Das Angebot an Kopfhörern ist riesig und kauft man nicht gerade den erst besten Beats-Kopfhörer, hat man vor dem Kauf ein bis zwei Hände voll unter­schied­liche Modelle auf dem Kopf gehabt. Nachdem ich zuletzt den Teufel AIRY, einen On-Ear-Kopfhörer, auspro­bieren konnte, folgt nun der nächste Kopfhörer: der Major II in seiner Unplugged-Version mit Bluetooth. Der Hersteller: Marshall (oder besser gesagt Marshall Headphones), welcher vor allem unter Gitar­risten und Fans von echtem Live-Rock eine kleine Gänsehaut auf den Arm zaubert. Okay, produ­ziert werden die Marshall-Kopfhörer und -Lautsprecher von Sound Indus­tries, Marshall hält die Daumen­schrauben aber recht eng. Die Londoner Amp-Spezia­listen stehen für fetten Live-Sound, nicht umsonst gibt es sogar „leere“ Fake-Marshalls, die lediglich zu Deko-Zwecken auf die Bühne gestellt werden. Ob der Marshall Major II Bluetooth seinem Vertrau­ens­vor­schuss gerecht werden kann, lest ihr in den nun folgenden Zeilen. 

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Design und Verar­beitung

Die Marke Marshall und ihre Verstärker sind seit Jahrzehnten mit einer ganz eigenen Design­linie ausge­stattet, derart markant, dass man auch ohne Emblem auf den Hersteller schließen könnte. Und eben dieses fast schon legendäre Design findet sich auch im Major II Bluetooth wieder, die typische Verstärker-Optik hat man fast schon eins-zu-eins auf den Kopfhörer übertragen, statt auf runde Ohrmu­scheln setzt man auf eine leicht quadra­tische Form. Dies sorgt dafür, dass man sich auf stilsi­chere Weise von dem sonst gerne gesehenen Einheitsbrei auf dem Kopfhör­er­markt abheben kann. Das als „Pitch Black“ bezeichnete Farbschema wird über den gesamten Kopfhörer beibe­halten und wird lediglich im Inneren durch zwei kleineren goldfar­benen Elemente über und dem typische Marshall-Schriftzug auf den Außen­seiten der beiden Ohrmu­scheln (etwa 6,5 x 6,5 x 3,5 Zenti­meter) unter­brochen.

Bei der Wahl der Materialien setzt Marshall Headphones fast durchweg auf Kunst­stoff, lediglich die kleinen Streben, welche die Ohrmu­scheln mit dem Kopfbügel verbinden, sind aus Metall. Auch die Ohr- und Bügel­pols­terung ist aus schwarzem Kunst­stoff, auch wenn es aufgrund der leichten Maserung optisch wie Leder wirkt. Hier scheiden sich sicherlich die Geister, die einen bevor­zugen Echtleder, während andere es eher vermeiden, tierische Häute an ihre Haut zu lassen. Jeden­falls: Fühlt sich alles andere als billig an. Diese Musterung findet sich auch an den Außen­seiten der Ohrmu­scheln, hier findet aller­dings kein Kunst­leder Verwendung, sondern eine leicht gummierte Kunst­stoff­be­schichtung. Die Ohrmu­scheln sind dann wieder mit einem sehr weichen Kunst­leder-Polster versehen, die sich – wie im weiteren Verlaufe genauer erläutert – sehr angenehm auf die Ohren schmiegen. 

Insgesamt ein sehr unver­spielter Look. An der rechten Ohrmu­schel finden sich Anschlüsse für das MicroUSB-Ladekabel, einen optio­nalen Anschluss für ein 3,5mm-Klinkenkabel, sowie den Button für Ein/Aus und der Bluetooth-Koppelung – eine kleine LED zeigt hier außerdem den Betriebs­status an. An der linken Ohrmu­schel findet sich dann noch ein goldfar­benes Akzent in Form eines kleinen Steuer­knüppels. Mittels einfachen Druck lässt sich die Wiedergabe starten und pausieren, per Bewegung (ähnlich eines Joysticks) nach links, rechts, oben und unten lässt sich die Lautstärke verändern, der Song überspringen oder wieder­holen. Ist zu Beginn etwas ungewohnt, nach einiger Zeit aber „erfri­schend anders“. 

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Für den einfa­cheren Transport lassen sich die beiden Ohrmu­scheln auch einklappen, eine Trans­port­tasche oder -hülle fehlt aller­dings und ist auch optional nicht zu erwerben. Etwas schade, wenngleich ich wenig bedenken habe, den Kopfhörer „as it is“ in den Rucksack zu werfen. Die Verar­beitung ist eben durch die Bank nahezu perfekt, einzig und allein die stabilen, aber sicherlich anfäl­ligen Kunst­stoff­schar­niere für den Klapp­me­cha­nismus und dem Verstellen der Bügel­länge wären hier ein wirklicher Kritik­punkt. Diese hätte man gerne aus Metall fertigen können. Und würde ich mir etwas wünschen dürfen, dann wären auch die restlichen Kunst­stof­fele­mente als Aluminium – würde den Kopfhörer aber wohl teurer und vor allem schwerer machen. Aber dennoch: Verar­beitung ist spitze. 

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Trage­komfort des Major II BT

Wie man schon auf den Bildern wohl nur unschwer erahnen kann: Der Marshall Major II Bluetooth ist recht kompakt. Liegt natürlich in erster Linie daran, dass es sich hierbei „nur“ um einen On-Ear-Kopfhörer handelt – die Ohrmu­scheln liegen also quasi auf den Ohren, umschließen sie aber nicht vollständig. Aber auch die Form dürfte etwas für den schma­leren Look machen, hinzu kommen die schmalen Metall­streben zwischen Bügel und Ohrmu­schel – alles Elemente, die den Kopfhörer auch optisch deutlich kompakter aussehen lassen. Für mich persönlich mit der passendste On-Ear- oder Over-Ear-Kopfhörer. Bei eher schma­lerem Kopf wirken viele Kopfhörer eher etwas wie ein Helm, durch die beweg­baren Ohrmu­scheln liegt auch der Bügel näher am Kopf, anders als zum Beispiel beim Teufel AIRY, welcher zwischen Kopf und Bügel über den Ohrmu­scheln einen großen Zwischenraum aufweist. 

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Der Anpress­druck des Major II BT ist zwar recht ordentlich, aber nicht zu stark. Fahrrad­fahren und dergleichen funktio­niert ohne Probleme, beim Sport aber eher weniger geeignet, da der Kopfhörer bei etwas stärkeren Bewegungen mit schnel­lerer Abfolge kurzerhand vom Kopf rutscht. In Kombi­nation mit den sehr weichen Ohrpolstern sorgt der mittlere Anpress­druck aber dafür, dass sich der Kopfhörer auch nach drei Stunden nicht unangenehm bemerkbar macht – übrigens auch mit (Sonnen-)Brille. Dank der Verlän­gerung der Bügel ist der Major II BT aber – sieht man einmal von den sonst kleinen und im Vergleich zur Konkurrenz weniger ausufernden Ohrmu­scheln ab – auch für größere Köpfe geeignet. 

Positiv überrascht war ich von der Geräusch­un­ter­drü­ckung des Major II BT, eben weil der Anpress­druck und halt geringer ausfällt, als bei anderen Kopfhörern. Dennoch dämpft der Kopfhörer schon viele Geräusche, bei laufender Musik bekommt man dann quasi nichts mehr von der Außenwelt mit – was gerade in öffent­lichen Verkehrs­mitteln von großem Vorteil sein kann. Auch umgekehrt ist dies der Fall: Während man den Kopfhörer auf vollster iPhone-Stufe schon fast als kleinen Lautsprecher nutzen kann, hören außen­ste­hende nur in stillen Umgebungen sanfte Klänge – draußen hört man dann als Dritter nichts mehr. Gefällt. 

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Verbindung und Akkulaufzeit

Inzwi­schen sollte es eigentlich zum Standard gehören: eine gute und stabile Bluetooth-Verbindung, ohne dass der Nutzer allzu viel Stress hat. Ist natürlich auch beim Major II Bluetooth der Fall. Zur Verbindung muss nur kurz der Button an der rechten Ohrmu­schel betätigt werden, danach kann das Smart­phone – oder ein anderes Wieder­ga­be­gerät mit Bluetooth-Unter­stützung – mit dem Kopfhörer gekoppelt werden und es kann losgehen. Etwas schade ist, dass Marshall Headphones seinem Major II BT kein NFC spendiert hat: nicht, dass es nun ein Massen­feature wäre, dennoch ist die Art der Verbindung zwischen (Android-)Smartphone und Kopfhörer eine angenehme Sache. Steht die Verbindung einmal, ist diese stabil und ausrei­chend – selbst wenn das Smart­phone im Rucksack verstaut war, gab es keine Probleme. 

Die Akkulaufzeit gibt Marshall Headphones selbst­be­wusst mit 30+ Stunden an und diese Angabe kommt hin. Ich habe die Kopfhörer mal mit dem iPad verbunden und die Musik munter durch­laufen lassen, nach etwa 28 Stunden dudelte der Kopfhörer noch immer auf mittlerer Lautstärke vor sich hin. Eine satte Leistung, die mehr als ausrei­chend sein dürfte. Prakti­scher­weise lässt sich der Marshall auch während des Ladens weiterhin nutzen – natürlich nur, wenn man ein entspre­chend langes USB-Kabel verwendet. Lässt man den Major II BT aller­dings während des Ladevor­gangs links liegen, ist er in etwa drei Stunden wieder voll einsatz­bereit.

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Der Marshall-Klang im Klein­format?

Marshall Headphones steht nicht nur für unver­kenn­bares Design, sondern auch für einen markanten, charak­te­ris­ti­schen Sound – dementspre­chend hoch sind natürlich die Erwar­tungen. Und ob er diese erfüllen kann, liegt letztlich stark an dem persön­lichen Musik­ge­schmack. Der Kopfhörer klingt im Grunde genau so, wie man es beim Hören des Namen „Marshall“ erwartet: rotzig, dreckig – im positiven Sinne. Im Gegensatz zum zuvor getes­teten Teufel AIRY ist der Major II BT weniger neutral einge­stellt, sondern legt deutlich mehr Wert auf kräftige Bässe – aller­dings ist dieses Setting bei Weitem nicht so stark, wie es bei den Beats-Kopfhörern der Fall ist. Es steht eben nicht nur Marshall drauf, es steckt auch Marshall drin. 

Aber genau dieses Setting ist auch das, was Marshall-Fans erwarten und was sich vor allem im Zusam­men­spiel mit rockigen Songs als Vorteil ausspielen lässt. Sobald (Bass-)Gitarren im Spiel sind, zeigt der Major II BT sein volles Potential – je dreckiger die Riffs, umso besser der Sound. Motörhead? Gehen mit dem Kopfhörer ausge­zeichnet. ;-) Das Zusam­men­spiel von Höhen, Mitten und Bässen überzeugend aus, trotz des erhöhten Basspegels dominiert dieser nicht allzu sehr. Instru­mente sind einzeln für sich als solche zu erkennen, auch der Gesang ist klar. Bei allem was aus dem Bereich Rock, Metal & Co. kommt, liefert der Major II BT ein absolut spitzen Klangbild. 

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Anders sieht es hingegen bei anderen Genre aus. HipHop, Rap, die Elektro-Sparten. Nicht, dass der Kopfhörer hier einen schlechten Klang liefern würde, der Sound wirkt aber irgendwie nicht mehr so ausge­wogen und der Bass ist einen Tick zu viel – vor allem bei dem gute alten HipHop aus Hamburg oder Stuttgart. Aber: Ist eben Geschmack­sache, viele bevor­zugen auch bei diesen Genre einen wuchtigen Bass wie die Verkäufe anderer Hersteller zeigen. Ich persönlich habe es aber gerne etwas neutraler, wobei ich mich auch nicht zu Fans der genannten Genre zähle, nur selten mal ein Song gespielt wird und ich diesen Kompromiss daher eingehen würde. 

Das gilt im übrigen auch für Hörspiele und Co.: die Stimmen wirken mit dem neutra­leren AIRY etwas natür­licher, wobei es nicht so extrem störend ist – sofern ihr nur ab und an mal reine Stimme auf den Ohren habt. Kleine positive Überra­schung: Bei Orchester-artiger Musik liefert der Kopfhörer wiederum eine vergleichs­weise solide Leistung ab. Hier tun sich viele Kopfhörer gerne mal etwas schwerer und auch der Major II BT ist nun kein Klassik-Zauberer, ich habe aber schon schlech­teres gehört. Spaß machen aber vor allem die alten Nightwish- und Apoca­lyptica-Tracks mit einer Kombi­nation aus Orchester und markanten Rocksound. 

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Was die Lautstärke betrifft, so muss man wieder sagen: Es ist halt Marshall. Und Marshall kann nicht nur laut, Marshall kann lauter. Wie schon erwähnt kann man den Kopfhörer abgesetzt schon als Mini-Lautsprecher nutzen, auf den Ohren wäre es sogar mir, der früher seinen iPod classic von der EU-Lautstär­ke­sperre befreit hat, zu laut. Erfreu­li­cher­weise hat es Marshall geschafft, dass der Sound auch bei maximaler Lautstärke noch ein starkes Klangbild abliefert – kein verzerrter oder blechern wirkender Sound, top. Aber alles andere wäre auch eine absolute Enttäu­schung gewesen und der gute Lemmy hätte sich im Grabe umgedreht.

Noch ein paar Kleinig­keiten…

  • Der Marshall Major II Bluetooth unter­stützt wie viele neuere Kopfhörer aptX, ein Audio­co­dier­ver­fahren (inzwi­schen von Qualcomm), welches eine kabellose Übertragung in CD-Qualität erlaubt. Konnte ich aller­dings nicht auspro­bieren, da iPhones dies grund­sätzlich nicht unter­stützen und auch sonst kein aptX-smart­phone in der Nähe war – die Auswahl ist recht gering, wobei das Marshall-eigene Smart­phone natürlich dazugehört.
  • Der Major II BT lässt sich auch als Freisprech­ein­richtung für Anrufe nutzen. Aber was soll man dazu sagen? Ihr hört euren Gesprächs­partner, euer Gesprächs­partner hört euch… Diesbe­züglich gibt es nur wenig Unter­schiede bei den unter­schied­lichsten Kopfhörern.

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  • Der 3,5mm-Klinkenstecker an der rechten Ohrmu­schel bietet übrigens zwei Funktionen. Zuerst einmal lassen sich damit natürlich Smart­phone und Kopfhörer verbinden, falls ihr mal vergessen habt, den Kopfhörer recht­zeitig aufzu­laden. Der Klinken­stecker lässt sich aber auch dazu nutzen, ein zweites Paar Kopfhörer anzustöpseln und so gemeinsam Musik hören zu können. Ich weiß zwar nicht, wie häufig so etwas nun zum Einsatz kommt, ist aber eine Erwähnung wert.
  • Marshall legt dem Kopfhörer neben einem USB-Kabel auch ein 3,5mm-Klinkenkabel bei. Auch dieses zeigt sich im besten Vintage-Look mit goldfar­benen Steckern und einer Kombi­nation aus „normalem“ Kabel und Spiral­kabel – passt somit perfekt zum Kopfhörer-Design. Positiv: Das Kabel gibt keine Bewegungs­ge­räusche und Reibungen an die Kopfhörer weiter, Stichwort „Mikro­fonie“.

Fazit und tl;dr

Eigentlich könnte man sich das Fazit sparen und einfach nur den Satz „Es ist Marshall“ in den Raum stellen. Alleine der Schriftzug lässt mich in Erinne­rungen an gute und noch bessere Konzerte schwelgen. Das markante Vintage-Design des erfreu­li­cher­weise kompakt ausfal­lenden (und damit auch für kleinere Köpfe nicht wie ein Helm auftra­gender) Major II Bluetooth tut dabei ihr übriges. Aber: Es sind nicht nur Vorschuss­lor­beeren, sondern der Kopfhörer hat es wirklich in sich. Die Verar­beitung des Kopfhörers ist mit einem ganz weich gezeich­neten Kunst­stoff-Minus ausge­zeichnet, der Sitz ist sehr gut und vor allem auch nach ein paar Stunden noch angenehm, der Klapp­me­cha­nismus ist funktional, der Fünf-Wege-Button macht nach einer gewissen Einge­wöhnung Spaß und die Akkulaufzeit von +/- 30 Stunden ist fast schon ein K.O.-Kriterium.

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Bei rockige(re)n Nummern ist der Marshall-Kopfhörer in seinem Element, bei softerem Chart-Pop, HipHop, Dance und Co. könnte sich der ein oder andere aber am etwas bassläs­tigen Sound stören, auch wenn der Klang hier noch immer eine satte Arbeit abliefert und niemals wirklich schlecht klingt. Es zählt eben der persön­liche Geschmack bei der Klang­aus­richtung. Natürlich gibt es auf dem Markt Kopfhörer, die von den techni­schen Daten her noch besser klingen sollen – diese kosten aber auch mal schnell mal doppelt so viel wie der etwa 130 Euro teure Major II Bluetooth und ob man es mit der vorhanden Qualität des Ausgangs­ma­te­rials und des Gehörs dann wirklich wahrnimmt, ist wieder eine andere Frage. Von mir jeden­falls gibt es eine klare Kaufemp­fehlung. Es ist halt Marshall.