Mac OS X: Adios iPhoto. Ein erster Blick in die neue Photos-App

Am 09.02.2015 veröffentlicht Lesezeit etwa 6:59 Minuten

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In den vergan­genen Tagen hat Apple OS X 10.10.3 in einer weiteren Beta-Version für regis­trierte Entwickler veröf­fent­licht, mit der es auch erstmals eine Testversion der neuen Photos.app für den Mac aufge­schlagen ist. Ein erster Blick hinein.

Bereits auf der letzt­jäh­rigen WWDC 2014 hat Apple eine neue Photos.app für den Mac vorge­stellt, die sich nicht nur an der gleich­na­migen iOS-App orien­tieren, sondern auch iPhoto und Aperture ersetzen soll. Danach wurde es dann lange still um die App, bis Apple in den vergan­genen Tagen eine neue Beta-Version von OS X 10.10.3 veröf­fent­licht hat, in der es erstmals auch eine öffent­liche Version der Photos.app zu sehen gibt. Ich habe mir die App einmal etwas genauer angesehen – einen kurzen Einblick findet ihr nun an dieser Stelle vor. Vorab sei einmal gesagt: Die App befindet sich derzeit natürlich noch in einer Beta-Version, bestimmte Dinge und Ansichten können sich hier und da also noch ändern, wobei Apple oftmals recht solide Beta-Versionen veröf­fent­licht, deren finales Ergebnis sich nicht großartig von den Testver­sionen unter­scheidet. Wer keinen Bock auf viel Text hat, der bekommt unten auch eine knappe Zusam­men­fassung.

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Erst einmal: Die Photos.app erzeugt wie auch iPhoto eine eigene Mediathek, in die eure impor­tierten Fotos hinein kopiert werden. Impor­tiert werden kann entweder von lokalen Ordnern und Dateien, aber auch vom iPhone oder anderen USB-Geräten heraus – quasi so wie man es von der App „Digitale Bilder“ oder der altge­dienten iPhoto-App bereits kennt. Einmal hinzu­gefügt, zeigt die Photos.app eure Aufnahmen im Stile der iOS-App an, sprich sortiert nach dem Zeitpunkt und Ort der Aufnahme – die so genannten Momente. Unter iOS empfinde ich das Feature als eher unnütz, hier aber macht die Darstellung durchaus Spaß – sofern man seine Fotos ordentlich sortiert und mit diversen EXIF-Daten gespei­chert hat. Per Zwei-Finger-Zoom lässt sich dabei direkt in einzelne Bilder hinein­zoomen.

Der Reiter „Für alle“ zeigt eure freige­ge­benen iCloud-Alben an (dazu gleich ein paar warme Worte), wirklich nützlich hingegen ist erst der Tab „Alben“. Hier bekommt ihr nicht nur eure zusam­men­ge­stellten Alben angezeigt, sondern auch automa­tische Ordner wie euer gesamter Fotobe­stand, die Fotos eures letzten Imports, festge­legte Favoriten, sowieso Formate wie Panoramen, Foto-Bursts, Videos und Co. 

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Beginnen wir hier einmal mit den Gesichtern, denn wie iPhoto kann auch die Photos.app Gesichter auf Bildern erkennen und zuordnen – was doch recht zuver­lässig funktio­niert. Hat die App neue und unbekannte Gesichter erkannt, so könnt ihr diese einer Person zuordnen, woraufhin die App Fotos teilweise automa­tisch hinzufügt, teilweise jedoch auch nachfragt. Insgesamt muss man aber sagen, dass die Gesichts­er­kennung doch recht zuver­lässig funktio­niert.

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Ins Bezug auf Alben sollte man erwähnen: Zum einen gibt es die obliga­to­ri­schen Ordner in die ihr Bilder manuell hinzu­fügen könnt, zum anderen gibt es auch die bekannten intel­li­genten Alben. Bei letzterem habt ihr verschiedene Bedin­gungen zur Auswahl, sodass ihr zum Beispiel alle Bilder eines bestimmten Jahres in einem Album sammeln könnt, Bilder mit einem bestimmten Tag und so weiter. Im Grunde sind hierbei nur eurer Fantasie grenzen gesetzt – und natürlich darin, was ihr so benötigt und was wirklich praktisch sein kann.

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Die Alben-Ansicht präsen­tiert sich wiederum recht klassisch, wobei Apple hier betont, dass man den Bildern bezie­hungs­weise deren Thumb­nails deutlich mehr Platz einge­räumt hat. Wem die Standard-Ansicht nicht gefällt, der kann die Vorschau­bilder natürlich auch vergrößern oder verkleinern. Was die App auch bietet: Bilder lassen als als Schlüs­selfoto für ein Album festlegen, ebenso lassen sich Bilder wie aus der iOS-App bekannt ausblenden – dabei verschwindet das Bild aus den Momenten und den Alben, bleibt aber über den Ordner „Alle Fotos“ weiterhin in der App vorhanden. Eine Diashow ist natürlich auch an Bord, nur mal so der Vollstän­dig­keits­halber.

Bilder in der Einzel­an­sicht werden natürlich erwar­tungs­gemäß über die gesamte Fenster­breite und -höhe darge­stellt, wer mag kann sich auch eine zusätz­liche Sidebar einblenden lassen, in der alle Fotos des Album angezeigt werden. Klar: Per einfacher Zoom-Geste lässt sich in die Bilder hinein und heraus zoomen. Wer mag, der kann Bilder aus der App heraus aus direkt mit anderen Apps teilen und diese zum Beispiel per iMessage versenden, auf Facebook hochladen und ähnliches – eine sehr nette Möglichkeit, gefällt. 

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Auch gibt es das von iPhoto bekannte Info-Fenster, über das man einen Titel für das Bild vergeben, Tags hinzu­fügen und Gesichter markieren kann – falls die App diese mal nicht automa­tisch erkennen sollte. Was leider fehlt: Es gibt keine Möglichkeit, den Aufnah­meort manuell hinzu­fügen zu können – entweder bin ich diesbe­züglich blind, oder die Möglichkeit fehlt schlichtweg und wird hoffentlich noch nachge­reicht, denn immerhin beherrschte iPhoto diese Option. Datum und Uhrzeit lassen sich übrigens über den Menüpunkt „Bild → Datum und Uhrzeit anpassen“ nachträglich ändern. 

Kommen wir zu (m)einem Herzstück der App: Der Bearbeitung von Bildern. Auch dieses Feature hat Apple von iOS auf den Mac gebracht, sodass sich Bilder zumindest rudimentär direkt innerhalb der App bearbeiten lassen. Gab es zwar auch schon in iPhoto, hier aber hat man es nochmals deutlich aufge­wertet und vor allem verein­facht. So können wir zum Beispiel eine (in meinen Augen sehr gute) automa­tische Bildver­bes­serung über das Foto jagen, das Bild beschneiden und drehen, die obliga­to­ri­schen Filter anwenden, manuell an Reglern für Farbe, Helligkeit und Schwarzweiß herum­drehen, rote Augen entfernen oder einzelne Stellen des Bildes automa­tisch ausbessern – ähnlich der Photoshop-Funktion „Inhalts­ba­siert füllen“. Finde ich allesamt sehr geil und würde ich mir so auch als geson­derte App (oder innerhalb der Vorschau.app) wünschen. Habt ihr ein Bild bearbeitet und dieses gespei­chert, so wird dieses intern als Duplikat behandelt, sodass ihr im Notfall zu jedem Zeitpunkt zurück zum Origi­nalbild wechseln könnt – auch das kennt man ja von iOS und ist definitiv keine schlechte Sache. 

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Was ebenfalls mit der Photos.App möglich und auch von iPhoto bekannt ist: Über den Reiter „Projekte“ lassen sich direkt aus der App heraus Fotobücher, Postkarten, Kalender und Abzüge bestellen – ebenso lassen sich Diashows erstellen und abspei­chern. Hat eben den Vorteil, dass man alle Bilder direkt auf der Platte und eine ordent­liche Verwaltung und Erstellung an die Hand bekommt, im Vergleich zu den zahlreichen Web-Diensten ist das Apple-Angebot aber teilweise recht deutlich teurer. In wie weit dies auch mit der Qualität der Druck­medien zu tun hat, kann ich euch leider nicht sagen.

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Zu guter Letzt dann auch nochmal der obliga­to­rische Blick in die Einstel­lungen der neuen App, diese halten sich doch etwas in Grenzen. Hier gibt es eben die Möglichkeit, die iCloud-Fotom­ediathek zu aktivieren und festzu­legen, ob die Origi­nal­da­teien auf dem Mac gespei­chert werden sollen oder nur optimierte Bilder – außerdem könnt ihr auch euren Fotostream vom iPhone oder iPad in der Photos.app anzeigen lassen und die iCloud-Freigabe aktivieren. In Sachen Organi­sation könnt ihr natürlich den Speicherort der Foto-Library festlegen, bestimmen, dass neue Fotos in die Mediathek kopiert werden (und nicht verschoben oder verlinkt) und ähnliches. 

Mal ein paar Worte zur iCloud-Integration: Ist natürlich eine nette Sache. Alle eure Fotos vom iPhone und iPad bezie­hungs­weise eurer Photos.app auf dem Mac werden in vollster Auflösung in der iCloud gespei­chert und sind so auf allen Geräten verfügbar. Erstellt ihr ein Album auf eurem Mac, so ist dieses inklusive der Bilder auch auf dem iPad vorhanden. Klingt reizvoll, ist es eigentlich auch, aller­dings nur, solange man sich nicht die Apple’schen Preise anschaut: So gibt es 5 GB gratis, die aller­dings – vor allem mit App-Daten, Backups und Co. – recht schnell verpulvert sind. Weitere 20 GB kosten 0,99 Euro im Monat, für 200 GB möchte Apple monatlich 3,99 Euro haben und für 1 TB zahlt man sogar 19,99 Euro pro Monat – im Vergleich zu Google, Dropbox und vor allem Microsoft ein teures Vergnügen, zumal man unter 200 GB gerade bei zahlreichen DSLR-Bildern gar nicht darüber nachdenken braucht. 

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Habe ich ansonsten noch etwas vergessen? Jau: Die Aperture-Nutzer. Apple hat ja bereits im Vorfeld angekündigt, dass einige der Aperture-Features Einzug in die neue Foto-App finden sollen, was bislang aber noch nicht wirklich der Fall zu sein scheint. Zwar gibt es den Menüpunkt „Bild → RAW neu bearbeiten“ und „Bild → RAW als Original verwenden“, aller­dings sind beide Optionen auch bei Bildern im RAW-Format deakti­viert. Ich habe bis dato auch keine Möglichkeit gefunden, diese aktivieren zu lassen, sodass ich einfach mal die Behauptung aufstelle, dass Apple diese noch nicht freige­geben hat. 

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Too long, didn’t read? Apple hat mit der neuen Foto-App in meinen Augen eine sehr solide App rausge­hauen, die natürlich hier und da ein wenig Feinjus­tierung benötigt. Die Bedienung der App macht Spaß, die Ladezeiten und Perfor­mance ist auch bei einer größeren Datenbank mit etwas über 5.000 Bildern richtig flott. Vor allem angetan haben es mir die neuen Bearbei­tungs­funk­tionen innerhalb der App, die ich mir auch für die native Vorschau.app wünschen würde – so wäre man nicht zwingend auf den Import angewiesen. Ich wage mal zu behaupten: Wer iPhoto mochte, der wird die Photos.app lieben. Im Grunde ist alles bekannte imple­men­tiert, die Oberfläche ist jedoch wesentlich schicker und die Bedienung geht einfacher von der Hand – mal ganz abgesehen von der deutlich besseren Perfor­mance, hier war iPhoto ja eher ein Negativ­bei­spiel.

Habe ich schon gesagt, dass die Bearbei­tungs­funk­tionen geil sind? Aperture-Nutzer vermissen die profes­sio­nel­leren Funktionen sicherlich noch, aller­dings bin ich da guter Dinge, dass man in Sachen RAW-Bearbeitung ebenfalls noch die ein oder andere Funktion imple­men­tieren wird – wobei man fairer­weise auch sagen muss, dass die Foto-App schlichtweg für den privaten Nutzer ausgelegt ist und profes­sio­nellere Nutzer wohl oder übel eine andere Alter­native finden müssen. Wer hingegen lediglich seine privaten Bilder und Alben digital verwalten möchte, der bekommt zukünftig mit der Foto.app von OS X eine sehr gute Lösung präsen­tiert. Ick freu mir jeden­falls schon auf den finalen Release.