Honeywell Evohome im Test: Intelligente Heizungssteuerung mit App-Anbindung

Marcel Am 19.10.2016 veröffentlicht Lesezeit etwa 17:02 Minuten

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Seit knapp drei Jahren nutze ich „intelligente“ Heizkörper-Thermostate der Firma Honeywell (genauer gesagt: diese hier), um mit diesen die Leistung des Heizkörpers und damit die Raumtemperatur automatisch regulieren zu können. Dank einer Art Schaltzeituhr und ein selbstlernendes System sind diese nicht nur komfortabel, sondern senken auch die Heizkosten – zumindest nach meinen Abrechnungen seit der Installation, ist nicht viel, aber immerhin etwas. Doch auch wenn meine Thermostate ein wenig „geskriptete Intelligenz“ mit auf den Weg bekommen haben, wirklich „smart“ sind die Teile nicht.

Bluetooth oder WiFi zur Fernsteuerung der Heizkörper mittels Smartphone oder anderem externen Gerät? Nöp, geht nicht – alles wird direkt an den Reglern selbst eingerichtet. Und jetzt, wo das „Smart Home“ gerade in aller Munde ist, musste nun der nächste Schritt gemacht werden. Gut, dass Honeywell, mit denen ich in den letzten Jahren positive Erfahrungen sammeln konnte, ein entsprechendes System im Portfolio hat: das Honeywell Evohome. Thermostate, externe Kontrolleinheit, Smartphone-Anbindung, sogar Zugriff von Unterwegs ist möglich.

Ich habe das System nun schon einige Monate im Betrieb – was das Evohome kann, sowie meine Erfahrungen und Eindrücke findet ihr nun hier. Randbemerkung: Wer keinen Bock auf viel lesen hat, findet unten ein kleines „Too long, didn’t read“.

Lieferumfang

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Honeywell bietet verschiedenste Pakete zum Start mit dem Evohome-System an, mit und ohne Internet-Gateway, mit mehr oder weniger Thermostaten. Ich habe das Komplett-Paket, welches die zentrale Bedieneinheit, vier Thermostate und den Internet-Gateway mit sich bringt. Dazu gibt es dann eben noch die benötigten Kabel (Strom und LAN-Kabel für das Gateway) und diverse Kurzhandbücher zur Installation, der Einrichtung und dem Betrieb. Für welches Paket ihr euch entscheidet, kommt letztlich immer darauf an, was ihr benötigt und wie viele Räume ihr mit Thermostaten ausstatten könnt. Ich habe mal ein paar Starter-Pakete eingebunden:

Die Thermostate

Fangen wir einmal mit den Thermostaten an. Wie auch handelsübliche Standard-Regler sind auch die Honeywell HR92-Regler aus Kunststoff gefertigt und mit Abmessungen von etwa 95 x 54 x 60 Millimeter auch ein gutes Stück größer als ihre analogen Pedants. Die Stromversorgung geschieht über zwei AA-Batterien, die das Thermostat laut Honeywell gut zwei Jahre mit Strom versorgen sollen – aufgrund meiner Erfahrungen mit den älteren Modellen kann ich dies durchaus bestätigen.

Das LCD-Display ist auf Wunsch beleuchtet und lässt sich mittels Displayhalter auch aufgerichtet fixieren, unter dem Display gibt es einen Menübutton, bedient wird das ganze natürlich wie gewohnt mit dem Drehrad. Die Verarbeitung ist eigentlich sehr gut und lässt nur wenig Kritik, ich könnte hier höchstens anmerken, dass das Drehrad an allen vier Thermostaten ein wenig quitscht.

denn vor der eigentlichen Einrichtung müssen diese natürlich erst einmal an die Heizkörper gebracht werden. Ist nicht wirklich schwer, habe sogar ich mit meinen zwei linken Händen auf die Kette bekommen. Bevor ihr aber damit beginnt, eure alten Heizkörperregler zu demontieren sei gesagt: Les euch die Anleitung zur Montage der Honeywell-Thermostate gut durch und geht dann Schritt für Schritt vor. Wie ihr die alten Regler demontiert ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich, die meisten besitzen eine Art „Drehscharnier“, an dem ihr kurz drehen und dabei das Thermostat vom Ventil ziehen müsst. Bei einigen Heizungen benötigt ihr eine Wasserpumpenzange (oder Pumpenwasserzange?), ich für meinen Teil brauchte nichts dergleichen, ließ sich ohne Werkzeug demontieren.

Sieht dann – in meinem Fall – so aus, auch hier kann es von Hersteller zu Hersteller unterschiede geben. Neuere Heizkörper besitzen eigentlich allesamt M30 x 1,5 Heizkörperventile von Honeywell, Braukmann, MNG, Heimeier, Danfoss und Oventrop (oder auch weitere Hersteller), lediglich ältere Heizkörperventile haben ein anderes Gewindemaß – wozu ihr dann entsprechende Adapter benötigt, die nicht im Lieferumfang beiliegen. Erfahrungsgemäß ist der Support von Honeywell diesbezüglich aber sehr hilfsbereit. Nun müsst ihr zuerst einmal den ersten Adapterring auf das Ventil schieben, hierbei ist darauf zu achten, dass die Kanten „einrasten“. Schraube handfest ziehen, fertig.

Auf diesen Adapter schraubt ihr nun den hinteren Teil des Honeywell-Thermostats. Verriegelung lösen und ebenfalls handfest festschrauben. Wichtig: Dreht den Ventilaufsatz (das Schwarze Teil) danach gegen den Uhrzeigersinn bis zum Anschlag, andererseits kann es später vorkommen, dass der Stift nicht weit genug hineingedrückt oder der Ventilaufsatz nicht weit genug zurückgefahren wird. Ist auch das erledigt, könnt ihr nun das Thermostat wieder auf den Ventilaufsatz schieben und verriegeln – die Position könnt ihr dabei natürlich selbst festlegen und bei Bedarf könnt ihr natürlich auch noch das Display mitsamt des Displayhalter fixieren.

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Die zentrale Bedieneinheit

Das zentrale Element des Honeywell Evohome stellt die Bedieneinheit dar. Zwar lässt sich das gesamte System, sofern einmal eingerichtet, mit Hilfe des Internet Gateway auch über die Smartphone-App nutzen, ohne die Bedieneinheit geht jedoch nichts (zu den derzeitigen Schwächen der App später mehr). Über diese bekommt ihr nicht nur einen Blick auf eure Temperaturen, sondern richtet das gesamte System auch ein und könnt Einstellungen verändern. Die Bedieneinheit besitzt ein etwa 10,6 Zentimeter „großes“ resistives Farbdisplay – es reagiert also nicht wie von aktuellen Smartphones gewohnt auf Berührung, sondern benötigt immer auch ein wenig Druck.

Die Druckempfindlichkeit des Touchpanel ist in Ordnung und auch die restliche Verarbeitung der Bedieneinheit ist eigentlich sehr hoch, lediglich die weiße Frontabdeckung ist nicht 100% genau verarbeitet: da lediglich die vier Eckpunkte aufgeklippt werden, haben die längeren Seiten ein minimales Spaltmaß, dürfte aber nur die wenigsten stören. Übrigens: Wer die silbernen Abdeckung nicht so toll findet, der bekommt für rund 20 Euro auch sein Set bestehend aus silberner, weißer und schwarzer Abdeckung. Ist natürlich Geschmacksache.

Bei der Bedieneinheit hat man im Hause Honeywell gut mitgedacht: In erster Linie lässt sie sich mit einem passenden Tischhalter (oder auch mit der optional erhältlichen Wandhalterung) nicht nur auf der Kommode platzieren, sondern auch dauerhaft mit Strom versorgen. Der Clou: Die Bedieneinheit besitzt weitergehend noch zwei AA-Akkus, sodass ihr sie bei Bedarf einfach abnehmen und durch die Wohnung transportieren könnt. Rund zwei Stunden Akkulaufzeit gibt es hierbei – leider vergleichsweise wenig, für die erste Einrichtung aber völlig ausreichend und eigentlich soll das System ja auch eher für sich selbst arbeiten.

Die erste Einrichtung

Genug über die Hardware geschwafelt, kommen wir zur ersten Einrichtung des Honeywell Evohome. Dazu solltet ihr vor der Ersteinrichtung erst einmal sämtliche Thermostate vernünftig angebracht haben, danach könnt ihr dann die zentrale Bedieneinheit in Betrieb nehmen. Diese erwacht daraufhin aus dem Leben und bietet euch zwei unterschiedliche Modi an: zum einen die geführte Konfiguration und den Sprung direkt ins Installations-Menü. Letzteres klingt „professioneller“, ich gebe euch aber den Tipp, es schlicht mit der geführten Einrichtung zu versuchen – damit könnt ihr zu Beginn erst einmal alles einstellen, ohne jeden Menüpunkt verstehen zu müssen. Simple as it.

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Neben den Heizkörperreglern könnt ihr auch Fussbodenheizungen, Mischregler und Zonenregler mit der Bedieneinheit nutzen – ich habe allerdings mangels weiterer Alternativen in der Wohnung nur die Heizkörperregler unter die Lupe genommen. Also den entsprechenden Punkt auswählen, den Ort des Heizkörpers auswählen und den Namen gegebenenfalls anpassen (gibt ja auch Arbeitsräume, Keller oder was weiß ich nicht alles). Danach werdet ihr gefragt, ob ihr den Raumfühler der Basisstation nutzen wollt – macht nur Sinn, wenn ihr einen Regler im gleichen Raum angebracht habt, anderenfalls würde ich immer die Temperaturmessung der Thermostate nutzen. Zu guter Letzt müsst ihr dann noch die „Bind“-Taste am Regler betätigen, schon wird dieser mit dem Evhome-System verbunden. Im folgenden könnt ihr dann auch noch alle weiteren Thermostate verbinden.

Dem eigentlichen Hauptfeature – der automatischen Heizungsschaltung – habe ich unten einen eigenen Punkt gewidmet, denn dies ist recht umfangreich gelöst. Zuvor aber noch ein paar Sätze und Bilder zur zentralen Bedieneinheit, denn auch diese bietet noch einige zusätzliche Optionen an. Standardmäßig zeigt sie euch als eine Art „Standby-Modus“ einen Überblick über euer System an, sodass ihr die Temperaturen in den einzelnen Räume schnell überblicken könnt. Hierzu gibt es unterschiedliche Stile, auch eine simple Analog- und Digital-Uhr könnt ihr auswählen – je nach Geschmack. Besonders interessant: In den Optionen könnt ihr einen Nachtmodus festlegen, der die Farben der Anzeige invertiert, statt eines weißen Hintergrunds mit schwarzer Schrift gibt es eben einen schwarzen Hintergrund mit weißer Schrift, was die „passive Beleuchtung“ der Basisstation etwas abschwächt.

Optionen gibt es ebenfalls, diese erreicht ihr über einen längeren Druck auf das Display. Hier könnt ihr Datum und Uhrzeit einstellen, die Sprache festlegen, die Helligkeit des Displays regulieren (inklusive einer Abschaltzeit in der von der eigentlichen Bedienoberfläche auf die Übersicht oder Uhr gewechselt wird), das Standard-Display auswählen und den Nachtmodus aktivieren. Wer mag, der kann letzteren nicht nur zeitgesteuert, sondern auch die ganze Zeit über nutzen – mir zum Beispiel gefällt der dunkle Nachtmodus deutlich besser. Außerdem könnt ihr auch die Räume bearbeiten und zum Beispiel die Reihenfolge der Auflistung ändern oder Namen bearbeiten. Sieht dann in Bildern so aus:

Evohome im Praxis-Einsatz und die Schaltzeiten

Bis dato könntet ihr eure Heizungen manuell über das Drehrad an den Thermostaten bedienen und bekommt eine zentrale Übersicht über den Stand eurer Temperaturen – was bekanntlich wenig „smart“ ist. Vielmehr steckt der eigentliche Sinn bei diesen und anderen vergleichbaren Thermostaten darin, die Temperatur automatisch regeln zu können, sodass ihr die Thermostate im Idealfall gar nicht mehr einrichten müsstet. Dazu ist aber etwas Arbeit von Nöten, vor allem müsst ihr euch erst einmal ein paar Gedanken machen, wie euer Ablauf an den einzelnen Wochentagen ist. Ihr habt keinen wirklichen geregelten Ablauf? Kein Problem – zumindest die Schlafenszeiten solltet ihr halbwegs hinbekommen und auch wenn das nicht klappt, stellt ihr die Temperatur einfach durchgehend auf eine Stufe.

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Nehmen wir – falls im weiteren Verlaufe einmal benötigt – mal folgendes Szenario: Montags bis Freitags steht ihr um 6 Uhr auf und verlasst um 7:30 Uhr das Haus in Richtung Arbeit. Um 17 Uhr seid ihr in der Regel wieder daheim, um 22 Uhr legt ihr euch Schlafen. Am Wochenende seid ihr so ab 10 Uhr wach und verschiebt die Schlafenszeit auf etwa 24 Uhr. Die Zeiten können natürlich variieren und es können auch weitere Aktivitäten (zum Beispiel jeden Montag von 19 – 21 Uhr ins Fitness-Studio) hinzukommen, kein Problem. Wichtig ist eben nur, dass ihr ganz grob einordnen könnt, wie euer Ablauf an den einzelnen Wochentagen ist. Abweichungen gibt es immer, aber es gibt mit Sicherheit auch immer die ein oder andere „Faustregel-Zeit“, oder?

Habt ihr euch euren Plan ein wenig zurechtgelegt (bei mehreren Personen nehmt immer die frühesten oder spätesten Zeiten), könnt ihr auch schon loslegen. Denn ihr könnt – über die Bedieneinheit wohlgemerkt – für jeden Wochentag und für jedes eingerichtete Thermostat einen eigenen Schaltplan erstellen. Auch hierzu bietet euch Honeywell einen Assistenten an, der die wichtigsten Begebenheiten so abfragt. Zum Beispiel von wann bis wann der Raum genutzt wird, wann er nicht mehr genutzt wird und dergleichen. Kann man nutzen, ist für die erste grobe Einrichtung sicherlich nicht verkehrt.

Wirklich umfangreich wird es erst dann, wenn ihr die Einrichtung der Schaltzeiten selbst konfiguriert. Für jeden Wochentag und Raum lassen sich mehrere unterschiedliche Schaltzeiten am Tag eingeben. Beispiel für das Badezimmer: Ab 6 Uhr morgens soll die Temperatur bei angenehmen 24 Grad liegen – man möchte ja nach dem Duschen nicht frieren. Ab 7 Uhr seid ihr raus, also kann die Temperatur wieder herunter gedreht werden – da ihr eh arbeiten seid, auf die Minimum-Temperatur von 15 Grad. Gegen 17 Uhr kommt ihr heim, da man sich aber sicherlich nicht dauerhaft im Bad aufhält, begnügen wir uns hier mit 19 Grad. Und ab 22 Uhr – der „Bettzeit“ – geht die Temperatur wieder etwas herunter, bevor sie dann am nächsten Morgen wieder auf 24 Grad hochgeht. Prinzip verstanden? Super, denn die Einrichtung ist simpel, sofern man das Prinzip nur einmal verstanden hat.

Interessant ist hierbei die Tatsache, dass die Thermometer selbstlernend sind und wie erwähnt einen integrierten Temperaturfühler besitzen. Es dauert zwar ein paar Tage, aber nach fünf, sechs Tagen haben die Heizregler raus, wann sie loslegen müssen, um die gewünschte Temperatur zur angegeben Zeit (zum Beispiel um 6 Uhr) erreicht zu haben. Somit beginnen sie nicht erst um 6 Uhr mit dem Heizen, sondern schon früher – zum Beispiel gegen 5:30 Uhr. Ich weiß nicht, wie das mit anderen Heizkörperreglern so ist, das Honeywell-System funktioniert aber recht zuverlässig (auch bei meinen älteren Reglern).

Allerdings gibt es natürlich ein kleines Problem, was sich schlicht aus euren räumlichen Begebenheiten ergibt: Habt ihr einen großen Raum, so kann es natürlich vorkommen, dass die Temperatur an der Heizung selbst einige Grad niedriger oder höher ist, als am anderen Ende des Raums, wo zum Beispiel eure Couch steht. Dazu ein Tipp zur ersten Einrichtung: besorgt euch ein zuverlässiges Raumthermometer und stellt dieses an der gewünschten Stelle auf. Denn an den Thermostaten selbst könnt ihr ein so genanntes „Offset“ einstellen, mit dem ihr dem Regler quasi sagen könnt „Hey, die Raumtemperatur an meiner Couch ist drei Grad geringer, als bei dir an der Heizung“ – folglich werden die Regler diese Differenz beachten und umsetzen. Übrigens kein Problem der „smarten Thermostate“, sondern auch die Old-School-Regler haben das Problem, logisch.

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Und so funktioniert das System eigentlich ohne euer Eingreifen. Dennoch kann es ja immer mal vorkommen, dass ihr doch manuell eingreifen wollt oder müsst – zum Beispiel weil ihr früher nach Hause gekommen seid oder ähnliches. Hier habt ihr nun verschiedene Optionen: Über die Bedieneinheit könnt ihr verschiedene Profile aktivieren. So könnt ihr im Economy-Modus die Temperatur aller Räume um 3° C absenken, während der Abwesend-Modus alle Räume auf 15° C herunter kühlen lässt und auch das Ausschalten sämtlicher Regler ist möglich.

Weiter gibt es auch die Möglichkeit, einen Ausnahmetag festzulegen zu können oder ein zusätzliches Sonderprogramm eingeben zu können. Aber auch das temporäre (oder optional permanente) Ändern der Temperatur für einzelne Räume ist natürlich über die Bedieneinheit möglich. Wollt ihr nur die Temperatur in einem Raum schnell verändern, könnt ihr dies aber natürlich wie gewohnt über das Drehrad machen, wobei die manuell eingestellte Temperatur nur bis zur nächsten automatischen Zeitschale beibehalten wird.

Ein paar weitere Anmerkungen und Hinweise

Oben fandet ihr schon eine etwas ausführlichere Beschreibung der automatischen Schaltzeiten, an dieser Stelle noch ein paar kurze Anmerkungen:

  • Laut Honeywell kann das Evohome die Heizkosten um rund 30 Prozent senken. Ist natürlich sehr Nutzungsabhängig, wer nur selten heizt und dann aber vergisst, die Heizung wieder auszuschalten, der spart natürlich mehr als jemand, der bewusst heizt. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass meine Heizkosten um rund 1/4 gesunken sind, nachdem ich von den Standard-Thermostaten auf die alte Honeywell HR25-Thermostate gewechselt bin. Ob der Wechsel nun der einzige Grund war oder einfach weniger geheizt wurde, lässt sich natürlich nicht wirklich nachhalten.
  • Jeder nimmt (Raum-)Temperaturen anders wahr, ihr müsst euch also herantasten (und bezüglich des angesprochenen Offsets auch zu Beginn kontrollieren). In Wohnräumen liegt die „Wohnfühltemperatur“ im Schnitt bei etwa 21-22° C, in der Küche 18° – zum Schlafen liegt sie zwischen 17 und 21 Grad. Wie gesagt: ausprobieren und gegebenenfalls korrigieren. Jedes Grad weniger sorgt für weniger Verbrauch, macht sich also in der Heizkostenabrechnung bemerkbar.
  • Bei der Festlegung der Differenz zwischen „Temperatur am Thermostat“ und „Temperatur an der Liegeposition im Wohnzimmer“ kommt natürlich nicht nur auf die Raumgröße an, sondern auch ob zum Beispiel Türen geschlossen sind, oder ob sich die kältere Luft des Flures mit der eures Wohnzimmers vermischt.
  • Nachts und während ihr außer Haus seid, kann die Temperatur natürlich noch weiter herunter gedreht werden. Ihr solltet allerdings (außer bei Ausflügen von mehreren Tagen) nicht unter 15 Grad Celsius gehen, da die Heizung sonst zu viel Power geben muss, um wieder auf Temperatur zu kommen. Lieber mal in kurzen Schüben Nachschub geben um die 15 Grad zu halten, als längere Zeit konstant „zu ballern“.
  • Für den Winter- oder Sommerurlaub wichtig zu wissen: Um zu verhindern, dass der Heizkörper einfriert, wird das Heizungsventil bei einer Temperatur ab unter 4° solange geöffnet, bis die Temperatur wieder über 6° beträgt. Wird das Ventil eine Woche lang nicht einmal vollständig geöffnet, wird dieses montags kurzzeitig voll geöffnet, womit ein Festsitzen verhindert werden soll.
  • Sobald ihr ein Fenster öffnet und lüftet, sollten sich die Thermostate in den jeweiligen Räumen komplett abschalten. Dies erfolgt auch über die Temperaturmessung, denn sobald es einen stärkeren Temperaturabfall gibt, schalten sie ab – und nach einiger Zeit wieder ein. Die Sensibilität für diese Erkennung und die Zeit bis zur Wiedereinschaltung lässt sich ebenfalls in den Einstellungen direkt am jeweiligen Thermostat regeln. Auch hier gilt: unterschiedliche Werte ausprobieren.
  • Batterie leer? Dann nicht wundern, denn um die oben erwähnten Probleme des Einfrieren und Festsitzens zu verhindern, wird das Ventil kurz vor Lebensende der Batterie komplett aufgedreht.

Internet-Gateway und mobile Apps

Bis hierhin ist das System vor allem durch die selbstlernende Komponente in Verbindung mit den passenden Schaltzeiten schon sehr „smart“, dennoch möchte der ein oder andere das System nicht immer nur über die Bedienstation bedienen, sondern auch über das Smartphone. Und egal ob ihr das Smartphone zuhause oder von unterwegs aus nutzen möchtet: Ihr benötigt für beide Anwendungsfälle den Internet-Gateway, der entweder in einem der Starter-Sets oder gesondert für etwa 70 Euro zu haben ist. Hierbei handelt es sich um ein Gerät, dass optisch ein wenig an ein Modem erinnert und letztlich nichts anderes macht, als euer Evohome-System mit dem Internet zu verbinden – was leider nur über ein LAN-Kabel funktioniert, kabellos ist hier also nicht gegeben.

Was nicht jedem Schmecken dürfte: Die Nutzung setzt natürlich einen Honeywell Connected Home-Account voraus. Hier müssen nicht nur E-Mail und Passwort vergeben werden, sondern es auch weitere Informationen wie die Adresse abgefragt. Wird aber für den Betrieb nicht weiter verwendet, daher denkt euch bei Sorge einfach etwas schönes aus. Honeywell betont, dass eure Daten verschlüsselt auf den Servern gespeichert werden und bei entsprechender Option auch keine Daten an „ausgewählte Dritte“ weitergegeben werden.

Ich habe bislang auch (mit Ausnahme von System-Informationen wie Wartungsarbeiten und dergleichen) nichts an meine eigens eingerichtete Mail-Adresse weitergereicht bekommen. Die Verbindung selbst läuft über gesicherte Verbindungen. Kurz: Account wird benötigt, eure Daten und Verbindungen sollen laut Hersteller gesichert sein. Entweder drauf vertrauen oder den Internet-Zugriff nicht nutzen.

Evohome Remote
Evohome Remote
Entwickler: AndroidGamer
Preis: Kostenlos

Die mobilen Apps existieren aktuell nur für iOS und Android. Für Windows Phone (aka Windows Mobile) steht keine offizielle App zur Verfügung, es gibt allerdings eine Third-Party-App, die zumindest die Schnellaktionen und Temperatur-Änderungen unterstützen, da eine offiziell von Honeywell zur Verfügung gestellte API genutzt werden kann – mehr Funktionen gibt es aber nicht. Die Apps selbst sehen im Vergleich zu den Apps anderer „Smart Home“-Hersteller doch sehr schick aus, sind allerdings (vor allem in Bezug auf die Einrichtung des Systems selbst) nicht so „mächtig“ wie die Bedienung über die zentrale Bedieneinheit des Evohome-Systems.

So erhaltet ihr auch hier eine Übersicht über die aktuellen Temperaturen, könnt verschiedene Aktionen (Economy, Abwesend und derlei) aktivieren, die Temperatur in verschiedenen Räumen manuell ändern und die Schaltpläne ändern. Letzteres funktioniert sogar über die App wesentlich komfortabler (da sich auch Schaltpläne schnell kopieren lassen) – was aber nicht geht, ist das Einrichten neuer Thermostate.

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Was nett ist: Honeywell erlaubt es euch, anderen Nutzern Zugriff auf euren Standort zu geben. Viele andere Hersteller setzen auf eine „Ein-Nutzer-Account“-Strategie, wodurch ihr euch also auch auf dem Smartphone eurer besseren Hälfte mit euren Daten einloggen müsst. Ist hier nicht der Fall. Hat ein anderer Nutzer ebenfalls einen Honeywell-Account, könnt ihr diesem einfach Zugriff auf euren Standort geben. Dazu ruft ihr diese Seite auf und loggt euch dort mit euren Benutzerdaten ein, den entsprechenden Punkt findet ihr dann unter „Account“. Freigegebene Nutzer können Temperaturen ändern, aber ansonsten keine Geräte entfernen und dergleichen.

Evohome und IFTTT

Spieltrieb mit Schaltzeiten und mobilem Zugriff noch nicht gedeckt? Dann gibt es noch die ultimative Bastelei, denn das Evohome arbeitet auch mit IFTTT zusammen (natürlich nur in Verbindung mit dem Internet Gateway). So findet ihr bei dem Automatisierungs-Dienst einen eigenen Evohome-Channel vor, den ihr mit eurem Honeywell-Account verknüpfen könnt. So könnt ihr als Ergebnis eines „Rezepts“ eine der erwähnten Schnellaktionen aktivieren oder deaktivieren oder die Temperatur in einem bestimmten Raum verändern. Wer IFTTT kennt weiß, dass die Möglichkeiten dadurch nahezu unendlich groß werden.

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Die Thermostate bei einer bestimmten Außentemperatur komplett abschalten? Möglich. E-Mail an eine erstellte Adresse senden mit der Wunschtemperatur? Möglich. Nutzung des Standort-Dienstes eures Android-Smartphones? Möglich. Zusammenspiel zwischen dem Netatmo-Thermometer und dem Honeywell Evohome? Möglich. Ach, wirklich: Wer genug Spieltrieb hat, der wird unzählige verschiedene Varianten finden, die funktionieren. Ob nun alles sinnvoll ist oder nicht, lasse ich mal offen – ich habe nur die Abschaltung bei einer bestimmten Außentemperatur aktiv.

Zusatz-Tipp für iOS-Nutzer (teilweise auch Android-Nutzer): Über die Do-Button-App des Dienstes könnt ihr auch Schnellzugriffe nutzen und so über das Quick-Actions-Menü oder eure Apple Watch Temperaturen und Aktionen wechseln – Quick Actions und eine Watch-App besitzt die Honeywell-App nämlich nicht. Tipp: Solltet ihr euren Honeywell-Account über die Apps oder mobile Webseite nicht mit IFTTT verknüpfen können, probiert es am Desktop aus – da gehts kurioserweise.

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden.
Die App konnte im App Store nicht gefunden werden.

tl;dr und Fazit

Viele Worte, fassen wir nochmal alles in Kurzform zusammen. Die Heizkörperregler sind zwar aus Kunststoff gefertigt, machen aber mit Ausnahme des leichten Quietschen einen guten Eindruck und immerhin soll man sie im Idealfall später auch nicht mehr manuell nutzen. Das Austauschen der alten Heizkörperthermostaten mit den „smarten“ Brüdern geht – zumindest bei neueren Heizkörpern – einfach von der Hand, habe sogar ich mit meinen zwei linken Händen binnen weniger Minuten erledigt gehabt. Bedient wird das ganze System primär über die zentrale Bedieneinheit, mit den zusätzlich erhältlichen Internet-Gateway lässt sich auch das Smartphone nutzen und für absolute Spielkinder gibt es auch noch eine Integration in den Automatisierungs-Dienst IFTTT.

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Die Einrichtung der einzelnen Schaltzeiten ist recht simpel gelöst, erfordert aber eben, dass man sich vorher zumindest einmal kurz Gedanken darüber gemacht hat, wo es an den einzelnen Wochentagen Gemeinsamkeiten gibt – denn immerhin soll das Evohome selbst die Temperaturen regeln. Letzteres klappt bereits nach wenigen Tagen ohne Probleme, sodass man zu seiner gewünschten Zeit die ideale Temperatur vorfindet. Temperaturunterschiede zwischen Thermometer direkt im Thermostat und im Raum lassen sich über ein „Offset“ korrigieren – damit man auch auf der Couch am anderen Ende des Raumes seine Wohlfühltemperatur erreicht. Wichtig ist eben, dass ihr bereit seid, zu Beginn ein wenig herumzuspielen, welche Temperatur euch zusagt – jeder empfindet diese eben ein wenig anders.

Preislich ist das kostengünstigste Starter-Set, bestehend aus Bedieneinheit und 3 Heizkörperreglern für rund 240 Euro zu haben – zusätzlich gibt es den Internet-Gateway für nochmals rund 70 Euro, jeder weitere Regler schlägt mit 65 Euro zu Buche. Keine gerade kostengünstige Sache, denn immerhin gibt es verschiedene Bluetooth-Thermostate und auch die Honeywell HR25 für rund 30 Euro zu kaufen. Allerdings sind diese nur selten miteinander verknüpft und lassen sich zentral über eine einzige App bedienen, hinzu kommt eben der „intelligente und selbstlernende“ Mechanismus der Evohome-Thermostate. Sieht man einmal vom Preis ab, kann ich das Evohome nur empfehlen – ist euch der Preis eindeutig zu hoch, kann ich euch noch die besagten Honeywell HR25 empfehlen. Zwar keine Fern- und Funksteuerung, sondern nur eine Einrichtung am Thermostat selbst, funktioniert aber was die Schaltzeiten angeht ebenso zuverlässig.

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