Unplugged: Marshall Major II Bluetooth-Kopfhörer aufgesetzt und angehört

Marcel Am 01.09.2016 veröffentlicht Lesezeit etwa 9:29 Minuten
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Das Angebot an Kopfhörern ist riesig und kauft man nicht gerade den erst besten Beats-Kopfhörer, hat man vor dem Kauf ein bis zwei Hände voll unterschiedliche Modelle auf dem Kopf gehabt. Nachdem ich zuletzt den Teufel AIRY, einen On-Ear-Kopfhörer, ausprobieren konnte, folgt nun der nächste Kopfhörer: der Major II in seiner Unplugged-Version mit Bluetooth. Der Hersteller: Marshall (oder besser gesagt Marshall Headphones), welcher vor allem unter Gitarristen und Fans von echtem Live-Rock eine kleine Gänsehaut auf den Arm zaubert. Okay, produziert werden die Marshall-Kopfhörer und -Lautsprecher von Sound Industries, Marshall hält die Daumenschrauben aber recht eng. Die Londoner Amp-Spezialisten stehen für fetten Live-Sound, nicht umsonst gibt es sogar „leere“ Fake-Marshalls, die lediglich zu Deko-Zwecken auf die Bühne gestellt werden. Ob der Marshall Major II Bluetooth seinem Vertrauensvorschuss gerecht werden kann, lest ihr in den nun folgenden Zeilen.

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Design und Verarbeitung

Die Marke Marshall und ihre Verstärker sind seit Jahrzehnten mit einer ganz eigenen Designlinie ausgestattet, derart markant, dass man auch ohne Emblem auf den Hersteller schließen könnte. Und eben dieses fast schon legendäre Design findet sich auch im Major II Bluetooth wieder, die typische Verstärker-Optik hat man fast schon eins-zu-eins auf den Kopfhörer übertragen, statt auf runde Ohrmuscheln setzt man auf eine leicht quadratische Form. Dies sorgt dafür, dass man sich auf stilsichere Weise von dem sonst gerne gesehenen Einheitsbrei auf dem Kopfhörermarkt abheben kann. Das als „Pitch Black“ bezeichnete Farbschema wird über den gesamten Kopfhörer beibehalten und wird lediglich im Inneren durch zwei kleineren goldfarbenen Elemente über und dem typische Marshall-Schriftzug auf den Außenseiten der beiden Ohrmuscheln (etwa 6,5 x 6,5 x 3,5 Zentimeter) unterbrochen.

Bei der Wahl der Materialien setzt Marshall Headphones fast durchweg auf Kunststoff, lediglich die kleinen Streben, welche die Ohrmuscheln mit dem Kopfbügel verbinden, sind aus Metall. Auch die Ohr- und Bügelpolsterung ist aus schwarzem Kunststoff, auch wenn es aufgrund der leichten Maserung optisch wie Leder wirkt. Hier scheiden sich sicherlich die Geister, die einen bevorzugen Echtleder, während andere es eher vermeiden, tierische Häute an ihre Haut zu lassen. Jedenfalls: Fühlt sich alles andere als billig an. Diese Musterung findet sich auch an den Außenseiten der Ohrmuscheln, hier findet allerdings kein Kunstleder Verwendung, sondern eine leicht gummierte Kunststoffbeschichtung. Die Ohrmuscheln sind dann wieder mit einem sehr weichen Kunstleder-Polster versehen, die sich – wie im weiteren Verlaufe genauer erläutert – sehr angenehm auf die Ohren schmiegen.

Insgesamt ein sehr unverspielter Look. An der rechten Ohrmuschel finden sich Anschlüsse für das MicroUSB-Ladekabel, einen optionalen Anschluss für ein 3,5mm-Klinkenkabel, sowie den Button für Ein/Aus und der Bluetooth-Koppelung – eine kleine LED zeigt hier außerdem den Betriebsstatus an. An der linken Ohrmuschel findet sich dann noch ein goldfarbenes Akzent in Form eines kleinen Steuerknüppels. Mittels einfachen Druck lässt sich die Wiedergabe starten und pausieren, per Bewegung (ähnlich eines Joysticks) nach links, rechts, oben und unten lässt sich die Lautstärke verändern, der Song überspringen oder wiederholen. Ist zu Beginn etwas ungewohnt, nach einiger Zeit aber „erfrischend anders“.

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Für den einfacheren Transport lassen sich die beiden Ohrmuscheln auch einklappen, eine Transporttasche oder -hülle fehlt allerdings und ist auch optional nicht zu erwerben. Etwas schade, wenngleich ich wenig bedenken habe, den Kopfhörer „as it is“ in den Rucksack zu werfen. Die Verarbeitung ist eben durch die Bank nahezu perfekt, einzig und allein die stabilen, aber sicherlich anfälligen Kunststoffscharniere für den Klappmechanismus und dem Verstellen der Bügellänge wären hier ein wirklicher Kritikpunkt. Diese hätte man gerne aus Metall fertigen können. Und würde ich mir etwas wünschen dürfen, dann wären auch die restlichen Kunststoffelemente als Aluminium – würde den Kopfhörer aber wohl teurer und vor allem schwerer machen. Aber dennoch: Verarbeitung ist spitze.

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Tragekomfort des Major II BT

Wie man schon auf den Bildern wohl nur unschwer erahnen kann: Der Marshall Major II Bluetooth ist recht kompakt. Liegt natürlich in erster Linie daran, dass es sich hierbei „nur“ um einen On-Ear-Kopfhörer handelt – die Ohrmuscheln liegen also quasi auf den Ohren, umschließen sie aber nicht vollständig. Aber auch die Form dürfte etwas für den schmaleren Look machen, hinzu kommen die schmalen Metallstreben zwischen Bügel und Ohrmuschel – alles Elemente, die den Kopfhörer auch optisch deutlich kompakter aussehen lassen. Für mich persönlich mit der passendste On-Ear- oder Over-Ear-Kopfhörer. Bei eher schmalerem Kopf wirken viele Kopfhörer eher etwas wie ein Helm, durch die bewegbaren Ohrmuscheln liegt auch der Bügel näher am Kopf, anders als zum Beispiel beim Teufel AIRY, welcher zwischen Kopf und Bügel über den Ohrmuscheln einen großen Zwischenraum aufweist.

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Der Anpressdruck des Major II BT ist zwar recht ordentlich, aber nicht zu stark. Fahrradfahren und dergleichen funktioniert ohne Probleme, beim Sport aber eher weniger geeignet, da der Kopfhörer bei etwas stärkeren Bewegungen mit schnellerer Abfolge kurzerhand vom Kopf rutscht. In Kombination mit den sehr weichen Ohrpolstern sorgt der mittlere Anpressdruck aber dafür, dass sich der Kopfhörer auch nach drei Stunden nicht unangenehm bemerkbar macht – übrigens auch mit (Sonnen-)Brille. Dank der Verlängerung der Bügel ist der Major II BT aber – sieht man einmal von den sonst kleinen und im Vergleich zur Konkurrenz weniger ausufernden Ohrmuscheln ab – auch für größere Köpfe geeignet.

Positiv überrascht war ich von der Geräuschunterdrückung des Major II BT, eben weil der Anpressdruck und halt geringer ausfällt, als bei anderen Kopfhörern. Dennoch dämpft der Kopfhörer schon viele Geräusche, bei laufender Musik bekommt man dann quasi nichts mehr von der Außenwelt mit – was gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln von großem Vorteil sein kann. Auch umgekehrt ist dies der Fall: Während man den Kopfhörer auf vollster iPhone-Stufe schon fast als kleinen Lautsprecher nutzen kann, hören außenstehende nur in stillen Umgebungen sanfte Klänge – draußen hört man dann als Dritter nichts mehr. Gefällt.

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Verbindung und Akkulaufzeit

Inzwischen sollte es eigentlich zum Standard gehören: eine gute und stabile Bluetooth-Verbindung, ohne dass der Nutzer allzu viel Stress hat. Ist natürlich auch beim Major II Bluetooth der Fall. Zur Verbindung muss nur kurz der Button an der rechten Ohrmuschel betätigt werden, danach kann das Smartphone – oder ein anderes Wiedergabegerät mit Bluetooth-Unterstützung – mit dem Kopfhörer gekoppelt werden und es kann losgehen. Etwas schade ist, dass Marshall Headphones seinem Major II BT kein NFC spendiert hat: nicht, dass es nun ein Massenfeature wäre, dennoch ist die Art der Verbindung zwischen (Android-)Smartphone und Kopfhörer eine angenehme Sache. Steht die Verbindung einmal, ist diese stabil und ausreichend – selbst wenn das Smartphone im Rucksack verstaut war, gab es keine Probleme.

Die Akkulaufzeit gibt Marshall Headphones selbstbewusst mit 30+ Stunden an und diese Angabe kommt hin. Ich habe die Kopfhörer mal mit dem iPad verbunden und die Musik munter durchlaufen lassen, nach etwa 28 Stunden dudelte der Kopfhörer noch immer auf mittlerer Lautstärke vor sich hin. Eine satte Leistung, die mehr als ausreichend sein dürfte. Praktischerweise lässt sich der Marshall auch während des Ladens weiterhin nutzen – natürlich nur, wenn man ein entsprechend langes USB-Kabel verwendet. Lässt man den Major II BT allerdings während des Ladevorgangs links liegen, ist er in etwa drei Stunden wieder voll einsatzbereit.

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Der Marshall-Klang im Kleinformat?

Marshall Headphones steht nicht nur für unverkennbares Design, sondern auch für einen markanten, charakteristischen Sound – dementsprechend hoch sind natürlich die Erwartungen. Und ob er diese erfüllen kann, liegt letztlich stark an dem persönlichen Musikgeschmack. Der Kopfhörer klingt im Grunde genau so, wie man es beim Hören des Namen „Marshall“ erwartet: rotzig, dreckig – im positiven Sinne. Im Gegensatz zum zuvor getesteten Teufel AIRY ist der Major II BT weniger neutral eingestellt, sondern legt deutlich mehr Wert auf kräftige Bässe – allerdings ist dieses Setting bei Weitem nicht so stark, wie es bei den Beats-Kopfhörern der Fall ist. Es steht eben nicht nur Marshall drauf, es steckt auch Marshall drin.

Aber genau dieses Setting ist auch das, was Marshall-Fans erwarten und was sich vor allem im Zusammenspiel mit rockigen Songs als Vorteil ausspielen lässt. Sobald (Bass-)Gitarren im Spiel sind, zeigt der Major II BT sein volles Potential – je dreckiger die Riffs, umso besser der Sound. Motörhead? Gehen mit dem Kopfhörer ausgezeichnet. ;-) Das Zusammenspiel von Höhen, Mitten und Bässen überzeugend aus, trotz des erhöhten Basspegels dominiert dieser nicht allzu sehr. Instrumente sind einzeln für sich als solche zu erkennen, auch der Gesang ist klar. Bei allem was aus dem Bereich Rock, Metal & Co. kommt, liefert der Major II BT ein absolut spitzen Klangbild.

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Anders sieht es hingegen bei anderen Genre aus. HipHop, Rap, die Elektro-Sparten. Nicht, dass der Kopfhörer hier einen schlechten Klang liefern würde, der Sound wirkt aber irgendwie nicht mehr so ausgewogen und der Bass ist einen Tick zu viel – vor allem bei dem gute alten HipHop aus Hamburg oder Stuttgart. Aber: Ist eben Geschmacksache, viele bevorzugen auch bei diesen Genre einen wuchtigen Bass wie die Verkäufe anderer Hersteller zeigen. Ich persönlich habe es aber gerne etwas neutraler, wobei ich mich auch nicht zu Fans der genannten Genre zähle, nur selten mal ein Song gespielt wird und ich diesen Kompromiss daher eingehen würde.

Das gilt im übrigen auch für Hörspiele und Co.: die Stimmen wirken mit dem neutraleren AIRY etwas natürlicher, wobei es nicht so extrem störend ist – sofern ihr nur ab und an mal reine Stimme auf den Ohren habt. Kleine positive Überraschung: Bei Orchester-artiger Musik liefert der Kopfhörer wiederum eine vergleichsweise solide Leistung ab. Hier tun sich viele Kopfhörer gerne mal etwas schwerer und auch der Major II BT ist nun kein Klassik-Zauberer, ich habe aber schon schlechteres gehört. Spaß machen aber vor allem die alten Nightwish- und Apocalyptica-Tracks mit einer Kombination aus Orchester und markanten Rocksound.

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Was die Lautstärke betrifft, so muss man wieder sagen: Es ist halt Marshall. Und Marshall kann nicht nur laut, Marshall kann lauter. Wie schon erwähnt kann man den Kopfhörer abgesetzt schon als Mini-Lautsprecher nutzen, auf den Ohren wäre es sogar mir, der früher seinen iPod classic von der EU-Lautstärkesperre befreit hat, zu laut. Erfreulicherweise hat es Marshall geschafft, dass der Sound auch bei maximaler Lautstärke noch ein starkes Klangbild abliefert – kein verzerrter oder blechern wirkender Sound, top. Aber alles andere wäre auch eine absolute Enttäuschung gewesen und der gute Lemmy hätte sich im Grabe umgedreht.

Noch ein paar Kleinigkeiten…

  • Der Marshall Major II Bluetooth unterstützt wie viele neuere Kopfhörer aptX, ein Audio­co­dier­ver­fahren (inzwischen von Qualcomm), welches eine kabellose Übertragung in CD-Qualität erlaubt. Konnte ich allerdings nicht ausprobieren, da iPhones dies grundsätzlich nicht unterstützen und auch sonst kein aptX-smartphone in der Nähe war – die Auswahl ist recht gering, wobei das Marshall-eigene Smartphone natürlich dazugehört.
  • Der Major II BT lässt sich auch als Freisprecheinrichtung für Anrufe nutzen. Aber was soll man dazu sagen? Ihr hört euren Gesprächspartner, euer Gesprächspartner hört euch… Diesbezüglich gibt es nur wenig Unterschiede bei den unterschiedlichsten Kopfhörern.

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  • Der 3,5mm-Klinkenstecker an der rechten Ohrmuschel bietet übrigens zwei Funktionen. Zuerst einmal lassen sich damit natürlich Smartphone und Kopfhörer verbinden, falls ihr mal vergessen habt, den Kopfhörer rechtzeitig aufzuladen. Der Klinkenstecker lässt sich aber auch dazu nutzen, ein zweites Paar Kopfhörer anzustöpseln und so gemeinsam Musik hören zu können. Ich weiß zwar nicht, wie häufig so etwas nun zum Einsatz kommt, ist aber eine Erwähnung wert.
  • Marshall legt dem Kopfhörer neben einem USB-Kabel auch ein 3,5mm-Klinkenkabel bei. Auch dieses zeigt sich im besten Vintage-Look mit goldfarbenen Steckern und einer Kombination aus „normalem“ Kabel und Spiralkabel – passt somit perfekt zum Kopfhörer-Design. Positiv: Das Kabel gibt keine Bewegungsgeräusche und Reibungen an die Kopfhörer weiter, Stichwort „Mikrofonie“.

Fazit und tl;dr

Eigentlich könnte man sich das Fazit sparen und einfach nur den Satz „Es ist Marshall“ in den Raum stellen. Alleine der Schriftzug lässt mich in Erinnerungen an gute und noch bessere Konzerte schwelgen. Das markante Vintage-Design des erfreulicherweise kompakt ausfallenden (und damit auch für kleinere Köpfe nicht wie ein Helm auftragender) Major II Bluetooth tut dabei ihr übriges. Aber: Es sind nicht nur Vorschusslorbeeren, sondern der Kopfhörer hat es wirklich in sich. Die Verarbeitung des Kopfhörers ist mit einem ganz weich gezeichneten Kunststoff-Minus ausgezeichnet, der Sitz ist sehr gut und vor allem auch nach ein paar Stunden noch angenehm, der Klappmechanismus ist funktional, der Fünf-Wege-Button macht nach einer gewissen Eingewöhnung Spaß und die Akkulaufzeit von +/- 30 Stunden ist fast schon ein K.O.-Kriterium.

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Bei rockige(re)n Nummern ist der Marshall-Kopfhörer in seinem Element, bei softerem Chart-Pop, HipHop, Dance und Co. könnte sich der ein oder andere aber am etwas basslästigen Sound stören, auch wenn der Klang hier noch immer eine satte Arbeit abliefert und niemals wirklich schlecht klingt. Es zählt eben der persönliche Geschmack bei der Klangausrichtung. Natürlich gibt es auf dem Markt Kopfhörer, die von den technischen Daten her noch besser klingen sollen – diese kosten aber auch mal schnell mal doppelt so viel wie der etwa 130 Euro teure Major II Bluetooth und ob man es mit der vorhanden Qualität des Ausgangsmaterials und des Gehörs dann wirklich wahrnimmt, ist wieder eine andere Frage. Von mir jedenfalls gibt es eine klare Kaufempfehlung. Es ist halt Marshall.

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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