Igloohome Padlock ausprobiert: Smartes Vorhängeschloss mit Bluetooth und PIN

Marcel Am 02.05.2020 veröffentlicht Lesezeit etwa 7:24 Minuten

Der singapurianische Hersteller Igloohome ist schon seit einiger Zeit mit smarten Türschlössern, Vorhängeschlössern und ähnlichem auf dem Markt vertreten, bis dato hat man aber noch nicht den Schritt nach Deutschland gewagt. Dies soll sich nun aber so langsam ändern, denn mit dem smarten Vorhängeschloss Padlock und dem elektronischen Schlüsseltresor Keybox 3 werden auch die ersten beiden Neuvorstellungen des eigenen Produktportfolio offiziell in Deutschland vermarktet und vertrieben. Elektronische Vorhängeschlösser gibt es bereits seit einigen Jahren in einer Vielzahl an Ausführungen und Preislagen, smarte Vorhängeschlösser mit App-Anbindung sind noch vergleichsweise rar gesät. Ich erinnere mich noch an das Noke Padlock, dass trotz guter Hardware nicht ganz überzeugen konnte. Nun konnte ich mir das Igloohome Padlock einmal genauer anschauen.

Hardware: Robust und schwer

Nimmt man das Padlock aus der Verpackung, fällt sofort das hohe Gewicht ins Auge – oder besser der Hand: rund 450 Gramm bringt das Schloss auf die Waage, was für einen guten Eindruck sorgt. Ist bei einem Vorhängeschloss, welches den Spind, Keller oder das Gartenhäuschen vor ungebetenen Eindringlingen schützen soll, ja nicht ganz unwichtig. Gleiches gilt auch für die Materialien, in diesem Falle kommt gehärteter Stahl mit einer Zinklegierung zum Einsatz, wodurch das Padlock gegen kleines bis mittelschweres Werkzeug gewappnet sein sollte – offiziell hält es einer Schneidekraft von 25 kN und einer Zugkraft von 15 kN stand. Letztlich ist es aber wie so oft: Wer hineinkommen möchte, der kommt hinein. Nutzt man am Gartenhaus oder der Kellertür eine Überfalle, dürfte eher dort die erste Schwachstelle zu suchen sein. Das aber nur mal als kleiner Gedanke.

Die vorderseitig eingelassenen Tasten besitzen einen angenehmen Druckpunkt und werden nach dem ersten Tastendruck beleuchtet. Ebenfalls an der Vorderseite befindet sich eine kleine längliche LED, die euch den aktuellen Status anzeigt oder bei einem falsch eingegeben Code mit einem roten Leuchten über diesen Umstand informiert. Auf der Rückseite findet sich eine kleine Abdeckung, die sich nur mit dem beiliegenden Torx-Schraubendreher öffnen lässt – und auch nur dann, wenn das Schloss entsperrt ist. Hier findet die genutzte CR2 Lithium-Batterie ihren Platz, die das Schloss rund ein Jahr lang mit Strom versorgen soll. Sollte die Batterie trotz In-App-Warnungen mal leer sein, kann das Schloss auch temporär mit einer 9V-Batterie versorgt werden, indem die Blockbatterie an die beiden Kontaktpunkte an der Unterseite gehalten werden.

Das Igloohome Padlock misst stattliche 5,5 Zentimeter in der Breite, dicke 3,2 Zentimeter in der Tiefe und in der Höhe rund 7 Zentimeter, einschließlich des Bügels. Letzterer misst im Durchmesser 9 Millimeter, was man bereits im Vorfeld bedenken sollte, denn vor allem kleinere Spindfäche mit kleineren Öffnungen fallen aus der Verwendung heraus. Ein „Problem“, mit dem viele smarte Vorhängeschlösser zu kämpfen haben. Aber vielleicht folgt ja zu einem späteren Zeitpunkt noch eine Mini-Variante des Padlock oder aber zumindest ein optionaler, dünnerer Bügel. Dieser lässt sich nämlich bereits austauschen, Igloohome selbst bietet einen Long Shackle mit einer Gesamtlänge von 14 Zentimetern an, mit dem das Padlock noch vielseitiger im Einsatz wird und auch als Fahrradschloss sowie Vorhängeschloss für Tore, Gatter und Türen verwendet werden kann.

Das Igloohome Padlock ist mit einer IP66-Zertifizierung bedacht worden, ist also staubdicht und hält auch starkes Strahlwasser aus. Somit kann das Vorhängeschloss auch bedenkenlos im Außenbereich eingesetzt werden, zumindest wenn die Temperaturen -20 °C nicht unter- beziehungsweise 50 °C übersteigen. Um das Schloss zusätzlich gegen Kratzer, Schmutz und Staub zu schützen, bietet der Hersteller eine Silikonhülle an, die die Bedienung der Tasten weiterhin gewährleistet. Schade, hätte man meiner Meinung nach der Verpackung beilegen sollen, angesichts des aufgerufenen Preises von (Achtung: Kurz mal die Luft anhalten) 110 Euro dürfte eine Silikonhülle keinen großen Kostenfaktor mehr darstellen. Alles in allem macht das Padlock hingegen einen sehr guten Eindruck, sowohl was die gebotene Sicherheit betrifft, als auch die Verarbeitung an sich.

Einrichtung und App-Rundgang

Für die erste Einrichtung des Igloohome Padlock wird die offizielle App benötigt, die kostenlos für iOS und für Android zur Verfügung steht. Bevor man sich aber an die eigentliche Einrichtung machen kann, muss zunächst einen Account erstellen. Und diesbezüglich wiederhole ich eine Aussage, die ich bereits häufiger als Kritikpunkt bei einer Vielzahl an mehr oder weniger smarten Gadgets getätigt habe: Ich verstehe nicht, wieso man dies nicht optional anbietet. Um es schonmal vorwegzunehmen: Das Schloss kommuniziert alleinig über Bluetooth, eine Internetanbindung ist nicht implementiert. Gerade dieser Punkt macht es für mich unverständlich, wieso ich einen Account anlegen muss. Mir geht es hierbei weniger um den Datenschutz (wobei nicht zu vernachlässigen), sondern einzig darum, dass ich nicht für alles und jeden einen Account anlegen möchte…

‎Igloohome
‎Igloohome
Entwickler: Igloohome Inc.
Preis: Kostenlos
igloohome
igloohome
Entwickler: Igloohome
Preis: Kostenlos

…hat man sich damit aber arrangiert und zusätzlich auch noch eine Unterkunft erstellt (z.B. Zuhause oder Garten), dann kann es losgehen. Im ersten Schritt müsst ihr das gewünschte Modell auswählen und das Padlock mit einem Druck auf eine beliebige Taste aufwecken. Binnen weniger Sekunden findet die App das Schloss und ihr werdet nur noch nach einem passenden Namen gefragt. Et voilà: Fertig ist die erste Einrichtung. In der App könnt ihr nun das Padlock via Bluetooth entsperren, neue Zugriffsberechtigungen erstellen, ein Protokoll zu allen Vorgängen einsehen oder auch weitere Einstellungen für euer Padlock vornehmen. Zu letzterem gehört u.a. ein Piepton bei vergessener Sperrung des Schlosses, einen Sicherheitsausschluss bei mehrmaliger Falscheingabe des PIN oder auch die Anpassung der Lautstärke bei Tastendruck und der Entsperrung.

Das Padlock im Praxiseinsatz

Viele der in der App ersichtlichen Einstellungen und Optionen sind eigentlich schon weitestgehend selbsterklärend, daher springe ich an dieser Stelle einmal etwas vor und komme zu dem fast schon wichtigsten Punkt: dem Praxiseinsatz. Zunächst einmal ist es natürlich so, dass ihr euer Padlock wahlweise mit dem nicht zu ändernden Master-PIN entsperren könnt – einiges smarter ist allerdings die Entsperrung per Smartphone. Dazu müsst ihr euch natürlich in Bluetooth-Reichweite befinden und könnt das Schloss dann über die App entsperren – eine App für die Apple Watch fehlt leider aktuell noch. Funktioniert zügig und zuverlässig. Ich würde mir aber noch ein Auto-Unlock wünschen, sodass das Schloss auf Knopfdruck entsperrt wird, sobald das Bluetooth-Signal entsprechend stark ausgeprägt ist. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Darüber hinaus könnt ihr in der App weitere Zugriffsmöglichkeiten erstellen, z.B. für andere Personen im Haushalt, der Reinigungskraft, dem Paketboten oder für sonst wen. Der Clou: Ihr könnt auch von unterwegs aus neue PIN oder Bluetooth-Schlüssel erstellen, ohne diese mit dem Padlock synchronisieren zu müssen. Zum Einsatz kommt eine Technologie namens algoPIN, die man auch von TAN-Nummern oder der Two-factor authentication her kennt: Sobald ihr einen neuen PIN oder Schlüssel generiert, sendet die App eine Anfrage an die Igloohome-Sever. Hier wird auf Basis der Schloss-ID ein einmaliger PIN generiert, den andere Nutzer verwenden können. Wollt ihr hingegen einen eigenen PIN-Code festlegen, müsst ihr euch allerdings in Nähe des Padlock befinden – gleiches gilt, wenn ihr einen PIN oder Bluetooth-Schlüssel deaktivieren wollt.

PIN-Codes können mit unterschiedlichen Gültigkeitsdauern erstellt werden. Permanente PIN funktionieren immer, während einmalige PIN der Bezeichnung folgend nur einmalig funktionieren. Darüber hinaus gibt es auch noch zeitlich begrenzte PIN, die für eine festgelegte Zeitspanne gültig sind und nach Ablauf verfallen. Zu guter Letzt könnt ihr auch wiederkehrende PIN erstellen, mit denen sich zum Beispiel jeden Donnerstag von 10 bis 11 Uhr das Padlock entsperren lässt – allgemeinstes Beispiel ist sicherlich die Reinigungskraft, die ein- oder zweimal die Woche zu einer bestimmten Uhrzeit kommt. Hiermit sind wohl fast alle möglichen Szenarien abgedeckt, wobei man die Benutzeroberfläche bei der Erstellung eines PIN sicherlich noch etwas vereinfachen und auch verschiedene Kombinationen der möglichen PIN-Optionen erlauben könnte.

Things I haven’t mentioned

  • Auf Echtzeit-Benachrichtigungen wartet man beim Padlock vergeblich. Da das Schloss eben nur über Bluetooth verfügt, besitzt es entsprechend keine Internetanbindung. Einzige Ausnahme: Öffnet eine andere Person das Schloss über einen Bluetooth-Schlüssel, dann erhaltet ihr umgehend eine Rückmeldung.
  • Damit ihr nicht vergesst, das Schloss auch wieder zu verschließen, könnt ihr eine Auto-Relock-Funktion aktivieren. Dank dieser wird das Smart Padlock automatisch nach einer bestimmten Zeit verschlossen, falls der Bügel nach dem Öffnen nicht betätigt wurde.
  • Mithilfe eines maskierten Sicherheitscode könnt ihr Zuschauer beim eingeben des PIN verwirren und täuschen. Lautet euer PIN Beispielswiese 1234567, so könnt ihr auch 87561234567 eingeben um das Schloss erfolgreich zu öffnen. Sicherlich eine nette Idee, können sich ungebetene Zuschauer aber alle 12 Stellen merken, bringt auch dieses vermeintliche Sicherheitsfeature nicht viel. ¯\_(ツ)_/¯
  • Für Airbnb-Hosts könnte die entsprechende Integration sein, mit der sich die Igloohome-Produkte (nicht nur das Padlock) mit dem Buchungskalender von Airbnb verknüpfen lassen. Auf diese Weise lassen sich automatisch PIN-Codes für die Gäste erstellen.
  • Die Igloohome Keybox 3 basiert auf demselben System wie das Padlock und bietet dieselben Features. Einziger Unterschied ist eben die Form beziehungsweise der Anwendungszweck der beiden Gadgets. Prinzipiell lassen sich die vorherigen und nachgelagerten Zeilen aber auch für den smarten Schlüsseltresor heranziehen.

Fazit & tl;dr

Auf den ersten Blick wirkt das Igloohome Padlock wie ein robustes, digitales Zahlenschloss. Mängel bei der Verarbeitung sucht man vergeblich und die verwendeten Materialien (gehärteter Stahl mit Zinklegierung) sollten auch den ein oder anderen Versuch, sich an dem Schloss zu schaffen zu machen, aushalten. Die App für iOS und Android bietet eigentlich alles notwendige und im Vergleich zu anderen Hersteller-Apps sieht sie gar nicht mal so unschön aus; nur der wie so häufig vorhandene Account-Zwang nervt ein wenig. PIN-Codes und Bluetooth-Schlüssel lassen sich schnell und einfach verwalten und erstellen, vor allem das Erzeugen neuer PIN-Codes ohne Verbindung zum Padlock ist eine interessante Sache, die definitiv punkten konnte. Sowohl das Entsperren via App als auch per klassischem PIN-Code funktionierte jederzeit zuverlässig.

Was man aber natürlich auch nicht vergessen darf: der Straßenpreis liegt aktuell bei 110 Euro. Hundert. Und. Zehn. Wenn man bedenkt, dass es handelsübliche Zahlenschlösser für wenige Euro gibt, dann muss man schon technisch sehr verspielt sein oder einen passenden Einsatzzweck haben. Der Vorteil eines smarten Vorhängeschlosses liegt natürlich darin, Personen von unterwegs aus oder nur temporären Zugriff zu gewähren. Sei es die Kellertüre, das Gartenhäuschen oder -tor, eine Außenkiste für die kontaktlose Paketannahme oder auch das Fahrrad (mit dem optionalen Long Shakle). Einsatzzwecke bieten sich zur Genüge und solltet ihr nach genau dieser Flexibilität des unterschiedlichen Zugriffs Ausschau halten, dann go for it. Macht den Preis nicht weniger stattlich, ihr erhaltet jedoch ein robustes smartes Vorhängeschloss mit einem ausgereiften System.

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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