Pixelmator für’s iPad: Ein großer, kleiner Blick auf die neue Vorzeige-App zur mobilen Bildbearbeitung

Marcel Am 10.11.2014 veröffentlicht Lesezeit etwa 10:20 Minuten

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Vor einigen Tagen ist mit Pixelmator eine Bildbearbeitung-App für das iPad im App Store aufgeschlagen, die der ein oder andere sicherlich schon von OS X her kennt. Auf dem Mac nutze ich schon seit Monaten nur noch Pixelmator, welches vom Funktionsumfang her locker ausreichend ist und mein Uralt-Photoshop in Rente geschickt hat. Zeit also, sich Pixelmator auch auf dem iPad einmal etwas genauer anzuschauen. Vorab kann ich verraten: Pixelmator auf dem iPad ist recht umfangreich geworden und dürfte so ziemlich die erste mobile Bildbearbeitung darstellen, mit der ich persönlich auch mobil produktiv arbeiten könnte. Zwar gibt es zum Beispiel mit Photoshop Touch auch eine entsprechende App des Platzhirsches, Pixelmator kommt in meinen Augen jedoch wesentlich intuitiver daher. Ich habe mich einmal rangemacht und ein kleines Bild bearbeitet, in der Hoffnung alle Funktionen zumindest einmal erwähnen zu können. Let’s go.

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Zuerst einmal: Nach dem Start präsentiert uns Pixelmator erst einmal eine Übersicht mit allen gespeicherten Bilder, hierbei setzt man natürlich auf das iCloud Drive. So lassen sich Bilder nicht nur auf dem Mac weiterverarbeiten, sondern auch von eben diesen einfach in den Pixelmator-Ordner verschieben und so auch auf dem iPad nutzen. Neben den gängigen Bildformaten kann Pixelmator auch auf dem iPad das Photoshop-Format PSD öffnen und verarbeiten. Die hier angezeigten Bilder lassen sich des Weiteren in Ordner zusammenführen, ebenso lässt sich über den File Picker auf Bilder zum Beispiel aus der Dropbox oder aus Dokuments öffnen.

Bezüglich neuer Bilder haben wir die Wahl, direkt ein neues, leeres Dokument erstellen zu können – alternativ dazu bietet Pixelmator aber auch eine ganze Reihe an unterschiedlichen Vorlagen für Collagen, Karten und dergleichen. Der Vorteil bei diesen Templates: Ihr könnt, einmal geöffnet, einfach über das „+“-Symbol eigene Bilder in die Platzhalter laden und habt somit schnell und einfach eine Einladungskarte, Collage und dergleichen. Sicherlich eher was für die Einsteiger, dennoch eine nette Sache.

Wir aber wollen ja ein Bild bearbeiten und laden deswegen ein JPG aus unserem iCloud Drive. Klick, bestätigen, dass das Bild umgewandelt wird und schon wird euch das geöffnete Foto in der Oberfläche von Pixelmator angezeigt. Funktioniert auch bei einem recht großen Bild auf dem iPad mini der ersten Generation binnen weniger Sekunden. Sicherlich dürfte die Performance auf dem neueren iPad Air 2 nochmals deutlich besser sein, allerdings ist Pixelmator auch auf den älteren iPads alles andere als eine lahme Krücke, soviel einmal dazu.

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Hier sehen wir nun die eigentliche Oberfläche der Bildbearbeitung, die auf den ersten Blick an die Desktop-Variante erinnert. Zuerst einmal: Wir können auch hier die lineale an den Bildrändern ein- oder ausschalten, ebenso können wir Linien für eine genauere Positionierung, den Rändern und für den Abstand aktivieren – das erreichen wir über das entsprechende Zahnradsymbol oben rechts. Des Weiteren können wir über dieses Menü auch die Größe des Bildes verändern oder aber auch das Bild selbst drehen.

Aber beginnen wir doch einmal mit der Bearbeitung unseres Bildes. Hierbei sei gesagt: Ich versuche hier einmal alle verschiedenen Funktionen zumindest zu erwähnen – leider fehlt mir persönlich eine große Kreativität, noch das Können um wirklich tief auf die Zeichnen-Funktionen und dergleichen eingehen zu können. Die gängigen Werkzeuge finden wir dabei hinter dem Pinsel-Icon in der Toolbar oben rechts. Wir wollen zuerst einmal etwas auf unserem Bild herum malen, wählen also den Punkt „Malen und Löschen“. Die Toolbar verändert sich nun: Hier können wir nun zwischen etlichen verschiedenen Pinsel-Typen wie Buntstift, Marker, Spray und dergleichen wählen, ebenso gibt es auch ein Radiergummi. Auch die Pinseldicke und Farbe können wir auswählen. Bei letzterem erwähnenswert: Auch den von den Desktop-Apps bekannten Farbpicker hat man implementiert, sodass man einfach eine Farbe des Bildes übernehmen kann.

Nun können wir wie gewünscht einfach auf unserem Bild herum malen – Eingaben können dabei über den oberen linken „Widerrufen“-Button rückgängig gemacht werden. Mit zwei Fingern könnt ihr dabei näher in das Bild hineinzoomen, ebenfalls mit zwei Fingern könnt ihr euch dabei in dem gezoomten Bild nach links, rechts, oben und unten bewegen. Recht intuitiv, klappte bei mir bereits nach dem ersten Mal recht flüssig. Ich in meinem Beispiel habe mich einmal damit beschränkt, die Augen meines Danbo ein wenig aufleuchten zu lassen. Für mehr reichte das Talent leider nicht. Im nächsten Schritt wollen wir unser Bild noch punkten etwas optimieren und wählen im Werkzeug-Menü einmal den Punkt „Retuschieren“ aus.

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Auch hier können wir wieder aus einer ganzen Palette an unterschiedlichen Retuschierwerkzeugen wählen. Interessant dürfte dabei sicherlich das Reparieren-Werkzeug sein, mit dem wir unerwünschte Elemente recht zuverlässig aus dem Bild entfernen können. Des Weiteren lassen sich aber auch Bereiche eines Bilds aufhellen oder verdunkeln, es lässt sich Farbe verwischen, bestimmte Elemente mit einem stärkeren Fokus versehen oder diesen aufweichen, die Farbintensität lässt sich erhöhen oder verringern und auch ein Werkzeug zum Entfernen von roten Augen ist vorhanden. Für alle Werkzeuge gilt: Auswählen und einfach mit dem Finger über die gewünschten Bereiche fahren.

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Mit den nächsten beiden Schritten verleihen wir unserem Bild noch etwas zusätzlichem Charakter, denn wie auch andere Apps aus diesem Bereich besitzt auch Pixelmator die ein oder anderen Filter und Effekte, wobei die Anpassungsmöglichkeit hier natürlich weit über die einfache Auswahl des gewünschten Filters hinausgehen. Rufen wir unserer Pinsel-Menü auf, so sehen wir hier auch zwei Punkte mit den Namen „Farben anpassen“ und „Effekte hinzufügen“. Mit dem erstgenannten Punkt könnt wir unser Bild wie es der Name schon verrät in Sachen Farbe anpassen. So können wir zum Beispiel aus einer Reihe an Vorlagen wie Sepia, S&W, Warm und dergleichen auswählen – gleichzeitig können wir aber auch manuell Hand anlegen und den Farbpegel verschieben, die Helligkeit, den Kontrast und die Sättigung verändern.

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Der zweite Punkt lässt uns hingegen unserem Bild verschiedene Effekte hinzufügen. Auch hier gibt es eine ganze Reihe an unterschiedlichen Effekttypen wie Unschärfe, Vignette, Schwarz/Weiß, Bokeh und dergleichen – dazu gibt es dann nochmals eine ganze Reihe an unterschiedlichen Effekten. Auch hier können wir natürlich noch einmal etwas selbst Hand anlegen, indem wir zum Beispiel die Stärke des Schärfe-Effektes bestimmen, die Farbe wechseln oder auch wie im Falle des Bokeh-Effektes die Drehung und Größe unserer „Lichtpunkte“ genauer anpassen. Gefällt mir.

Nun kommen wir einmal zu den letzten Punkten des Pinsel-Menüs, zumindest vorerst. Über den Punkt „Auswählen“ können wir über die bekannten Werkzeuge wie Freihandlasso, einer elliptischen und rechteckigen Auswahl oder auch dem magischen Zauberstab bestimmte Bereiche des Bildes markieren – dazu später noch etwas mehr. Über den Punkt „Freistellen“ können wir unser Bild, wie es der Name schon verrät, beschneiden und dabei entweder auf eine eigene Bildgröße oder aber auf bestimmte Seitenverhältnisse zurückgreifen. Blicken wir einmal in den Menüpunkt „Format“, so finden wir hier noch einige Ebeneneffekte vor die ich gleich nochmal erwähnen werde, des Weiteren gibt es hier unter „Anordnen“ auch die Möglichkeit, die Ebene zu drehen oder zu spiegeln, die Größe zu verändern oder auch die Ebene beziehungsweise deren weitere Bearbeitung zu sperren – ganz praktische Sache.

Kommen wir nun einmal zu weiteren Bildelementen, die wir unseren Bilden hinzufügen können. Dazu tappen wir einmal auf das „+“-Symbol und können hier verschiedenste Dinge hinzufügen: Ein weiteres Bild von unserem Gerät (und leider nicht direkt aus dem iCloud Drive, der Dropbox oder ähnlichem), eine neue Ebene (wahlweise eine transparente Ebene oder eine bereits gefüllte, wobei hier verschiedene Farben und Muster zur Auswahl stehen) oder einfache Textelemente oder Formen. Ich habe mich hier erst einmal dazu entschlossen, einen kleinen Stern auf mein Bild zu setzen.

Diesen können wir nun einfach per Drag’n’Drop an die gewünschte Stelle ziehen, wobei uns immer wieder die besagten Hilfslinien angezeigt werden, mit denen wir das Objekt relativ genau positionieren können – auch mittig. Vergrößern können wir die Objekte natürlich ebenfalls, was wir einfach per Zoom-Geste erreichen können. Haben wir unser Objekt wie gewünscht platziert, können wir wieder einmal das Pinsel-Menü aufrufen und bekommen hier direkt die Ebenenoptionen eingeblendet. Hier können wir die Deckkraft der Ebene verringern oder erhöhen, den Füllmodus verändern (zum Beispiel „Ineinanderkopieren“, „Farbig Nachbelichten“ und dergleichen), das Objekt mit einer Füllfarbe versehen, eine Kontur hinzufügen, einen Schatten oder auch eine Reflexion aktivieren. Zu jeder Option bekommen wir dabei natürlich auch noch weitere Möglichkeiten an die Hand: Wir können die Farbe bestimmen oder einen Verlauf nutzen, können die Breite und Farbe der Kontur festlegen, die Richtung und das Aussehen der Schattierung und dergleichen.

So habe ich nun meinen Stern wie gewünscht eingefärbt – getreu dem Motto: Nicht schön, aber selten. Als nächstes füge ich eine weitere Ebene über das „+“-Symbol hinzu und setze eine Textebene auf mein Bild. Dabei habe ich schon zur Auswahl der Ebene ein paar Möglichkeiten bezüglich der Schriftart, kann aber auch im Nachhinein oder das Pinsel-Menü etliche Dinge verändern. So kann ich auch hier natürlich wieder den Stil der Ebene anpassen, gleichzeitig aber auch Schriftart, Schriftgröße, Farbe, Formatierung und dergleichen anpassen. Was in Sachen Schriftgröße etwas nervig ist: Hier gibt es lediglich die + und – Buttons, ein Regler oder eine ähnliche Funktionalität fehlt leider, sodass es leicht nervig ist, wenn man den Text enorm vergrößern möchte. Aber geht. Bei der Positionierung des Textes verlasse ich mich dabei wieder auf die angezeigten Hilfslinien um meinen Text mittig des Bildes und meines Sterns auszurichten.

Nun möchte ich einen weiteren Stern auf meinem Bild haben – allerdings soll dieser mit dem bereits vorhandenen identisch sein. Lösung: Einmal kurz auf den Stern tappen, schon öffnet sich das von iOS bekannte „Kontextmenü“, über das wir unser Objekt in die Zwischenablage kopieren können. Ein weiterer Tap auf eine freie Stelle des Bildes lässt uns dieses Objekt direkt wieder als weitere neue Ebene einfügen und positionieren – et voilá, schon haben wir ein Objekt schnell und einfach kopiert.

Nun wollen wir ein weiteres Bild in unser Bild einfügen, was über das erklärte „+“-Menü geht – solange dieses eben direkt in unserer Camera Roll gespeichert ist. Anderenfalls müssen wir einen Umweg gehen: Wir verlassen also unsere Bearbeitung per Tap auf „Images“ und öffnen das gewünschte Bild in Pixelmator. Hier markieren wir wie vorher erwähnt unser Bild mittels rechteckigem Auswahlwerkzeug das Bild nun mittels rechteckigem Auswahlwerkzeug, kopieren dieses in unsere Zwischenablage und fügen es wieder in unser ursprüngliches Bild ein. Merke: Wir können also munter zwischen verschiedenen Bildern hin und her springen, der aktuelle Stand wird grundsätzlich ohne unser zutun gespeichert. Haben wir unser Objekt dann eingefügt, so können wir dieses natürlich wieder per einfacher Zoom-Geste vergrößern oder auch verkleinern.

Nun fügen wir eine weitere Ebene hinzu und greifen dabei auf eine farbige Füllung zurück. Dabei setzt Pixelmator das Bild selbst vollständig unter Farbe, wir können jene Ebene nun aber einfach zurechtstutzen oder an die gewünschte Stelle verschieben. Auch hier können wir über das Pinsel-Menü wieder die Ebenenoptionen aufrufen – in meinem Falle habe ich also der blauen Ebene eine weiße Füllung verpasst, des weiteren könnt ihr natürlich auch wie erwähnt einen Füllmodus nutzen, was je nach Ziel und Zweck verschiedenste Ergebnisse mit sich bringt.

Leider ist die soeben erstellte Ebene aktuell noch vor meinem kleinen Logo – soll so natürlich nicht sein. Also rufen wir per Wisch vom linken Bildschirmrand das Ebenenmenü auf und ziehen unsere Füllebene einfach per Drag’n’Drop unter die Logo-Ebene. Schon ist alles richtig.

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Nun wo ich mit der Bearbeitung des Bildes fertig bin, möchte ich dieses natürlich auch weiterverarbeiten. Dazu lässt sich das gewohnte Teilen-Menü oben rechts nutzen. Wir können eine Kopie des Bildes ganz einfach über das Share Sheet von iOS teilen, unser Bild in verschiedenen Formaten (JPEG, PNG oder PSD) direkt in einer anderen App öffnen, das Bild in unserer Camera Roll speichern oder auch direkt in den Formaten JPEG, PNG, Photoshop (PSD) oder im Pixelmator-Format in unserem iCloud Drive, unserer Dropbox oder sonst wo speichern.

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Und das war einmal mein kurzer Einblick in Pixelmator für’s iPad. Ich hoffe, ich habe zumindest alle Bereiche der App einmal kurz erwähnt. Wie man sehen dürfte, handelt es sich bei Pixelmator nicht um eine weitere Filter-&-Effekte-App, sondern um eine „echte“ Bildbearbeitung, die auch größere Arbeiten ermöglichen soll, möchte und kann. Klaro: Ein Tablet ist kein Desktop-Rechner, ein 10-Zoll-Display kein großer Monitor-Ersatz. Dennoch wäre Pixelmator die erste Bildbearbeitung für mobile Geräte, mit denen man wirklich auch mal produktiver arbeiten könnte. Dabei läuft Pixelmator in der ersten Version bereits erstaunlich rund, zumindest sind mir keine gravierenden Dinge aufgefallen.

Vielmehr sind es punktuelle Dinge, die man verbessern könnte: So ist der Dokumenten-Picket für Dropbox und Co. etwas hinter der Bezeichnung „iCloud Drive“ versteckt, es lassen sich aus anderen Apps keine Bilder direkt an Pixelmator senden und dergleichen. Ebenfalls ein Haken: Je nach Größe des Bildes ist die Anzahl der Ebenen beschränkt, in meinem Falle konnte ich dem 2271 x 1526 Pixel großem Bild auf dem iPad mini nur sechs Ebenen hinzufügen. Was mir ebenfalls fehlt wäre ein Füllwerkzeug, um zum Beispiel markierte Bereiche mit einer Farbe oder einem Muster füllen zu können ohne direkt eine neue Ebene hinzufügen zu müssen. Die Entwickler haben aber bereits angekündigt, dass es sich bei der aktuellen Version erst einmal nur um eine Version 1.0 handelt und weitere Funktionen in Zukunft folgen sollen.

Dennoch macht Pixelmator auf dem iPad richtig Spaß, auch weil die Bedienung eben so locker-flockig von der Hand geht. Sicherlich nicht unbedingt für jene, die nur mal schnell ein Bild für Facebook oder Instagram mit einem Filter versehen möchten – diese Nutzer sind aber auch gar nicht die Zielgruppe. Vielmehr solltet ihr euch Pixelmator anschauen, wenn ihr ab und an mal etwas mehr mit euren Fotos machen möchtet, denn zumindest einfache Bearbeitungen kann man so schnell und simpel auch auf der Couch erledigen ohne am Mac oder Windows-Rechner sitzen zu müssen. Jau, mich hat bereits die erste Version von Pixelmator vollkommen überzeugt – die angeschlagenen 4,49 Euro sind es definitiv wert.

Pixelmator
Pixelmator
Entwickler: Pixelmator Team
Preis: 5,49 €

Quelle Pixelmator

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