iOS: 8 Scanner-Apps im Überblick und Quali­täts­ver­gleich

Am 13.07.2015 veröffentlicht Lesezeit etwa 7:03 Minuten

Wer privat sein kleines Paperless Office einführen möchte, der dürfte inzwi­schen recht weit kommen. Zwar gibt es noch immer eine ganze Reihe an Dokumenten, die man im Original aufbe­wahren muss, weil Kopien nicht gültig sind (Veriche­rungs­po­licen, Lohnab­rech­nungen und dergleichen) – dennoch kann man inzwi­schen eine ganze Menge Papierkram entsorgen. Ich halte es inzwi­schen so, dass alles wichtigere digita­li­siert und mit kurzen Schlag­worten versehen wird. Wichtige Unter­lagen kommen nach Datum sortiert in einen Karton mit Jahres­be­schriftung, unwichtige Schreiben wandern in den Müll. Suche ich nun ein Dokument, so kann ich es auf dem Rechner suchen, nach dem Datum schauen und es dann aus dem jewei­ligen Karton heraus­suchen. Klappt recht gut, ist im Falle des Originals zügig. 

Zur Digita­li­sierung gibt es natürlich eine ganze Reihe an mehr oder weniger eigen­stän­digen Dokumen­ten­scanner, die sehr gute Arbeit verrichten und dabei auch noch platz­sparend sind. Für den Privat­nutzer dürften kleine Scanner wie zum Beispiel der Doxie Go ausrei­chend sein, alter­nativ dazu gibt es für das Home Office von Freibe­ruflern oder ähnlichem mit hohen Papier­aufwand auch größere Geräte wie den ScanSnap iX500. Das Problem: Die Scanner sind häufig nicht gerade günstig, zumindest in Anbetracht der Tatsache, dass es inzwi­schen immer mehr Scanner-Apps für mobile Systeme gibt. Ich persönlich nutze „scanne“ nur noch mit meinem iPhone und Scanbot – dank der immer besser werdenden Kameras werden die Ergeb­nisse der so erstellten Scans ebenfalls immer besser und sind mehr als ausrei­chend.

Im Grunde gibt es zwischen den zahlreichen Scanner-Apps für iOS eigentlich keine großar­tigen Unter­schiede. Die findet man eher in kleinen und mittel-großen Details wieder, wie zum Beispiel eine OCR-Texter­kennung, die ich für unabdingbar halte – zwar lassen sich die Dokumente theore­tisch auf dem Rechner weiter­ar­beiten und mit einer Texter­kennung versehen, ich habe aber gerne alles in einem Schritt. An dieser Stelle also einmal eine kurze Übersicht über die verschie­denen Apps mit einer kurzen Pro-Contra-Liste meiner­seits, ganz am Ende findet ihr dann einen kleinen Vergleich der Ergeb­nisse der Apps, denn letztlich ist das fertige Dokument auch nicht ganz unwichtig… 

iosscannerapps

iScanner (0,99 Euro)

Bei iScanner handelt es sich sicher um eine jener Scanner-Apps, der im Vergleich zu den restlichen Apps die wenigste Aufmerk­samkeit zu teil wird – obwohl sie leistungs­tech­nisch eigentlich gar nicht mal so schlecht ist. Zwar steht iScanner nur als kosten­pflichtige Version im App Store zur Verfügung, diese ist mit 0,99 Euro aber die günstigste aller Bezahl­va­ri­anten. Dennoch bietet sie zumindest die wichtigsten Features: So gibt es eine integrierte Dokumen­ten­ver­waltung mit Ordner-Sortierung, ihr könnt Dokumente nachträglich bearbeiten und ähnliches. Die Oberfläche ist zwar recht schlicht gehalten und auch eine OCR-Texter­kennung fehlt (wie den meisten), dennoch ist die App ein Blick wert, da sie eben vergleichbare Features wie der Rest besitzt, aber eben im Preis deutlich günstiger ist. 

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. #wpappbox

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Genius Scan (Kostenlos – 6,99 Euro)

Genius Scan dürfte sicherlich mit zu den ältesten Apps ihrer Art gehören und liegt einmal in einer kosten­losen Version vor, während die Pro-Version mit 6,99 Euro zu Buche schlägt. Die Unter­schiede zwischen den Versionen sind nicht groß, die wichtigsten Features (Dokumen­ten­ver­waltung, WLAN-Freigabe, mehrseitige Scans und Co.) sind bereits in der kosten­losen Version enthalten. Die Pro-Version bietet weiter­führend einen (automa­ti­schen) Upload in die Cloud an, Dokumente lassen sich via AirPrint drucken, die App lässt sich mittels TouchID und PDF-Dokumente mittels Passwort schützen und zu guter Letzt ist die kosten­pflichtige Version auch werbefrei. 

Genius Scan - PDF Scanner
Entwickler: The Grizzly Labs
Preis: Kostenlos+
Genius Scan+ - PDF Scanner
Entwickler: The Grizzly Labs
Preis: 6,99 €
  • Genius Scan+ - PDF Scanner Screenshot
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TinyScan (Kostenlos – 4,99 Euro)

Auch TinyScan gehört mit zu den Apps, die bereits seit frühester Zeit im App Store vertreten sind. Auch TinyScan steht wie eigentlich alle anderen Apps auch als kostenlose und als Pro-Version zur Verfügung, wobei die Unter­schiede zwischen den Versionen hier noch am geringsten ausfallen dürften. Denn der einzige Unter­schied liegt in dem Cloud-Upload direkt aus der App heraus, wobei ihr die Dokumente natürlich dennoch wie gewohnt über das iOS-Sharing-Menü zum Beispiel in Dropbox und Co. speichern könnt. Ansonsten bietet auch TinyScan eine integrierte Dokumen­ten­ver­waltung, mehrseitige Scans und ähnliches – als kleine Beson­derheit lassen sich mit TinyScan auch Fotos digita­li­sieren und es gibt eine Erwei­terung für die Fotos.app von iOS 8. 

CamScanner (Kostenlos – 0,99 Euro)

CamScanner ist ebenfalls eine App, die bereits seit langem verfügbar ist. Auch hier gibt es eine recht umfang­reiche Dokumen­ten­ver­waltung mit Tags, das nachträg­liche Bearbeiten von Dokumenten, eine gelungene automa­tische Rahmen­er­kennung, Annota­tionen (hier aber lediglich Stift und Wasser­zeichen), WiFi-Freigabe und dergleichen. Ebenfalls an Board ist eine OCR-Texter­kennung, die in meinen Versuchen aller­dings eher semi-optimal war und oftmals nicht die gewünschten Ergeb­nisse lieferte – entweder waren die erkannten Texte fehlerhaft oder es fehlte ein großer Teil. Aller­dings könnte CamScanner etwas für Leute sein, die mit unter­schied­lichen Systemen unterwegs sind, denn die App steht auch für Android und Windows Phone zur Verfügung. Möchte man seine Dokumente zwischen den Geräten hin und her synchro­ni­sieren, so werden aller­dings 4,99 Euro im Monat fällig. 

CamScanner Free
Preis: Kostenlos+
CamScanner+
Preis: 0,99 €+
  • CamScanner+ Screenshot
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Microsoft Office Lens (Kostenlos)

Die Office-Lens-App von Microsoft ist die einzige App im Reigen, die völlig kostenlos ist. Dafür aber dürfte Office Lens auch die App mit dem geringsten Funkti­ons­umfang darstellen, dennoch ist sie einen Blick wert. So lassen sich nicht nur Textdo­ku­mente, sondern auch White­board-Aufzeich­nungen mit der Kamera digita­li­sieren und Office Lens bietet auch eine OCR-Texter­kennung, sicherlich nicht zu vernach­läs­sigen. Ansonsten eher als minima­lis­tisch zu bezeichnen: schlichte Oberfläche, keine Nachbe­ar­beitung, keine Dokumen­ten­ver­waltung, keine nachträg­liche Bearbeitung der Dokumente, keine mehrsei­tigen Dokumente. Dafür aber kann Office Lens Dokumente auch direkt ins Word- oder Power­Point-Format expor­tieren.

Office Lens
Preis: Kostenlos
  • Office Lens Screenshot
  • Office Lens Screenshot
  • Office Lens Screenshot
  • Office Lens Screenshot
  • Office Lens Screenshot

Scan me (4,99 Euro)

Scan me ist – wenn man einmal von Updates absieht – der jüngste Kandidat im Reigen der Scanner-Apps für iOS. Dennoch gehört Scan me zu den umfang­reichsten Apps, denn die App bietet nicht nur eine einfache Scan-Funktion an, sondern bietet auch eine OCR-Texter­kennung, eine integrierte Dokumen­ten­ver­waltung, Nachbe­ar­beitung von Dokumenten und kann PDF-Dokumente mit Annota­tionen (Markie­rungen, Notizen, digitale Unter­schrift) erstellen und speichern. Ebenso lassen sich auch QR-Codes scannen, was unter Umständen eine weitere App spart. Eigentlich der einzige Kritik­punkt: Es gibt keine kostenlose Testversion, was aller­dings für das Selbst­be­wusstsein der Entwickler spricht, die Scan me selbst als „Premium-Scanner-App“ bezeichnen. Funkti­ons­tech­nisch passt der Begriff durchaus.

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. #wpappbox

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Scanner Pro by Readdle (Kostenlos – 5,99 Euro)

Scanner Pro von Readdle hat erst vor kurzer Zeit ein recht umfang­reiches Update erhalten. Von Readdle ist man hochwertige Apps gewohnt und so macht auch Scanner Pro hier keine große Ausnahme. Im Grunde gibt es nichts, was man vermissen könnte, sieht man einmal von der OCR-Texter­kennung ab. Dokumen­ten­ver­waltung, mehrseitige Dokumente, Nachbe­ar­beitung mit manuellen Kontrast- und Hellig­keits­regler, WLAN-Freigabe, automa­ti­scher Cloud-Upload und mehr. Als kleines Allein­stel­lungs­merkmal gibt es mit Radar eine kleine Funktion, die euren Foto-Ordner nach Dokumenten durch­forstet und wie auch TinyScan kommt auch Scanner Pro mit einer Erwei­terung für die Fotos.app von iOS 8 daher. 

Scanbot (Kostenlos – 4,99 Euro)

Scanbot ist die neue Scanner-App aus dem Hause der ehema­ligen Dop-Entwickler – und die Erfah­rungen, die man mit der Dokumen­ten­ver­waltung gemacht hat, merkt man Scanbot an. So gibt es neben den üblichen und bereits oft erwähnten Grund­funk­tionen eine sehr gute OCR-Texter­kennung, man kann Dokumente mit Passwörtern, Annota­tionen, Notizen und Unter­schriften versehen und mehr. Erwäh­nens­werte Beson­der­heiten gibt es ebenfalls einige: so lassen sich auch QR-Codes scannen, es gibt eine sehr umfang­reiche und intel­li­gente Tagging-Funktion für eure Dokumente und die integrierte Verwaltung und ihr könnt euch auch Erinne­rungen für Fällig­keiten von Rechnungen. Was den Funkti­ons­umfang angeht, dürfte Scanbot die sicherlich umfang­reichste App darstellen – wesentlich mehr als eine reine Scanner-App. 

Quali­täts­ver­gleich

Was den Funkti­ons­umgang betrifft, so gibt es viele Kleinig­keiten, die eigentlich jede der Apps bietet. Wirkliche Unter­schiede gibt es dann im Falle der OCR-Texter­kennung, der Bedienung und der kleinen Annehm­lich­keiten, wie zum Beispiel ein direkter Start der Kamera bei App-Start oder ein automa­ti­sches Auslösen, sobald ein Dokument erkannt wurde. Scanbot kann mit seinem Funkti­ons­umfang definitiv überzeugen – viele Features, aller­dings ohne überladen zu wirken, denn eigentlich ist alles sehr übersichtlich struk­tu­riert. Direkt dahinter folgen dann für mich Scan me und Scanner Pro von Readdle. 

Aber mindestens genauso wichtig – wenn nicht noch einen Tick wichtiger – als der Funkti­ons­umfang ist die Qualität der digita­li­sierten Dokumente. Ich habe alle Apps einmal ein mit einem Tinten­strahl­drucker ausge­druckten Brief gefüttert. Damit es hier keine Beein­flussung von Kamera-Haltung, Licht­ver­hält­nisse und dergleichen gibt, habe ich das Dokument einmal abfoto­gra­fiert und dann über den Foto-Ordner an die Apps weiter­ge­leitet – unter­stützt zum Glück jede der App. Die PDF-Dateien im Ganzen könnt ihr an dieser Stelle herun­ter­laden – unten findet ihr nochmal eine kleine Gegen­über­stellung vor. Mittig findet ihr übrigens einen Scan mit dem Doxie Go.

iosscannerapps-vergleich

Meine Favoriten unter den Scans sind hierbei Scan me (mit dem besten Schriftbild) und Scanner Pro. Auch CamScanner und Scanbot weisen ein gutes Schriftbild auf, welches aller­dings im direkten Vergleich deutlich dunkler und einen Tick gröber daher kommt. iScanner und TinyScan ist mir etwas zu grob, Genius Scan hat ein paar Kontrast­un­ter­schiede und Office Lens macht das Dokument merkwürdig dunkel, obwohl dies in der Vorschau nicht der Fall gewesen ist. Ich habe in dem Durchlauf immer eine Schwarz-Weiß-Konver­tierung genutzt, um den Hinter­grund weiß zu halten. Die verfüg­baren Graufilter machen das Schriftbild zwar feiner, aller­dings weist das Dokument in dem Falle eine leichte Schat­tierung auf, was gerade beim Drucken ein Nachteil ist, da eben auch diese Schat­tierung mitge­druckt wird. Sieht man davon aber einmal ab, so weist Scanbot mit seinem Graufilter das beste und feinste Schriftbild auf. 

Fazit des Ganzen? Funkti­ons­tech­nisch dürfte Scanbot weit vorne stehen, gefolgt von meinen persön­lichen Favoriten Scan me und Scanner Pro. Auch in Sachen Qualität der Scans liegen die drei genannten Apps zusammen mit CamScanner vorne, wobei es in Sachen Qualität nach Scan me und Scanner Pro recht eng wird und die Unter­schiede doch sehr gering ausfallen. Ich persönlich setze aber aufgrund der vielen kleinen Annehm­lich­keiten und der gelun­genen Oberfläche weiterhin auf Scanbot, wobei ich auch Scan me immer wieder mal eine Chance gebe…