Mastodon: Mammoth für iOS erhält großes Update und ist fortan Open Source

Marcel Am 09.12.2023 veröffentlicht Lesezeit etwa 3:11 Minuten

Die Mastodon-App Mammoth für iOS – an denen sich auch Mozilla finanziell beteiligt – hat ein großes Update erhalten. Dieses bringt unter anderem eine frische Optik, kurierte Smart Liste und personalisierte Empfehlungen mit.

Das Mastodon-Netzwerk hat gegenüber Twitter aka X einen großen Vorteil und damit meine ich nicht die Entscheidungen eventuell größenwahnsinniger Eigentümer. Gab es für Twitter neben der offiziellen App, die viele zurecht kritisch beäugt haben, zumindest unter iOS eigentlich kein Weg an TweetBot vorbei, gibt es für Mastodon neben der gar nicht so schlechten offiziellen App gleich mehrere wirklich gelungene Apps. Ich für meinen Teil kann mich nur schwer entscheiden und springe gerne mal zwischen verschiedenen Apps auf dem iPhone umher, wobei Ice Cubes, Mammoth, Metatext, Woolly und der TweetBot-Nachfolger Ivory im Reigen meiner App-Empfehlungen einzureihen sind. Hinter Mammoth steckt das Entwickler-Team The BLVD aus Delaware, die als Hauptinvestor niemanden geringeren als Mozilla gewinnen konnten. Mit diesem Geldsegen in der Hinterhand wurde nun Mammoth 2 an den Start gebracht, welches einige Neuerungen mit bringt.

Auf den ersten Blick ersichtlich: die überarbeitete Oberfläche. Hierbei hat man zwar nicht jeden Stein umgedreht, vielmehr hat man einzelne Elemente verschlankt und umgestaltet. Der typische Aufbau einer Social-Media-App ist weiterhin vorhanden, hier und da hebt man sich optisch aber von den zahlreichen Alternativen ab. Ist Geschmacksache, mir persönlich gefällt es jedoch. Der wesentlich größere Fokus des Updates lag jedoch darauf, das Nutzererlebnis zu verbessern, insbesondere für Neuankömmlinge. Ist es bei anderen Anwendung noch notwendig, einen Server auszuwählen, erstellt Mammoth 2 nun von Haus aus einen Account auf der hauseigenen moth.social-Instanz. Das ganze Server-Gedöns ist zwar kein Hexenwerk, aber gerade unerfahrenerer Nutzer lassen sich davon gerne mal abschrecken und durch die Vorauswahl ist das Onboarding deutlich entschlackt. Wer mag, der kann natürlich auch weiterhin seine bevorzugte Mastodon-Instanz nutzen, aber über moth.social-Nutzer gibt es noch einen Vorteil, denn diese bekommen sofort personalisierte Vorschläge für Konten, denen sie folgen können und schauen nicht auf eine leere Timeline.

Außerdem gibt es fortan kuratierte „intelligente“ Listen, die Nutzern dabei helfen sollen, interessante Unterhaltungen zu entdecken. Jene Listen sind nach Themen geordnet und werden von sogenannten Community-Leitern ausgewählt. Zum Start der Version 2 würde Mammoth bereits mit Dutzenden Smart Lists gefüttert, vornehmlich aber mit englischsprachigen Inhalten. Jene handverlesene Listen werden auch dazu herangezogen, den ebenfalls neu eingeführten „Für Dich“-Feed zu befüllen, der bisher vermisst wurde; ich wage aber mal zu behaupten, dass dies eher für das Entwickler-Team als für die Nutzer gilt. Die Entscheidung, statt auf einen Algorithmus auf die von der Community erstellten Listen zu setzen ist dabei pragmatischer Natur, denn man hat schlichtweg nicht genug Manpower, um einen gut funktionieren Algorithmus über alle Instanzen hinweg zu entwickeln. Sofern die Listen aber nicht nur zum Start gepflegt und gefüttert werden, kann das durchaus funktionieren und eventuell sogar thematisch zielgerichteter.

Die letzte große Neuerung betrifft das Thema vertrauenswürdiger Nachrichtenquellen, bei der ich meine, eine gewisse Mozilla-Handschrift erkennen zu können. Immer mehr nutzen soziale Medien auch als primäre Nachrichtenquelle, wobei vor allem X es inzwischen erschwert, zuverlässige Informationen zu finden. Und dann ist da ja auch noch die kommende US-Wahlsaison, die sicherlich einen neuen absurden Rekord an Falschinformationen, Trollfactories und KI-gesteuerten Deepfakes aufstellen werden. Um es Nutzern leichter zu machen, Nachrichten aus vertrauenswürdigen Quellen zu finden, hat man zwei weitere Neuerungen implementiert. So wurden die kuratierten redaktionellen Newsdesks von Flipboard, die die Top-Storys des Tages und investigativen Journalismus abdecken, integriert. Darüber hinaus haben sich die Entwickler mit Newsmast und Press.coop zusammengetan um eine Reihe von Smart Lists zu kuratieren, darunter /news, /worldnews, /business, /tech, /environment und /natures.

Mammoth lässt sich auch in der Version 2 weiterhin kostenlos herunterladen und nutzen – vornehmlich auf dem iPhone und iPad, aber auch auf Macs mit Apple Silicon. Inzwischen gibt es aber auch eine Abo-Option für 2,99 Euro pro Monat beziehungsweise 22,99 Euro pro Jahr, die als Support gedacht ist. Wer eines der beiden Abonnements bucht, hat funktionell damit keinen wirklichen Vorteil; vielmehr gibt es alternative App-Symbole für den Homescreen, frühzeitiger Zugang zu neuen Funktionen, Abstimmungen über neue Funktionen und bevorzugter Zugang zum technischen Support. Da bleiben die Entwickler also noch beim initialen Versprechen, die App dauerhaft für nicht-zahlende Nutzer zugänglich zu machen und weder auf eine Paywall noch auf eine Nur-Lese-Version zu setzen. Mal schauen ob die ebenfalls angekündigte Ausschüttung der Abo-Einnahmen an Betreiber der Mastodon-Server ebenfalls noch folgen wird. Welches Versprechen man aber bereits jetzt mit einem Nachtrag eingehalten hat: Der Quellcode von Mammoth steht ab sofort unter der APGL-Lizenz auf GitHub zur Verfügung.

‎Mammoth: for Mastodon
‎Mammoth: for Mastodon
Entwickler: The BLVD, Inc.
Preis: Kostenlos+

Quellcode GitHub Quelle Mammoth I, II

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