Auch wenn ich schon seit etlichen Monaten versuche, sämtliche Papier­un­ter­lagen nur noch in digitaler Form abzulegen, so steht man vor dem Problem, dass man häufiger mal verschie­denste Dinge beschriften muss: Seien es Ordner oder Kisten mit aufzu­be­wah­renden Dokumenten, Adress­auf­kleber für Briefe oder Pakete, Liquid-Fläschchen zum Dampfen, Namens- und Tisch­schildchen und und und. Nun habe ich zwar keine typische Sauklaue, dennoch bin ich kein Freund von handge­schrie­benen Etiketten und Schildern, sondern habe lieber alles einheitlich, macht halt einfach einen ordent­li­cheren Eindruck. Dazu habe ich mir in der Vergan­genheit für alle möglichen Zwecke verschiedene Vorlagen in Word erstellt, die dann auf DIN-A4 ausge­druckt und noch zurecht geschnitten werden müssen. 

Die Firma Leitz, sicherlich fast jedem als Hersteller von Büroar­tikeln und noch mehr durch den Leitz-Ordner bekannt, hat ein kleines Gadget im Portfolio, mit dem man sich den ganzen Aufwand sparen kann: den Leitz Icon. Ein Eiket­ten­drucker aka „Smart Labelling System“ mit verschie­denen Druck­for­maten, integriertem WiFi und Apple AirPrint, sowie mobile Apps für iOS und Android. Ich habe ein Modell von Leitz erhalten und konnte mir den kleinen Etiket­ten­drucker daher in den letzten Wochen einmal etwas ansehen und auspro­bieren – was er wie kann und was eher nicht, das könnt ihr in den folgenden Zeilen nachlesen. 

leitz-icon-52

Erst einmal: Optisch passt sich der Leitz Icon sicherlich durch ein schlichtes Design in nahezu jedes Home Office oder dem kleinen Arbeits­zimmer ein, mit seinen Abmes­sungen von 20,9 x 11,1 x 12,9 Zenti­metern nimmt er auch gar nicht mal so viel Platz in Anspruch, sodass sich sicherlich in jedem Raum ein kleines Eckchen findet, nur an den Strom­an­schluss sollte man denken. An der Vorder­seite gibt es den Papier­schacht mit automa­ti­scher Schnei­de­ein­richtung, jeweils einen Button zum manuellen Vorzug und Abschnitt und LEDs zur Anzeige von WiFi und Bereit­schaft. Wer einen dedizierten Button für die Strom­ver­sorgung des Druckers sucht: Viel Spaß dabei, könnt ihr euch lange Zeit mit beschäf­tigen, gibt es kurio­ser­weise nicht. 

Auf der Oberseite lassen sich, nachdem man die Klappe über den dazuge­hö­rigen Button geöffnet hat, die Etiket­ten­kas­setten einlegen. Funktio­niert ohne Probleme und erst recht ohne Fummelei: Kassette einlegen, Deckel schließen, fertig. Der Drucker erkennt anhand eines kleinen Chips auf der Kassette automa­tisch, um welche es sich dabei handelt. Denn der Leitz Icon versteht sich nicht nur auf einer einzigen Sorte Etiketten, sondern man hat seinem „smarten Labeling System“ gleich 20 verschiedene Formate spendiert. So gibt es neben selbst­kle­benden Endlos-Etiketten in unter­schied­lichen Breiten auch noch Adress­auf­kleber, Endlos-Karton­schilder (klebt nicht), sowie Plastik-Etiketten in Weiß, Rot und Gelb – zum Beispiel für Warnauf­kleber oder ähnlichem. 

Die Einrichtung des Leitz Icon ist ebenfalls schnell gemacht und kann auf unter­schied­lichen Wegen erledigt werden. Am einfachsten ist es sicherlich über die WPS-Funktion eures Routers, genauso gut könnt ihr euch aber auch an eurem Rechner in das WiFi-Netzwerk des Icon einloggen und dann über die URL „ICON-xxyyzz.local“ (xxyyzz sind die letzten sechs Ziffern der MAC-Adresse eures Druckers, steht auf der Unter­seite) die Einstel­lungen des Icons aufrufen. Hier könnt ihr euren Icon zum Beispiel mit dem heimi­schen Netzwerk verbinden, AirPrint ein- oder ausschalten und die Firmware des Druckers aktua­li­sieren – findet ihr übrigens an dieser Stelle. Keinen Bock auf einen WiFi-Drucker? Dann könnt ihr den Icon natürlich auch mittels USB-Kabel mit eurem Rechner verbinden, dann aber ist er eben nicht mehr so „smart“.

leitz-icon-settings

Wie gesagt: Könnte alles nicht viel einfacher sein, auch das Hinzu­fügen des Druckers als WLAN-Drucker in Windows und OS X verlief ohne Probleme. Da hatte ich mit meinem Canon Pixma schon größere Probleme. Kommen wir nun einmal zu dem sicherlich wichtigsten Teil: der Software. Zwar bindet sich der Icon (zumindest unter OS X) als regulärer Netzwerk-Drucker ein, aller­dings führt das einfache Auswählen des Druckers unter Apps wie Word zum Beispiel nicht zu dem gewünschten Erfolg. Statt­dessen hat man eigene Icon-Apps für Windows und OS X, sowie für iOS (iPhone und iPad) und Android in petto. 

Icon-Software für Windows und OS X herun­ter­laden

Leitz Icon Software
Preis: Kostenlos
Leitz Icon Software
Preis: Kostenlos

Das positive einmal zu Beginn: Hat man die Apps instal­liert und gestartet, erkennen diese den Icon ebenfalls ohne größere Probleme, egal ob man nun Windows, OS X, iOS oder Android nutzt. Das negative: Die Anwen­dungen sind eher zweck­ori­en­tiert, denn wirklich spaßig. Aber einmal von vorne, glück­li­cher­weise müsst ihr dem Drucker wie gesagt nicht mitteilen, welche Kassette ihr eingelegt habt – dies ermittelt die Software automa­tisch und zeigt euch auch weitere Infor­ma­tionen wie „Klebend/Nicht klebend“ oder den Füllstatus der Kassette an. 

leitz-icon-software-mac-9

Von Haus aus bringt die Icon-Anwendung schon zahlreiche vorde­fi­nierte Etiketten-Typen mit sich, darunter Adress- und Versand­auf­kleber, Ordner­eti­ketten, Mehrzwe­cke­ti­ketten und Namens­schilder in verschie­denen Größen – jeweils auf Wunsch auch mit ein paar vorge­fer­tigten Beispiel-Inhalten. Wer etwas außer der Reihe drucken möchte: Auch das ist möglich, ihr seid also nicht an die Vorgaben gehalten, sondern könnt über die Option „fortlaufend“ selbst Etiketten erstellen, bis zu einer maximalen Länge von einem Meter. Was etwas schade ist: Der Drucker erkennt zwar, wenn ihr ein falsches Etiket­ten­format für die einge­legte Kassette ausge­wählt habt, aller­dings zeigt euch die Anwendung immer sämtliche Formate an, statt nur die von der Kassette unter­stützten.

Das Erstellen von Etiketten geht einfach von der Hand und ist gar nicht viel anders als in einer handels­üb­lichen Textver­ar­beitung. So lassen sich neben einfachen Textfeldern auch Formen und Bilder (einfach per Drag’n’Drop) einfügen, auch Barcodes lassen sich erzeugen und drucken. Bezüglich der Textfarben hat man natürlich nur Schwarz und verschiedene Grautöne zur Auswahl, immerhin handelt es sich bei dem Icon um einen Thermo­drucker. Selbst erstellte Etiketten lassen sich über einen etwaigen Dropbox-Account zum Beispiel mit den mobilen Apps teilen, in so weit ist alles recht funktionell und auch für Anfänger geeignet. 

Tipp am Rande: Versan­de­ti­ketten von DHL, Hermes, DPD, UPS und Co. lassen sich nicht ohne weiteres ausdrucken – dazu muss die Versand­marke erst kurz bearbeitet werden, Leitz hat dazu einen entspre­chenden Eintrag im FAQ. Eine Zusam­men­arbeit mit den Trans­port­diensten wäre natürlich wesentlich geiler und produk­tiver, aber der Worka­round funktio­niert zumindest einwandfrei und dürfte noch immer schneller sein, als ausdrucken, ausschneiden und mit Klebeband aufkleben.

Die mobilen Apps sind übrigens vom Funkti­ons­umfang her identisch, lediglich die Bedienung ist logischer­weise ein klein wenig anders. Hier einmal ein paar Screen­shots der App für’s iPhone, sieht unter Android aber nicht viel anders aus, da man eigentlich (mit Ausnahme von AirPrint) keinerlei spezielle System­funk­tionen nutzt. Unter iOS hätte ich mir zum Beispiel eine schnelle Möglichkeit gewünscht, markierten Text über das Share Sheet von iOS an die Icon-App weiter­reichen zu können. Aber gut, Luft nach oben gibt es immer ein wenig.

Die Qualität der Ausdrucke empfinde ich eigentlich als sehr gut: Texte sind scharf und gut lesbar, selbst ausge­druckte Barcodes oder kleinere Logos sind gut zu erkennen und vor allem maschinell lesbar. Da der Leitz Icon die gedruckten Etiketten automa­tisch abschneidet, gibt es eigentlich nahezu keinen Verschnitt, gefällt mir. Bis zu 200 Etiketten schafft der Drucker pro Minute, je nach gewähltem Etiket­ten­format natürlich. Ist aber schon eine Ansage. Wie gesagt handelt es sich hierbei um einen Thermo­drucker, es fallen also mit Ausnahme der Kassetten keine Folge­kosten für Tinte oder Toner an. Ob man die gedruckten Etiketten auch nach Jahren noch lesen kann? Wird man sehen, aktuelle Thermo­druck­ver­fahren sind aber wesentlich besser. 

Und ein „smartes“ Gerät wäre nicht „smart“, wenn es sich nicht auch mobil nutzen lassen würde. Dachte sich auch Leitz und hat dem Icon ein optional erhält­liches Akkupack an die Seite gestellt. Dieses wird ganz einfach an die Rückseite des Icon geklemmt und versorgt den kleinen Drucker so bis zu 12 Stunden lang (oder 1.200 Etiketten) mit Strom. Eine nette Sache, wenn man zum Beispiel im Keller die Ordner bekleben möchte – Drucker mit, Smart­phone mit, schon kann es losgehen. Blöd nur: Auch der Akku besitzt keinen dedizierten Ein-Aus-Schalter. 

leitz-icon-67

Fazit zum Leitz Icon? Ein durchaus prakti­sches Teil. Fairer­weise muss man natürlich im Hinterkopf behalten, dass sich der Drucker das Smart Labeling System eher an kleinere Betriebe, Freibe­rufler und Home-Office-Nutzer richtet und weniger an den privaten Endnutzer zu Hause. Dennoch sehe ich auch für Privat­leute einen Nutzen für den Icon: ich bin wie häufiger mal in anderen Artikeln erwähnt zu einem großen Teil papierlos unterwegs, dennoch gibt es immer wieder etliche Dinge, die ich bekleben muss oder möchte. Von Adress­auf­klebern, über Label für meine E-Liquids, bis hin zu Ordner­eti­ketten, Hinweis­auf­klebern für die Keller­schränke und und und – habe ich ja zu Beginn schon einmal kurz aufge­zählt.

Natürlich ist der Leitz Icon mit aktuell etwa 120 Euro nicht günstig, hinzu kommen noch etwa 20 Euro pro Etiket­ten­kas­setten, kann sich durchaus läppern. Wer aber keinen oder zu wenig Bedarf hat, der wird den Kosten-Nutzen-Faktor sicherlich schnell negativ bewertet haben – wer aller­dings Bedarf hat (wisst ihr sicherlich am besten ), der kann beden­kenlos zugreifen. Im Grunde gibt es nicht viel, was man nun stark kriti­sieren könnte, mit einer einzigen Ausnahme: Ich verstehe noch immer nicht, wieso man ein derar­tiges Gerät entwirft, dass ohne einen Ein- und Ausschalter daher­kommt – vor allem auch bezüglich des Akkus.