Virtualisierung auf dem Mac: Parallels Desktop 16 mit Anpassungen an Big Sur veröffentlicht

Marcel Am 11.08.2020 veröffentlicht Lesezeit etwa 5:29 Minuten

Pünktlich im August haben die Parallels-Entwickler eine neue Version ihres Virtualisierungstools veröffentlicht. Die Version 16 bringt Anpassungen an Big Sur, neue Multi-Touch-Gesten für Windows-Apps und mehr mit.

Parallels dürfte so das beste sein, was der Mac an Windows-Virtualisierung zu bieten hat. Zumindest was meine persönliche Erfahrung anbelangt, bieten VMWare Fusion oder auch das kostenlose VirtualBox ein nicht ganz so rundes Gesamtpaket. Die Performance ist zwar bei allen Systemen gegeben, Parallels bietet aber eine ganze Menge zusätzlicher Anpassungen, die das Arbeiten mit Windows als Gastsystem deutlich angenehmer gestalten. Da wäre zum Beispiel das Ausführen „nackter“ Windows-Anwendungen direkt auf dem Mac-Desktop, bei dem das eigentliche Windows völlig unsichtbar im Hintergrund läuft. Aber auch andere Kleinigkeiten wie beispielsweise die Unterstützung für DirectX, Sondertasten, Shortcuts, Gesten und die Touch Bar spielen hier mit rein. Nun haben die inzwischen zu Corel gehörenden Entwickler abermals an einpaar Stellschrauben gedreht. Die wichtigsten Neuerungen von Parallels Desktop 16 einmal zusammengefasst.


Unterstützung für Big Sur: Mit Big Sur hat Apple bereits im vergangenen Monat das laut eigenen Angaben „größte Mac-Update aller Zeiten“ vorgestellt. Der Sprung auf die Versionsnummer 11 bringt natürlich auch abseits der Anpassungen an Apple Silicon-Chipsätze große Änderungen an der Architektur und Kernel-Erweiterungen, die von den Entwicklern im Idealfall aufgegriffen werden sollten. Parallels Desktop 16 bringt diese Änderungen nun unter der Haube mit, laut eigenen Angaben hat man kumulierte 25 Arbeitsjahre Programmierarbeit investiert. Zu den Anpassungen an Big Sur gehört beispielsweise ein aufgefrischten Design, einfacheres Setup, eine Integration der Metal-Grafikbeschleunigung und einiges mehr. Auf den ersten Blick hat sich optisch wenig geändert, die Anpassungen dürften erst mit finaler Veröffentlichung des Systems gegen Herbst auftauchen.

Integration: Wie oben schon erwähnt ist die Varzahnung von Windows in Mac eine der stärken von Parallels Desktop, die man nun weiter ausgebaut hat. So wird beispielsweise der „Nicht stören“-Modus von macOS zu Windows synchronisiert und es werden auch Trackpad-Gesten zum Zoomen und Drehen für Windows 10-Anwendungen unterstützt. Ebenso gibt es in Windows-Anwendungen neue Druckoptionen, einschließlich Duplexdruck und unterschiedliche Papierformate von A0 bis hin zu diversen Umschlägen. Mit der Option „Sicheres Entfernen“ lässt sich darüber hinaus sicherstellen, dass Dateien in vom Mac für das Gastsystem freigegeben Ordner nicht versehentlich gelöscht werden.

Performance und Akkulaufzeit: Wie in jedem Jahr bringt auch die Version 16 diverse Verbesserungen bei der Performance mit sich. Die neue Version soll Windows doppelt so schnell starten und bis zu 20% schneller fortsetzen können. Die DirectX-Grafik arbeitet um bis zu 20 Prozent schneller, während die Unterstützung für OpenGL 3 unter Windows und Linux optimiert wurde. Insgesamt lassen sich unter Parallels nun mehr als 20.000 Windows-Anwendungen nutzen – wobei ich tatsächlich noch nie irgendwelche Probleme hatte. Anders sieht das aber natürlich bei Anwendungen aus, die die oben genannten Grafikschnittstellen benötigen und so laufen mit der Version 16 auch Anwendungen wie DIALux evo 9 und ProPresenter 6. Zu guter Letzt wurde auch der Reisemodus optimiert, mit dem die Akkulaufzeit durch das vorübergehende Deaktivieren einiger Dienste verlängert wird.

Kompatibilität mit Linux: Bisher ist es so, dass man Linux zwar ohne Probleme in Parallels ausführen kann und auch das ein oder andere bequeme Extra geboten wird. In der Praxis hinkt die Unterstützung von Linux aber hinter der Windows-Integration hinterher. Die Version 16 bringt nun eine bis zu 75% schnellere „git status“-Ausführung mit. Mit nur einem Klick lassen sich nun neuste Linux-Distributionen wie Ubuntu 20.04, CentOS 8, Fedora 21 oder auch Debian 10 verwenden. Dank der besseren OpenGL-Unterstützung lässt sich auch die Steam-Plattform auf dem Linux-Desktop verwenden.

Weitere Neuerungen: Die oben genannten Punkte stellen nur die „Spitze des Eisbergs“ dar, unter der Haube hat Parallels Desktop 16 rund 30 neue Funktionen erhalten. Nennenswert ist zum Beispiel die automatische Speicherplatzfreigabe, dank der virtuelle Maschinen so konfiguriert werden können, dass ungenutzter Speicherplatz beim Herunterfahren der VM automatisch freigegeben wird. Je nach Größe der VM und den enthaltenen Daten lassen sich so einige Gigabyte an Speicherplatz auf dem Mac einsparen. Parallels-Update laufen nun im Hintergrund ohne die Notwendigkeit der Eingabe eines Mac-Passworts ab und die intelligente Festplattenerkennung soll den Betrieb virtueller Maschinen von externen Festplatten aus deutlich performanter gewährleisten.

Pro und Business Edition: Gerade im Pro- und Business-Umfeld wird Parallels Desktop häufig eingesetzt, entsprechend hat man auch gesonderte Versionen im Angebot, die ein noch längeres Changelog besitzen. So kann einer VM nun bis zu 32 vCPUs und 128 GB vRAM zugewiesen werden, es lassen sich benutzerdefinierte Netzwerke erstellen, es gibt kostenlose Plugins von Vagrant, Docker und Jenkins und VMs lassen sich aus bestehenden Snapshots klonen. Auch die Verwaltung zahlreicher VM wurde optimiert, sodass sich diese nun direkt im Kontrollcenter archivieren und verwalten lassen. Die Business-Version hat diese Features natürlich ebenso erhalten, abseits dieser Neuerungen besteht der Unterschied in der umfangreicheren Verwaltungsmöglichkeit von virtuellen Maschinen für und im Unternehmen.

Parallels Toolbox: Von der VM-Lösung mehr oder weniger unabhängig bietet Parallels auch eine Toolbox für Mac und Windows an – eine Toolsammlung, die eine Vielzahl an kleineren Werkzeugen unter einer Oberfläche bereitstellt. Mit der jüngsten Version 4 bietet die Parallels Toolbox mehr als 30 Tools für Windows und Mac, zum Beispiel Schalter für verschiedener System-Funktionen, ein Video-Downloader für YouTube und Co., ein Screenrecorder, Präsentationsmodus und einiges mehr. Mit der Version 4 hinzugekommen sind unter anderem eine Pausenzeit-Funktion und ein „Desktop anzeigen“-Shortcut auf den Mac, einen Converter für Maßeinheiten unter Windows und Mac, sowie einen recht gelungenen Fenster-Manager für den Mac.

Parallels Access 6: Bei Parallels Access handelt es sich um einen Fernzugriff auf bis zu fünf Rechner über mobile Geräte wie iPhone, iPad oder Android – einschließlich der gewohnten Gesten. Wer Parallels Desktop im Abo nutzt, der bekommt dieses Featurepaket quasi oben drauf. Neu in der Version 6 ist eine persönliche Hilfemöglichkeit, mit der ihr Freunden und Familie bei der Behebung von Problemen helfen könnt – die Verbindung erfolgt über einen persönlichen Hilfelink für den Hilfesuchenden, über den er Parallels Access vorkonfiguriert installieren kann. Darüber hinaus gibt es eine bessere Unterstützung für die Nutzung von Maus und Trackpad auf dem iPad, Edge-to-Edge-Rendering und Navigation mittels Gesten, sowie eine Android-Unterstützung für die Speicherung in OneDrive und GoogleDrive.

Die Preise: Wie üblich lässt man sich das aktuelle Update auf die neuen Version natürlich bezahlen. Wie immer kommen Bestandskunden am günstigsten weg, die Standaloen-Lizenz gibt es für 49,99 €; hierbei ist es übrigens egal, welche Vorgänger-Version ihr nutzt, was die Sache für einen Wechsel alle 2-3 Jahre interessant macht. Neue Nutzer hingegen müssen tiefer in die Tasche greifen, für die werden rund 100 € fällig. Die Pro- und Business-Versionen haben sich schon vor einigen Versionen vom Einmalkauf verabschiedet und sind nur im Rahmen eines Abonnement zu haben, welches mit ebenfalls 100 Euro pro Jahr zu Buche schlägt – damit lässt sich leben, zielt dies doch eher auf das berufliche Umfeld ab, wo regelmäßige Gebühren und Lizenzen der Normalfall sind. Die Parallels Toolbox gesondert ist für ebenfalls 20 € im Jahr erhältlich, einen Einmalkauf sucht man vergeblich.

Ein Fazit von meiner Seite: Der Unterstützung des wohl im Herbst zur Veröffentlichung anstehenden macOS 11 Big Sur ist natürlich notwendig, wenngleich auch der Vorgänger noch laufen sollte. Übrigens heißt die Unterstützung nicht, dass man auch auf ARM-Macs Windows in einer virtuellen Maschine nutzen kann – hierzu gibt es aktuell noch keine spezifischere Aussage, außer das man eng mit Apple zusammenarbeite. Letztlich ist es aber wie bei jeder Software mit jährlichem Update-Turnus: Entweder man benötigt sie oder man benötigt sie nicht. Wer nur dann und wann mal ausgewählte Anwendungen nutzt, der wird das Update sicherlich nicht unbedingt benötigen, wenn man bereits Parallels 14 oder 15 nutzt. Man kann aber auch ohne Probleme jede zweite oder dritte Version überspringen ohne dann den vollen Preis hinblättern zu müssen. Wer hingegen viel in und mit Parallels arbeiten muss, der wird sicherlich ein paar der Neuerungen zu schätzen wissen.

Quelle Parallels

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