myCine: Lebe wohl… oder: Darf man Ansprüche an Freeware stellen?

Marcel Am 20.02.2011 veröffentlicht Lesezeit etwa 3:49 Minuten

myCine: Lebe wohl... oder: Darf man Ansprüche an Freeware stellen?

Eine Frage, die ich inzwischen oft gestellt bekommen habe: Was ist mit myCine. In diesem Blogeintrag möchte ich nun gerne einmal etwas genauer auf diese Frage eingehen und werde auch ein paar Gedanken niederschreiben. Es kann durchaus sein, dass der ganze Artikel etwas wirr zu sein scheint – aber nicht wundern, es waren mehrere Etappen, in denen dieser Artikel entstanden ist. Persönliches, technisches, kritisches. Alles in einem Artikel vereint.

Um ersteinmal die große Frage zu beantworten: Nein, myCine für Windows wird nicht mehr weiterentwickelt. Es ist mir schwer gefallen, diese Entscheidung zu treffen. Seit 2004 habe ich an dem Programm gearbeitet, damals noch zu rein privaten Zwecken. Es war quasi nur eine Liste mit Filmen – das gleiche hätte ich auch mit Word hinbekommen. Mit der Zeit kamen aber immer mehr Felder hinzu, die Oberfläche wurde ansprechender und es kamen immer mehr Funktionen hinzu. myCine war quasi mein Lernprogramm für Delphi. Und ich habe einiges gelernt; während myCine Version 0.7 zum Beispiel noch gut 8 MB groß war, war die letzte Version nur noch etwa 3,5 MB groß – bei wesentlich mehr Funktionen und Möglichkeiten.

Wie gesagt: myCine entstand eigentlich nur zu privaten Zwecken, und das bis zum „Ende“. Dies ist auch der Grund, wieso es diverse Möglichkeiten (etliche Film- und DVD-Informationen, Media Center, Fileplayer, etc. pp.) nie gab – ich habe es halt nicht gebraucht. Die damalige Veröffentlichung von myCine war eher pure Langeweile; das myCine damals schon sehr positiv aufgenommen worden ist und es inzwischen fast überall gelistet ist – es überrascht mich selbst. Ich bin kein Programmierer. Ich habe es als Hobby gemacht. Mehr schlecht als recht. Jemand, der Ahnung hat, würde wohl direkt von der nächsten Brücke springen, würde er sich den Quellcode ansehen. Aber natürlich freut es mich, wenn meine Arbeit positiv aufgenommen wird. Meistens jedenfalls.

myCine war immer Freeware. Es sollte auch immer Freeware bleiben. Also kostenlos. Leider ist die Mentalität soweit fortgeschritten, dass manche meinen, sie könnten von einer Freeware genauso viel erwarten wie von einer Software, für die man (regelmäßig) zahlen muss. Über die sechs Jahre myCine hinweg (wobei ein Jahr ja auch Ruhezeit war – also eher nur fünf Jahre) gab es 43 Updates. Es wurde auch kontinuielich an moderne Dinge angepasst, so zum Beispiel an Windows 7. Es war eben beständig. Nicht fehlerfrei, aber beständig. Es gab Dinge, dafür konnte ich als Entwickler nicht. So zum Beispiel die Filmdatenabfrage: Hat hier einer der „Anbieter“ seine Website geändert, ging gar nichts mehr, da ich immer nur den HTML-Quelltext ausgelesen habe. Andere Dinge funktionierten unter bestimmten Vorraussetzungen nicht so richtig wie sie sollten.

Manche Fehler waren klar Fehler im Quellcode von myCine. Aber hey, es war kostenlos. Und es sah nicht aus wie hingeschissen. Und ich bin alleine. Und ich bin kein gelernter Programmierer. Und ich habe es in meiner Freizeit gemacht. Neben Beruf. Neben Freundin. Neben Freunden. Neben sonstigen Hobbys. Kostenlos. Das da dann E-Mails kommen, die statt einer objektiven Fehlermeldung mehr persönliche Beleidigungen enthalten, weil das kostenlose Programm ja einen Fehler hat, während ein Programm von professionellen Entwicklern für 20…30€ mehr kann… Das passt gut in die heutige Freeware-Mentalität.

Klar darf man von einer Freeware etwas erwarten. Aber darf es mehr sein, als von professioneller Software? Ich denke nicht. Man darf nie vergessen: Die meisten Freewaretools sind nicht ohne und viele können auch dem großen Vorbild das Wasser reichen, aber dennoch steht dahinter dann ein großes Team an gelernten Entwicklern, die mit Werbung und Donations trotzdem richtig absahnen. Habe ich nie gemacht. Wollte ich auch nie.

Nichtsdesto trotz ist das natürlich nur ein Grund, weswegen ich die Entwicklung eingestellt habe. Schließlich gab es ja auch viele nette E-Mails mit positiven Worten. Sonst hätte ich myCine wohl auch nie weitergedacht und weitergeplant. Es wäre noch so einiges gekommen: Twitter- und Facebookanbindung, die Import- und Exportfunktionen, sogar eine Art webCine war geplant – quasi myCine für den Browser.

Nun wird die Zeit, die man mit so etwas verbringen kann, mit steigendem Alter weniger: Mehr Beruf, mehr sozialer Umgang, mehr Hobbys, mehr Pflichten. Ich bin nun aber auch bekannterweise von Windows auf Mac OSX umgeswitcht und habe also keine Entwicklungsumgebung für Windows mehr zur Hand. Dies ist der eigentliche Hauptgrund. Klar, könnte ich sicherlich mit BootCamp weiterhin unter Windows programmieren, aber derzeit fehlt mir halt auch einfach ein wenig die Lust und Motivation.

Trotz allem heißt es natürlich nicht, dass ich nicht irgendwann mal wieder eine Filmverwaltungssuite veröffentliche. Für Windows. Für MacOSX. Für iPhone und iPad. Mit Online. Aber irgendwann. Nicht mehr 2011. Wenn überhaupt erst später. Irgendwann wird ein Projekt immer schon fast zu groß für einen Hobbyentwickler. Doch, was nun? Natürlich existiert noch der Quellcode von myCine 0.9.8-3. Ein paar Updates waren auch schon eingebaut, so zum Beispiel die Einstellungen für Twitter und Co. Wurde aber nie mehr kompiliert. Veröffentliche ich den Quellcode? Ich denke nicht. Einfach aus dem Grunde, weil er schlecht ist. Wie gesagt: Ich habe das Programmieren mit Delphi nie richtig gelernt, sodass ich hier und da auf Tricks zurückgreifen musste, wo ein gelernter Entwickler simple Funktionen nimmt. Und es alles anders ausführt. Jeder hat da halt seine Art, wie er am besten mit einem größeren Quellcode (und das war myCine inzwischen) klar kommt.

Ich jedenfalls bedanke mich für alle positiven Rückmeldungen der letzten Jahre und schließe hiermit das Kapitel myCine vorerst komplett für mich ab. Danke für nette, erfolgreiche Jahre.

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