LaMetric Time ausprobiert: Smarte Uhr im Retro-Pixel-Look für Geeks und Nerds

Marcel Am 25.11.2017 veröffentlicht Lesezeit etwa 7:02 Minuten

Auf dem Smartphone trudeln Tag ein, Tag aus zig verschiedene Benachrichtigungen ein, darüber hinaus muss man für bestimmte Informationen auch selbst aktiv werden. Hier eine Meldung über eine neue Mail, hier mal nachschauen wie das Wetter wird, dort mal ein kurzer Blick auf die Followerzahlen bei Twitter. Genau für derlei kleine Info-Happen hat das Londoner Unternehmen Smart Atoms schon seit einiger Zeit eine kleine „smarte Uhr“ im Angebot, die bereits 2014 über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanziert wurde. Einzige Aufgabe der LaMetric Time: im Retro-Ticker-Stil zum Beispiel die Uhrzeit anzeigen, über neue Twitter-Follower informieren, den Radiowecker auf dem Nachttisch ersetzen, über Aktienkurse und Termine auf dem Laufenden halten und derlei Dinge. Nun gab es die Uhr 2.0 zuletzt auf der Deal-Seite StackSocial zu einem günstigen Preis zu erwerben – da musste ich mir das Dingchen doch einmal genauer anschauen…

LaMetric Time ausgepackt

Bei der LaMetric Time handelt es sich um eine 21 x 6,1 x 3,6 Zentimeter große, schwarze Kunststoff-Box. Im ausgeschalteten Zustand nicht zu sehen: Das Display, welches die komplette Front einnimmt. An der Oberseite befinden sich drei Buttons zum Durchschalten der angezeigten Informationen beziehungsweise zum Ausführen von Aktionen, während an der rechten Seite mit dem Power-Button der vierte und letzte Button untergebracht ist. Rückseitig finden sich ein MicroUSB-Anschluss für die Stromversorgung, sowie ein Klinkenstecker, mit dem externe Lautsprecher angeschlossen werden können. Die LaMetric Time besitzt aber auch zwei eigene, seitlich verbaute Lautsprecher, die wenig überraschend nicht sonderlich gut sind, stattdessen qualitativ maximal mit einem günstigen Radiowecker mithalten können.

Entsprechend dem Retro-Stil bringt das verbaute Display 296 Bildpunkte mit sich, genauer gesagt besteht die LED-Matrix aus 29×8 weißen Pixeln für die Anzeige von Informationen, sowie 8×8 Farb-Pixeln für die Symbole. Was im eingeschalteten Modus sofort ins Auge fällt: Anders als die Produktfotos es suggerieren, ist die Anzeige der LaMatric Time nicht wirklich scharf, sondern aufgrund einer matten Kunststoffscheibe vor dem Display wirken die einzelnen Pixel deutlich verschwommen. Während der Retrostil mit seinen großen Pixeln durchaus gewünscht ist, dürfte dies bei der Unschärfe eher nicht der Fall sein. Die Leuchtkraft ist aber mehr als ausreichend hell, dank verbautem Umgebungslichtsensor kann die LaMetric Time die Helligkeit bei Dunkelheit (oder zu einer bestimmten Uhrzeit) automatisch anpassen.

Die Verarbeitung könnte man bestenfalls noch mit „Gut“ bewerten. Also wenn man es wirklich nett meinen möchte und der LaMetric Time gegenüber sehr positiv eingestellt ist. Das Kunststoffgehäuse selbst mag zwar noch in Ordnung sein, die Buttons sind aber wirklich  Mullu-Mullu: Zu große bzw. nicht ganz saubere Spaltmaße, schlechter Druckpunkt und ein wenig vertrauenswürdigen Knacksen bei Betätigung, wie man es sonst nur bei 1-Euro-China-Geräten kennt. Ohne zu viel vom Fazit vorweg nehmen zu wollen: Bei einem Preis von rund 200 Euro hätte das ganze Gadget einfach besser sein müssen: Hochwertigeres Material, bessere Verarbeitung der Buttons und eine schärfere Anzeige – und mit letzterem meine ich logischerweise kein höher auflösendes Display.

 

Die erste Einrichtung

Die erste Einrichtung der LaMetric Time geht einfach und schnell von der Hand. Was mir nur unverständlich ist, ist die Tatsache, dass für den Betrieb zwangsläufig ein Benutzeraccount benötigt wird. Werde ich wohl nie verstehen, wieso man das ganze nicht nur optional anbietet. ¯\_(ツ)_/¯ Die Einrichtung: App für iOS oder Android auf dem Smartphone installieren, ein neues Gerät hinzufügen, das Smartphone mit dem WiFi-Netzwerk des „smarten Displays“ verbinden, die WLAN-Daten des heimischen Netzwerks eingeben und einen Moment warten – schon ist die LaMetric Time einsatzbereit. Wenigstens etwas positives.

Funktionsumfang und Bedienung

Von Haus aus kommt die LaMetric Time mit einer Hand voll vorinstallierter Apps daher: Uhrzeit, Wetter, Radio, Stoppuhr und Timer, hinzu kommen noch eine Bluetooth-Funktionalität um Musik vom Smartphone zu streamen oder Benachrichtigungen des selbigen an die LaMetric Time zu pushen. Jede App lässt sich noch mit ein paar Optionen konfigurieren: Bei der Uhr könnt ihr beispielsweise die Stunden-Anzeige (12 oder 24) wechseln, Sekunden und Wochentage hinzufügen oder auch ein Icon (hier genannt Watchfaces) aus dem LaMetric-Katalog auswählen oder ein eigenes Pixelwerk erstellen. Beim Timer lässt sich die Zeit deklarieren während ihr beim Radio den bevorzugten Sender festlegen könnt – hier habt ihr fünf Sender bereits vorgegeben, könnt aber auch weitere URL-Streams hinterlegen.

Zwischen den Apps lässt sich mit dem linken beziehungsweise rechten Button an der Oberseite der LaMetric Time wechseln, alternativ dazu könnt ihr in der Smartphone-App auch ein automatisches Durchschalten aktivieren, wobei ihr „wichtige“ Informationen auch pro Durchgang zweimal anzeigen lassen könnt. Je nach App könnt ihr auch den mittleren Button an der Oberseite nutzen um bestimmte Aktionen durchzuführen. Kurze Beispiele: Im Falle des Radios ist dies naheliegenderweise das Starten und Pausieren der Wiedergabe, beim Timer und bei der Stoppuhr könnt ihr die Zeit vorübergehend anhalten oder auch neu beginnen lassen. Neben der Haupt-App hat LaMetric für iOS noch eine weitere App im Angebot: LaMetric Smile. Mit dieser lassen sich kurze Grüße mit Pixelicon auf die Time schicken. Joa.

Einer der wichtigsten Plus-Punkte der LaMetric Time: Man ist nicht auf die fünf Standard-Apps angewiesen, vielmehr stehen eine Vielzahl an Apps zur Verfügung, die entweder vom LaMetric-Team direkt oder aber von Drittentwicklern geschaffen wurden. Bezüglich der Vielfalt kann man logischerweise zwar nicht mit dem App oder Play Store konkurrieren, dennoch dürfte für jeden etwas dabei sein. So kann man beispielsweise seine Twitter-Follower oder Facebook Likes anzeigen lassen, sich über neue Mails im Gmail-Posteingang benachrichtigen lassen, Counter von Google Analytics auslesen, den Status eurer Philips hue-Leuchten einblenden lassen (und ändern) und derlei Dinge.

Auch Textinformationen stehen beispielsweise von Spiegel Online, 9to5Mac, Kicker SportNews, Tagesschau und t3n zur Verfügung. Diese werden in bester Tickermanier durchgescrollt, was schon bei kurzen Headlines eine recht lange Aufmerksamkeitsphase benötigt. Konnte ich mich nicht wirklich mit anfreunden, mir sagen kurze Informationen mit einzelnen Werten, die lediglich eine Display-Ansicht einnehmen, mehr zu. Wer für einen bestimmen Zweck keine App im LaMetric App Store finden kann, der kann auch selbst aktiv werden und eigene Apps entwickeln (und diese auch im App-Katalog veröffentlichen). Erfordert zwar je nach Kenntnisse etwas Zeit und Abenteuerlust, aber keine großen Programmierkenntnisse.

IFTTT und Amazon Alexa

Über IFTTT („If this then that“) muss ich denke ich nicht mehr viel sagen – dürfte den meisten Automatisierungs-Nerds schon seit Jahren ein Begriff sein. Kurz: Mit dem Dienst lassen sich Aktionen durchführen, sofern andere Aktionen als Bedingung bereits eingetroffen sind. Beispiel: Gebe eine Benachrichtigung und eine Info auf der LaMetric Time aus, wenn sich das Smartphone der Partnerin wieder der Wohnung nähert. Oder: Gebe Meldung XY auf dem Display aus, wenn die Temperatur unter 10 Grad sinkt. Aber nicht nur Benachrichtigungen sind möglich, auch lassen sich Aktionen durchführen. Beispielsweise reicht ein Klick auf den mittleren Button aus, um eine vorgefertigte Mail zu versenden. Bei IFTTT sind die Anwendungszwecke fast unendlich und erfordern einiges an kreativem Denken. Den LaMatric-Channel findet ihr hinter diesem Link.

Des Weiteren bringt LaMetric Time auch einen eigenen Alexa Skill (→Link) mit. Mit diesem könnt ihr euer Retro-Display ohne Berührung bedienen. Beispielsweise zeigt euch der Satz „Alexa, frage LaMetric Time die Wettervorhersage anzuzeigen“ die Wetter-Informationen an, während ihr mit „Alexa, frage LaMetric Time mich um 7 Uhr zu wecken“ den Wecker stellen könnt und die Phrase „Alexa, frage LaMetric Time den Countdown auf 10 Minuten zu setzen“ ändert den Standard-Wert des Timers. Daneben gibt es noch ein paar Sprachkommandos, insgesamt aber ist die Verbindung von LaMetric Time und Alexa doch mehr „Hauptsache wir haben etwas“, als sinnvoller Ergänzung. Zumindest ich habe den Skill nach dem Ausprobieren auch wieder deaktiviert.

LaMetric TIME – angeschlossene Uhr für Smart Home
LaMetric TIME – angeschlossene Uhr für Smart Home
Entwickler: LaMetric
Preis: Kostenlos

Fazit und tl;dr

Die Idee hinter der LaMetric Time ist einfach wie simpel: Verschiedenste Informationen auf einem Retro-Display anzeigen lassen. Klingt in der Theorie erst einmal ganz praktisch, letztlich hapert es aber an vielen Ecken und Kanten. Erst einmal das positive: Die Darstellung gefällt mir persönlich ganz gut, Retro ist „In“ und sofern man die gewollte Pixeldarstellung mag, dürfte sie wohl auch kein Problem sein. Wer einen hochauflösendes Display benötigt, holt sich entweder ein kleines Tablet oder einen Amazon Echo Show. Toll ist die Möglichkeit, den Funktionsumfang durch kleine Applets erweitern zu können und wer mag, der kann auch eigene Mini-Apps für die „smarte Uhr“ schreiben. Noch toller ist die Anbindung an IFTTT, mit der man die Uhr als Benachrichtigung für allerhand Informationen und Dienste Dritter nutzen kann. Soweit, so positiv.

Nun ist es aber so, dass die Uhr mit rund 200 Euro nicht gerade günstig ist. Ein Preis, der durch zweierlei Dinge nicht wirklich gerechtfertigt ist. Da wäre zuerst einmal der Funktionsumfang: Ja, man kann viele Dienste einbinden – dennoch ist die LaMetric Time letztlich nicht mehr als Radiowecker mit Benachrichtigungsticker. Aber gut, kann man halt damit abtun, dass es sich hierbei um ein teureres Spielzeug für die Geeks und Nerds dieser Welt handelt. Wäre da nicht der zweite Punkt: Die Hardware. Für 199 Euro hätte ich mehr erwartet, als eine „einfach nur mittelgute“ schwarze Kunststoffbox, die sich auch so anfühlt. Etwas Aluminium, ein weniger verwaschenes Display, bessere Buttons und Verarbeitung und etwas bessere Lautsprecher dürften es auch sein. Eigentlich hätte alles besser sein müssen.

Aus den genannten Gründen kann ich für mich festhalten: Ja, die LaMetric Time kann eine ganze nette und hübsch anzuschauende Spielerei auf dem Schreib- oder Nachttisch sein. Und wer weiß, was ihn erwartet und was die Uhr kann beziehungsweise nicht kann, der wird bezüglich der Funktionen wohl auch nicht allzu groß enttäuscht werden. Aber gerade mit Blick auf die Hardware-Qualität wäre das Teil maximal 50 Euro, drückt man beide Augen zu vielleicht auch noch 70 Euro wert. Aber beileibe keine 200 Ocken. Mal schauen, was die LaMetric Air so liefert: das neue Modell bietet verschiedene Sensoren und positioniert sich als Wetterstation, allerdings ist weder ein Preis, noch eine Verfügbarkeit bekannt – obwohl schon im Januar 2017 angekündigt…

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