IRIScan Anywhere 3 Wifi auspro­biert: Mobiler Dokumen­ten­scanner mit WLAN

Am 22.07.2015 veröffentlicht Lesezeit etwa 5:44 Minuten

Der Traum vom papier­losen Büro. Wer hier regel­mäßig mitliest wird schon festge­stellt haben, dass ich meine eigene Inter­pre­tation und Umsetzung gefunden habe. Kurzform: Alles was wichtig ist wird digita­li­siert, alles andere wandert umgehend in den Müll. Der erste Schritt dahin besteht erst einmal darin, zu schauen wie man seine Dokumente digita­li­sieren möchte: Möchte man keine der immer mehr aufkei­menden Scanner-Apps nutzen, bleibt eigentlich nur noch ein Dokumen­ten­scanner – ich habe in der Vergan­genheit bereits ein paar wie zum Beispiel den statio­nären ScanSnap iX500 oder den Doxie Go vorge­stellt. Nun habe ich mir einen weiteren portablen Dokumen­ten­scanner mit WiFi anschauen können: Den Anywhere 3 WiFi von IRISScan – einem inzwi­schen zu Canon gehörendem Unter­nehmen. Was taugt der kleine mobile Gefährte? Wie sinnvoll ist das vorhandene WiFi-Feature? 

Beginnen wir aber erst einmal kurz mit dem Liefer­umfang, zu dem neben dem eigent­lichen Scanner auch noch einiger Kleinkram mitge­liefert wird: So gibt es eine kleine Schutz­tasche für den sicheren Transport, ein USB-Kabel zur Daten­über­tragung und zum Laden des internen Akkus, eine SD-Speicher­karte mit 2 GB, eine Kalibrie­rungs- und Reini­gungs­karte, ein Reini­gungstuch, diverse Beschrei­bungen und diverse Software auf CD (gibt es auch an dieser Stelle). Im Grunde ist also alles dabei, um den kleinen Scanner direkt in Betrieb nehmen zu können. 

Mit seinen Abmes­sungen von etwa 28 x 5,4 x 4,4 Zenti­metern und einem Gewicht von etwa 330 Gramm ist der Scanner durchaus kompakt – im Grunde tun sich die verfüg­baren Geräte hier allesamt nur wenig. Die Oberfläche ist komplett mit schwarzem, hochglän­zenden Klavierlack versehen. Ist natürlich immer Geschmack­sache, in diesem Fall aber muss ich sagen, dass die Oberfläche sehr anfällig für feine Kratzer ist: Kurz einmal mit dem Micro­faser-Tuch über die Oberseite gewischt, schon sind im Licht erste spuren zu sehen. Das Farbdisplay misst 1,44 Zoll (etwa 3,6 Zenti­meter), daneben finden sich ein paar Buttons zum Bedienen des Scanners. 

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Die Einrichtung ist eigentlich sehr simpel, letztlich muss nur das aktuelle Datum und die Uhrzeit einge­geben werden. Per Drücken des Zahnrad-Symbols gelangt ihr zu einem etwas umfang­rei­cheren Einstel­lungsmenü: Hier lässt sich die Papier­qua­lität (300, 600 oder 1.200 dpi), das Format (JPG, PDF-A4 oder PDF-Letter) und die Farbstufe (Mono oder Farbe) festlegen. Des Weiteren kann hier die kurze Vorschau des gescannten Dokuments, eine automa­tische Abschaltung und derlei kleinere Dinge vorge­nommen werden. Tipp: Möchtet ihr zu einem späteren Zeitpunkt die Quali­täts­stufe oder das Format des Scans ändern, so könnt ihr einfach im Haupt­bild­schirm die entspre­chenden Buttons (nach oben für den Wechsel JPG/PDF, nach unten für Qualität) betätigen und so durch­schalten.

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Kommen wir aber einmal zu dem eigent­lichen Scanvorgang – dieser wird automa­tisch gestartet, sobald ihr das Blatt in den Einzug geführt habt. Für eine DIN-A4-Seite, die mit höchster Quali­täts­stufe gescannt und als PDF gesichert wurde, benötigte der Anywhere 3 WiFi runde acht Sekunden – schafft man es, Blätter recht zügig hinter­ein­ander nachzu­legen, schafft man so knappe acht Seiten in einer Minute. Ein guter, durch­schnitt­licher Wert für einen kompakten Scanner. Auch bei Seiten mit Esels­ohren oder etwas zerknit­terter machte der Scanner keine Probleme und zog die Blätter ohne Probleme hindurch. 

Laut Herstel­ler­an­gaben bekommt man mit einer vollen Akkuladung rund 1.000 Dokumente auf den Scanner. Konnte ich so nicht nachvoll­ziehen, ein paar hundert werden es aber sicherlich sein – kommt eben auch drauf an, wie sehr ihr die WiFi-Funktion nutzt und den Scanner ungenutzt und einge­schaltet herum­stehen lasst. 

Ich habe einmal einen Brief und ein paar der (farbigen) Beilagen einge­scannt – jeweils in den unter­schied­lichen Quali­täts­stufen. Das komplette Paket könnt ihr an dieser Stelle herun­ter­laden, unten findet ihr eine kleine Vorschau der unter­schied­lichen Scans. Alles in allem lässt sich nicht viel zu meckern finden, die Qualität auf unterster Stufe dürfte bereits mehr als ausrei­chend sein, in höchster Stufe ist die Qualität sehr gut. Hierbei muss man aber natürlich bedenken: Der Scanner ist grund­sätzlich nur für Dokumente ausgelegt – Bilder und Fotos lassen sich natürlich auch scannen, die Qualität dürfte bei entspre­chenden Foto-Scannern aber deutlich höher sein. 

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Gescannt werden kann natürlich wie gewohnt über ein USB-Kabel, welches mit dem Rechner verbunden wird – hier wird dann wie gewohnt direkt auf den Rechner gescannt. Ist aber natürlich nicht unbedingt so gewollt, statt­dessen ist der Anywhere 3 WiFi darauf ausgelegt, auf eine einge­legte Speicher­karte zu scannen. Die einge­scannten Dokumente gelangen dann entweder über Anschließen des Scanners an den Rechner oder über die Speicher­karte auf den Rechner – oder eben, ganz so wie es der Name schon vermuten lässt, kabellos via WiFi. 

Dazu erstellt der Scanner ein eigenes WiFi-Netzwerk (muss per längerem Druck auf den linken WiFi-Button aktiviert werden), in das ihr euch an eurem Rechner einloggen müsst (Standard-Passwort: 123456789). Nun könnt ihr via Browser über die Eingabe der IP-Adresse 192.168.1.2 direkt auf euren Scanner zugreifen und die gescannten Dokumente auf euren Rechner herun­ter­laden. Leider muss jeder einzelne Scan direkt herun­ter­ge­laden werden, was je nach Menge etwas umständlich ist. Was schade ist, ist die Tatsache, dass man den Scanner nicht ins eigene Netzwerk integrieren und somit über einen SMB-Server direkt auf den Scanner zugreifen kann. Hätte die Sache um einiges erleichtert. 

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Ebenfalls verfügbar ist eine App für iOS und für Android, mit der man nicht nur Scans mit der Smart­phone-Kamera aufnehmen kann, sondern ebenfalls auf die Dokumente auf dem Scanner zugreifen kann. Aller­dings muss man hierbei leider sagen: Die App ist nahezu unbenutzbar. Optisch ist es sicherlich Geschmack­sache, aller­dings wird man für nahezu jede Option nochmals per In-App-Kauf zur Kasse gebeten. So werden für den PDF-Export mitsamt OCR-Texter­kennung nochmals 6,99 Euro fällig – sorry, aber für Käufer des Scanners sollte diese Funktio­na­lität kostenlos angeboten werden. 

Auch die mitglie­ferte Readiris-App für Windows und Mac OS X ist nur bedingt zu empfehlen. Mit Hilfe der Anwendung lassen sich Dokumente durch die OCR-Texter­kennung jagen, die Ausrichtung ein wenig korri­gieren, mehrseitige Dokumente erstellen und dergleichen – Funktionell bietet sie viel. Optisch aber ist die Anwendung gelinde gesagt ein wahrer Graus. Daher ein Tipp: Um Dokumente zumindest mit einer Texter­kennung (vor allem für das spätere Auffinden von Vorteil) auszu­statten, gibt es sowohl für Windows, als auch für OS X eine recht breite Auswahl – habe ich vor langer Zeit mal etwas zusam­men­ge­fasst.

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Fazit? Keine leichte Entscheidung, denn bei dem IRIScan Anywhere 3 WiFi gibt es nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auf viel Graues. Positiv festzu­halten ist definitiv die Kompaktheit, ein recht langle­biger Akku, der unkom­pli­zierte Einzug und vor allem – und sicherlich mit am wichtigsten – auch die Qualität der Scans und die ist gerade bei reinen Textdo­ku­menten sehr gut, gibt es eigentlich nichts dran auszu­setzen. Was hingegen eher subop­timal gelöst ist, ist die namens­ge­bende WiFi-Funktion des Scanners. 

Funktio­niert zwar einwandfrei, leider aber wie beschrieben auch sehr umständlich gelöst. Aktive WiFi-Verbindung am Rechner oder Notebook trennen, mit dem Scanner verbinden, die Dokumente umständlich über den Browser herun­ter­laden, wieder mit dem Standard-Netzwerk verbinden. Ein clever integrierter Workflow sieht anders aus – hier hätte ich mir wie gesagt zumindest optional eine Integration in ein bestehendes WLAN und einen Zugriff via SMB/FTP oder notfalls auch per App gewünscht. 

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Mit iOS und Android ist der Scanner ebenfalls kompa­tibel, die verfüg­baren Apps sind aller­dings ein Grau – vor allem in der iOS-App wird das Problem der WiFi-Verbindung sichtbar, denn aus der Übertragung heraus lässt sich das Dokument mangels Inter­net­ver­bindung nicht direkt in die Dropbox laden. Ebenso sieht es mit der Desktop-Software namens Readiris aus, die funktionell zwar ganz gut gemacht ist, optisch aber inzwi­schen gar nicht mehr geht und irgendwie wie ein Relikt aus den frühen 2000er Jahren ausschaut.

So muss man eben abwägen. Wer lediglich einen mobil zu nutzenden Dokumenten-Scanner sucht und die Dokumente kabellos via WLAN auf den Rechner zerren oder mit dem Smart­phone oder Tablet weiter­ver­ar­beiten möchte, der bekommt mit dem IRIScan Anywhere 3 WiFi zumindest ein technisch stimmiges Gesamt­paket. Der Komfort im Workflow leidet zwar ein wenig, dafür aber ist der Scanner im Vergleich mit anderen mobilen WiFi-Scannern wie dem ScanSnap iX100 oder dem Doxie Go (hier Scanner + EyeFi-Karte) ein gutes Stück günstiger zu haben.