Nuki Smart Lock 2.0 im Kurztest: Besser als sein Vorgänger?

Marcel Am 17.02.2019 veröffentlicht Lesezeit etwa 8:43 Minuten

Seit etwas mehr als einem halben Jahr befindet sich an der Innenseite der Wohnungstüre ein Nuki Smart Lock und verrichtet seitdem zufriedenstellend seinen Dienst. Sogar sehr zufriedenstellend. Klar muss für die Haustüre weiterhin der Schlüssel herhalten, dann aber kann der bequeme Teil losgehen und ohne erneute Pause direkt in die Wohnung durchgegangen werden – dank Auto Unlock, was hier zu keinem Zeitpunkt für große Probleme sorgte und überraschenderweise mit seltenen Ausnahmen ohne Wartezeit für der Türe funktioniert. Man gewöhnt sich schnell daran und zumindest ich für meinen Teil werde dabei gerne mal nachlässig – im Vergleich zu früher™ ist es mir häufiger passiert, dass ich den Schlüssel vergessen hatte. Ein Glück, dass irgendein Nachbar immer zuhause ist und das Smartphone als Schlüssel dienen kann.

Nun hat man Ende des vergangenen Jahres eine neue Generation seines intelligenten Türschlosses vorgestellt: Nuki Smart Lock 2.0. Dieses bringt unter anderem einen neuen Türsensor mit, funkt mit Bluetooth 5 (und  irgendwann auch über den ZigBee-Standard), ist mit Apple HomeKit kompatibel und soll dank eines leistungsfähigeren Prozessors auch flotter und zuverlässiger agieren. Ein Wechsel war für mich persönlich zum jetzigen Stand zwar noch nicht unbedingt notwendig, trotzdem juckte es natürlich in den Fingern und so kommt nun seit einiger Zeit die neue Nuki-Generation an der Wohnungstür zum Einsatz. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht alles wiederholen, was ich bereits in meinem ersten Bericht niedergeschrieben habe. Denn rein äußerlich sind die beiden ersten Generationen identisch und auch die App ist ein und dieselbe. Daher halte ich mich an dieser Stelle einmal an die Unterschiede, alles weitere könnt ihr an dieser Stelle nachlesen – gilt, sofern nicht anders erwähnt, auch alles weiterhin für Nuki 2.0.

Der Türsensor als „Beta“

Beginnen wir zunächst mit der größten Hardware-Änderung – dem Türsensor. Leider hat man sich seitens Nuki gegen eine Umsetzung per Beschleunigungssensor. Stattdessen gibt es die übliche Technik mittels Magneten. Laut Hersteller fiel die Wahl auf einen Magnetsensor, da mit keiner anderen Sensortechnik der Status “geschlossen” zuverlässig erkannt wurde. Hier hätte man mal bei Gigaset elements nachfragen sollen, deren Sensor arbeitete bei mir sehr zuverlässig. Aber nun gut. Der zum Lieferumfang gehörende Neodym-Magnet muss parallel zur unteren Kante des Smart Lock auf den Türstock geklebt werden. Nicht unbedingt hübsch, es gibt aber schlimmere Sensoren, als das kleine schwarze Quadrat. Der Magnet ließ sich auch in den Türrahmen kleben, funktionierte ebenso gut und lieferte auch zuverlässige Ergebnisse. Müsst ihr im Zweifelsfall einfach mal ausprobieren.

Nach der Montage muss der Türsensor noch kalibriert werden, was aber binnen zwei Minuten getan ist. Tür schließen, Kalibrierung starten, die Tür ganz langsam so weit wie möglich öffnen, dann minimal anlehnen – fertig. Der im Schloss verbaute Magnetsensor erfasst und misst nun die Magnetfeldstärke und erkennt anhand dessen, ob eure Türe geöffnet oder geschlossen ist – dazu gibt es neben “aufgesperrt” bzw. “zugesperrt” auch einen neuen Status „geöffnet“ in der App. Wie auch die Schließaktivitäten des Schlosses könnt ihr euch – auf Wunsch – Änderungen des Türsensor-Status im Protokoll anzeigen lassen. Was man noch optimieren könnte: Der Status wird nur alle 20 Sekunden in der App aktualisiert. Abgesehen davon wurde eine offene oder geschlossene Türe zuverlässig erkannt. Hoffentlich liefert das Schloss bei Freigabe der ZigBee-Schnittstelle (siehe unten) auch den entsprechenden Status des Türsensors mit – und nicht nur, ob das Schloss auf- oder zugesperrt ist.

Der aktivierte Türsensor ist jedoch nicht nur für Informationszwecken vorhanden, vielmehr nutzt man diesen, um bestehende Software-Features zu verbessern. Solltet ihr beispielsweise Lock’n’Go oder aber die Auto Lock-Funktion nutzen, so sperrt Nuki sofort ab, wenn der Türsensor den Status ‘geschlossen’ erkennt. Ihr musst also nicht wie bisher auf die vorher festgelegte Zeit warten. Außerdem erhaltet ihr eine Warnung per Push-Benachrichtigung, solltet ihr versuchen, die Türe zu sperren, obwohl diese noch geöffnet ist. Letzteres ist nicht ganz so tragisch, viel interessanter und spaßiger finde ich das sofortige Zusperren beim Zuziehen der Türe. Ich für meinen Teil konnte hier keine wirklichen Aussetzer festmachen, dennoch sei erwähnt, dass der Türsensor bzw. dessen Software-Addons noch als „Beta“ deklariert sind. Man hat in die dahinter liegenden Algorithmen eingegriffen und möchte vor offizieller Freigabe aus dem Feedback der Community lernen. Nun denn: Bisher gibt es einen Daumen nach oben. 👍

Die Performance

An der Performance und Zuverlässigkeit der ersten Generation konnte ich über die Monate nicht wirklich negative Worte verlieren. Liegt vielleicht an der Tatsache, dass wir von Erdgeschoss erst noch in die erste Etage laufen müssen und die Zeit von Nuki „produktiv“ genutzt wird, sodass es schneller wirkt, als es eigentlich ist. Oder wir haben einfach nur immer Glück gehabt. Nichts desto trotz hat man der zweiten Generation einen leistungsfähigeren Prozessor und Bluetooth 5 spendiert, was eine bessere Reaktionsgeschwindigkeit und eine höhere Zuverlässigkeit verspricht. Und ja: Das Schloss im direkten Vergleich spürbar schneller unterwegs. Ein manuelles Auf- und Zusperren über die App wird sowohl über die Bridge als auch mit direkter Bluetooth-Verbindung einen Wimpernschlag schneller ausgeführt – nahezu „instant“.

Bluetooth 5 ist jedoch für einige Nutzer Fluch und Segen zugleich. Wer ein Smartphone mit BT5 nutzt (bei den iPhones ist dies ab dem iPhone 8 der Fall), der wird eine deutlich schnellere Verbindung und Reaktion feststellen – auch bei größerer Reichweite. Musstet ihr demnach zuvor 4-5 Sekunden vor der Haus- oder Wohnungstüre warten, bis Auto Unlock die Tür geöffnet hat, so geht dies nun binnen 1-2 Sekunden. Einige Nutzer berichten im Developer Forum auch davon, dass Nuki 2.0 zu schnell ist und schon reagiert, wenn man noch 10-15 Meter von der Türe entfernt ist bzw. eben erst geparkt hat, sodass die Falle beim Erreichen der Türe schon nicht mehr gezogen ist. Kann ich aufgrund der hiesigen Gegebenheiten aber nicht weiteres zu sagen. Die Nuki-Entwickler haben jedoch ein Auge auf der Sache.

Hey Siri, öffne die Tür!

Häufig gewünscht und dank des verbesserten Innenleben nun auch an Board: Apple HomeKit. Durch die Integration lässt sich das Smart Lock nun also auch per Siri steuern und in der Apple Home.app verwalten und auf diese Weise mit weiteren Lösungen und Komponenten, wie beispielsweise Philips hue oder die Heizungssteuerung verknüpfen. Die Umsetzung würde ich hierbei als gelungen bezeichnen, denn nicht nur die Einrichtung ist flott erledigt, sondern man kann das Schloss auch sehr umfangreich über Apple HomeKit steuern. Ersteres, also die Einrichtung erfolgt wie von HomeKit bekannt über einen auf der Unterseite angebrachten QR-Code – einfach nur in der Home.app scannen, fertig. Wichtig hierbei: Während der Einrichtung muss in der Nuki-App allerdings aktiviert sein, dass sich neue Geräte via Bluetooth mit dem Schloss koppeln dürfen.

Im Anschluss könnt ihr nahezu alle Funktionen des Schlosses auch in der Home.app nutzen. Schloss aufsperren, Schloss zusperren, Türe öffnen. Wobei es eine Einschränkung gibt: Apple hat für Schlösser nur zwei Zustände implementiert. Sollte an eurer Türe ein Knauf oder eine Stange (und kein Drücker) montiert sein, bedeutet „aufsperren“ auch immer „Tür öffnen“ (sprich Falle wird gezogen). Ist eine Limitierung seitens Apple, eventuell wäre eine Einstellungsmöglichkeit in der Nuki-App und damit direkt in der Software des Schlosses möglich? Kommt ja vielleicht noch, Stand Jetzt ist aber nichts geplant. Innerhalb HomeKit könnt ihr den Schloss-Zustand nun zum Beispiel an Lichter oder andere Geräte koppeln – zum Beispiel könnte das Licht automatisch ausgeschaltet und der Alarm eingeschaltet werden, wenn Nuki zusperrt. Welche Spielereien euch auch immer so einfallen.

Sofern ihr einen AppleTV oder ein iPad im Einsatz habt, kann das Schloss auch von unterwegs kontrolliert und gesteuert werden – man könnte in diesem Falle sogar gänzlich auf die Bridge verzichten. Da HomeKit beziehungsweise die Home.app selbst auch Geofencing bietet, sprich eine Anwesenheitserkennung, wäre sogar ein automatisches Aufsperren á la Auto Unlock via Home.app möglich. Kurz: Man könnte komplett auf die Nuki-App verzichten, zumindest wenn man nur iOS-Nutzer an Board hat und keine weiteren Gadgets (Bridge, Fob oder Keypad) verwalten möchte. Wer hingegen alle Funktionen und Einstellungen nutzen möchte, dem wird weiterhin die Nuki-App bzw. Bridge empfohlen – ließe sich natürlich auch parallel nutzen. Muss man einfach schauen, wie und ob es für einen passt. Seitens der Umsetzung und Implementierung scheitert es jedenfalls nicht.

Noch ein paar Antworten

Wie ist die Lautstärke? Im Vergleich zum Vorgänger würde ich behaupten, dass diese identisch ist. Hier und da liest man zwar davon, dass Nuki minimal nachgebessert haben soll. Kann ich für meinen Teil aber nicht bestätigen. Hat etwas von einem Akkuschrauber auf höchster Stufe und ist natürlich der Tatsache geschuldet, dass der kleine Motor recht viel leisten muss. Nach ein paar Tagen hat man sich zwar schon ein wenig an das Geräusch gewöhnt, leiser wird es dadurch aber nicht.

Ihr habt einen Knaufzylinder? Kein Problem. Auch wenn es äußerlich kaum zu sehen ist, hat man beim Nuki Smart Lock 2.0 die Schlüsselaufnahme überarbeitet, sodass dieses nun auch mit gängigen Knaufzylindern verwenden werden kann. Leider nicht „out of the box“, vielmehr bedarf es hierzu eines Adapters, den man sich bei der Bestellung kostenlos mitbestellen kann. Wenn denn dieser mal zu haben ist – laut Nuki soll dies „schon“ im März der Fall sein…

Alte oder neue Montageplatte? Wie eingangs erwähnt: All das, was auch im initialen Testbericht zum Nuki Smart Lock 1.0 geschrieben steht, gilt auch für Nuki 2.0, sofern nichts anderes angegeben. Und dies ist auch bei der Montageplatte der Fall. Solltet ihr bereits die erste Generation an eurer Türe im Einsatz haben, könnt ihr das Schloss einfach aus der App löschen, von der Montageplatte nehmen und das neue Modell aufsetzen. Hier hat man keinerlei Änderungen durchgeführt. Sehr gefällig.

Kann man das Schloss einfach ersetzen? Ja und nein. Bezüglich der Montage ist ein Austausch wie erwähnt flott gemacht, aufgrund der hohen Sicherheitsstandards muss das Schloss aber komplett neu angelernt werden. In der App, an der Bridge und bei etwaigen vorhandenen Fobs und Keypads. Ist irgendwo nachvollziehbar, eine Übernahme der Einstellungen wäre aber nach expliziter Freigabe sicherlich möglich gewesen. Die Einrichtung frisst zwar keine Stunden, „it just works“ ist es aber auch nicht.

Kein Wort zu ZigBee? Nein, nicht wirklich. Zwar beherrscht der neue Chipsatz das Protokoll und ist dafür vorbereitet, ZigBee ist aber bis dato noch nicht freigeschaltet. ZigBee bringt, sofern mit eurem Smart Home-System kompatibel, eine Reihe an neuen Möglichkeiten und Automatisierungen mit sich. Wird sicherlich sehr spaßig und jenes Feature des Nuki 2.0, auf das ich mich am meisten freue und eventuell auch die Bridge unnötig macht (hoffentlich). Leider gibt es noch keinen Termin für die Freigabe.

Fazit und tl;dr

Mit dem Nuki Smart Lock 2.0 hat man das Rad nicht neuerfunden, das intelligente Türschloss aber konsequent weiterentwickelt. Optisch nicht von seinem Vorgänger zu unterschieden, gibt es im Inneren aber einige Änderungen, die der Nutzer als spürbare Verbesserung wahrnehmen kann. Angefangen von der größeren Reichweite und beschleunigten Arbeitsweise vor allem im Zusammenspiel mit dem Auto Unlock-Feature, über die Unterstützung von Apple HomeKit, bis hin zu dem neuen Türsensor. Dieser bringt nicht nur mehr Informationen über den „Türstatus“ mit sich, sondern ist eine sehr gefällige Ergänzung der Software, dank der Auto Lock und Lock’n’Go sofort reagieren können. Schade ist aber, dass man ZigBee zwar recht sichtbar bewirbt, dies aber noch nicht freigegeben hat und auch an der Lautstärke hätte man nochmals arbeiten können.

Trotzdem ein gefälliges Update, dass aber sicherlich nicht jeder benötigt. Wer bereits mit der ersten Version zufrieden war oder ist und keine zusätzlichen Spielereien benötigt, der muss das Update nicht mitmachen. Schloss und Bridge gibt es für 279 Euro, das Schloss schlägt immerhin noch mit 229 Euro zu Buche. Kein Schnapper, den man beim Aldi mal eben mitnimmt, dies dürfte aber für fast alles rund ums Smart Home gelten. Wer sich aber schnell entscheiden sollte, der kann noch etwas sparen, denn dank Upgrade-Programm und Gutschrift lassen sich bei einem Kauf noch bis zum 28. Februar runde 100 bis 120 Euro sparen – mehr Infos dazu findet ihr direkt bei Nuki. Und manchmal merkt man erst während der Nutzung, dass man Spielerei XY ja doch benötigt – ich möchte Nuki jedenfalls nicht mehr missen und bin mit dem Update zufrieden.

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