RIVA Arena im Test: Starker Multiroom-Lautsprecher mit AirPlay und Google Cast, aber mit Schwächen bei der Software

Marcel Am 04.08.2018 veröffentlicht Lesezeit etwa 8:22 Minuten

Musik in unterschiedlichen Räumen oder auf verschiedenen Etagen synchron abspielen zu lassen benötigt inzwischen keine große Bastelei mehr. Ganz im Gegenteil: Dank „Out of the Box“-Lösungen stellt dieses Vorhaben keine große Herausforderung mehr dar, sofern das Kleingeld stimmt. Platzhirsch Sonos ist nun schon seit einigen Jahren mit entsprechendem Multiroom-Sound-System auf dem Markt vertreten, außerdem gibt es auch noch Apples AirPlay-Protokoll, SoundCast von Yamaha und viele weitere, aber weniger verbreitete Insellösungen. Aber auch der US-amerikanische Hersteller ADX – Audio Design Experts – ist inzwischen mit der Marke RIVA Audio mit den beiden Lautsprechern Arena und Festival aus der WAND-Serie ins Multiroom-Geschäft eingestiegen.

Während der 549 € teure Festival-Lautsprecher mit seinen 200 Watt eine stationäre Lösung für größere Räume darstellt, handelt es sich beim RIVA Arena um einen direkten Konkurrenz der beliebten Sonos-Lautsprecher ONE und Play:1. Im direkten Preisvergleich liegt der Arena zwar etwas über den Sonos-Pendants (269 € vs. 179 bzw. 229 €), glaubt man aber den Aussagen von RIVA, so liefert der Arena trotz seiner kompakten Abmessungen eine „unerreichte Klangqualität“. Des Weiteren stehen viele Verbindungsmöglichkeiten (unter anderem Spotify Connect, AirPlay und Google Cast) und ein optionales Akkupack für den mobilen Einsatz auf der Habenseite. Ich habe mir den Multiroom-Lautsprecher Arena in den letzten Wochen einmal genauer anschauen, ausprobieren und anhören können.

Design & Verarbeitung

Beim Design des Arena hat RIVA auf einen bewährten Formfaktor gesetzt. Böse Zungen würden sogar behaupten, man orientiert sich stark an der prominentesten Konkurrenz. Der gut 12,7 x 12,3 x 18 cm große Arena besitzt hauptsächlich ein Gehäuse aus Kunststoff, die in drei Richtungen abstrahlenden Lautsprecher werden von einem Metallgitter geschützt, welches von einer umlaufenden chromefarbenen Kunststoffleiste eingefasst ist. Die Oberseite hat man mit schwarzem Klavierlack überzogen. Sowas sieht beim Auspacken immer noch ganz schick aus, aber schon nach dem Aufstellen darf man duzende Fingerabdrücke mit dem Mikrofasertuch wegpolieren, bevor sich dann gefühlt sämtlicher Staub im Zimmer binnen 10 Minuten auf den Klavierlack stürzt. Klavierlack war noch nie meine Welt.

Auf der Oberseite finden sich mittag die Bedienelemente des Arena, die glücklicherweise in mattem Schwarz daherkommen – ansonsten wäre dies wohl auch der K.O. für jeden potentiellen Käufer, der seinen Inneren Monk nicht immer unter Kontrolle weiß. Mittels der fünf Button lassen sich Songs vor- und zurückspringen, die Wiedergabe starten und pausieren, sowie die Lautstärke justieren. Nett: Die Tasten sind mit Braille-Punkten bedacht worden. Die Play-Taste ist mit einem kleinen umlaufenden LED-Ring versehen, der mittels Farbe verschiedene Betriebszustände und die Musikquelle anzeigt: Beispielswiese leuchtet der Ring bei der Musikwiedergabe über Bluetooth blau, beim Streaming über Spotify grün und lokal angeschlossene Medien rot. Nicht kriegsentscheidend, aber Liebe zum Detail.

An der Rückseite finden sich hinter einer kleinen Schutzkappe ein AUX-Eingang, ein USB-Anschluss, sowie ein üblicher Stecker für die Stromversorgung. Außerdem gibt es auch einen kleinen Schalter, mit dem sich der RIVA Arena vom Zuhause-Modus in den Unterwegs-Modus bringen lässt – zu den Modi folgt später noch etwas mehr. Die kleine Gummikappe setzt zwar sauber in der kleinen Aussparung, allerdings nicht sonderlich fest und schon gar nicht gesichert. Würde mich nicht wundern, wenn sie nach einem Ausflug nicht mehr vorhanden wäre – eventuell sollte RIVA direkt Ersatzkappen im Zehnerpaket anbieten. Zu guter Letzt findet sich an der Rückseite auch ein ¼-Zoll-Gewinde, mit dem der Lautsprecher an einen Ständer oder einer Wandhalterungen befestigt werden kann.

Die Unterseite wiederum ist mit schwarzem Klavierlack überzogen, während vier kleine Gummifüßchen für einen rutschfesten Stand sorgen und den Lautsprecher vom Untergrund entkoppeln sollen. Das Gehäuse ist spritzwassergeschützt, wobei der Hersteller nicht weiter darauf eingeht, wie genau der Lautsprecher zertifiziert ist. Etwas Feuchtigkeit, zum Beispiel beim kurzen Nieselregen oder einem umgefallenen Bierglas sollte er aushalten, in die Nähe eines Pools würde ich ihn jedoch nicht bringen wollen. Durch das Gewicht von rund 1,4 Kilogramm wirkt der Lautsprecher sehr robust, was ein Blick auf die Verarbeitung bestätigt: die notwendigen Spaltmaße sind gleichmäßig und sauber, es knarzt oder knirscht an keiner Stelle. Diesbezüglich gibt es nichts am Arena auszusetzen.

Einrichtung & App-Bedienung

Bei der Ersteinrichtung gibt es zwei unterschiedliche Wege, je nachdem, was für ein Smartphone ihr nutzt. Wie auch andere Hersteller eines Multiroom-Systems besitzt auch RIVA für WAND eine eigene dedizierte App, die sowohl für iOS als auch für Android zur Verfügung steht. Über diese lässt sich der Lautsprecher ins eigene WiFi-Netzwerk integrieren, was zügig erledigt ist. Im Grunde müsst ihr nur den auf Werkzustand zurückgesetzten Lautsprecher einschalten, woraufhin die LED nach kurzer Zeit weiß zu pulsieren beginnt. Nun könnt ihr euer Smartphone mit dem WLAN des Arena verbinden, in die WAND-App wechseln und den Lautsprecher hinzufügen. Im letzten Schritt werden dann noch die WLAN-Daten abgefragt und schon ist der Lautsprecher einsatzbereit.

‎RIVA WAND
Preis: Kostenlos
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‎Google Home
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Wer die Google Home-App nutzt, der kann die Einrichtung auch komplett ohne die WAND-App vornehmen. In diesem Falle müsst ihr Bluetooth auf eurem Smartphone einschalten, die Home-App von Google öffnen und schon könnt ihr auch auf diesem Wege den Lautsprecher in euer WLAN integrieren. Etwas blöd und unverständlich: Lautsprecher-Gruppen lassen sich nur über Google Home erstellen, egal ob ihr nun Android oder iOS nutzt. Folglich könntet ihr gänzlich auf die App aus dem Hause RIVA verzichten. Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis lassen sich ein paar Einstellungen nur über die Hersteller-App konfigurieren. Hierzu gehört z.B. der Equalizer zur Feinjustierung der Höhen und Tiefen, der Stereo-Modus oder auch Name und Passwort des WLAN im Unterwegs-Modus.

Die RIVA-App selbst ist halbwegs übersichtlich aufgebaut, auch weil zwei Reiter sowieso nur auf Google Home verweisen. In der Übersicht eurer Lautsprecher könnt ihr direkt auf einen Blick sehen, welcher Lautsprecher gerade was wiedergibt und auch die Steuerung der Wiedergabe ist möglich. Bei der Auswahl der Musik-Quellen ist der RIVA Arena nicht sonderlich wählerisch: Hardwareseitig wird eine Wiedergabe über einen handelsüblichen 3,5mm-Klinkenstecker oder per angeschlossenem USB-Medien möglich. In der WAND-App wiederum könnt ihr die Bluetooth-Wiedergabe aktivieren, lokale Musik auf den Lautsprecher streamen oder auch auf einen Medien-Server (DLNA) zugreifen. Darüber hinaus unterstützt der Lautsprecher auch Spotify Connect und kann noch dazu über das Google Cast (früher Chromecast) oder AirPlay befeuert werden.

Beim Streamen via AirPlay-Protokoll (was natürlich nicht nur mit dem iPhone oder iPad funktioniert, sondern auch von einem Mac) gibt es jedoch eine Schwäche, denn ihr könnt nur einzelne Lautsprecher ansprechen, aber keine erstellen Lautsprecher-Gruppen. Gleiches gilt auch, wenn ihr auf die Wiedergabe über Bluetooth, USB oder Line-In zurückgreift. Allesamt wirklich schade, denn rein technisch gäbe es für den Hersteller sicherlich für alle genannten Schwachpunkte eine Lösung – aber nur dann, wenn man die gesamte Lautsprecher-Verwaltung direkt in die eigene App hineinschreibt und nicht auf andere Drittanbieter-Apps, zu denen ich hierzu Google Home einfach mal zähle, ausweichen muss. Für Android-Nutzer ist dieser Punkt zu verschmerzen, iPhone-Nutzer trifft es ungemein härter.

So klingt der RIVA Arena

Im Inneren des RIVA Arena werkeln drei ADX-Treiber und drei Passivtreiber, jeweils hinter dem Lochgitter links, mittig und rechts. Darüber hinaus kommt eine RIVA-eigene 3-Kanal-Verstärkertechnologie zum Einsatz, die der Erhöhung der Audioqualität dienen soll. Ob die Technologie nun so einzigartig ist wie es der Hersteller erwähnt oder nicht: Der Klang ist stark und wusste vom ersten Ton an zu überzeugen. Auch im Einzelmodus besticht er RIVA Arena mit gut ausgewogenen Mitten und sehr detaillierte Höhen, gepaart mit druckvollen Bässen, ohne diese künstlich aufzublähen. Der Sound steht und fällt nicht mit einem bestimmten Musikgenre, vielmehr versteht sich der Arena dank seines eher neutralen Klangs mit nahezu allen Genre.

Auch bei deutlich erhöhter Lautstärke kann der Arena das Niveau beibehalten: Während ich bei den typischen 80 – 90 % der Maximallaustärke mit Verzerrungen und Kratzen gerechnet habe, blieb dieses Erlebnis aus. Lediglich auf maximaler Lautstärke, die für den Hausgebrauch aber viel zu hoch ist und höchstens mal bei einer Gartenparty zum Einsatz kommen dürfte, gab es minimales Clipping. Durch die Anordnung der Lautsprecher an drei Seiten des Gehäuses schafft es der Arena, ein fast raumfüllendes Klangpanorama zu erzeugen. Nennt ihr zwei Arena-Lautsprecher euer eigen, dann könnt ihr diese zu einem Stereopaar zusammenfügen. Sorgt nicht nur für weniger Geld auf dem Konto, sondern auch für „echtes“ Stereo und eine nochmal deutlich besseres Klangbild.

Mobiler Einsatz dank Akku

Als optionales Zubehör bietet RIVA für seinen Arena-Lautsprecher auch einen Akku-Pack an, der mit rund 110 Euro alles andere als ein Schnapper ist und unten an den Lautsprecher geklemmt wird. Die Stromversorgung teilt sich der Akku mit dem Hauptgerät, sodass nur ein Kabel notwendig ist und der Akku auch im normalen Betrieb aufgeladen wird. Für deinen dauerhaften Einsatz wirkt das Design mit Akku aber nicht mehr ganz so stimmig, da die Fläche des Akkus kleiner ist, als der Lautsprecher an sich. Trotz Akku dürfte der Arena aber eher etwas für die kleine Party auf der Terrasse oder im Garten sein, denn mit einer Gesamthöhe von x Zentimetern und einem Gewicht von x Kilogramm ist er nicht sonderlich portabel. Da gibt es deutlich mobilere Lautsprecher, die auch komplett wasserdicht sind.

Ist der Akku angesteckt und der Lautsprecher im Unterwegs-Modus, hat man nun mehrere Möglichkeiten, wie man ihn mit Musik befeuern kann: Natürlich über Klinke oder USB, darüber hinaus stehen aber auch Bluetooth und (dank eigenem Netzwerk im Unterwegs-Modus) WLAN zur Verfügung. Ist tatsächlich ganz cool, dass man auch beim mobilen Einsatz nicht auf AirPlay und Google Cast. Der Akku liefert laut RIVA bei mittlerer Lautstärke (75 dBa) rund 20 Stunden Strom – in meinem Test kam ich auf rund 16-17 Stunden. Ein wie ich finde Wert, der in Ordnung geht. Etwas kurios: RIVA erwähnt nirgends, wie man den Lautsprecher komplett ausschalten kann. Im stationären Betrieb sicherlich auch nicht wirklich notwendig oder gar sinnvoll, wohl aber bei mobiler Nutzung mit angeschlossenem Akku. Die Lösung: Die Play-/Pause-Taste muss für lange 15 Sekunden gedrückt gehalten werden.

Fazit & tl;dr

Was die Hardware betrifft hat man beim RIVA Arena vieles richtig gemacht: Vom schwarzen Klavierlack abgesehen ist der Lautsprecher recht schick geworden, ob man nun mehr oder weniger gezielt auf das Design der Konkurrenz geschaut hat oder nicht. Die Verarbeitung ist einwandfrei und die kabellosen Verbindungen zum Lautsprecher sind zuverlässig stabil. Bei der Wahl der Musikquellen ist der Arena so breit aufgestellt wie kaum ein anderes System: Dank Bluetooth, DLNA, AirPlay und Google Cast, gepaart mit lokaler Musik vom Smartphone oder auch via USB und Klinke dürfte man so ziemlich jeden Track auf den Lautsprecher befördern können. Der optionale Akku ist ebenfalls ein Pluspunkt, wenn auch eher für die Trasse oder den Garten, da der Lautsprecher auch ohne Akku-Pack natürlich alles andere als portabel ist. Klanglich kann der Arena bereits als Single überzeugen und es ist schon beachtlich, was RIVA aus diesem Lautsprecher herausgeholt hat.

Bis hierhin würde der Daumen trotz der UVP von 269 € nach oben zeigen. Aber: Die hauseigene WAND-App besitzt große Defizite. Ich kann (außer einer Arbeitserleichterung für die Entwickler) nicht so recht nachvollziehen, wieso man die Multiroomfähigkeit extern in die Google-Home-App ausgelagert hat. Nicht, weil es eine Google-App ist und einen zusätzlichen Account benötigt, den die meisten sicherlich besitzen. Ich möchte aber nicht zwei Apps nutzen, nur um mehrere Lautsprecher ans Laufen zu bekommen. Hinzu kommt, dass man als Apple-Nutzer in die Röhre schaut, denn über Google Home erstellte Lautsprechergruppen lassen sich nicht als Gruppe via AirPlay ansprechen; dies hätte man über eine eigene App-Lösung bewerkstelligen müssen. Daher muss jeder für sich entscheiden, ob der RIVA Arena in seiner jetzigen Form für den eigenen Bedarf in Frage kommt und ob man diesen Kompromiss eingehen möchte. Falls ja, dann macht ihr mit einem Kauf nicht viel falsch.

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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