Kopfhörer waren bisher für mich eine recht banale Sache, immerhin bin ich zufrie­dener Nutzer der den iPhone beilie­genden Apple EarPods. Guter Sitz, für mich ausrei­chender Klang, passt. Sennheiser CX300 zum Einsatz. Mit dem vor einiger Zeit stärker gewor­denen Gerüchten rund um ein iPhone 7 ohne Kopfhö­rer­an­schluss habe ich mich dann mal wieder mehr mit kabel­losen Bluetooth In-Ear-Kopfhörern beschäftigt. Habe ich vor einigen Jahren schon einmal, zu dem Zeitpunkt war die Auswahl aber noch sehr beschränkt und wenn, dann hatten diese ein recht nerviges Anhängsel am Kabel, in dem sämtliche Technik unter­ge­bracht wurde. Inzwi­schen ist die Entwicklung aber auch hier weiter gegangen und so ist nicht nur die „Technik-Box“ wegge­fallen, sondern es gibt auch wesentlich mehr Auswahl – bei besserer Qualität. In den letzten Wochen konnte ich mir einmal die Jabra ROX Wireless anschauen und anhören und möchte an dieser Stelle einmal ein paar meiner Eindrücke da lassen. 

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Design und Verar­beitung

Nach dem ersten Auspacken machte sich eine kleine Überra­schung breit, denn die ROX Wireless – bezie­hungs­weise der Ohrmu­scheln – sind deutlich größer als gedacht, etwa 2 x 1,5 x 1,5 Zenti­meter messen die jewei­ligen Einheiten. Diese aber kommt natürlich durch die Technik im Inneren zustande, denn immerhin müssen Akku, Bluetooth-Empfänger, Mikrofon, MicroUSB-Anschluss zum Laden und eine kleine „Grund­elek­tronik“ irgendwo hin und mit dieser Tatsache im Hinterkopf, finde ich es schon recht beein­dru­ckend, was man auf eine derart kleine Fläche so alles unter­bringen kann. Das Gewicht hingegen fällt mit 19 Gramm wiederum sehr gering aus und trotz der Größe tragen sie sich nicht unbedingt unangenehm – aber dazu komme ich gleich noch einmal gesondert zurück. 

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Die Verar­beitung der Kopfhörer ist jedoch Jabra-Typisch absolut hervor­ragend. Die beiden Ohrhörer selbst sind an der Außen­seite mit einer Aluminium-Kappe geschützt, das Kabel selbst misst 55 Zenti­meter und ist leicht angeflacht, was sich nicht nur gut anfühlt, sondern auch Kabel­salat verhindert. Wird man aufgrund des vergleichs­weise kurzen Kabels wohl weniger Probleme mit haben, kann aber natürlich bei unvor­sich­tigem Wegpacken immer mal passieren. Die Kappe des linken Ohrhörers lässt sich ohne viel Gefummel entfernen, dahinter verbirgt sich der MicroUSB-Stecker zum Laden der Kopfhörer. Auch die am Kabel angebrachte Fernbe­dienung macht einen sehr hochwer­tigen Eindruck. Diese besitzt drei Tasten (Power, Lauter, Leiser), die einen sehr angenehmen Druck­punkt haben. Bevor ich es vergesse. Die Kopfhörer besitzen übrigens eine IP52-Zerti­fi­zierung und sind gegen Staub und Spritz­wasser geschützt. 

Trage­komfort: Viel, viel auspro­bieren

Auf den ersten Blick vermag man den ROX Wireless keinen guten Trage­komfort zusprechen, denn immerhin sind die Ohrhörer schon ein ordent­liches Stück größer und dicker als jene von kabel­ge­bun­denen Kopfhörern. Dies mag auch nach der ersten Anprobe stimmen, aller­dings gilt auch bei den ROX Wireless wie auch bei anderen In-Ear-Kopfhörern: der richtige Aufsatz macht’s. Jabra liefert sechs verschiedene Aufsätze für den Gehörgang mit, von sehr klein bis sehr groß. Hier heißt es: Munter durch­pro­bieren, den Sitz bei Bewegung prüfen. Ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich die idealen Größen raushatte und wie das am mensch­lichen Körper nicht selten der Fall ist, bin ich letztlich bei zwei unter­schied­lichen Aufsätzen geblieben. 

Sollten die Kopfhörer dann immer noch nicht sitzen – oder zum Beispiel beim Joggen getragen werden – liegen dem Liefer­umfang auch noch so genannte „EarWings“ bei. Hierbei handelt es sich um kleine „Flügel“, die sich über die Ohrhörer stülpen lassen und sich und die Ohrhörer in der Ohrmu­schel „verkanten“. Auch hier gilt wieder, dass ihr viel auspro­bieren müsst, um zum einen die richtige Größe, zum anderen aber auch die richtige Position und Ausrichtung zu finden. Wenn ihr das aber geschafft habt, sitzen die ROX Wireless nahezu perfekt im Ohr, halten auch gröbere Bewegungen aus und sind dank des geringen Gewichts von 19 Gramm nach einiger Zeit nicht unbequemer als handels­üb­liche In-Ear-Kopfhörer. Man muss sich zugege­be­ner­maßen aber ein paar Tage an die Kopfhörer und die Aufsätze gewöhnen. 

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Funktionen des ROX Wireless

Die Verbindung der Kopfhörer wird natürlich über Bluetooth 4.0 mit dem Smart­phone herge­stellt. Wer ein Smart­phone mit NFC besitzt, der kann diese auch hierüber schnell mit dem Smart­phone koppeln, indem die Kabel­fern­be­dienung kurz an den NFC-Chip gehalten werden. Die Bluetooth-Verbindung war während meines Tests stabil und ohne große Aussetzer – egal ob sich das Smart­phone in der Hosen­tasche, Jacken­tasche oder im Rucksack befand. Die Bluetooth-Reich­weite beträgt bis zu 10 Meter und die Kopfhörer merken sich bis zu acht verschiedene Geräte, was das Koppeln mit unter­schied­lichen Geräten einfacher macht. Für spezielle Fälle lassen sich auch zwei Geräte gleich­zeitig mit den Kopfhörern koppeln. 

Ein- und ausge­schaltet werden die Kopfhörer über einen längeren Druck auf den mittleren Button der Kabel­fern­be­dienung – auch lässt sich die Wiedergabe starten und pausieren, Songs überspringen und die Lautstärke ändern. Für iPhone-Nutzer auch inter­essant: wird die mittlere Taste etwa zwei Sekunden lang gedrückt, wird Siri aktiviert. Cool gemacht: Die Ohrstöpsel halten dank magne­ti­scher Abdeckungen „von selbst“ anein­ander und lassen sich so schnell in den Standby-Modus versetzen. Praktisch, um die Kopfhörer bei vorüber­ge­hender Nicht­be­nutzung um den Hals tragen, ohne Gefahr zu laufen, sie zu verlieren. Werden die Ohrstöpsel wieder vonein­ander getrennt, sind sie sofort wieder aktiv und umgehend mit dem Smart­phone verbunden. 

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Ein Punkt, den man bei Bluetooth-Kopfhörern natürlich nie vernach­läs­sigen darf, ist die Akkulaufzeit. Jabra verspricht für die ROX Wireless eine Standby-Zeit von bis zu 18 Tagen und eine Laufzeit von etwa 5,5 Stunden – natürlich in Abhän­gigkeit von der Lautstärke. In meiner Testphase habe ich diese Zeit aber nicht erreicht, spätestens nach 4,5 bis 5 Stunden hat sich der Akku dann verab­schiedet. Kleiner Richtwert: Die Kopfhörer-Lautstärke des iPhones befand sich zumeist entweder auf dem letzten gelben oder ersten roten Strich. Hat man die richtigen Aufsätze heraus­ge­funden, passen die Kopfhörer genau in den Gehörgang und wirken bei gerin­gerer Lautstärke lauter, es es bei anderen vergleich­baren Kopfhörern der Fall ist. Um den leeren Akku wieder voll zu laden, muss dieser in etwa 2,5 Stunden am Strom hängen. 

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Noch ein paar Worte zum Akkuver­brauch eures Smart­phones: Ich habe sowohl Versuche mit dem iPhone, als auch mit dem Nexus 5X gemacht und konnte hierbei keine bemer­kens­werte, niedrigere Akkulaufzeit feststellen. Natürlich zieht Bluetooth und auch die Musik-Übertragung ein wenig Strom. Meiner Meinung nach handelt es sich hierbei aber nur um ein paar Minuten, die während der gleich­zei­tigen, aktiven Nutzung aber nicht sonderlich relevant sein dürften. Da verbraucht das Musik-Streaming über das mobile Datennetz oder Facebook deutlich mehr Akkuka­pa­zi­täten.

Kling und Klang

Neben der Laufzeit ein fast noch viel wichti­gerer Aspekt bei Kopfhörern: der Klang. Bluetooth-Kopfhörer haben aufgrund der kabel­losen Musik­über­tragung ein wenig den Ruf, grund­sätzlich einen schlech­teren Klang zu bieten. Sicherlich gerecht­fertigt, meiner Meinung nach ist der Quali­täts­verlust aber zu vernach­läs­sigen – zumindest für dein Gros der Nutzer. Man muss bei der Argumen­tation auch immer das Quell­ma­terial im Blick behalten und ich glaube ich lehne mich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass weit mehr als jeder zweite Nutzer entweder auf einen Streaming-Dienst wie Spotify, Apple Music und Co. setzt oder lokale Musik in eher durch­schnitt­licher Qualität und/oder aus dubiosen Quellen besitzt. Aber zurück zu den ROX Wireless und deren Klang­qua­lität.

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Ich jeden­falls war positiv überrascht. Egal welches Genre man nun bevorzugt, der Klang fällt immer recht ausge­glichen aus. Die Mitten werden sehr klar wieder­ge­geben, wohin­gegen die Höhen leicht dominieren, ohne aber zu stark zu verzerren oder zu blechern zu wirken. Die Bässe sind ebenfalls sehr satt, könnten für meinen objek­tiven Geschmack gerne noch ein wenig präsenter sein. Für Bluetooth-Kopfhörer ist die Klang­qua­lität aber schlicht überdurch­schnittlich gut. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen, denn zwischen den ROX Wireless und den eigentlich gar nicht mal so schlechten Apple EarPods und den Sennheiser CX300 konnte ich keinen großen Unter­schied feststellen. Aber wie gesagt: Das Empfinden von Klang­qua­lität ist immer etwas objektiv und ich bin kein Musiker mit besonders geschulten Ohren.

Was aber für den optimalen Klang ganz wichtig ist, ist das bereits angespro­chene Herum­pro­bieren mit den Aufsätzen. Denn wie bei jedem In-Ear-Kopfhörer gilt auch hier: Guter Sitz, guter Sound – schlechter Sitz, schlechter Sound. Sobald die Kopfhörer ein wenig aus dem Gehörgang rutschen, nimmt die Klang­qua­lität überpro­por­tional ab – Tiefen und Bässe gehen verloren, es wirkt etwas dumpf und blechern. Die maximale Lautstärke der ROX Wireless ist übrigens enorm, wie erwähnt wirken sie bei gleicher Lautstärke lauter als meine EarPods, was natürlich ebenso daran liegt, dass sie direkt und fest im Gehörgang liegen. Zuletzt noch ein Hinweis auf die Geräusch­dämmung: Die Kopfhörer besitzen eine passive Geräusch­un­ter­drü­ckung, die Umgebungs­ge­räusche um bis zu 15 dB reduziert. Praktisch, wenn man mal wieder ein Bus voller Schul­kinder erwischt hat.

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Die Jabra-App für iOS und Android

Jabra hat auch eine Kompagnon-App für iOS und Android in den entspre­chenden Stores, mit denen nicht nur lokal gespei­cherte Musik und Playlists, sondern auch YouTube-Videos wieder­geben lassen – mit Dolby Digital, womit sich der Klang nochmals aufwerten lässt. Wer den Sound noch mehr nach seinen persön­lichen Vorlieben optimieren möchte, der findet dazu auch einen einge­bauten Equalizer vor. Und ja: Der Klang lässt sich wirklich noch einen Tick verbessern. 

Leider ist die App, egal auf welcher Plattform schaut, einfach nur mehr als altbacken und sieht so grausam aus, dass die Benutzung der App keinen Spaß macht – trotz dessen, dass sie zuletzt im Januar diesen Jahres ein Update erhalten hat. Hinzu kommt, dass zur Wiedergabe eben nur lokale Musik und YouTube-Videos herhalten können, was die Sache deutlich einschränkt. Idee gut, Umsetzung mangelhaft. Hier hoffe ich mittel- oder langfristig auf eine neue App.

Fazit und tl;dr

Das Design und die Verar­beitung der Jabra ROX Wireless hinter­lassen einen sehr hochwer­tigen Eindruck, der Liefer­umfang fällt mit Ladekabel, vielen unter­schied­lichen Aufsätzen und einer kleinen Neopren-Trans­port­tasche recht umfang­reich aus. Der Sitz der Kopfhörer ist, die richtigen Aufsätze voraus­ge­setzt, perfekt und nach einiger Zeit fallen die vergleichs­weise großen Ohrstöpsel gar nicht mehr weiter auf. Dank der EarWings (die ich persönlich immer dran habe) lassen sich die ROX Wireless auch für verschie­denste Sport­ak­ti­vi­täten einsetzen – sie halten, halten und halten. 

Klanglich kann ein Bluetooth-Kopfhörer natürlich nicht an hochpreisige Kopfhörer heran­kommen, meinem objek­tiven Befinden nach ist die Qualität der ROX Wireless aber für einen kabel­losen Kopfhörer überdurch­schnittlich hoch und auf einem Niveau mit anderen Kopfhörern in der vergleich­baren Preis­klasse. Aber darüber entscheidet natürlich der persön­liche Geschmack, jeder hört andere Musik, hat einen anderen bevor­zugten Klang und ein unter­schiedlich feinfüh­liges Hörorgan. Was man definitiv positiv hervor­heben kann, ist die maximale Lautstärke und die (passive) Unter­drü­ckung von Umgebungs­ge­räu­schen.

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Einziger Kritik­punkt wäre sicherlich die Akkulaufzeit. Zwar ist es schon beachtlich, dass man in die Ohrstöpsel neben der benötigten Technik auch noch einen Akku unter­bringen konnte, dennoch können die (in meinem Test) bis zu fünf Stunden Laufzeit je nach Anwen­dungs­zweck zu gering ausfallen. Ich für meinen Teil bin in der Regel 2-3 Stunden unterwegs, daher wäre sie im Alltag für mich ausrei­chend und auch Sport betreibt man sicherlich nur in den seltensten Fällen mehr als fünf Stunden am Tag. Auf längere Zugreisen hingegen kann man schon Probleme bekommen, zumal die Ladezeit mit 2,5 Stunden vergleichs­weise lang ausfällt. 

Wollt ihr euch aber von kabel­ge­bun­denen Kopfhörern trennen, habt in Sachen Sound keine absoluten Premium-Ansprüche, würdet mit der gebotenen Akku-Laufzeit über die Runden kommen und habt kein Problem damit, neben eurem Smart­phone (und vielleicht eurer Smart­watch) auch euren Kopfhörer über Nacht mit dem Stromnetz zu verbinden, so kann ich die Jabra ROX Wireless nur absolut empfehlen. Alle anderen Nutzer müssen eben weiterhin aufs nervige Kabel setzen.