Motorola Moto G: Das beste Smartphone der unteren Preisklasse?

Marcel Am 29.12.2013 veröffentlicht Lesezeit etwa 8:24 Minuten
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Das Motorola Moto G ist nun schon ein paar Wochen auf dem Markt und konnte vor allem in der ersten Zeit für ordentlich Furore sorgen: Kein Wunder, immerhin verspricht Motorola mit dem Moto G, dass der Käufer für runde 169 Euro (8GB-Version) ein ordentliches Paket an Hardware bekommt, was durchaus auch eine Kampfansage darstellt. Nun konnte ich es in den letzten paar Wochen ebenfalls ausgiebig begrabbeln und genauer austesten, ob mich das Gerät überzeugt hat könnt ihr nun in den folgenden paar Zeilen in Augenschein nehmen.

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Technische Daten

Fangen wir einmal mit den technischen Daten des vermeintlichen Preisknüllers der Google-Tochter an, diese lesen sich logischerweise scheinbar nicht so Ideal – Hardware ist aber immer nur eine Seite der Medaille.

  • Display: 4,5 Zoll, 1280 x 720 Pixel (329 ppi), Edge-to-Edge-Display
  • CPU: Qualcomm Snapdragon 400 Quad-Core mit 1,2 GHz
  • Arbeitsspeicher: 1 GB
  • Interner Speicher: 8 oder 16 GB, nicht durch Speicherkarten erweiterbar
  • Hauptkamera: 5 Megapixel
  • Frontkamera: 1,3 Megapixel
  • Konnektivität: UMTS, Bluetooth 4.0, WiFi b/g/n, GPS
  • Sensoren:
  • Akku: 2070 mAh, Lithium-Polymer
  • Abmessungen: 129,9 x 65,9 x (6) 11,6 Millimeter
  • Gewicht: 143 Gramm
  • Sonstiges: Austauschbare Rückseite, Spritzwasserschutz

Lieferumfang

Beim Lieferumfang gibt es eine kleine Überraschung, denn in der recht kleinen Verpackung fehlen nicht nur die obligatorischen Kopfhörer, sondern auch ein Netzstecker verweigert Motorola dem Kunden. Im Grunde soll dies kein negativer Kritikpunkt sein, immerhin realisiert Motorola hiermit als erster Hersteller die lange angekündigte EU-Verordnung – sei es nun bewusst oder unbewusst, ich vermute mal eher, dass man so den Preis noch mal etwas drücken wollte, auch wenn solch ein Teil in der Herstellung wohl eher ein Cent-Artikel darstellen dürfte. Einige Online-Shops (Amazon zum Beispiel) sollen aber aus Kulanz ein Netzteil beilegen, lohnt sich also vielleicht, vorher einmal nachzufragen. Und so gibt es eben, bis auf das Gerät an sich, ein USB-Kabel und den üblichen Papierkrempel keinerlei weitere Dinge in der Verpackung vorzufinden.

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Erscheinungsbid & Haptik

Das Moto G beziehungsweise dessen Rückseite besteht, wie bei vielen anderen Androiden auch, aus Kunststoff. Motorola hat sich hierbei jedoch entschieden, die Rückseite nicht mit einem glatten Kunststoff zu überziehen, sondern hat dieses nicht nur farblich in matt gehalten, sondern diese auch leicht angeraut. Billig ist anders, definitiv – das Moto G fühlt sich recht hochwertig an. Die Spaltmaße sind an der Grenze zu perfekt, das Gerät lässt sich an einer Stelle eindrücken, es knarzt nichts – verarbeitungstechnisch erste Sahne.

Seitlich finden wir bei dem Gerät lediglich den Power- und die Lautstärkebuttons vor, diese allerdings hätte Motorola durchaus etwas wertiger oder strammer verbauen können, denn sie wippeln schon ein wenig hin und her. Nichts dramatisches, stört den nahezu perfekten Eindruck dann aber doch ein wenig – auch wenn man den Preis natürlich immer im Hinterkopf behalten muss.

Oben gibt es dann den Kopfhörerausgang, an der Unterseite den Micro-USB-Anschluss, beide jeweils Mittig positioniert.

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Eine Seltenheit ist die Tatsache, dass Motorola bei dem Moto G auf ein abnehmbares Rückcover gesetzt hat, welches man zwangsweise zum Einlegen der SIM-Karte entfernen muss – ist eigentlich recht simpel, es sitzt jedoch recht straff auf dem Gerät, sodass ich beim Abnehmen Sorge hatte, dass es mir in der Mitte durchgeht, was allerdings zum Glück nicht geschehen ist. Das Anbringen wiederum ist jedoch ein Kinderspiel.

Wo wir gerade beim Rückcover sind: Diese gibt es für rund 15 Euro das Stück in verschiedenen Farben, darunter Blau, Weiß, Gelb, Rot, Türkis und Violett – wer gleichzeitig auch einen Schutz für’s Display haben möchte, der bekommt mit dem Flip Case eine Kombination aus Backcover und Displayschutz. Nette Sache.

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Hat man sich das Moto G dann einmal angeschaut und in die Hand genommen so fällt neben dem erwähnten recht wertigen Eindruck sofort die Handlichkeit des Gerätes auf: Mit der Displaygröße von 4,5 Zoll liegt das Gerät nahezu perfekt in der Hand, auf den ersten Blick wirkte das Display irgendwie kleiner – ich für mich empfinde die Größe des Moto G als nahezu perfekt.

Display & Touchscreen

Und somit kommen wir auch schon zum Display, welches eben wie gesagt 4,5 Zoll mit bringt und damit inzwischen (leider) schon zu den kleineren Android-Smartphones gehören dürfte. Dieses löst mit 1280 x 720 Pixel auf – kleine HD-Auflösung also, macht im Grunde dennoch tolle 329 ppi, was die Pixelsuche erschwert, da man einfach keine Pixel erkennen kann. In dieser Preisklasse dürfte man damit mit diesem Display das Non-Plus-Ultra bekommen, auch wenn das Display in Sachen Blickwinkel doch einige Schwächen vorweisen kann. Kontraste und Farben sind dennoch absolut in Ordnung, auch die maximale Helligkeit des Displays passt soweit, wobei das Display doch schon bei direkter Lichteinstrahlung enorm spiegelt; könnte im Hochsommer ohne schattiges Plätzchen für ein paar Probleme sorgen.

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Kamera

Die Hauptkamera auf der Rückseite kann Fotos mit bis zu 5 Megapixeln schießen und wird dabei von einem LED-Blitz unterstützt. Diese fünf Megapixel sind jedoch oftmals nur theoretischer Natur, da das standardmäßig eingestellte 16:9-Format lediglich Bilder mit 3,75 Megapixel aufnimmt. Aber Megapixel alleine heißen nichts, hier aber schon, denn als Kameraersatz taugt das Moto G definitiv nicht. Für den ein oder anderen Schnappschuss zwischendurch vielleicht noch gerade so in Ordnung, wer aber Bilder ausdrucken oder als Urlaubserinnerung speichern möchte, der sollte Abstand von dem Gerät nehmen. Bilder sind oftmals verwackelt, grob gerastert und mit wenigen Details und schlechtem Fotos…

…was sich in Dämmerung und Dunkelheit noch weiter verstärkt. Hat man diese Aufnahmen mit weniger Licht, so kann man das Gerät fast schon in der Tasche lassen, die Aufnahmen dürften in 9 von 10 Fällen völlig in die Hose gehen, egal wie still man das Gerät hält. Auch in Sachen Videos, welche übrigens mit 29 Bildern pro Sekunde und mit 720p aufgenommen werden, macht die Kamera alles andere als eine gute Figur: Ich meine einen leichten Rotstich vernehmen zu können, ebenso verwackeln die Videos schnell und Gegenlicht ist eine ganz ganz schlechte Wahl. Hier muss man eben dem Preis Tribut zollen…

Lautsprecher

Der Lautsprecher ist rückseitig angebracht worden und befindet sich links von der Kamera. Hat man das Gerät mit dem Display nach oben auf dem Tisch liegen, liegt dieser durch die leichte Rundung des Backcovers dennoch nicht gänzlich auf. Hier hätte ich von dem Mono-Lautsprecher durchaus einen Schrecken erwartet, überraschenderweise gibt es jedoch auch Geräte, welche hier deutlich schlechter abschneiden. Zwar fehlt dem Sound natürlich Bass und Tiefe fehlt und etwas blass wirkt – aber er verzerrt den Sound auch bei steigernder Lautstärke so gut wie nicht. Für’s gelegentliche Spielen mehr als ausreichend (sofern man nicht im Landscape-Modus seine Finger auf diesem liegen hat), für den Musikgenuss ohne Kopfhörer sollte man sich dennoch eine andere Lösung einfallen lassen.

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Akku

In Sachen Akkulaufzeit gibt es sich Moto G keine Blöße, auch wenn die 2070 mAh des Akkus vielleicht nicht den Eindruck machen. Natürlich ist gerade die Akkulaufzeit immer recht subjektiv, da jeder ein anderes Nutzungsverhalten an den Tag legt – aber das Moto G muss sich hierbei keinesfalls vor dem „Akku-Monster“ in Form des LG G2 verstecken. 8 bis 10 Stunden Display-On-Zeit sind machbar, meine bessere Hälfte kam mit dem Moto G bei ihrer Nutzung (WhatsApp, SMS, Facebook und derartigen Dingen) somit sogar rund zwei Tage über die Runden und auch ich musste Abends nicht sofort die Steckdose aufsuchen – was zum Beispiel bei dem Nexus 4 der Fall ist. Selbst bei noch verbleibenden 11% weist das Moto G eine Standby-Zeit von fast drei Tagen auf (wenn man mal von den knappen 6 Stunden absieht).

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Arbeitsgeschwindigkeit & Software

In Sachen Software kommt das Moto G von Werk aus mit Android 4.3 daher, ein Update für Android 4.4 KitKat wurde in den Staaten bereits ausgerollt, sodass man hierauf nicht mehr lange warten dürfte. Das erfreuliche an der Software des Moto G: Motorola hat das System bis auf wenige Ausnahmen unangetastet gelassen, man hat also quasi schon fast die viel zitierte „Nexus-Experiance“. So findet man eine eigene Kamera-App von Motorola vor, welche aber nicht wie von anderen Herstellern mit massenhaften Schnick-Schnack überladen wurde:

Außerdem ist Moto Care mit an Board, eine Art Hilfe für Neulinge in der Smartphonewelt. Hier gibt es nicht nur die Möglichkeit, im Web nach Hilfe zu suchen, sondern es gibt auch Kurzanleitungen und ein paar Tipps zum Moto G – ebenso kann man auch direkt mit einem Supportmitarbeiter chatten oder einen (kostenfreien) Anruf tätigen.

Als dritte Anwendung gibt es Motorola Migration. Damit ist es möglich, seine SMS, Anruflisten, SIM-Kontakte, Einstellungen wie Lautstärke und Helligkeit, sowie seine Medien auf ein neues Gerät zu transferieren. Ob das Moto G dabei das alte oder neue Telefon ist, spielt keine Rolle, die Nutzung klappt in beide Richtungen und ist recht simpel: App auf beiden Geräten starten, QR-Code scannen, fertig. Schade, dass Google bislang auf derartige Backup- und Wiederherstellungsoptionen verzichtet – gerade dann nervig, wenn man häufiger mal sein Gerät wechselt, was aber natürlich auch nicht die Regel ist.

Als vierte und letzte App hat man Motorola Assist eingepackt, die ich ganz cool finde. So kann man zum Beispiel das Gerät während eines Termins auf Stumm schalten, auch während einer Autofahrt (welche anhand der Bewegung erkannt wird) kann dies aktiviert werden und auch eine „Do not disturb“-ähnliche Funktion aka „Nachtruhe“ findet man vor. Bei sämtlichen Stummschaltungsoptionen kann man dennoch von Favoriten oder Nummern, die zum zweiten Mal anrufen, erreicht werden.

Mit Ausnahme der Kamera-App finde ich persönlich eigentlich die drei restlichen Apps recht interessant. Moto Care für Anfänger und Neulinge, Migration für Umsteiger und Assist bringt Funktionen direkt von Haus mit, man spart sich unter Umständen also andere Apps wie zum Beispiel das von mir eingesetzte „Do not disturb“. Daumen hoch.

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In Sachen Arbeitsgeschwindigkeit muss man logischerweise ein paar Abstriche machen. Sofern man sich auf alltäglichen Kram wie Chatten, Surfen und derartigen Dinge beschränkt, verrichtet der verbaute Quad-Core-Prozessor von Qualcomm mit seinen 1,16 Gigahertz seine Arbeit mehr als ordentlich und flott. Aber gerade bei High-End-Spielen oder leistungsfordernden Apps stößt das Moto G hier, auch aufgrund des verbauten Arbeitsspeichers (1 GB), an seine Grenzen. Das aber ist jammern auf hohem Niveau, denn selbst bei mir lief das Moto G recht rund und war keinesfalls nervig – im Zweifelsfalle schließt man eben die ein oder andere App und schon geht es locker-flockig weiter. Schaut man sich einmal diverse Benchmark-Ergebnisse an, so liegt das Moto G etwa auf einer Höhe mit dem Galaxy S3 – schlecht ist also anders. Oder anders gesagt: Es geht besser, aber nicht für den angeschlagenen Verkaufspreis.

Fazit

Mit dem Moto G ist Motorola ein grundsolides Gerät gelungen, welches gerade in dieser Preisklasse einen echten Preisknaller darstellt. Die Haptik und Verarbeitung samt Größe ist in meinen Augen nahezu perfekt, auch in Sachen Performance gibt es eigentlich nichts zu meckern und vor allem mit dem Akku kann Motorola ordentlich punkten. Ebenfalls ein Lob gibt es für das fast nackte Android, welches eben lediglich mit vier praktischen Motorola-eigenen Apps daherkommt. Betrachtet man den Preis von rund 170 Euro (8 GB) beziehungsweise 200 Euro (16 GB), so muss man natürlich irgendwo Abstriche machen und hier fällt die Kamera recht negativ auf, denn mehr als Schnappschüsse sind hier nicht drin – bevorzugt auch nur am Tage, da die Kamera gerade in Sachen Kunstlicht und Low-Light wirklich nicht mehr als eine Erinnerungshilfe nach einem Saufgelage ist und man sich nicht mehr erinnern kann.

Eigentlich schade, denn das ebenfalls fehlende LTE und NFC werden wohl die wenigsten Low-Budget-Käufer vermissen – hätte das Moto G noch mit der Kamera punkten können, wäre das Gerät fast rundum perfekt geworden. Dennoch findet man in dieser Preiskategorie kein Gerät, welches es mit dem Moto G aufnehmen kann – daher kann man eigentlich schon fast nicht anders, als eine Kaufempfehlung auszusprechen. Chapeau, Motorola.

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