Jabra ROX Wireless angehört: In-Ear-Kopfhörer mit Bluetooth für Alltag und Sport im Test

Marcel Am 07.05.2016 veröffentlicht Lesezeit etwa 8:26 Minuten
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Kopfhörer waren bisher für mich eine recht banale Sache, immerhin bin ich zufriedener Nutzer der den iPhone beiliegenden Apple EarPods. Guter Sitz, für mich ausreichender Klang, passt. Sennheiser CX300 zum Einsatz. Mit dem vor einiger Zeit stärker gewordenen Gerüchten rund um ein iPhone 7 ohne Kopfhöreranschluss habe ich mich dann mal wieder mehr mit kabellosen Bluetooth In-Ear-Kopfhörern beschäftigt. Habe ich vor einigen Jahren schon einmal, zu dem Zeitpunkt war die Auswahl aber noch sehr beschränkt und wenn, dann hatten diese ein recht nerviges Anhängsel am Kabel, in dem sämtliche Technik untergebracht wurde. Inzwischen ist die Entwicklung aber auch hier weiter gegangen und so  ist nicht nur die „Technik-Box“ weggefallen, sondern es gibt auch wesentlich mehr Auswahl – bei besserer Qualität. In den letzten Wochen konnte ich mir einmal die Jabra ROX Wireless anschauen und anhören und möchte an dieser Stelle einmal ein paar meiner Eindrücke da lassen.

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Design und Verarbeitung

Nach dem ersten Auspacken machte sich eine kleine Überraschung breit, denn die ROX Wireless – beziehungsweise der Ohrmuscheln – sind deutlich größer als gedacht, etwa 2 x 1,5 x 1,5 Zentimeter messen die jeweiligen Einheiten. Diese aber kommt natürlich durch die Technik im Inneren zustande, denn immerhin müssen Akku, Bluetooth-Empfänger, Mikrofon, MicroUSB-Anschluss zum Laden und eine kleine „Grundelektronik“ irgendwo hin und mit dieser Tatsache im Hinterkopf, finde ich es schon recht beeindruckend, was man auf eine derart kleine Fläche so alles unterbringen kann. Das Gewicht hingegen fällt mit 19 Gramm wiederum sehr gering aus und trotz der Größe tragen sie sich nicht unbedingt unangenehm – aber dazu komme ich gleich noch einmal gesondert zurück.

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Die Verarbeitung der Kopfhörer ist jedoch Jabra-Typisch absolut hervorragend. Die beiden Ohrhörer selbst sind an der Außenseite mit einer Aluminium-Kappe geschützt, das Kabel selbst misst 55 Zentimeter und ist leicht angeflacht, was sich nicht nur gut anfühlt, sondern auch Kabelsalat verhindert. Wird man aufgrund des vergleichsweise kurzen Kabels wohl weniger Probleme mit haben, kann aber natürlich bei unvorsichtigem Wegpacken immer mal passieren. Die Kappe des linken Ohrhörers lässt sich ohne viel Gefummel entfernen, dahinter verbirgt sich der MicroUSB-Stecker zum Laden der Kopfhörer. Auch die am Kabel angebrachte Fernbedienung macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Diese besitzt drei Tasten (Power, Lauter, Leiser), die einen sehr angenehmen Druckpunkt haben. Bevor ich es vergesse. Die Kopfhörer besitzen übrigens eine IP52-Zertifizierung und sind gegen Staub und Spritzwasser geschützt.

Tragekomfort: Viel, viel ausprobieren

Auf den ersten Blick vermag man den ROX Wireless keinen guten Tragekomfort zusprechen, denn immerhin sind die Ohrhörer schon ein ordentliches Stück größer und dicker als jene von kabelgebundenen Kopfhörern. Dies mag auch nach der ersten Anprobe stimmen, allerdings gilt auch bei den ROX Wireless wie auch bei anderen In-Ear-Kopfhörern: der richtige Aufsatz macht’s. Jabra liefert sechs verschiedene Aufsätze für den Gehörgang mit, von sehr klein bis sehr groß. Hier heißt es: Munter durchprobieren, den Sitz bei Bewegung prüfen. Ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich die idealen Größen raushatte und wie das am menschlichen Körper nicht selten der Fall ist, bin ich letztlich bei zwei unterschiedlichen Aufsätzen geblieben.

Sollten die Kopfhörer dann immer noch nicht sitzen – oder zum Beispiel beim Joggen getragen werden – liegen dem Lieferumfang auch noch so genannte „EarWings“ bei. Hierbei handelt es sich um kleine „Flügel“, die sich über die Ohrhörer stülpen lassen und sich und die Ohrhörer in der Ohrmuschel „verkanten“. Auch hier gilt wieder, dass ihr viel ausprobieren müsst, um zum einen die richtige Größe, zum anderen aber auch die richtige Position und Ausrichtung zu finden. Wenn ihr das aber geschafft habt, sitzen die ROX Wireless nahezu perfekt im Ohr, halten auch gröbere Bewegungen aus und sind dank des geringen Gewichts von 19 Gramm nach einiger Zeit nicht unbequemer als handelsübliche In-Ear-Kopfhörer. Man muss sich zugegebenermaßen aber ein paar Tage an die Kopfhörer und die Aufsätze gewöhnen.

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Funktionen des ROX Wireless

Die Verbindung der Kopfhörer wird natürlich über Bluetooth 4.0 mit dem Smartphone hergestellt. Wer ein Smartphone mit NFC besitzt, der kann diese auch hierüber schnell mit dem Smartphone koppeln, indem die Kabelfernbedienung kurz an den NFC-Chip gehalten werden. Die Bluetooth-Verbindung war während meines Tests stabil und ohne große Aussetzer – egal ob sich das Smartphone in der Hosentasche, Jackentasche oder im Rucksack befand. Die Bluetooth-Reichweite beträgt bis zu 10 Meter und die Kopfhörer merken sich bis zu acht verschiedene Geräte, was das Koppeln mit unterschiedlichen Geräten einfacher macht. Für spezielle Fälle lassen sich auch zwei Geräte gleichzeitig mit den Kopfhörern koppeln.

Ein- und ausgeschaltet werden die Kopfhörer über einen längeren Druck auf den mittleren Button der Kabelfernbedienung – auch lässt sich die Wiedergabe starten und pausieren, Songs überspringen und die Lautstärke ändern. Für iPhone-Nutzer auch interessant: wird die mittlere Taste etwa zwei Sekunden lang gedrückt, wird Siri aktiviert. Cool gemacht: Die Ohrstöpsel halten dank magnetischer Abdeckungen „von selbst“ aneinander und lassen sich so schnell in den Standby-Modus versetzen. Praktisch, um die Kopfhörer bei vorübergehender Nichtbenutzung um den Hals tragen, ohne Gefahr zu laufen, sie zu verlieren. Werden die Ohrstöpsel wieder voneinander getrennt, sind sie sofort wieder aktiv und umgehend mit dem Smartphone verbunden.

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Ein Punkt, den man bei Bluetooth-Kopfhörern natürlich nie vernachlässigen darf, ist die Akkulaufzeit. Jabra verspricht für die ROX Wireless eine Standby-Zeit von bis zu 18 Tagen und eine Laufzeit von etwa 5,5 Stunden – natürlich in Abhängigkeit von der Lautstärke. In meiner Testphase habe ich diese Zeit aber nicht erreicht, spätestens nach 4,5 bis 5 Stunden hat sich der Akku dann verabschiedet. Kleiner Richtwert: Die Kopfhörer-Lautstärke des iPhones befand sich zumeist entweder auf dem letzten gelben oder ersten roten Strich. Hat man die richtigen Aufsätze herausgefunden, passen die Kopfhörer genau in den Gehörgang und wirken bei geringerer Lautstärke lauter, es es bei anderen vergleichbaren Kopfhörern der Fall ist. Um den leeren Akku wieder voll zu laden, muss dieser in etwa 2,5 Stunden am Strom hängen.

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Noch ein paar Worte zum Akkuverbrauch eures Smartphones: Ich habe sowohl Versuche mit dem iPhone, als auch mit dem Nexus 5X gemacht und konnte hierbei keine bemerkenswerte, niedrigere Akkulaufzeit feststellen. Natürlich zieht Bluetooth und auch die Musik-Übertragung ein wenig Strom. Meiner Meinung nach handelt es sich hierbei aber nur um ein paar Minuten, die während der gleichzeitigen, aktiven Nutzung aber nicht sonderlich relevant sein dürften. Da verbraucht das Musik-Streaming über das mobile Datennetz oder Facebook deutlich mehr Akkukapazitäten.

 Kling und Klang

Neben der Laufzeit ein fast noch viel wichtigerer Aspekt bei Kopfhörern: der Klang. Bluetooth-Kopfhörer haben aufgrund der kabellosen Musikübertragung ein wenig den Ruf, grundsätzlich einen schlechteren Klang zu bieten. Sicherlich gerechtfertigt, meiner Meinung nach ist der Qualitätsverlust aber zu vernachlässigen – zumindest für dein Gros der Nutzer. Man muss bei der Argumentation auch immer das Quellmaterial im Blick behalten und ich glaube ich lehne mich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass weit mehr als jeder zweite Nutzer entweder auf einen Streaming-Dienst wie Spotify, Apple Music und Co. setzt oder lokale Musik in eher durchschnittlicher Qualität und/oder aus dubiosen Quellen besitzt. Aber zurück zu den ROX Wireless und deren Klangqualität.

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Ich jedenfalls war positiv überrascht. Egal welches Genre man nun bevorzugt, der Klang fällt immer recht ausgeglichen aus. Die Mitten werden sehr klar wiedergegeben, wohingegen die Höhen leicht dominieren, ohne aber zu stark zu verzerren oder zu blechern zu wirken. Die Bässe sind ebenfalls sehr satt, könnten für meinen objektiven Geschmack gerne noch ein wenig präsenter sein. Für Bluetooth-Kopfhörer ist die Klangqualität aber schlicht überdurchschnittlich gut. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen, denn zwischen den ROX Wireless und den eigentlich gar nicht mal so schlechten Apple EarPods und den Sennheiser CX300 konnte ich keinen großen Unterschied feststellen. Aber wie gesagt: Das Empfinden von Klangqualität ist immer etwas objektiv und ich bin kein Musiker mit besonders geschulten Ohren.

Was aber für den optimalen Klang ganz wichtig ist, ist das bereits angesprochene Herumprobieren mit den Aufsätzen. Denn wie bei jedem In-Ear-Kopfhörer gilt auch hier: Guter Sitz, guter Sound – schlechter Sitz, schlechter Sound. Sobald die Kopfhörer ein wenig aus dem Gehörgang rutschen, nimmt die Klangqualität überproportional ab – Tiefen und Bässe gehen verloren, es wirkt etwas dumpf und blechern. Die maximale Lautstärke der ROX Wireless ist übrigens enorm, wie erwähnt wirken sie bei gleicher Lautstärke lauter als meine EarPods, was natürlich ebenso daran liegt, dass sie direkt und fest im Gehörgang liegen. Zuletzt noch ein Hinweis auf die Geräuschdämmung: Die Kopfhörer besitzen eine passive Geräuschunterdrückung, die Umgebungsgeräusche um bis zu 15 dB reduziert. Praktisch, wenn man mal wieder ein Bus voller Schulkinder erwischt hat.

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Die Jabra-App für iOS und Android

Jabra hat auch eine Kompagnon-App für iOS und Android in den entsprechenden Stores, mit denen nicht nur lokal gespeicherte Musik und Playlists, sondern auch YouTube-Videos wiedergeben lassen – mit Dolby Digital, womit sich der Klang nochmals aufwerten lässt. Wer den Sound noch mehr nach seinen persönlichen Vorlieben optimieren möchte, der findet dazu auch einen eingebauten Equalizer vor. Und ja: Der Klang lässt sich wirklich noch einen Tick verbessern.

Leider ist die App, egal auf welcher Plattform schaut, einfach nur mehr als altbacken und sieht so grausam aus, dass die Benutzung der App keinen Spaß macht – trotz dessen, dass sie zuletzt im Januar diesen Jahres ein Update erhalten hat. Hinzu kommt, dass zur Wiedergabe eben nur lokale Musik und YouTube-Videos herhalten können, was die Sache deutlich einschränkt. Idee gut, Umsetzung mangelhaft. Hier hoffe ich mittel- oder langfristig auf eine neue App.

Jabra Sound (ComplementaryApp)
Jabra Sound (ComplementaryApp)
Entwickler: GN Audio AS
Preis: Kostenlos

Fazit und tl;dr

Das Design und die Verarbeitung der Jabra ROX Wireless hinterlassen einen sehr hochwertigen Eindruck, der Lieferumfang fällt mit Ladekabel, vielen unterschiedlichen Aufsätzen und einer kleinen Neopren-Transporttasche recht umfangreich aus. Der Sitz der Kopfhörer ist, die richtigen Aufsätze vorausgesetzt, perfekt und nach einiger Zeit fallen die vergleichsweise großen Ohrstöpsel gar nicht mehr weiter auf. Dank der EarWings (die ich persönlich immer dran habe) lassen sich die ROX Wireless auch für verschiedenste Sportaktivitäten einsetzen – sie halten, halten und halten.

Klanglich kann ein Bluetooth-Kopfhörer natürlich nicht an hochpreisige Kopfhörer herankommen, meinem objektiven Befinden nach ist die Qualität der ROX Wireless aber für einen kabellosen Kopfhörer überdurchschnittlich hoch und auf einem Niveau mit anderen Kopfhörern in der vergleichbaren Preisklasse. Aber darüber entscheidet natürlich der persönliche Geschmack, jeder hört andere Musik, hat einen anderen bevorzugten Klang und ein unterschiedlich feinfühliges Hörorgan. Was man definitiv positiv hervorheben kann, ist die maximale Lautstärke und die (passive) Unterdrückung von Umgebungsgeräuschen.

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Einziger Kritikpunkt wäre sicherlich die Akkulaufzeit. Zwar ist es schon beachtlich, dass man in die Ohrstöpsel neben der benötigten Technik auch noch einen Akku unterbringen konnte, dennoch können die (in meinem Test) bis zu fünf Stunden Laufzeit je nach Anwendungszweck zu gering ausfallen. Ich für meinen Teil bin in der Regel 2-3 Stunden unterwegs, daher wäre sie im Alltag für mich ausreichend und auch Sport betreibt man sicherlich nur in den seltensten Fällen mehr als fünf Stunden am Tag. Auf längere Zugreisen hingegen kann man schon Probleme bekommen, zumal die Ladezeit mit 2,5 Stunden vergleichsweise lang ausfällt.

Wollt ihr euch aber von kabelgebundenen Kopfhörern trennen, habt in Sachen Sound keine absoluten Premium-Ansprüche, würdet mit der gebotenen Akku-Laufzeit über die Runden kommen und habt kein Problem damit, neben eurem Smartphone (und vielleicht eurer Smartwatch) auch euren Kopfhörer über Nacht mit dem Stromnetz zu verbinden, so kann ich die Jabra ROX Wireless nur absolut empfehlen. Alle anderen Nutzer müssen eben weiterhin aufs nervige Kabel setzen.

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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