Einheitliche Ladekabel die Zweite: Die EU wagt einen neuen Versuch

Marcel Am 20.12.2013 veröffentlicht Lesezeit etwa 2:01 Minuten

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Vor einigen Jahren haben sich diverse Smartphone-Hersteller in einer freiwilligen Vereinbarung dazu verpflichtet, einheitliche Ladegeräte einzuführen – aufgrund der starken Verbreitung dürfte der typische Micro-USB-Anschluss als Quasi-Standard gelten. Auch die EU mischte in der Sache ordentlich mit und hatte als Hauptziel vor Augen, dass man – sofern man sich auf einheitliche Ladegeräte konzentriert und somit keine Ladegeräte mehr den neuen Geräten beifügen muss – rund 50.000 Tonnen Elektroschrott pro Jahr einsparen könnte. Doch eben jene getroffene Vereinbarung ist bereits seit Ende 2012 ausgelaufen, die verschiedenen Hersteller konnten sich bis dato nicht dazu aufraffen, eine weitere Verpflichtung (und sei sie noch so freiwillig) einzugehen. Und dennoch ist das Ziel eigentlich erreicht – zumindest, wenn man sich einmal anschaut, welches Ziel sich die Hersteller gesetzt haben:

Denn es ging sich darin nicht um DAS einheitliche Ladegerät samt Kabel, sondern lediglich darum, dass die Netzteile vom Kabel lös gelöst werden und eben jene Verbindung zwischen Netzteil und Kabel vom USB-Typ A sein muss (explizite Aussage der Vereinbarung). Welchen Steckertypen man nun auf der Geräte-Seite des Kabels nutzt, ist völlig offen – sofern die Hersteller passende Adapter auf Micro-USB zur Verfügung stellen. Apple dürfte ein Paradebeispiel dafür sein: Das iPhone setzt selbst auf einen Lightning-Anschluss, Apple bietet aber einen USB-auf-Lightning-Adapter an, mit dem man die Vereinbarung schon erfüllt hat.

Soweit so bekannt, nun aber gibt es einen neuen Schritt seitens der EU, die einheitlichen Ladegeräte wirklich einheitlich zu machen. So haben Unterhändler des Europaparlaments und der Regierungen der EU-Mitgliedstaaten gestern beschlossen, dass man eine entsprechende Richtlinie über Funkanlagen derart reformiert, dass die Hersteller in ein paar Jahren – man spricht von etwa zwei bis drei Jahren – dezent dazu gezwungen werden sollen, einen einheitlichen Standard für Ladegeräte _und_ Kabel zu nutzen. Damit aber dieser Beschluss zur Änderung wirklich in Kraft tritt, müssen jedoch die Regierungen und auch das Plenum des Europaparlaments zustimmen; man hofft, diese Zustimmung bis März 2014 eingeholt zu haben.

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Dann aber fehlen natürlich noch die Details, welche von der Industriekommission der EU (deren Lobby natürlich sehr daran interessiert sind, weniger Netzteile und Kabel produzieren zu lassen) ausgearbeitet werden müssen – was für ordentlich Wirbel sorgen dürfte, denn gerade Apple wird mit Sicherheit nicht freiwillig auf seinen heiß geliebten Lightning-Anschluss verzichten wollen, noch dazu muss dieser natürlich auch für die Zukunft gewappnet sein und im Idealfall in Falle von folgenden Hardware-Versionen auch Abwärtskompatibel sein – ansonsten droht bei jedem Produktzyklus das gleiche Dilemma.

Klingt nach einem vernünftigen Schritt der EU, sofern man sich gegen die „Macht“ der Industrie wirklich durchsetzen kann. Wobei: Ginge es nach mir, könnten die Hersteller gerne so weitermachen wie bisher und stattdessen durchweg (ja, auch ihr liebe Jungs und Mädels aus Cupertino) auf den kabellosen Qi-Ladestandard setzen. Was haltet ihr von diesem Vorstoß der EU?

Quelle sueddeutsche.de Bildquelle dpa

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