Auspro­biert: 8Bitdo NES30 Bluetooth Controller für Fire TV, Android, iOS & Co.

Am 23.04.2015 veröffentlicht Lesezeit etwa 6:58 Minuten

Zocken auf dem Smart­phone wird aufgrund der immer leistungs­fä­hi­geren Geräten und der immer besser werdenden Grafik immer beliebter – vorrangig dürfte es sich jedoch um Casual-Games handeln, die sich auch ohne das vorhan­densein von echten Hardware-Tasten ohne große Probleme bespielen lassen. Vollpreis-Titel? Sicherlich seltener, was schlicht und einfach an der teilweise unbequemen Steuerung durch die Onscreen-Buttons liegt. 

Klar, es gibt auch das ein oder andere „richtige“ Spiel, bei dem sich die Entwickler ein paar Gedanken an die Steuerung auf dem Smart­phone gemacht haben, dennoch ist ein echtes Gamepad wesentlich angenehmer und wird von den meisten Gamern auch bevorzugt. Nachdem ich mir vor etlicher Zeit einmal den Logitech PowerShell Controller angeschaut habe, folgt mit dem 8Bitdo NES30 Controller ein Gamepad, dass nicht nur Retro-Gefühle hervorruft, sondern auch wesentlich univer­seller einsatz­fähig ist. 

Der Liefer­umfang

Werfen wir erst einmal einen Blick in die Verpa­ckung des Controllers, die wie auch der Controller selbst im Stile eines Old-School-Nintendos daher­kommt. In dieser finden wir neben dem Controller in der ersten Lage auch eine kleine Beschreibung, ein MicroUSB-Kabel im Grauton der altehr­wü­digen Konsole, sowie einen Schlüs­sel­an­hänger aus Metall zu Ehren des Famicon (Japan-Version des NES). Ebenfalls dabei ist ein unschein­barer Halter (der „Xtander“) für euer Smart­phone, welcher auf den Controller geklippt und einfach entfernt werden kann. 

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Der Controller

Optisch kommt der NES30 Controller wie man unschwer erkennen kann im Retro-Look des klassi­schen NES-Controllers daher. Die Größe des Controllers (in diesem Falle etwa 12,5 x 5,5 x 1,5 Zenti­metern) entspricht nahezu jener des Ur-Controllers, auch die Farbgebung unter­scheidet sich nicht vom Vorbild. Unter­schiede gibt es dennoch denn statt nur zwei Aktionbuttons gibt es hier vier der roten Buttons, ebenso gibt es an der Oberseite zwei Schul­ter­buttons, zwei LEDs zur Anzeige des Lade- und Bluetooth-Status, sowie den MicroUSB-Anschluss zum Laden des Controllers. 

Was die Verar­beitung und Haptik betrifft so gibt es gemischte Gefühle. Der Controller liegt trotz der vermeintlich geringen Größe recht gut in der Hand – wer früher einen NES besitzt wird die Größen­ab­messung eben kennen dürfen. In Sachen Materi­alwahl setzt man auf bewährten Kunst­stoff und was die Verwin­dungs­steife betrifft kann man auch kaum meckern, der Controller knarzt nirgends und lässt sich an keinem Punkt durch­drücken. Auch die Ränder sind sauber, keine scharfen oder überste­henden Kanten, in soweit ist also alles in Ordnung. 

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Was aber die gemischten Gefühle hervorruft sind die Buttons des NES30. Zwar besitzen diese einen recht guten Druck­punkt, mit Ausnahme des Select- und Start-Buttons snd diese aller­dings etwas sehr lose in den Controller einge­lassen. Schüttelt man den Controller einmal leicht hört man ein leichtes Klappern, was durch die hin- und her rutschen der Buttons in der Aussparung herrührt. Ist keine gravie­rende Einschränkung, stört mich aber ein wenig da es den Gesamt­ein­druck ein wenig abschwächt und andere Hersteller in der Vergan­genheit schon gezeigt haben, dass dies nicht so sein muss – laut den Herstellern hat man sich dabei aber gezielt an dem Original orien­tiert…

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Der Smart­phone-Halter aka „Xtander“

Der Smart­phone-Halter lässt sich wie gesagt auf die Rückseite des Controllers klemmen und schnell und einfach entfernen. Im Grunde eine ganze banale Geschichte, in die das Smart­phone einfach gestellt wird und dadurch im sachten Winkel gehalten wird. Keine funktionale Lösung, keine geniale Idee, aber dennoch eine kleine Hilfe beim Zocken, da es so eben doch angenehmer ist als das Smart­phone flach auf dem Tisch legen zu müssen – außerdem hat man diesen Halter immer mit dem Controller dabei und muss nicht noch ein zweites Gadget mit sich herum­tragen. Mein iPhone 6 ließ sich ebenso damit stabil halten wie auch das Nexus 5 oder das iPad mini – auch kleine Tablets und „Phablets“ lassen sich also damit nutzen. 

Der Controller im Einsatz

Der Controller lässt sich im Gegensatz zu dem ein oder anderen Controller universell nutzen und ist nicht zwangs­läufig für den mobilen Einsatz vorge­sehen. Denn neben den mobilen Platt­formen iOS und Android lässt sich der NES30 auch mit Windows, Mac OS X, der Wii und dem Amazon Fire TV (Stick) nutzen. Dabei gibt es aller­dings je nach System und Spielen ein paar Einschrän­kungen, die vor allem in Bezug auf iOS etwas schade sind. Ich habe mal die verschie­denen Möglich­keiten durch­pro­biert, einen kleinen Überblick gibt es nun an dieser Stelle. 

Vorher aber nochmal ein Überblick über die verschie­denen Betriebsmodi des NES30, denn dank verbauter CPU lässt sich der Controller in verschie­denen Modi nutzen. Mode 1 ist der klassische Joystick-Modus der durch ein drei sekün­diges Drücken des Start-Buttons aktiviert wird. Mode 2 wird durch Start + B aktiviert und lässt den Controller als Bluetooth Keyboard hantieren, Mode 3 simuliert einen iCade-Controller (Start + A), Mode 4 emuliert die Touch-Screen-Bedienung (Start + X – erfordert Jailbreak bezie­hungs­weise Root) und zu guter Letzt gibt es abseits von Bluetooth 2.1 auch noch die Möglichkeit, den Controller als USB-Controller nutzen zu können – aller­dings nur unter Windows. 

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Fangen wir der einfach­heits­halber einmal mit dem Fire TV (Stick) und der Nintendo Wii an, denn hier funktio­niert die Verbindung noch am einfachsten und es funktio­nieren nahezu alle Spiele, die für die Systeme angeboten werden (im Falle der Wii wird natürlich nur die Wiimote ersetzt). Auf dem Fire TV verbindet sich der Controller ebenfalls ohne Probleme und läuft innerhalb Spielen auch ohne Probleme – logisch, da Amazon selbst ein Gamepad anbietet, ist die Basis natürlich vorhanden. Der Betriebsmodi sollte hierbei auf Mode 1 (Joystick) gestellt sein, für die Wii sollte man den Controller mit Start + Y starten um in den Wii-Mode zu gelangen. 

Unter Mac OS X lässt sich der Controller ebenfalls nutzen, bevorzugt im Keyboard-Modus. Die Verbindung ist kein großes Problem, aller­dings wird der Controller nicht wirklich breit unter­stützt. Es fehlt eben eine Möglich­keiten die Tasten der Tastatur (der Controller wird eben nur als Tastatur erkannt) auf den Controller zu mappen, was die entspre­chenden Spiele selbst mitbringen müssen – OpenEmu zum Beispiel funktio­niert, ansonsten konnte ich leider nicht mehr auspro­bieren und finden. Unter Windows sieht es wiederum ein wenig anders aus, denn hier läuft der Joystick-Mode von Haus aus und mittels XPad lassen sich die Controller-Button mappen, sodass nahezu alle Spiele unter­stützt werden. 

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Zu guter Letzt fehlt noch iOS und Android. Zu iOS muss man leider sagen, dass ich mir einen etwas besseren Support gewünscht hätte. Apple ermög­licht dank MFI-Programm breit unter­stützte Gamepads, leider ist der NES30 nicht MFI-zerti­fi­ziert. Hat zur Folge, dass man den Controller zwar sowohl als Bluetooth Keyboard, als auch im iCade-Modus nutzen kann, die Unter­stützung an Spielen ist aber mehr als dürftig und beschränkt sich größten­teils auf Retro-Games und Emula­toren.

Unter Android kann man eigentlich sämtliche Modi nutzen und die Spiele-Unter­stützung ist sogar wesentlich breiter als es bei iOS der Fall ist. Asphalt 8, Real Racing, Tomb Raider, Temple Run – jau, je nach Modi lassen sich zahlreiche Spiele bespielen. Wer sein iOS mit einem Jailbreak oder seinen Androiden mit einem Root versehen hat, der kann über die offizi­ellen Apps auch den Touch­screen emulieren, wodurch sich wirklich (fast) alles spielen lassen sollte. 

Läuft der Controller dann aber einmal und das Spiel lässt sich mit diesem bespielen, so gibt es eigentlich wenig auszu­setzen. Die Buttons haben einen angenehmen Druck­punkt und reagieren ohne spürbare Verzö­gerung – habe ich beim erwähnten PowerShell Controller auch schon anders erlebt, bei dem man die Buttons wirklich fest drücken musste. Nein, passt in diesem Falle ohne Murren. Noch ein paar Worte zur Akkulaufzeit des NES30 Controllers: Laut Hersteller sollte diese bei etwa zehn Stunden liegen was durchaus passend sein dürfte. 8 – 9 Stunden hielt der Akku bei mir durch. Werden 15 Minuten lang keine Buttons gedrückt so schaltet sich der Controller aus, aufge­laden wird der Akku mit seinen 480 mAh – welch Überra­schung – über den MicroUSB-Port. 

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Das Fazit

Optisch ist der Controller eine Augen­weide, wobei dies sicherlich Geschmack­sache ist und viel durch Emotionen geleitet wird. Retro rockt. Dies betrifft auch die Verar­beitung der Buttons die zwar durchaus etwas besser hätte ausfallen dürfen, aber eben nah am Original ist. Die restliche Verar­beitung des Controllers ist ohne große Mängel, der Xtander-Halter für Smart­phones und kleinere Tablets ist nichts weltbe­we­gendes, aber eben dennoch immer dabei und rein funktional umgesetzt. Auch der Akku dürfte kein Kritik­punkt darstellen, immerhin läuft der Controller fast doppelt so lang wie ein aktuelles Smart­phone mit laufendem Spiel.

Lediglich die Unter­stützung der Platt­formen und Spiele wäre negativ zu bewerten – zumindest aus meiner Seite. Ja, unter Windows gibt es dank des XPad-Tools eine breite Unter­stützung an Spielen, unter OS X sieht es aber recht Mau aus. Richtig nervig wird es aller­dings unter iOS und Android, denn hier muss man immer wieder den Betriebs­modus wechseln und selbst dann wird zum einen nicht jedes Spiel unter­stützt, zum anderen wechselt die Belegung der Tasten gerne mal. Während bei Spiel A mit „B“ Gas gegeben wird, ist dies bei Spiel B mit „A“ der Fall. Vor allem für iOS hätte ich mir eine MFI-Zerti­fi­zierung gewünscht, auch wenn der Verkaufs­preis sicherlich etwas höher ausge­fallen wäre – dafür hätte man iOS dann ganz simpel abgedeckt, getreu dem Motto „it just works“. 

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Wirklich unpro­ble­ma­tisch war der Controller lediglich im Zusam­men­spiel mit dem Amazon Fire TV bezie­hungs­weise dessen Stick-Pendant. Verbinden, genießen. Daher kann man den NES30 Controller nur unter Vorbe­halte genießen. Wollt ihr einen Controller, der auf einem spezi­ellen System ohne Bastelei funktio­niert? Dann haltet doch besser nach einem anderen Controller Ausschau. Ihr wollt den Controller nur für das ein oder andere Retro-Spiel nutzen, habt kein Problem damit wenn einzelne Spiele nicht laufen oder euer Smart­phone mit einem Jailbreak oder Root versehen? Dann läuft es recht solide und rund. Euer Nostalgie-Gefühl verlangt ein Retro-Gamepad für gelegent­liche Spielerunden, auch auf dem Fire TV? Jau, in dem Falle könnt ihr beden­kenlos zuschlagen. 

Es gibt in diesem Falle eben nicht nur ein helles Weiß oder dunkles Schwarz – in diesem Falle ist der Grauton so grau, wie der Controller selbst…