IO Hawk Cross 2.0 im Test: Spaßiges Offroad-Hoverboard am Rande der Legalität

Marcel Am 06.04.2019 veröffentlicht Lesezeit etwa 9:18 Minuten

Kinder der 80er und sicherlich auch der 90er Jahre kommt bei dem Begriff Hoverboard sicherlich schnell der zweite Teil der „Zurück in die Zukunft“-Trilogie in den Kopf, in denen Marty McFly schwebend über die Straßen des Jahres 2015 gleitet. Ganz so futuristisch sind die Hoverboards des Jahres 2018 zwar nicht und auf öffentlichen Straßen (zumindest hierzulande) erst recht nicht. Dennoch haben die batteriebetriebenen Boards mit zwei Rädern, die irgendwie an einen Segway ohne (Lenk-)Stange bereits etliche Freunde finden können. Für mich eine Gerätekategorie, für die ich genau Null Erfahrung mitbringe. Und so war ich umso gespannter, dass ich mir das neuste Hoverboard aus dem Hause IO Hawk anschauen konnte: den Cross 2.0. Hierbei brannten sich mir im Vorfeld zwei Fragen ein: Wie einfach oder schwer erlernt sich das Fahren? Und wie spaßig sind die Dinger wirklich? Ein kleiner Spoiler vorab: Dank Autobalance-Funktion sind die ersten Meter flott geschafft und es macht wirklich Laune.

IO Hawk Cross 2.0 ausgepackt

Bislang habe ich Hoverboards eher in die Kategorie „Spielzeuggefährt“ gesteckt – ein Eindruck, der beim Auspacken des Cross 2.0 unverzüglich verblasst. Rund 13,7 Kilogramm bringt das E-Board mit seinen 62 x 24 x 22 Zentimetern auf die Waage – lässt sich also noch tragen, geht auf Dauer aber in die Arme. Der Cross 2.0 besteht komplett aus einem Kunststoffgehäuse, die Kotflügel eingeschlossen) und ist nach dem IPX-4 Standard gegen von oben kommendes Spritzwasser geschützt. Kurze und leichte Regenschauer widersteht das Gerät demnach, vor einem Wolkenbruch und Pfützen sollte man es jedoch schützen. Schade, auch wenn das Bedürfnis aufs Hoverboard zu steigen recht gering sein dürfte, wenn es wie aus Eimern schüttet. Die Vollbrummi-Reifen bringen es auf 8,5 Zoll und kommen mit Offroad-Profil daher.

Die Standflächen sind gummiert und sollen so für maximalen Halt sorgen – im Gegenzug bleibt jeglicher Schmutz natürlich sehr gut haften. In die Standflächen eingelassen sind Status-LED, die permanent über den Betriebs- und Batteriestatus informieren. Ein Highlight des Cross 2.0 sind die integrierten RGB-LED-Front- und -Rückscheinwerfer, deren Farbe sich über die App frei wählen lässt, die Frontscheinwerfer dienen bei Richtungsänderung auch als eine Art Blinker. Zu guter Letzt gibt auf der Unterseite dann noch zwei spritzwassergeschützte Lautsprecher, die via Bluetooth vom Smartphone mit Musik beschallt werden können. Und bevor es vergessen wird: Ladestecker und ein Power-Button sind seitlich der Standflächen eingebracht.

Alles in allem macht das Hoverboard einen grundsoliden und hochwertigen Eindruck, Kunststoffgehäuse hin oder her. Es knarzt und knackt nichts, es gibt keine lockeren Teile, die Spaltmaße sind sauber. Sollte allerdings auch der Fall sein, soll das Cross 2.0 auch abseits des befestigten Geländes gefahren werden oder „irgendwann mal“ auch hierzulande für den Straßenverkehr zugelassen werden. Ein legales Fahren auf öffentlichen Plätzen und Straßen ist bis dato bekanntlich noch nicht möglich, dazu aber im entsprechenden Absatz mehr. Design ist bekanntlich immer Geschmacksache, das IO Hawk Cross 2.0 gefällt mir jedoch ganz gut. Modern anmutendes Gehäuse, dass jedoch auch nicht zu übertrieben spacig wirkt.

Die ersten Fahrversuche…

Nach dem Auspacken, der ersten vollständigen Ladung und dem Einschalten des Hoverboards soll es dann auch schon losgehen, die ersten Fahrversuche können beginnen. Ist schon ein grandioses Schauspiel, man fühlt sich die ersten Minuten wie ein kleines Kind, dass erstmals ohne Stützräder fahren soll. Auf Aufsteigen ist dank Autobalance-Funktion, die das Board selbst ausbalanciert und die Füße immer parallel zum Boden ausrichtet, noch recht simpel. Etwas kniffliger wird es dann, wenn es ans Fahren geht. Eine leichte Gewichtsverlagerung nach vorn, ein holpriges Anfahren mit einer ungeplanten  – zack, schon steht man auch schon wieder vor oder hinter dem Board. Ja: Die ersten Minuten sieht es alles andere als cool aus, wenn man wie ein Vollhorst unsicher und wackelig auf dem Board steht…

…aber das Gefühl vergeht mit der Zeit. Nicht, dass es einem schlicht egal wird, viermehr sorgt die unterstützende Technik für recht schnelle Erfolgserlebnisse. Und nach den ersten Abflügen vom Board (ohne große Stürze) gelingen auch die ersten Meter. Zwar ziehen hier Schnecken winkend an einem vorbei, ein paar Minuten später wagt man sich aber schon etwas mehr. Man darf nicht versuchen, gleich zu Beginn zu viel zu wollen, besser ist es, nach und nach Vertrauen und Können zu gewinnen. Zunächst langsames Geradeausfahren, danach ein paar leichte Kurven und und die ersten Drehungen – dann könnt ihr die Geschwindigkeit langsam erhöhen, was in der Regel automatisch der Fall ist. Für die ersten Versuche sind ebene Untergründe ratsam, denn auch wenn das Cross 2.0 als Offroad-Gerät konzipiert ist, so steigt mit der Unebenheit des Untergrundes und dem Vorhandensein etwaiger Hindernisse wie Stöcker und (Schlag-)Löcher natürlicherweise auch der Schwierigkeitsgrad.

Wichtig ist, dass man immer versucht locker zu bleiben, auch wenn es bei den ersten Versuchen leichter gesagt als getan ist. Es ist etwas wie bei Hunden: Angst und Zurückhaltung führt zu panischen Reaktionen und untypischen Bewegungen. Gewicht gleichmäßig verteilen, einen stabilen Körperschwerpunkt finden, dann klappt es auch mit dem Cross 2.0. Man muss nicht alles auf einmal ausprobieren und auf die Reihe bekommen, alles nach und nach. Ein guter Tipp ist immer, noch jemanden dabei zu haben, der euch ein wenig stützen und festhalten kann. Sieht zwar nicht cool aus, hilft aber dabei, sich etwas sicherer zu fühlen und ein Gefühl fürs Board zu bekommen. Gleiches gilt auch für Helm und Protektoren, die nicht nur Verletzungen verhindern, sondern auch für eine Lockerheit im Kopf sorgen.

…und den Fahrspaß genießen

Haben sich Kopf, Füße und das Gleichgewicht dann eingespielt, kann man das Board auch mal so richtig in Erprobung nehmen. Die zwei Elektromotoren mit 350 Watt bringen es auf eine Spitzengeschwindigkeit von 15 km/h, was angesichts des „frei Stehens“ schon etwas Mut erfordert. Diese erreicht man aber auch nur auf gut asphaltierten Wegen, denn durch die Vollgummi-Bereifung krachen auch kleinste Schlaglöcher ordentlich ins Hoverboard. Derartige Wege sind zwar grundsätzlich kein K.O.-Kriterium, was auch für Trampelpfade, sowie andere lockere und unebene Untergründe wie Sand, Gras und Kies gilt. Auch diese lassen sich dank der 8.5 Zoll großen und breiten Offroad Reifen befahren, allerdings erfordert dies deutlich mehr Übung und Routine, da man  mit dem Körper deutlich mehr ausgleichen muss.

Die maximale Reichweite des Akkus mit 154,8 Wh beträgt laut Hersteller 10-15 Kilometer und wird natürlich durch viele Faktoren beeinflusst. Beispielsweise erhöht eine glatte, flache Oberfläche die Reichweite, während das Aufwährtsfahren oder raues und unebenes Gelände die Reichweite verringern. Auch das Fahren bei Höchstgeschwindigkeit mit vielen Starts und Stopps hat negativen Einfluss auf die erreichten Kilometer. Und zu guter Letzt spielt auch das Körpergewicht eine Rolle, ein leichterer Fahrer hat eine längere Reichweite als ein schwererer Fahrer – als maximales Körpergewicht gibt IO Hawk 120 kg an. Grundsätzlich passt der angegebene Rahmen von 10-15 km, die Streuung ist ja auch breit genug angegeben. Sollte der Saft einmal ausgehen, muss das Cross 2.0 rund 3 Stunden am Strom hängen.

Wie aber ist es nun mit dem Fahrspaß, wenn man den Dreh einmal raus hat? Meiner Meinung nach sehr hoch. Durch die im Vergleich zu Inlinern fehlende Beinbewegung hat man das Gefühl über die Wege zu gleiten. Zumindest solange keinen großen Löcher, Wurzeln oder ähnliches vor oder unter die Ränder kommen, wobei ich mir bei entsprechendem Können auch ein Offroad-Fahren als sehr spaßig vorstellen kann. Die Vorraussetzungen sind jedenfalls beim Cross 2.0 als vielseitig gegeben, man muss sich nur Überwinden und ein paar Fehlversuche in Kauf nehmen. Habe ich mir zu Beginn ehrlich gesagt nicht so spaßig vorgestellt und Kinder wiederum dürften noch mehr Gefallen an den Teilen finden.

Die App – oder auch: OMG.

IO HAWK
IO HAWK
Entwickler: Capteq GmbH
Preis: Kostenlos
IO HAWK
IO HAWK
Entwickler: IO HAWK
Preis: Kostenlos

Hier im Blog schon häufiger zitiert: Apps von Herstellern sind nur selten gut. Ausnahmen bestätigen die Regel, die IO Hawk-App ist aber definitiv keine. Ganz im Gegenteil. Man greift auf keinerlei Systemstandards zu, sondern nutzt für sämtliche Elemente der Benutzeroberfläche eigene Grafiken, die irgendwie nicht ins Jahr 2018 passen. Noch dazu ist die App zumindest auf dem iPhone X nach oben verschoben, was den Look & Feel dann völlig abrantzen lässt. Aber wie erwähnt: Da ist IO Hawk nicht allein, es scheint schon fast so, als gehören schlecht designte Apps bei Herstellern zum guten Ton. Für mich nicht ganz nachvollziehbar, denn immerhin handelt es sich nicht um Geräte für 50, 60 Euro…

Funktionell bietet sie dann aber wiederum so einiges, primär natürlich mit Blick auf die Einstellungen des Cross 2.0. So lassen sich die Farben der LEDs ändern, sowie die Geschwindigkeit regulieren und den Fahrmodus (Beginner, Normal, Advanced) sowie die Sensibilität der Sensoren festlegen. Darüber hinaus erhaltet ihr einen Einblick in den Systemstatus des Cross 2.0 und erhaltet Informationen über den Ladestand, sowie die aktuelle Geschwindigkeit. Eure gefahren Routen lassen sich via GPS tracken, öffentliche Wege dürften hier aber nur selten auftauchen. Und zu guter Letzt könnt ihr dann auch (mit erstelltem Account) Freunde hinzufügen und gegen diese an Challegenges teilnehmen. Wie man sieht: Es ist einiges geboten, leider macht die App aus optischen Gründen (mir zumindest) keinen wirklichen Spaß.

Notiz: Status-LED & Lautsprecher

Die in den Standflächen untergebrachten Status-LED zeigen euch mittels Farbe die Ladung des integrierten Akkus an. Grün bedeutet hierbei, dass das Gerät über 20 Prozent geladen ist. Ein blaues, blinkendes Licht hingegen signalisiert euch eine Restladung von 20-10 Prozent, fällt diese unter 10 Prozent blinken die LEDs rot. Wechselt die Farbe auf ein stetiges Rot, sollte der Cross 2.0 geladen werden. Meiner Meinung nach hätte man die Skala noch um die Farbe Orange ergänzt werden können, denn ich finde die Angabe der Restladung von 100 – 20 Prozent bei grüner LED als sehr grob skaliert.

Die integrierten Bluetooth-Lautsprecher sind ein nettes Extra, reißen aber keine Bäume aus. Am ehesten lassen sie sich mit Bluetooth-Lautsprechern um die 30-40 Euro vergleichen, gute Smartphones sind zwar leiser, bringen aber einen ausgewogeneren Sound mit. Tut dem Spaß unterwegs und vor allem während der Fahrt aber keinen Abbruch – wenn man denn unbedingt auch seine Umwelt mit seiner Musik beschallen muss. Für die breitere Akzeptanz von Hoverboards dürfte ein Mitbeschallen seiner Umwelt aber ein wenig kontraproduktiv sein – und es muss ja nicht jeder um euch herum wissen, dass ihr den besten Musikgeschmack habt.

Leider illegal unterwegs

Kommen wir nun mal zu einem Punkt, der eigentlich stark gegen ein Hoverboard (und anderen E-Geräten) spricht: Sie sind schlichtweg nicht in Deutschland erlaubt. Wurden Hoverboards in ihrer Anfangszeit noch geduldet, hat sich dies geändert, nach es vermehrt zu Meldungen über Brände und Explosionen von billige China-Boards gekommen ist. IO Hawk selbst betont, dass es nicht einen einzigen Fall eines brennenden IO Hawk-Original gab – immerhin sind diese auch nach UL2272 zertifiziert. Aber: Das alles ändert nichts daran, dass die anfängliche „Duldung“ inzwischen abgeflacht ist und die E-Boards auf öffentlichen Straßen nicht mehr erlaubt sind und dies wird sich auch mit der kommenden Regulierung für E-Scooter nicht ändern, da Hoverboards und Co. hier nicht inbegriffen sind.

Wer erwischt wird, dem droht eine Bußgeld und Punkte in Flensburg – wegen fehlender Fahrerlaubnis und Versicherung, was gerade bei Unfällen teuer werden kann. Hoverboards sind zumeist „bauartbedingt“ schneller als 6 km/h und gelten somit rechtlich als Kraftfahrzeuge. Auch mit Rad, Skateboard und Inlinern bin ich über 6 km/h unterwegs und kann mich wenig rücksichtsvoll verhalten. Aber so ist es halt in Deutschland, da kann man sich nur an den Kopf fassen. Überall spricht man von Elektromobilität und möchte weniger Autos in den (Innen-)Städten haben. Möchte man sich aber für kurze Strecken emissionsfrei, ohne Lärm und platzsparend fortbewegen, dann darf man dies nicht legal tun. Und sollte es mal zu einer gesetzlichen Reglung kommen, wird diese sicherlich so zerrupft, wie es auch aktuell bei den E-Scootern der Fall ist.

Ein kleines Fazit zum Schluss

Das IO Hawk Cross 2.0 ist baulich sehr hochwertig verarbeitet und hinterlässt kaum negative Eindrücke – dazu gibt es noch ein paar Spielereien wie die RGB-LEDs und der integrierte Bluetooth-Lautsprecher. Die Autobalance-Funktion hilft auch Anfängern, schnell erste Erfolgserlebnisse auf dem E-Board zu bekommen und sich nach ein paar Minuten einigermaßen Sicher zu fühlen. Hat man den Dreh dann einmal raus, macht das Hoverboarding viel Laune und man ist flott und wendig unterwegs. Natürlich kommt man mit den angegebenen 10 bis 15 Kilometer nicht sonderlich weit, als emissionsfreies Transportmittel für kurze Wege zum Bäcker, zur Arbeit, zu Bus und Bahn oder auch einfach mal „um den Block zu cruisen“ ist die Reichweite aber in Ordnung.

Aber: Angesichts der aktuellen rechtlichen Lage in Deutschland erübrigt sich ein derartiges Fazit eigentlich, da man es eben nicht legal öffentlich fahren darf. Und so sollte man sich angesichts des Preises von rund 350 Euro genau überlegen, wo und wie ihr das Hoverboard nutzen wollt und eben dürft. Wer jedoch ein ausreichend großes Privatgrundstück besitzt oder dem Verbot schlicht ein wenig das Glück des „Nicht-erwischt-werdens“ abverlangen möchte (was natürlich nicht zu empfehlen ist), der bekommt mit dem IO Hawk Cross 2.0 ein vielseitiges Hoverboard, dass seinen Preis im Vergleich zu den (Achtung: Wortspiel) gebrandmarkten China-Geräten mit 100-15 Euro rechtfertigen kann.

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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