Kurztest myStrom WiFi Switch: WLAN-Steckdose mit offener Plattformanbindung

Marcel Am 10.09.2020 veröffentlicht Lesezeit etwa 8:24 Minuten

Smarte Steckdosen gibt es zugegeben so reichlich und das für alle Funkprotokolle. Wer sein Heim in größerem Umfang smart machen möchte, der greift sicherlich auf die bekanntesten Protokolle wie Z-Wave oder Zigbee zurück – oder nutzt universelle Zentralen wie beispielsweise homee. Bislang habe ich fast alle zu schaltenden Steckdosen mit einem Fibaro Wall Plug versehen, die im Zusammenspiel mit besagtem homee reibungslos ihren Dienst verrichten. Dennoch kann es manchmal vorkommen, dass die Reichweite von Z-Wave, Zigbee und Co. trotz Mesh-Netzwerk nicht ausreichen; in meinem Falle geht das Z-Wave-Netzwerk nur bedingt vom ersten Obergeschoss in den Keller, während ich dort jedoch eine stabile WLAN-Verbindung habe. Oder aber man möchte nur ein paar Steckdosen schalten und dabei auf eine fixe Basisstation verzichten. In einem solchen Fall kommen WiFi-Steckdosen ins Spiel, die euren bestehenden Router als Zentrale nutzen.

Solche WLAN-Steckdosen gibt es vor allem auf Amazon wie Sand am Meer, in den meisten Fällen sogar identische Geräte, die lediglich verschiedene chinesische Herstellernamen aufgedruckt haben. Etwas höherpreisiger fällt dabei der myStrom WiFi Switch aus. Bei mySwitch handelt es sich um einen Anbieter aus der Schweiz, der inzwischen mit einem ganzen Portfolio an WiFi-Gadgets für das smartere Zuhause punkten möchte. So gibt es beispielsweise Bewegungssensoren, einen Controller für LED-Strips , eine multifunktionale Fernbedienung und so einiges mehr. Ich habe mir jüngst einmal den besagten WiFi Switch angeschaut, denn im Gegensatz zu vielen anderen WLAN-Steckdosen auf dem Markt muss für diese nicht zwangsläufig die myStrom-eigene App verwendet werden, sondern kann dank offener Schnittstellen auch diese in anderen Zentralen genutzt werden.

Ein Blick auf die Steckdose

Auf den ersten Blick fällt der myStrom WiFi Switch etwas voluminöser aus, insbesondere wenn man den Vergleich zur Z-Wave-Steckdose von Fibaro hat. Fairerweise muss man sagen, dass die Fibaro-Steckdose schon sehr kompakt gebaut ist und die Steckdose von myStrom mit ihren 5,6 x 5,6 x 4,3 Zentimetern trotzdem noch irgendwo im Mittelfeld der verfügbaren WLAN-Steckdosen liegt, die wohl alleine aufgrund der WLAN-Funktionalität schon etwas großer ausfallen (müssen?). In handelsüblichen Mehrfachsteckdosen benötigt der Zwischenstecker etwa 1½ Steckplätze, heißt also ein schmaler Eurostecker kann durchaus noch in der direkten Nachbarsteckdose genutzt werden, während es bei größeren Netzsteckern schon eng werden kann. Das kommt letztlich aber auf die verwendete Mehrfachsteckdose an, inzwischen gibt es durchaus ja Modelle, die etwas mehr Platz zwischen den einzelnen Steckern bieten.

Am Zwischenstecker selbst finden sich zwei Tasten: Eine Haupttaste zum manuellen ein- und ausschalten der Steckdose, was für viele auch trotz Automatisierung und App-Steuerung zum Pflichtprogramm gehört. Die zweite Taste wird nur bei Einrichtung der Steckdose benötigt und aktiviert die WPS-Verbindung zu eurem WiFi-Router. Darüber hinaus gibt es noch eine kleine Status-LED, die euch über die bestehende oder nicht bestehende WiFi-Verbindung hinweist. Schade: Diese leuchtet tatsächlich dauerhaft und unabhängig vom aktuellen Schaltstatus – zumindest habe ich keine Möglichkeit gefunden, die LED deaktivieren zu können. Beim Thema Haptik und Verarbeitung kann die Steckdose dann aber wiederum punkten, denn das Kunststoffgehäuse macht einen wertigen Eindruck und der Zwischenstecker selbst ist gut verarbeitet.

Quick’n’Dirty: Die myStrom-App

‎myStrom Mobile
‎myStrom Mobile
Entwickler: myStrom AG
Preis: Kostenlos
myStrom Mobile
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Preis: Kostenlos

Wie oben bereits angesprochen hat myStrom inzwischen ein größeres Portfolio an Aktoren und den ein oder anderen Sensor, entsprechend hat man natürlich auch eine eigene App im Angebot, die sich kostenlos für iOS und für Android herunterladen lässt. Mit dieser lassen sich die Geräte nicht nur manuell ins heimische WLAN integrieren und steuern, sondern auch andere nette Funktionen ausführen, Automatisierungen erstellen und Auswertungen einsehen. Hierzu eröffnen die Geräte bei erstmaliger Inbetriebnahme ein eigenes WiFi-Netzwerk, in welches man sich mit dem Smartphone einloggen muss und kann anschließend die Geräte wie von WLAN-Gadgets gewohnt ins heimische WLAN integrieren und einrichten. Wer auf die App verzichten und stattdessen eine andere Zentrale nutzen möchte: WPS ist euer Freund, aber dazu folgen unten noch ein paar Worte mehr.

Die App an sich könnte sicherlich die ein oder andere Frischzellenkur vertragen, ist aber übersichtlich, klar und eigentlich selbsterklärend aufgebaut. Letzteres vor allem aufgrund der Tatsache, dass nahezu jede Funktion direkt erläutert wird. In Sachen Smart Home bietet man eigentlich alles, was man von einer solchen App erwarten kann. Steckdosen, Leuchten und Co. lassen sich nicht nur in der App steuern, sondern können auch Räumen zugewiesen werden. Szenen, mit denen sich bestimmte Abläufe mit einem Schalter auslösen lassen – umfangreiche Wenn-Dann-Funktionen lassen allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch auf sich warten. Interessant wird es allerdings, wenn man sich nur die möglichen Softwarefunktionen für den WiFi Switch anschaut, denn dort findet man ein paar nette Automatismen, die man wiederum in anderen Systemen vergeblich sucht:

  • Zeitplan: Eines der gängigen Funktionen um etwas ohne manuelles Zutun zu steuern. Hier könnt ihr festlegen, zu welchen Uhrzeiten die Steckdose ein- beziehungsweise ausgeschaltet werden soll. Bei Bedarf auch zu mehreren Uhrzeiten am Tag und wahlweise an jedem Wochentag unterschiedlich.
  • Sonnenaufgang bzw. Sonnenuntergang: Greift etwas auf den Zeitplan zurück, erlaubt aber ein automatisches Ein- und Ausschalten bei Sonnenauf- und -untergang.  Da dies je nach Fortschritt der Jahreszeit und anderen Begebenheiten unterschiedlich ausfallen kann, könnt ihr einen Offset definieren.
  • Ferien Modus: Dieser simuliert eine Präsenz zuhause, während ihr im Urlaub seid. Hierbei wird der jeweilige Stecker zu einer zufälligen Uhrzeit und für eine zufällige Dauer eingeschaltet: Die Dauer variiert dabei zwischen 15 Minuten und 4 Stunden, die Uhrzeit zwischen 17 und 24 sowie zwischen 6 und 8 Uhr. Nette Geschichte.
  • Alarme: Die App bietet eine ganze Reihe an optionalen Push- oder E-Mail-Benachrichtigungen, beispielsweise bei zu hohem oder untypischen Verbrauch, beim generellen Ein- und Ausschalten des Gerätes oder auch bei zu hoher Temperatur. Denn ja, die Steckdose kann euch auch die (Raum-)Temperatur anzeigen.
  • Stromsparen: Dieser Punkt umfasst zwei Features. Zum einen kann ein angeschlossenes Gerät nach einer definierten Zeit wieder automatisch ausgeschaltet werden. Spannender ist aber die Option „Standby eliminieren“, mit der sich angeschlossene Geräte automatisch ausschalten lassen, sobald es sich in den Standby-Modus begibt bzw. sobald der Verbrauch unter eine Grenze fällt. Eine nette Sache, die sich in umfangreicheren Systemen natürlich manuell „programmieren“ lassen.
  • Timer: Quasi eine Art Sleeptimer für die Steckdose. Ihr könnt eine bestimmte Zahl an Stunden oder Minuten festlegen, nach deren Ablauf die Steckdose und damit auch das angeschlossene Gerät ausgeschaltet oder eingeschaltet wird.
  • Auswertung: Hier erhaltet ihr recht umfangreiche Statistiken darüber, wie sich der Verlauf in den letzten Tagen entwickelt hat, wann das Gerät eingeschaltet wurde und ähnliches. Das ganze kann auch in Kosten umgewandelt werden. Tipp: Von Haus aus werden nur CHF angezeigt, die Währung kann allerdings in den Konto-Einstellungen geändert werden.

Wie immer bei derartigen Systemen: Die oben genannten Features und Screenshots stellen lediglich den aktuellen Status Quo der Entwicklung dar und dieser kann in ein paar Monaten schon ganz anders aussehen. Für mich persönlich aber uninteressant, da ich eben auf homee setze und das Zusammenspiel für mich deutlich höher priorisiert war oder ist. Der Vollständigkeit halber wollte ich die offizielle myStrom-App aber dennoch mal in den Raum werfen, auch wenn sich mit nur einer Steckdose natürlich nicht sonderlich viel herumspielen und bewerten lässt. Ich glaube, dass wenn man auf ein möglichst einfaches System setzen möchte, dann finden sich sicherlich einige Anwendungen (auch einiger Hersteller mit größeren Namen), die deutlich schlechter umgesetzt wurden.

Nutzung direkt in homee und Co.

Das myStrom-Ökosystem lässt sich ganz nebenbei auch mit Amazons Alexa, dem Google Assistant, dem Trigger-Dienst IFTTT und Conrad Connect nutzen. Darüber hinaus besitzt die Steckdose aber auch eine REST API, die die mehr oder weniger native Verwendung in anderen Plattformen erlaubt – vorausgesetzt natürlich, deren Entwickler haben eine Unterstützung der myStrom-Geräte implementiert. homee ist eine solche Zentrale, die zumindest den WiFi Switch als unterstütztes Gerät aufführt. Hierzu muss die Steckdose manuell ins heimische WLAN gebracht werden, was wie erwähnt am einfachsten per WPS erfolgt: Kurz die Taste am Router betätigen (oder WPS über die Web-UI aktivieren), dann den WPS-Schalter an der Steckdose und ein paar Sekunden später funkt die Steckdose dann auch schon.

Alternativ kann die Steckdose auch ganz manuell eingerichtet werden: Dazu wechselt ihr in das initial von der Steckdose erzeugte WiFi-Netzwerk und ruft anschließend die IP-Adresse 192.168.254.1 im Browser auf. Nach einem Hinweis, dass die Übertragung des WLAN-Passwortes unverschlüsselt erfolgt, könnt ihr dann gefundene Netzwerke auswählen, dass Passwort eingeben und schon verbindet sich die Steckdose mit diesem. Darüber hinaus könnt ihr über die Web-Oberfläche der Steckdose (nach Verbindung natürlich über eine andere IP-Adresse erreichbar) auch die Firmware aktualisieren oder „Experteneinstellungen“ vornehmen, beispielsweise die REST API deaktivieren oder einen Token zum Zugriff hinterlegen. Letzteres erfordert je nach genutzter Zentrale unter Umständen einen Schritt mehr in der Einrichtung, macht die Sache aber auch ein wenig sicherer.

Ist die Steckdose ins WLAN gebracht, kann die Einrichtung losgehen. In homee selbst gibt dazu es zwei Möglichkeiten: Entweder per automatischer Erkennung oder manuell, in dem ihr die IP-Adresse und gesetzten Token hinterlegt. Klappte bei mir ohne Probleme und direkt auf Anhieb. Die Steckdose lässt sich anschließend wie übliche Z-Wave- oder Zigbee-Steckdosen verwenden – einschließlich dem aktuellen Verbrauch und der Temperatur. Auf die Erfassung eines summierten Verbrauches muss man hierbei verzichten, was für mich aber grundsätzlich nur ein „nice to know“ ist. Ebenso kann die Steckdose in Homeegrammen als Auslöser, Bedingung und Aktion herhalten. So könntet ihr zum Beispiel automatisch die Steckdose einschalten, wenn die Sonne untergeht oder euch eine Benachrichtigung schicken, sobald der Verbrauch unter 10 Watt fällt. Oder oder oder.

tl;dr & Fazit

Der myStrom WiFi Switch macht auf den ersten Blick eine gute Figur: Die Verarbeitung ist tadellos und wirkt trotz Kunststoffgehäuse hochwertiger als so manche anderen White-Label-Steckdosen chinesischer Hersteller. Einzig und allein das Volumen der Steckdose dürfte noch ein Stück geringer ausfallen, denn zwei Zwischenstecker nebeneinander sind in einer handelsüblichen Mehrfachsteckdose nicht möglich. Auch die nicht deaktivierbare Status-LED darf gerne ein Software-Update erhalten, sodass sich diese ausschalten lässt oder wahlweise auch den aktuellen Ein-Aus-Status des angeschlossenen Gerätes anzeigt. Für mich dagegen kein Kritikpunkt: Die Steckdose funkt nur mit 2,4 GHz, was angesichts des Zwecks aber in Ordnung geht. Zwar sind Daten im 5 GHz zumeist noch schneller unterwegs, aufgrund der geringen Datenmengen ist dies aber zu vernachlässigen – dafür ist die Reichweite im 2,4 GHz-Netz um einiges höher und konstanter.

Die Einrichtung ist prinzipiell völlig unproblematisch, egal ob man dies nun per WPS erledigt, manuell über den Browser oder der myStrom-App für iOS und Android. Die App ist grundsolide und bietet alle gängigen Funktionen, die man von einer solchen erwartet – muss aber im Vergleich zu umfangreicheren Smart-Home-Zentralen wie homee, Fibaro, Homey und Co. natürlich auf das ein oder andere Feature verzichten. Dennoch versucht man auch jene Nutzer anzusprechen, indem man die Steckdose per REST API nutzbar macht, wodurch die Steckdose eine Alternative zu den „klassischen“ Steckdosen im Z-Wave- oder Zigbee-Protokoll darstellt. homee zum Beispiel bietet von Haus aus eine fertige Implementierung, für Fibaro Home Control gibt es QuickApps und bei Nutzung offener Plattformen wie NodeRed oder OpenHab kann man entweder manuell über Webhooks tätig werden oder auf existierende Bindings setzen. Da ist also für jeden Spieltrieb etwas im Paket.

Mit etwa 40 bis 50 Euro, je nach Shop und aktueller Preislage, ist der myStrom Wifi Switch allerdings ein gutes Stückchen teurer, als die einschlägigen und (in mehrfacher Hinsicht) billigeren WLAN-Steckdosen aus Fernost, die teils schon für einen Zehner über die virtuelle Ladentheke gehen. Die Verarbeitung der myStrom-Steckdose wirkt aber unterm Strich ein wenig solider und in Sachen Funktionsumfang dürfte myStrom recht vorne mitspielen. Dies liegt insbesondere an der erwähnten einfachen Einrichtung und der zur Verfügung gestellten REST API. Ebenfalls Punkte gab es aber natürlich auch dafür, dass es in meinem Testlauf zu keinerlei Aussetzern der Steckdose selbst oder beim Zusammenspiel mit homee kam und die übermittelten Verbrauchsdaten auf einem Niveau mit anderen Verbrauchsmessern lagen. Gefällige Sache, die noch dazu auch das Reichweitenproblem mit der ein oder anderen Z-Wave-Steckdose im Keller löst.

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