Google I/O 2013 in kompakter Form und ein kleiner Kommentar meinerseits

Marcel Am 16.05.2013 veröffentlicht Lesezeit etwa 7:50 Minuten

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Heute fand die diesjährige Google I/O statt; eine Entwicklerkonferenz á la Microsofts BUILD und der apple’schen WWDC. Dennoch sprühte Google auf der rund dreistündigen Eröffnungskeynote vor Elan und präsentierte einen Arsch voll neuen und überarbeiteten Diensten – und schonmal als kleine Info vorab: es gab weder neue Nexus-Geräte, noch Android 4.3 oder gar Android 5.0. Dafür aber eben viele kleine und größere Dinge: Ein Galaxy S4 Google Edition, neue Google Maps, einen neuen Messenger, einen Spotify-Konkurrenten und noch so einiges. Hier also einmal alles in einer etwas komprimierten Form.

Samsung Galaxy S4 „Nexus“

Viele haben auf ein neues Nexus-Smartphone oder -Tablet gewartet und gehofft, das jedoch ist es nicht geworden. Stattdessen hat man eine spezielle Edition des Samsung Galaxy S4 veröffentlicht, welches eben ohne TouchWiz und derlei Gedöns daher kommt, sondern ein nacktes Android aufwarten kann. Updates kommen dabei direkt von Google, weshalb man das Smartphone vielleicht doch als Nexus-Gerät bezeichnen könnte – Google selbst spricht dabei von einem „Nutzungserlebnis á la Nexus“. Die technischen Daten haben sich im Vergleich zum Original um kein bisschen geändert – Stock-Android, das ist alles. Zu haben ab dem 26. Juni nur über Google Play und vorerst nur in den US of America. Preis: 649 US-Dollar. (Bild via)

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Google Play Game Services

Schon im Vorfeld der I/O 2013 gab es Gerüchte und Leaks, nun ist es offiziell: Google Play Games Services. Die Features kennt man ja eigentlich vom Apple Game Center oder von Vorgänger-Diensten wie zum Beispiel OpenFeint: Leaderboards und Achievements, noch dazu  ein Feature namens Cloudsafe: Spielstände lassen sich über die Cloud auf verschiedene Geräte synchronisieren. Das interessanteste an der Sache ist aber: Google Play Game Services ist nicht auf Android gebunden, sondern ist auch auf anderen Plattformen (Web-Apps und iOS) nutzbar. Informationen für Entwickler gibt es auf der Google-eigenen Infoseite. (Bilder via)

Android: Sychronisierte Benachrichtigungen

Auch wurde eine neue Version der Google Play API präsentiert, welche die ein oder anderen neuen oder überarbeiteten Schnittstellen für Entwickler bereits halten. Das wohl interessanteste aus dem Paket: Google Cloud Messaging. Darüber lassen sich Benachrichtigungen von Apps auf verschiedenen Android-Geräten synchronisieren. Ihr bekommt also zum Beispiel auf Smartphone und dem Tablet eine Benachrichtigung über eine neue E-Mail in der Gmail-App. Bisher konntet ihr die Mail auf einem Gerät lesen und musstest die Benachrichtigung auf dem zweiten manuell entfernen – dies geschieht in Zukunft automatisch über die API. Etwas, was ich mir definitiv auch für das Notification Center für iOS und OS X wünschen würde – schön, dass Google hier meinen Gedanken schneller umsetzt als der Konzern aus Cupertino. (Bild via)

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Google Play Music All Access

Der Spotify-Konkurrent aus dem Hause Google: Google Play Music All Access. Quasi das bisherige Google Play Music, kombiniert mit einem Streaming-Angebot. Soll heißen: ihr könnt quasi von überall aus auf eure eigenen, gekauften Songs zugreifen und auf „geliehene“ Songs. Kennt man ja von Spotify, Rdio und Co. Besonderheit: Nutzt man die integrierte Radio-Funktion (die ja auch nicht neu ist), kann man die Playliste mit den Folgetiteln bearbeiten und bearbeiten. Auch gibt es automatische Playlisten, welche anhand eurer Hörgewohnheiten erstellt werden – hierbei greift Google auch auf die manuelle Suche zurück. Preislich ist man ab 9,99 US-Dollar im Monat dabei, wer sein Abo bis Juni bucht, zahlt nur 7,99 US-Dollar. Auch hier gilt leider wie so oft: vorerst nur für amerikanische Nutzer live. (Bilder via)

Google+ bekommt neues Design und etliche neue Funktionen

Das hauseigene Netzwerk hat ein neues Design spendiert bekommen, Inhalte werden nun zentriert in Karten-Optik und in mehreren Spalten präsentiert. Auf den ersten Blick wirkt es etwas schicker als das alte Layout, auch wenn ich zugeben muss, dass ich mich erst noch ein wenig im Newsstream orientieren muss – was aber nicht heißen soll, dass es schlechter ist. Wer das mehrspaltige Design nicht mag: Es gibt auch die Möglichkeit, den Newsstream einspaltig anzeigen zu lassen. Was mir nicht so gefällt: Gefühlt wurden die Coverfotos auf den Profilen nochmals größer und nehmen nun fast den gesamten Bildschirm ein – aber zum Glück ist Google hier so schlau und zeigt dieses erst bei einem hochscrollen auf dem Profil an.

Auch die Foto-Funktionen wurden etwas aufgemöbelt. Verbesserte Bildbearbeitung zum Beispiel (Stichwort: Snapseed) und auch eine „Auto Enhance“-Funktion, also eine automatische Bildverbesserung, ist an Bord. Bei letzterem bleibt das Original sogar weiterhin auf den google’schen Servern gespeichert, automatisch „verbesserte“ Bilder bekommen eine Kennzeichnung. Aus Ordnern beziehungsweise den darin hochgeladenen Bildern werden die besten Fotos automatisch herausgefiltert. Erkannt und bewertet werden dabei Dinge wie Unschärfe, lächelnde Gesichter und ähnliches. Außerdem: Hochgeladene Bilder werden automatisch durch einen Erkennungsalgorithmus gejagt. Ladet ihr zum Beispiel ein Bild des Eiffelturm hoch und vergebt keinen Titel, so erkennt Google unter Umständen selbst, um welches Motiv es sich dabei handelt.

Insgesamt kann Google+ mit rund einundvierzig neuen Features aufwarten, sämtliche Funktionen und auch das neue Design ist ab sofort – auch für „uns“ deutsche Nutzer – live. Schaut euch ruhig etwas um und gewöhnt euch schon mal dran.

Google Hangouts

Da ist er endlich: der neue Messenger. Google Hangouts. Eine Quasi-Vereinigung von Google Talk, Google+ Messenger und Google+ Hangouts. In Zukunft dürfte sicherlich auch noch Google Voice dazu kommen, wäre jedenfalls ein logischer Schritt. Für die Nutzung vom Smartphone aus müsst ihr eure Handynummer angeben – eventuell gibt es hier in Zukunft ja die Möglichkeit, den Messenger ohne Google-Konto nutzen zu können, bislang wird ein Gmail-, YouTube- oder ein anderes Google-Konto vorausgesetzt.

Zu haben ist der Messenger für Android, iOS und auch als Erweiterung für Google Chrome – Windows-Phone-Nutzer bleiben (mal wieder und wie so oft bei Google) außen vor. Leider. Sämtliche Nachrichten, Fotos und Videos werden über die Cloud mit allen Geräten synchronisiert und sind daher überall verfügbar. Mit Hangouts möchte man also Facebook und WhatsApp angreifen – ob es funktioniert?

Hangouts
Hangouts
Entwickler: Google, Inc.
Preis: Kostenlos
Hangouts
Hangouts
Entwickler: Google Inc.
Preis: Kostenlos
Google Hangouts
Google Hangouts
Entwickler: Hangouts Team
Preis: Kostenlos

Neues Google Maps

Ebenfalls einer kompletten Frischzellenkur wie zuletzt von Michaele Schäfer zelebriert bekamen die beliebten Google Maps – optisch zielt man ganz klar auf eine Verknüpfung zu Google Now an. Das Ziel des Redesign: man möchte dem Nutzer mehr ergebnisorientierte Informationen und Karten anzeigen. Noch dazu: Bewertungen für Orte, verbesserte Navigation und auch Google Earth hat man integriert. So lässt sich mit einem WebGL-fähigen Browser (also zum Beispiel Chrome) die Umgebung in einer 3D-Ansicht anzeigen. Das neue Design soll ab dem Sommer ausgerollt werden, wer sich das Ganze schon ein wenig vorher anschauen möchte, der kann sich auf dieser Infoseite für eine Einladung eintragen lassen.

Google Now: neue Karten und Integration in Chrome

Regelmäßig gibt es neue Funktionen für Google’s Assistenten Siri Google Now, so auch diesmal. So gibt es neue Karten für Erinnerungen, öffentliche Nahverkehrsmittel  Musik, Bücher, Fernsehsendungen und Videogames. Viel interessanter und spannender ist jedoch die Tatsache, dass man der Google Suche eine neue Sprachein- und Sprachausgabe verpasst hat – natürlich mit integriertem Knowledge Graph, also quasi Google Now für den Desktop.

Chrome lauscht im Hintergrund und reagiert sofort, wenn es die Worte „Ok, Google“ vernimmt – gefolgt von eurer Suchanfrage gibt es dann eben direkt die entsprechende Antwort, auch mit Sprachausgabe. Kleiner Wermutstropfen: Während die Such-App für Android bereits ein Update erhalten hat (Karten für Google Now), soll die neue Sprachsuche für Chrome (Mobile und Desktop) „in Kürze“ erscheinen. (Bilder via)

Gibt es auch ein Fazit?

Das also waren einmal die meiner Meinung nach wichtigsten und interessantesten Neuvorstellungen der Eröffnungskeynote der Google I/O 2013. Wird sicherlich viele enttäuschte Gesichter gegeben haben: kein neues Nexus Gerät. Wirklich nicht? Was machte denn die Nexus-Geräte bisher aus? Richtig: ein nacktes Android, welches schnell und unproblematisch Updates direkt von Google erhält. Und was ist das Samsung Galaxy S4 „Nexus“? Richtig: ein nacktes Android, welches schnell und unproblematisch Updates direkt von Google erhält. Einzig der Preis ist weniger „Nexus“-like, bisher wurden sie immer stark subventioniert und eigentlich „unter Wert“ verkauft, das ist hier nicht der Fall. Es zeigt aber auch: So dramatisch kann Google die Übermacht von Samsung im Android-Lager gar nicht übel aufstoßen, sonst hätte man sicherlich nicht noch Samsung als engeren „Partner“ präsentiert, oder?

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Google+ Redesign, neue Google Maps und Sprachsuche für Chrome? Okay, kann man haben, muss man aber nicht. Ansonsten hat man viele Nachbauten präsentiert: WhatsApp/Facebook Messenger und Skype (Google Hangouts), Game Center (Google Play Game Services) und Spotify (Google Play Music All Access). Aber sind das wirklich Nachbauten. Eher nicht. Man hat meiner Meinung nach immer einen kleinen Schritt weiter gedacht und verschiedene positive Features verschiedener Apps kombiniert und zusammengebracht. Beispiele? Google Hangouts bringt einen Desktopmodus und Videochat mit (besitzen WhatsApp und Facebook Messenger nicht), Google Play Game Services unterstützt ebenfalls Web- und iOS-Anwendungen (kann das Game Center von Apple nicht) und der Streaming-Dienst kombiniert die Möglichkeit, eigene Musik hochzuladen und „fremde“ Songs zu streamen – letzteres ist eigentlich genau das, was ich mir schon immer gewünscht habe.

Google versteht es derzeit wie kein anderes Unternehmen, sich ein nahezu perfektes Ökosystem aufzubauen – etwas, was Apple auch mal aufweisen konnte, aber irgendwie hält man hier etwas den Status Quo und lässt das ehemals recht hohe Tempo doch etwas vermissen. Betrachtet man einmal Google, so lässt sich mit dem Unternehmen viel erledigen: Ich kann Mails schreiben (Gmail), Nachrichten verschicken (Hangouts), habe ein soziales Netzwerk (Google+), Telefonieren und mobil surfen (Android), Spielen (Game Services), Musik hören und streamen egal von wo aus (Music All Access) und und und. Und das inzwischen nahezu unabhängig vom System, denn im Gegensatz zu Apple öffnet Google sich hier auch für iOS – leider beachtet man Windows Phone weiterhin nicht. Wieso? Ist mir ein Rätsel, denn an einer Feindschaft zwischen Microsoft und Google kann es nicht liegen – sonst würde man iOS ebenfalls links liegen lassen. Vielmehr glaube ich, dass man die Ressourcen lieber anderweitig einsetzt – Windows Phone hat eben verglichen wenig Nutzer.

Dennoch: Gerade in Sachen Google Hangouts hätte ich mehr erwartet. Man möchte DEN Messenger veröffentlichen, ignoriert dann aber Nutzer. Damit sich ein Messenger durchsetzen kann, benötigt er Nutzer. Wenn ich meine Kontakte nicht vorfinde, nutze ich diesen eben nicht – das Problem kennt der hike Messenger ja ebenfalls und auch bei Google+ ist das ähnlich. Ob sich Hangouts gegen WhatsApp oder dem Facebook Messenger durchsetzen kann? Würde ich definitiv einen Geldbetrag gegen wetten. Fragt euch mal so in 2-3 Wochen durch die Innenstadt, jede wette, dass kaum jemand davon etwas gehört hat.

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Trotz allem bleibe ich dabei was ich ein paar Sätze vorher geschrieben habe: Google baut sich ein richtig dickes Ökosystem auf, indem der Nutzer glücklich werden kann. Wehe dem, der Account wird mal gesperrt. Aber das Problem hat man natürlich bei jedem Anbieter, wenngleich man natürlich im Hause Google wesentlich mehr Dienste nutzen könnte und eigentlich nirgendwo andes mehr hin müsste…

Bild GIGA

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