Mac: MailButler erweitert Apple Mail um neue Funktionen – aber leider mit verkapptem Abo-Modell

Am 26.01.2016 veröffentlicht Lesezeit etwa 3:56 Minuten

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Mit Yosemite und auch mit El Capitan ist die OS X eigene Mail.app stetig verbessert worden und gehört meiner Meinung nach inzwi­schen zu den besseren Mail-Clients für den Mac – auch wenn ich aktuell auf Boxy für Google Inbox setze, zumindest bis Spark für den Mac veröf­fent­licht wird. Trotz aller neuen Features und Verbes­se­rungen fehlen der Mail.app aber noch immer ein paar praktische Funktionen, die vor allem Nutzer der Gmail-Oberfläche zu schätzen gelernt haben. Genau hier kommt nun MailButler aus Berlin ins Spiel, einem kleinen Plugin für Apple Mail, die dem Nutzer ein paar Funkti­ons­er­wei­te­rungen an die Hand geben möchte, mit denen die Mail-Anwendung ein wenig komfor­tabler werden soll. Rund sieben neue Funktionen stehen zum Start zur Verfügung: 

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  • Cloud-Anhänge: Anhänge lassen sich auf Wunsch automa­tisch zu einem verbun­denen Cloud-Anbieter hochladen (u.a. werden Dropbox, Google Drive und Box.net unter­stützt), sodass nur die entspre­chenden Freigabe-Links verschickt werden – spart auf beiden Seiten Volumen und Speicher­platz.
  • Vergessene Anhänge? Sicherlich ein Klassiker: ihr schreibt eine Mail, wollt einen oder mehrere Anhänge mitsenden und irgendwie war die Hand an der Maus schneller. MailButler scannt eure Mail nach entspre­chenden Schlag­worten wie „anbei“ und weist euch darauf hin, dass ihr vielleicht etwas vergessen habt.
  • Geplante Mails: In der Regel möchte man eine E-Mail umgehend abschicken, genau das ist ja die Stärke des Kommu­ni­ka­ti­ons­mittel. Möchte man dies aber einmal nicht machen (zum Beispiel für Geburts­tags­grüße oder Ankün­digen), so bietet euch MailButler über einen zusätz­lichen „Senden“-Button die Möglichkeit, Mails entweder nur um Minuten oder Stunden zeitver­setzt oder aber zu einem bestimmten Zeitpunkt zu versenden. Wichtig zu wissen: MailButler agiert nur lokal, euer Mac muss zu besagter Zeit also mit dem Internet verbunden und die Mail.app geöffnet sein, anderen­falls kann die Mail nicht versendet werden.
  • Widerruf von Mails: Ihr wart mal wieder schneller und habt eine Mail abgeschickt, bevor euch noch ein größerer Fehler unter­laufen ist oder ihr hättet spontan noch eine Ergänzung im Kopf? MailButler verzögert den Versand der Mail um rund zehn Sekunden, während dieser Zeitspanne könnt ihr den Versand der E-Mail noch schnell wider­rufen.
  • Signa­turen: MailButler bietet verschiedene (HTML-)Vorlagen für unter­schied­liche Zwecke, von bunt bis schlicht sind rund zwei Hände voll Templates verfügbar. Ihr müsst nur noch eure persön­lichen Daten eingeben, schon wird die Signatur erstellt. Habt ihr mehrere Signa­turen hinzu­gefügt, könnt ihr beim Schreiben einer Mail im Editor auch die gewünschte Signatur für diese Mail auswählen.
  • Avatare in der Mail-Übersicht: MailButler erfasst die Mail-Adresse des Absenders, gleicht diese mit verschie­denen Online-Diensten wie Facebook, Gravatar, Google+ und Co. ab und zeigt euch die entspre­chenden Bildschirm neben der Mail-Vorschau an. Lockert das ganze meiner Meinung nach ein wenig auf und durch die große Anzahl an Netzwerken findet sich auch nahezu zu jedem Absender etwas.
  • Evernote-Integration: Empfan­genen E-Mails schnell und einfach in Notizen umwandeln und diese zu Evernote impor­tieren könnt – auf Wunsch mit Forma­tierung, Anhängen, Tags und weiteren Meta-Infor­ma­tionen.

Was man definitiv zu Gute halten muss: MailButler läuft ohne große Probleme und ist so integriert worden, dass die neuen Funktionen des Plugins nicht wie ein Fremd­körper in der Mail.app wirken. Gefällt mir wirklich sehr gut und ich kann mir vorstellen, die die bereits gebotenen Detail-Verbes­se­rungen schnell auf Gegen­liebe stoßen wird, vor allem wenn ihr eh bereits auf Apple Mail setzt. Dass MailButler einen Account benötigt, zumindest wenn man alle angebo­tenen Funktionen, wie die Cloud-Anhänge, nutzen möchte? Sicherlich nicht jeder­manns Sache, aber nichts, woran es scheitern sollte. 

Was aller­dings völliger Bullshit ist: Das gewählte Preis­modell, bei dem man auf ein monat­liches Abo setzt. Als Free-Nutzer könnt ihr lediglich 20 Aktionen im Monat nutzen. Eine Aktion wäre zum Beispiel der Versand von (Cloud-)Anhängen, Termi­nierung und Versand-Widerruf einer Mail oder das Nutzen einer Signatur pro Mail. Diese 20 Aktionen lassen sich über den Spam-Link (aka Referrer-Link) auf bis zu 70 Aktionen erhöhen, pro gewor­benem Nutzer gibt es 5 Aktionen on top. Wollt ihr MailButler unbeschränkt nutzen, so zahlt ihr wahlweise 7,95 Euro pro Monat oder 5,95 Euro pro Monat, wenn ihr euch direkt für ein ganzes Jahr verpflichtet. Muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. 

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Und ja, ich zahle gerne für Apps und folgende, größere Updates, denn natürlich weiß ich, dass Entwicklung Geld kostet, nicht umsonst ist das Abo-Modell bei Entwicklern inzwi­schen recht beliebt geworden. In der Regel handelt es sich hierbei aber um verschie­denste Online-Dienste oder Dienste mit Online-Sync, sodass man das Abo mit einer regel­mä­ßigen Finan­zierung der Server zumindest begründen kann. Aber im Falle von MailButler? Einer kleinen Erwei­terung für eine bereits existie­rende (!) Anwendung, die ihre Arbeit nur lokal verrichtet? Häh? Bitte was? 72 Euro (im besten Fall) für ein lokales Plugin? 

Mal ehrlich: Ich finde MailButler durchaus praktisch und es käme hier wohl auch zum Einsatz, würde ich Apple Mail nutzen. Aber: nicht zu diesen Preisen und erst Recht nicht mit Abo. Ich hoffe, dass man es sich nochmals anders überlegt und Nutzern eine faire Einmal­zahlung anbietet (ich halte 10…15 Euro als „magische“ Grenze) – anderen­falls glaube (und ehrlich gesagt hoffe) ich nicht, dass man wirklich viele Pro-Nutzer finden wird (BitTorrent ist bei Sync ja auch zurück gerudert)… Eigentlich schade drum.

Kleine Schote zum Ende: Aber laut Feingeist gibt es auch eine Möglichkeit, nur einmal zu bezahlen: Einfach das 1-Jahres-Abo abschließen, bezahlen und kündigen. Und ja, ich glaube das meint man wirklich ernst: O_o 

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via MacStories