann ja immer noch auf einen Alternativen Lock- und Homescreen ausweichen.

Alles tolle Sachen – wäre da nicht diese UI. Schaut man sich zum Beispiel einmal die Notificationbar von Android an, so wird man auf den ersten Blick mit Informationen erschlagen: Hier gibt es nicht nur Schnellzugriffe auf Bluetooth, WLAN und Co., sondern auch eine Reihe an zusätzlichen Informationen und Reglern, welche mir persönlich etwas zu viel Platz einnehmen – wie gut, dass das G2 ein riesiges Display hat, sonst würden die wirklichen Benachrichtigungen gar nicht erst auf der ersten Seite auftauchen.

Aber auch das Design des User Interfaces sieht doch recht altbacken aus, verglichen mit dem aktuellen (reinen) Android-Design: Plastische Buttons, Schatten – will sowas wirklich heute noch jemand sehen? Auch in Sachen Anpassungsmöglichkeiten übertreibt es LG meiner Meinung nach ein wenig, es wirkt alles ein wenig überladen und man wird fast erschlagen von den Möglichkeiten, seinen Lock- und Homescreen, die Softbuttons, die Abschaltungseffekte und Co. anpassen zu können. Dennoch hat man es geschafft, diese schier unendlichen Möglichkeiten recht übersichtlich in den Einstellungen zu verstauen – dennoch ist das Design der UI der größte Kritikpunkt meinerseits.

Hab ich was vergessen?

Was ich noch vergessen habe zu erwähnen: Wie auch zum Beispiel das HTC One besitzt auch das G2 einen Infrarot-Sensor, mit dem sich über die entsprechende App Fernseher und Co. direkt mit dem Smartphone bedienen lassen – die App aber fällt ebenfalls dem UI-Kritikpunkt zum Opfer, denn diese ist alles andere als schön anzusehen. Daneben gibt es dann noch das inzwischen fast obligatorische NFC und auch eine Miracast-Unterstützung ist mit an Bord.

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Fazit

Mit dem G2 hat LG ein ordentliches Smartphone auf den Markt geworfen. Die Displaygröße ist nett und gerade trotz dessen ist das G2 dank des fast rahmenlosen Displays vergleichsweise handlich geblieben. Während die Rückseite mit dem glatten Plastik bei mir natürlich nicht sonderlich gut ankam, konnten die so genannten Rear Keys (also die rückseitig angebrachten Buttons) ordentlich punkten, gefällt mir. Die Kamera macht Bilder die für viele ausreichend sein dürften und natürlich ist der Akku eine Hausnummer. HTC hat den Sound, Nokia die Kamera und LG mit dem G2 den Akku. Zwar hat das G2 auch einige Schwächen wie zum Beispiel die Lautsprecher und vor allem die teilweise überladene und meiner Ansicht nach „unschöne“ UI, dennoch ist das Gerät eines der besten Android-Smartphones des Jahres – wer hier zulangt macht definitiv nichts falsch.

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Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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