Nanotips TAPS im Test: Das Smartphone trotz Handschuh mittels Fingerabdruck entsperren

Marcel Am 01.02.2017 veröffentlicht Lesezeit etwa 3:39 Minuten

Inzwischen ist es in Deutschland so richtig Winter geworden (okay, TEILWEISE) und viele laufen nicht mehr nur mit der dicken Winterjacke durch die Weltgeschichte, sondern haben nun auch Mütze, Schal und Handschuhe aus dem hinteren Schrankfächern herausgekramt. Aber auch im Winter möchte das Smartphone bedient werden, was mit Handschuhen nicht selten unmöglich wird. In diesem Falle helfen touchscreenfähige Handschuhe weiter, inzwischen keine Seltenheit mehr. Diese ermöglichen zwar die Bedienung des Smartphones, der Fingerabdrucksensor aber lässt sich mit Handschuhen nicht nutzen. Nur bedingt ein Problem, denn immerhin lässt sich das Smartphone auch durch Eingabe des Sperrcodes oder -musters entsperren – dennoch ist das Entsperren mittels Fingerabdruck aber natürlich deutlich schneller und auch komfortabler.

Genau an dieser Stelle setzen nun die TAPS von Nanotips an, die vor einiger Zeit auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter aufgetaucht sind. Hierbei handelt es sich um eine Art Sticker, die auf den Handschuh geklebt werden und so nicht nur die Bedienung des Smartphones ermöglichen, sondern noch dazu auch als künstlicher Fingerabdruck herhalten können. Die Sticker selbst bestehen aus einem gefühlt Leder ähnlichem Material und sind nichtmal einen Millimeter dick, daher absolut flexibel. Die TAPS werden einfach auf die Fingerkuppe eurer Handschuhe geklebt, wobei das Material der Handschuhe egal sein sollte – ich habe es mit einfachen Stoffhandschuhen ausprobiert, aber auch auf Leder und anderen Materialien sollen die TAPS halten. Zumindest vom Halt her kann ich nichts negatives sagen: einmal raufgepappt, schon halten sie – zumindest in den letzten drei bis vier Wochen.

Allerdings ist die Größe der TAPS (in etwa 3,5 x 3 Zentimeter) etwas problematisch. Es erfordert ein wenig Kreativität beim Aufkleben, denn immerhin sollte der größte Teil der Fläche so am Handschuh-Finger aufgeklebt werden, dass bei Nutzung des Fingerabdrucksensor diese auch wirklich aufliegt. Tipp 1: Legt den TAPS zunächst mal auf den Fingerabdrucksensor und schaut dann, wo und wie euer Finger aufliegen würde. Bei etwas „voluminöseren“ Handschuhen sicherlich auch kein Problem, bei schmaleren Stoffhandschuhen (und schmaleren Fingern) aber gehen die „Flügel“ der TAPS etwas unschön an den Seiten und der Oberkante hinaus. Tipp 2: Ich habe mir dadurch beholfen, dass ich die TAPS ein wenig zurechtgeschnitten und gestutzt habe – minimal größer als mein Daumen.

Sobald ihr euren Sticker dann auf den Handschuh geklebt habt, kann es auch schon losgehen. Im Grunde müsst ihr den Tap nun so handhaben, wie einen neuen Fingerabdruck. Denn letztlich ist er nichts anderes. Also erst einmal rein in die Fingerabdruck-Einstellungen eures Smartphones und den Tap als neuen Fingerabdruck registrieren. Übrigens: Jeder Tap hat ein einmaliges Muster. Dies sorgt natürlich dafür, dass ihr nicht mit einem anderen Tap euer Smartphone entsperren könnt. Andererseits erlauben iOS und Android auch maimal fünf Fingerabdrücke, sodass ihr bei den regulär eingerichteten Fingern Probleme bekommen könnt, wenn ihr zwei oder drei Paar Handschuhe (oder mehrere Finger an einem Handschuh) nutzen wollt. Habt ihr euren Tap dann erfolgreich registriert, könnt ihr euer Smartphone von nun an mit diesem entsperren.

So zumindest sollte es theoretisch sein, in der Praxis gab es dann aber sehr gemischte Gefühle. Beim iPhone 7, iPhone 6S, iPhone SE und dem iPad funktionierten die TAPS-Fingerabdrücke ohne allzu große Probleme (und auch auf dem neuen MacBook Pro ^_^). Die Einrichtung ging völlig unproblematisch vonstatten, auch das Entsperren war kein sonderlich großes Problem – nach einiger Zeit hat man die Positionierung des Fingers durch den Handschuh raus. Anders hingegen bei Android-Geräten, genauer gesagt dem Nexus 5X, dem Xiaomi Redmi 4 Pro und dem Samsung Galaxy S7. Hier wurden die Sticker gar nicht erst als Fingerabdruck erkannt – weder bei der Einrichtung, noch als „falscher Abdruck“ auf dem Lockscreen.

Woran es liegt? Keine Ahnung, vielleicht liegt es an der Funktionsweise der verbauten Sensoren. Wirft man aber einmal einen kurzen Blick in die Kommentare auf Kickstarter, so stehe ich mit dieser Erfahrung ganz und gar nicht alleine da – gleichwohl die Hersteller versprachen, dass die TAPS mit allen Smartphones funktionieren sollten. Aber wenigstens die Bedienung des Touchscreens mit einem aufgeklebtem TAPS funktionierte, auch wenn es etwas ungewohnt ist, da das lederähnliche Oberflächenmaterial der TAPS den Finger auf dem Display ein wenig abbremst. Hat man sich aber schnell dran gewöhnt, würde ich nun nicht sonderlich kritisch werten – wer Lederhandschuhe besitzt, der kennt das Gefühl.

Und so sehe ich die Sache mit gemischten Gefühlen: Die Idee selbst finde ich sehr gut – sieht man einmal vom Sicherheitsaspekt, dass jemand euren Handschuh und das Smartphone klaut, ab. An der Umsetzung hapert es aber eben. Die Sticker sind gerade auf schmaleren Handschuhen zu groß, ich hätte eine ellipsenähnliche Form bevorzugt. Merkwürdig ist die Sache, dass die TAPS mit iPhone und iPad funktionierten, während die von mir getesteten Android-Geräte total versagten. Eigentlich ein Unding, auch wenn mich meine Erfahrung mit den iPhones ein wenig milder stimmt – eine Empfehlung gibt es aber höchstens für iPhone-Nutzer, die auch dazu sind, unter Umständen ein paar Minuten herumzubasteln.

Info

Zu haben sind die TAPS aktuell als Vorbestellung über Indiegogo, hier schlägt ein vierer Set mit 11 US-Dollar zuzüglich Versand zu Buche (insgesamt also etwas über 13 Euro). Die Lieferung soll ab Februar erfolgen.

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