Kärcher EDI 4 im Kurztest: Elektrischer Eiskratzer für die Autoscheiben

Marcel Am 21.01.2020 veröffentlicht Lesezeit etwa 4:11 Minuten

Wer sein Auto im Winter nicht in einer Garage oder einem anderem geschützten Ort abstellen kann, für den dürfte das Eiskratzen zum lästigen Alltag gehören. Mit dem richtigen Equipment geht das ganze am Morgen zwar einfacher von der Hand, letztlich frisst dies aber Zeit und Nerven. Diese Arbeit möchte der Hersteller Kärcher nun allen Autobesitzern erleichtern. Bekannt geworden ist das Unternehmen durch und auch wegen seiner Hochdruckreiniger, inzwischen ist der Firmenname ja schon so etwas wie ein Gattungsbegriff geworden. Seit einigen Jahren mischt man aber auch erfolgreich in anderen Gefilden mit, u.a. bei Fenstersaugern. Mit dem Kärcher EDI 4 hat man nun einen elektrischen Eiskratzer im Portfolio, der Autoscheiben im Winter flott von Eis und Co. befreien soll. Klingt in euren Ohren super? Fand ich auch – und habe mir den EDI 4 einmal angeschaut.

Das Gerät einmal ausgepackt, war ich ein wenig überrascht: Mit Seitenlängen von jeweils rund elf Zentimeter ist der EDI 4 ein echter Klopper. Das Gewicht geht mit knappen 550 Gramm aber in Ordnung – kein Leichtgewicht, aber dem Zweck angemessen. Auch wenn man bei der Wahl der Materialien durchweg auf Kunststoff setzt, macht die Verarbeitung des EDI 4 einen guten Eindruck. Es klappert nichts, es gibt keine unerwünschten Spaltmaße und das Gerät wirkt ausreichend stabil. An der Rückseite befindet sich der Ein-/Ausschalter und der Ladestecker. Letzterer ist mittels Gummiabdeckung geschützt und leider proprietär. Für mich der größte Kritikpunkt, denn das Gerät kann so nur mit dem beiliegenden Stromkabel in der Steckdose geladen werden – aber dazu am Ende noch ein paar Worte.

Das eigentliche Herzstück des elektrischen Eiskratzers findet sich an der Unterseite des Gerätes: dort befindet sich eine rotierende Scheibe mit sechs Kunststoffklingen, die zur geschützteren Lagerung mit einer Abdeckklappe abgedeckt werden kann (und sollte). Die Abtragsscheibe lässt sich ganz einfach und ohne zusätzliche Hilfsmittel aus der Arretierung entnehmen und austauschen, was von Zeit zu Zeit passieren sollte. Wie lange eine Kunststoffscheibe hält wird dann erst die Zukunft zeigen. Laut Kärcher soll eine Scheibe aber mindestens einen Winter lang halten – wobei es natürlich auch immer darauf ankommt, wie häufig man seine Scheiben von Eis befreit und wie dick die Eisschicht ist. Ersatzscheiben werden aber ebenfalls angeboten, diese schlagen mit rund 15 Euro pro Stück zu Buche.

Die Benutzung des EDI 4 ist einfach: Gerät einschalten, leicht auf die Oberfläche drücken und mit gleichmäßigen Bewegungen über die Eisschicht ziehen. Ich war zu Beginn pessimistisch, nach dem ersten Versuch aber positiv überrascht: Es funktioniert. Dünnere Eisschichten werden bereits beim ersten Mal entfernt, bei dickeren und hartnäckigeren Eisschichten muss man entweder noch ein zweites Mal den Bereich abfahren oder die Bewegungen verlangsamen – aber auch hier gibt sich der EDI 4 keine Blöße. Aufgrund die Konstruktion der Kunststoffklingen an der Unterseite bleibt zwar ein minimaler Rand, dies dürfte jedoch nur für die Seitenscheiben relevant sein. Front- und Heckscheibe sitzen ja zumeist Plan mit der Karosserie, sodass man diese zumeist komplett von Eis und Raureif befreien kann.

Das Ergebnis ist, wenn man die „Eisspäne“ einmal beseitigt hat, frei von Schlieren und dank der Verwendung eines Kunststoffs ohne Glasfaseranteile sucht man auch die von vielen befürchteten (Mikro-)Kratzer vergeblich. Letztlich macht der Eiskratzer nichts anderes, als auch es auch ein handelsüblicher Kunststoffkratzer machen würde. Man sollte lediglich darauf achten, dass Kunststoffscheibe und -klingen in einem einwandfreien Zustand sind. Als unbedingt leise würde ich den EDI 4 nicht bezeichnen, er gibt ein deutlich hörbares Summen von sich. Angst haben, dass die Nachbarn wegen Ruhestörung in den frühen Morgenstunden die Polizei rufen muss man aber nicht haben: Vom Gefühl her ist das Summen des Gerätes weniger „durchdringend“ als resolutes Eiskratzen mit dem Handkratzer.

Die Akkulaufzeit gibt Kärcher mit rund 15 Minuten an. Klingt im ersten Moment wenig und dürfte durchaus etwas mehr sein, geht aber insgesamt in Ordnung. Ein Auto ist in 2-3 Minuten von Eis befreit (für meinen Smart habe ich etwa 1-2 Minuten benötigt), sodass man die Arbeitswoche ohne erneutes Aufladen überstehen kann. Ist der Akku einmal entladen, benötigt er etwa drei Stunden für eine vollständige Ladung, wohingegen nach zwei Stunden bereits 80% erreicht werden sollen. Kärcher betont die sehr geringe Selbstentladung des EDI 4, sodass man diesen auch mal längere Zeit im Handschuhfach oder den Kofferraum liegen lassen kann, ohne dass man Sorge haben muss, dass der Akku nicht mehr genug Saft liefert. Übrigens schaltet sich der Eiskratzer nach 30 Sekunden automatisch ab.

Für mich ist nur unverständlich, wieso man einen proprietären Ladestecker verbaut hat. Das beiliegende Netzteil bietet einen Output von 9,7V/0,6A, an der notwendigen Stromversorgung kann es also nicht liegen. Ganz im Gegenteil kann USB inzwischen mehr liefern, gleichzeitig hätte man auch die Ladezeit des Akkus verringern können. Durch den verwendeten Stecker muss man den EDI 4 immer mit nach Hause nehmen und dort mit einem zusätzlichen Netzteil laden. Hätte man allerdings auf MicoUSB (oder sogar USB-C) gesetzt, wäre ein Laden im Auto über eine 12-Vol-Steckdose möglich oder man würde sich zumindest ein zusätzliches Netzteil mit Kabel sparen. Ebenso könnte man morgens auch mal kurz eine Powerbank dranhängen, falls der Akku doch mal schlapp machen sollte.

Insgesamt erfüllt der Kärcher EDI 4 also die Versprechen seines Herstellers: Die Verarbeitung ist gut, die Bedienung einfach und Autoscheiben werden zuverlässig von Eisschichten befreit. Letzteres ist auch der Grund dafür, dass die Akkulaufzeit mit einem zugedrückten Auge noch in Ordnung ist. Auch wenn man einen guten Eiskratzer nutzt (ich bin ein riesen Fan der finnischen Eiskratzer) oder auf die Chemiekeule namens Enteiserspray mit all seinen Schlieren und Schmierereien setzt, spart man mit dem EDI 4 Zeit, Nerven und erfrorene Hände. Dennoch wäre es mir wohl zu nervig, immer das dazugehörige Netzteil aus der Schublade zu kramen. Wen das nicht stören sollte, der kann aber bedenkenlos zugreifen – ich persönlich warte auf den EDI 5 mit einem universellen Ladestecker.

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