Review: 8Bitdo NES30 Pro „Crissa­egrim“ – Retro-Controller aufpo­liert, leider ohne MFI-Support

Am 04.06.2015 veröffentlicht Lesezeit etwa 5:06 Minuten

Vor einigen Wochen habe ich mit dem 8Bitdo NES30-Controller einen recht nett gemachtes Bluetooth-Gamepad vorge­stellt, das zwar aufgrund der gelun­genen Retro-Optik und einer breiten Unter­stützung für verschie­denste Systeme punkten konnte – aber zum Beispiel unter iOS aufgrund fehlender MFI-Zerti­fi­zierung ohne Jailbreak nur mit einer Hand voll Spiele zurecht­ge­kommen ist. Kurze Zeit später hat der chine­sische Hersteller ein neues Modell seines Controllers vorge­stellt: „Crissa­egrim“ oder auch 8Bitdo NES30 Pro. Bei der Ankün­digung des Controllers war ich noch voller Vorfreunde, die sich aber recht schnell gelegt hat und einer mittleren bis großen Enttäu­schung gewichen ist – zumindest für mich als Nutzer eines iPhone und iPad. Wieso und warum, dass könnt ihr nun in den folgenden Zeilen nachlesen. 

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Der Liefer­umfang

Der Liefer­umfang kommt lediglich mit den wichtigsten Dingen daher: Dem eigent­lichen Pro-Controller, einen MicroUSB-Ladekabel, einer kurzen Beschreibung (auf Englisch und Chine­sisch), sowie zwei kleinen Schlüs­sel­an­hängern. Was fehlt wäre ein Netzteil für das USB-Kabel, anderer­seits dürfte man genug Netzteile zuhause haben und notfalls tut es auch ein einfacher USB-Anschluss. Was im Vergleich zum einfachen NES30 fehlt ist der Xtander, also die kleine Smart­phone-Halterung. Nicht existen­ziell, war aber durchaus eine praktische Sache, muss man bei der Pro-Version aber drauf verzichten. 

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Der Controller

Optisch kommt der NES30 Pro wie auch der Vorgänger im Retro-Look des Ur-NES-Gamepads daher, ansonsten ist aber das komplette Design verändert worden. So sind die roten Buttons etwas anders angeordnet, es gibt zwei Analog-Sticks und vier Schul­ter­tasten. Der gesamte Controller ist nun weniger kantig sondern abgerundet, erinnert ein wenig an die Gamepads des Super Nintendo. Zusätzlich zu den Steuer­buttons findet man an der Unter­seite noch zwei Buttons zum Ein- und Ausschalten des Gamepads und einen Bluetooth-Button vor, die Oberseite des Controllers beher­bergt den MicroUSB-Anschluss zum Laden des Gerätes. 

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Das Gamepad selbst ist mit den Abmes­sungen von etwa 13,2 x 6,4 x 1,5 Milli­meter in etwa identisch mit dem NES30 Controller, aller­dings sind vor allem die roten Buttons ein ganzes Stückchen kleiner geworden und stehen einen Tick enger beiein­ander. Für mich persönlich im prakti­schen Einsatz kein großes Problem, wer aller­dings größere Hände oder dickere Finger hat, für den kann eine längere Spiel­session unter Umständen etwas anstrengend werden. Für Spiel­kinder sicherlich noch inter­essant: In den seitlichen Rundungen sind LEDs eingebaut, die während des Betriebes blau leuchten. Schaut ganz nett aus.

Verar­bei­tungs­tech­nisch ist an ansonsten alles wunderbar. Das Kunst­stoff-Gehäuse (PVC) macht einen soliden und guten Eindruck, alles ist stabil und sauber ausge­fräst. Die Buttons besitzen einen sehr angenehmen Druck­punkt, die Analog-Sticks lassen sich einwandfrei in alle Richtungen bedienen. Lediglich das zweite Paar Schul­ter­tasten, welche links und rechts vom USB-Anschluss positio­niert sind, sind etwas schlecht zu bedienen – oder das erste Paar, je nachdem, wie man die Finger positio­niert hat. 

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Die Enttäu­schung für iOS-Nutzer

8bitdo-nes30-pro-ios-mfiKommen wir zu dem angesprochen Punkt, weswegen der NES30 Pro Controller für mich eine kleine Enttäu­schung darstellt. Schaut man sich einmal die offizielle Produkt­seite an, so kann man ohne größere Probleme den Eindruck gewinnen, dass der Controller ein offizi­elles MFI-Zerti­fikat besitzt, wodurch das Gamepad mit einer schieren Vielzahl an iOS-Titeln genutzt werden kann. „Perfectly support MFI games without any setting“. „NES30 Pro can working as a official MFi controller, support iOS games without any setting, just connect and play.“ Das sind nur zwei Aussagen auf der Webseite, die die Vorfreunde bei mir gesteigert haben – und wohl nicht nur bei mir, denn zahlreiche Seiten und Nutzer waren erfreut, dass 8bitdo sich um einen MFI-Support gekümmert haben. 

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Tja und was soll ich sagen. Einen MFI-Support für iOS gibt es. Aber nicht „out of the box“. Im Grunde gibt es keinen Unter­schied zum „einfachen“ NES30: Wollt ihr den Controller als MFI-Controller nutzen, benötigt ihr einen Jailbreak und die 8Bitdo-App aus dem Cydia-Store, über diese könnt ihr dann Touch­screen-Eingaben ummappen und so sämtliche MFI-Spiele (und noch viel mehr) mit dem NES30 Pro kompa­tibel machen. Sprich: MFI-Support ist via Jailbreak möglich, MFI-Zerti­fikat ist jedoch nicht vorhanden. Hätte man in meinen Augen deutlich ausdrück­licher kommu­ni­zieren müssen – kann man auf der Webseite zwar erahnen wenn man es weiß, dennoch dürfte der erste, zweite und dritte Eindruck „MFI-Zerti­fikat“ schreien. Schade. 

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Ansonsten kann man zusam­men­fassen: Der Controller arbeitet ohne Jailbreak mit ein paar iOS-Games zusammen, versteht sich auch auf Android-Games (notfalls lässt sich die Liste an unter­stützten Titeln über Root erweitern), kann mit Windows und Mac OS X genutzt werden, ebenso funktio­niert der NES30 Pro am Amazon FireTV, der Nintendo Wii (sogar besser als es beim NES30 der Fall war) und auch mit der PlayStation 3 lässt sich der Controller nutzen. Im Grunde gibt es zwischen der Funktio­na­lität des NES30 und des NES30 Pro keine Unter­schiede, sodass ich euch an dieser Stelle einmal den entspre­chenden Teil im Review zum NES30 ans Herz lege – bevor ich mich hier nur selbst zitiere. Gilt übrigens nicht nur für die Unter­stützung der Systeme, sondern auch für die Akkulaufzeit. 

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Das Fazit

Liest man die obigen Zeilen, so könnte man meinen, dass das Fazit sehr negativ ausfällt. Dem ist aber nicht so: Zwar bin ich als iOS-Nutzer über die fehlende Zerti­fi­zierung als offizi­eller iOS-Controller enttäuscht, anderer­seits gibt es durchaus auch andere Systeme. Unter Android läuft der Controller zum Beispiel mit RetroArch ohne Probleme, ebenso mit OpenEmu unter Mac OS X. Die Wii wird ein Stückchen besser unter­stützt als der Vorgänger-Controller, mit der aktuellsten Version lässt sich das Gamepad auch an der PS3 nutzen – vielleicht ja für den ein oder anderen Retro-Emulator ganz inter­essant.

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Optisch hat man das Design des Ur-NES-Controllers und des NES30 etwas in die Gegenwart geholt, die Form und auch die seitlichen LEDs gefallen mir recht gut. Die Buttons bezie­hungs­weise das Controller-Design ist zwar nichts für große Hände und dicke Finger, aber dieses Problem haben auch andere Controller, sodass dies immer auf die einzelne Person ankommt. Und so kann ich auch zum Fazit eigentlich nur das Fazit des NES30 zitieren: 

„Wollt ihr einen Con­troller, der auf einem spezi­ellen System ohne Bas­telei funk­tio­niert? Dann haltet doch besser nach einem an­deren Con­troller Aus­schau.Ihr wollt den Con­troller nur für das ein oder an­dere Retro-Spiel nutzen, habt kein Pro­blem damit wenn ein­zelne Spiele nicht laufen oder euer Smart­phone mit einem Jail­break oder Root ver­sehen? Dann läuft es recht so­lide und rund. Euer Nostalgie-Gefühl ver­langt ein Retro-Gamepad für ge­le­gent­liche Spie­lerunden, auch auf dem Fire TV? Jau, in dem Falle könnt ihr be­den­kenlos zuschlagen. Es gibt in diesem Falle eben nicht nur ein helles Weiß oder dunkles Schwarz – in diesem Falle ist der Grauton so grau, wie der Con­troller selbst…“ 

Gilt wie gesagt auch für den 8Bitdo NES30 Pro. Eine offizi­eller iOS-Support „out of the box“ wäre natürlich schön gewesen und hätte eine klare Empfehlung mit sich bringen können – zumindest sollte man diesen Punkt klar auf der Webseite ausdrücken und nicht derart, dass man eventuelle Aussagen an anderer Stelle erahnen kann. Ansonsten muss man aber eben auch sagen, dass der Controller in Kombi­nation mit Android, Windows, Mac OS X, dem Fire TV und der Wii recht gute Arbeit leistet. Daher bleibt das neutrale Fazit bestehen.