aukey-vr-brille-test-a

2017 soll das Jahr der Virtual-Reality-Brillen werden – zumindest wenn es nach den Herstellern geht, die sich nach dem nicht vorhan­denen Erfolg für 3D nun die nächste Sau durchs Dorf treiben. Die bekann­testen Modelle dürften wohl Oculus Rift, HTC Vive und PlayStation VR darstellen, aller­dings mit Preisen von 400 Euro aufwärts – liegt natürlich unter anderem daran, dass die VR-Brillen einen Bildschirm und andere Technik verbaut haben. Für einen ersten Einstieg oder gelegent­licher Nutzungen muss es aber nicht unbedingt eine technisch unabhän­gigere VR-Brille sein, denn auf die Smart­phones gibt es inzwi­schen einige Apps, die zahlreiche kurzweilige VR-Erleb­nisse bieten. Dazu ist lediglich eine Art Brillen­ge­stell notwendig, in dem das Smart­phone eingelegt wird und somit als Bildschirm dient, sowie alle relevanten Aufgaben verrichtet. Ein solches Gestell ist zum Beispiel diese VR-Brille aus dem Hause AUKEY für knapp 20 Euro. Ob sie eine günstige Alter­native darstellt oder doch zu viele Nachteile mit sich bringt? Finden wir es heraus.

aukey-vr-brille-test-3

Im Karton selbst, der wie von chine­sische Produkten gewohnt, im zweck­mä­ßigen beige-braun daher­kommt, findet sich neben der VR-Brille nichts weiter inter­es­santes – lediglich ein kleines Mikro­fa­sertuch, eine Garan­tie­karte und ein kurzes Handbuch findet man hier vor. Mehr muss aber auch gar nicht, immerhin benötigt man zur Nutzung lediglich das Gestell und sein Smart­phone – weitere Technik ist eben nicht notwendig. Die Brille wirkt mit ihren etwa 20 x 9,5 x 10-13 Zenti­metern im ersten Moment ein wenig voluminös, dafür aber ist das Gewicht mit x Gramm vergleichs­weise niedrig. Was man aber nicht vergessen darf: Das Gewicht eures Smart­phones kommt natürlich noch hinzu, dazu aber in einem späteren Absatz ein paar mehr Worte zu. 

Die komplette VR-Brille ist auch Kunst­stoff gefertigt, der Eindruck ist ein wenig gemischt. Das Plastik­ge­häuse ist grund­sätzlich recht solide verar­beitet, zumindest was die Spaltmaße und dergleichen anbelangt. Auch die Drehrädchen, die Ösen für die Halte­bänder und die vordere Klappe, in der euer Smart­phone eingelegt und fixiert wird, sind weit davon entfernt, absolut billig zu wirken. Aber: Nimmt man die VR-Brille einmal in die Hand, knarzt das Gehäuse hier und da. Wackelt man etwas mit der Hand, rappelt es im Inneren in jeder Ecke – hier scheint mit ein wenig mehr Spiel gearbeitet worden zu sein. Gefühl: Kein absoluter China-Böller, aber auch weit davon entfernt, hochwertig verar­beitet zu sein. Hier macht sich der niedrige Preis eben das erste Mal bemerkbar.

Das Smart­phone selbst wird in eine Haltung in der vorderen Abdeck­klappe eingelegt, die mit einem Magneten zuver­lässig verschlossen bleibt. Das VR-Gestell kommt diesbe­züglich mit Smart­phones mit 3,7 bis 5,5 Zoll zurecht, natürlich in Abhän­gigkeit der Gehäu­se­größe. Es werden aber eigentlich alle gängi­geren Smart­phones unter­stützt, vom iPhone 5 und 7 (Plus), über diverse Samsung Galaxys, dem LG G4 und 4 und etliche weitere. Sollte also kein Problem sein. Etwas Feingefühl benötigt man dann aller­dings bei der Platzierung des Smart­phones, denn leider gibt es auf Grund des univer­sellen Gestells keine feste Fixierung, statt­dessen muss das Smart­phone selbst möglichst genau mittig ausge­richtet werden. Zwar lässt sich das Smart­phone auch in der Halterung noch bewegen, sobald die Klappe aber einmal geschlossen war, verrutsche das Gerät nicht mehr. 

Die Brille wird mittels zweier Trage­riemen – jeweils einen horizon­talen und verti­kalen – auf dem Kopf fixiert. Diese sind variabel verstellbar und sollten damit für viele Köpfe tauglich sein. Die Polsterung im Bereich der Augen besteht aus einem weichen PU-Material und sorgt dafür, dass sich die VR-Brille ohne allzu großen Druck tragen lässt. Aller­dings mit ein paar Einschrän­kungen: So haben Brillen­träger das Problem dass die Brille schlicht nicht im „Gesichtsfeld“ des Gehäuses hinein­passt, das Gehäuse kann also nicht mit Brille genutzt werden. Auch ist der Trage­komfort gemischt aufge­nommen worden: Während ich die Brille auch eine halbe Stunde ohne Beschwerden tragen konnte, empfand meine bessere Hälfte den Trage­komfort aufgrund des Drucks auf die Nase nicht angenehm. Hier also ein Patt. Was positiv ist: Das Gewicht von Gehäuse und Smart­phone wirkt sich nicht sonderlich negativ aus, die beiden Tragriemen sorgen für eine gute Gewichts­ver­teilung.

aukey-vr-brille-test-1

Euer Smart­phone dient wie erwähnt als Display und Wieder­ga­be­gerät in Einem, daher werden auf diesem natürlich entspre­chende Inhalte benötigt. Sowohl für Android, als auch für iOS gibt es inzwi­schen einige Apps, die euch entspre­chende 360-Grad-Inhalte auf das Display liefern – allen voran natürlich die Google Cardboard-App, die für beide Systeme gleicher­maßen kostenlos zu haben ist. Auch YouTube liefert über die Suche duzende VR-Inhalte, für weitere Apps hilft eine Suche im App oder Play Store. Der Einfach­heit­halber bleibe ich an dieser Stelle mal bei der Cardboard-App von Google, wobei auch Dive City Roller­co­aster für einen flotten Erstein­druck keine schlechte Wahl ist. Aber wie gesagt: Sucht im App oder Play Store einmal nach „VR“ und ähnliche Begriffe, gibt genug – auch wenn die App-Qualität sehr wechselhaft ist, blind würde ich keine zwei Euro ausgeben.

Google Cardboard
Entwickler: Google, Inc.
Preis: Kostenlos
Google Cardboard
Entwickler: Google Inc.
Preis: Kostenlos
Dive City Rollercoaster
Entwickler: Durovis
Preis: Kostenlos

Einige Apps geben die Inhalte sofort und ohne Einstel­lungs­mög­lichkeit wieder, in den Google-Apps habt ihr die Möglichkeit, die Inhalte mittels QR-Code etwas feiner auf eure VR-Brille justieren zu können. Auf der AUKEY-Brille sucht man einen solchen QR-Code zwar vergeblich, diese Seite hat aber duzende Codes gesammelt, unter anderem für ein sichtlich baugleiches Modell – schaut mal unter „Motoraux (rebranded Shinecon)„, der Code funktio­niert auch für die mit dem AUKEY-Label versehene VR-Brille.

aukey-vr-brille-test-13

Die Bildqua­lität? Wie erwähnt eben abhängig von dem genutzten Smart­phone und eurer Augen­stärke. Eine hohe Pixel­dichte, wie sie aktuelle Smart­phones besitzen bringt viel, mit einem iPhone 7 zum Beispiel sucht man Pixel vergeblich, wobei es hier fairer­weise auch auf die Bildqua­lität der gewählten Inhalte ankommt. Die Inhalte werden auf dem Smart­phone „doppelt“ wieder­geben, jeweils fürs linke und fürs rechte Auge. In der Brille dann müssen die Linsen zunächst korrekt ausge­richtet werden. Das obere Rad verändert den Abstand der Linsen und passt diese auf euren Pupil­len­ab­stand ein, die seitlich angebrachten Rädchen verändern den Abstand des Smart­phones und stellen damit das Bild scharf. Welche Dioptrin die Brille so ausgleichen kann, kann ich leider nicht genau sagen – grund­sätzlich sind kurzsichtige Personen im Vorteil, bei Weitsich­tigkeit wird es zugege­be­ner­maßen schwer ein scharfes Bild zu bekommen. 

Die entspre­chenden Apps nutzen diverse Sensoren in eurem Smart­phone – in erster Linie natürlich das Gyroskop und weitere Bewegungs­sen­soren – und sorgen so für ein „Mittendrin“-Gefühl. Je nach gewähltem Inhalt mal mehr, mal weniger eindrucksvoll, die Google- und YouTube-Demos sind aber fast alle recht gut gemacht und spaßig. Proble­ma­tisch kann aller­dings die Steuerung werden: Da die Brille zahlreiche Smart­phones unter­stützen soll, fehlen Knöpfe (bzw. einen Magnet­schalter), mit denen eine Navigation innerhalb der Apps möglich wäre. Ein paar Entwickler haben dies aber ganz gut gelöst indem man Aktionen mittels Blick­fi­xierung auf einen bestimmten Punkt auslösen kann. Alter­nativ dazu unter­stützen einige Apps auch eine Bluetooth-Remote zur Steuerung innerhalb der Demos, vorrangig aller­dings nur mit einem Android-Smart­phone, mit einem iPhone steht man recht verloren dar. 

aukey-vr-brille-test-2

Fazit? Das Gehäuse macht einen grund­sätzlich guten Eindruck, der aller­dings durch ein etwas klapprig verbautes Innen­leben ein wenig gedämpft wird. Der Trage­komfort ist ebenfalls gemischt ausge­fallen: ich fand die Brille angenehm, die Dame des Hauses weniger. Wer aller­dings die Augen eines Maulwurfs hat, der schaut grund­sätzlich in die Röhre, denn für Brillen­träger ist die AUKEY VR-Brille nicht geeignet und zu hohe Dioptrien lassen sich nicht korri­gieren. Die Qualität ist natürlich von dem genutzten Smart­phone abhängig – wer ein halbwegs aktuelles Gerät besitzt, ist aber auf der sicheren Seite, denn zumindest die verbauten Linsen stellen keine große Schwach­stelle dar. 

aukey-vr-brille-test-16 aukey-vr-brille-test-b

Schade, dass man der Brille keinen Bluetooth-Button spendiert hat: auf der einen Seite ist die Brille dadurch immer einsatz­bereit, auf der anderen Seite muss man eben auf eine Bluetooth-Remote zurück­greifen (sofern man Android nutzt) oder hoffen, dass die Entwickler an eine „Blick­steuerung“ gedacht haben. Insgesamt aber ist die AUKEY VR-Brille für umgerechnet etwa 2-3 Schachteln Zigaretten ein solider Einstieg in die VR-Welt. Aktuell sind die Inhalte zwar noch eher eine Art Demo und natürlich Spielerei, in den kommenden Monaten dürften aber viele neue Inhalte hinzu­kommen…