Samsung SmartTV UE40ES6300 mit LED und 3D: Wie smart ist smart?

Pascal Am 22.03.2013 veröffentlicht Lesezeit etwa 9:31 Minuten

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Auf Grund von vielen guten Bewertungen habe ich mir vor kurzem von Samsung das aktuelle 2012-Mittelklassenmodell von Samsungs LED-Fernsehserie bestellt, genauer gesagt das Modell UE40ES6300 mit 40 Zoll (101cm) Bilddiagonale. Mit zur Entscheidungsfindung hat die bisherige Erfahrung mit verschiedenen Samsung-Geräten wie beispielsweise dem Galaxy S2 und der Plasma-Fernseher eines Freundes. Darüber hinaus mag vielleicht die Wahl zur Größe – ich hatte eigentlich zwischen 32 und 40 Zoll ins Auge gefasst – durch die Preispolitik bei Amazon beigetragen haben, denn zwischen 37″ und 40″ liegen gerade einmal 10€, im Endeffekt bin ich dank Amazon Warehouse Deals noch mal rund 75€ günstiger als dort gelistet davon gekommen.

Technische Daten

Auch wenn ich mir nicht viel um die Eckdaten mache, denn ein toller Fernseher auf dem Papier kann dank grotiger Verarbeitung ein wunderbares Bild immer in ein unansehnlichen Pixelhaufen verwandeln, so denke ich macht es zur groben Einschätzung dennoch Sinn, sie trotzdem kurz zu erwähnen:

  • Full-HD Fernseher mit LED Technik
  • 40″ (101 cm) Bilddiagonale
  • Maße: 925 x 50 x 540 mm, Fuß: 550 x 242 x 74 mm (Breite x Tiefe x Höhe), Gesamthöhe 614mm
  • 200 Hz & 3D-Fähig (2 Aktiv-Shutterbrillen liegen bei)
  • (W)LAN, integrierter Kabel/Antenne/Sateliten-Tuner (analog & digital), 3x HDMI, 1x Scart, RGBA
  • Samsung SmartTV

Bild

Das Bild ist klar und gleichmäßig, selbst wenn von hinten Sonnenlicht scheint und die Helligkeit fast komplett heruntergedimmt ist. Über Clouding, welches einige in Rezensionen auf Amazon bemängelt haben, kann ich mich nicht beschweren. Samsung stellt insgesamt 4 Modi für die Farbsteuerung bereit: „Dynamisch“ (großer Kontrast, knallige Farben), „Standard“ (keine Veränderungen), „Film“ (etwas blasser) und „Natürlich“ (ebenfalls blasser). Im normalen und vor allem im Modus „Dynamisch“ wirken die Farben schön knackig, manchmal jedoch zu stark, weswegen ein Wechsel durchaus sinnvoll sein kann. Sehr schön ist in jedem Fall das Schwarz, welches auf dem Bildschirm wie auch bei der AMOLED-Technik von Samsung wirklich schwarz ist.

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Wie üblich entsteht durch das Hochrechnen von analogen Fernsehsignalen (wie es bei mir leider zwangsweise der Fall ist) oder bei ebenfalls niedrig aufgelösten DVDs ein unschöner Treppeneffekt. Sofern ein 3D-Fähiges Ausgabegerät und entsprechendes Material vorliegt, kann man mit den beiden mitgelieferten Shutter-Brillen von Samsung auch 3D-Filme sehen. Da ich Brillenträger bin, ist mir dieses Feature normalerweise etwas suspekt, da die meisten dieser Brillen alles andere als angenehm über der eigentlichen Brille zu tragen sind.

Das war interessanterweise bei den Brillen nicht der Fall, allerdings habe ich auch aus Mangel von 3D-Material nur die 3D-Filmchen und Musikvideos, die Samsung innerhalb des SmartTVs anbietet, ausprobiert – zum Tragekomfort über mehr als 30 Minuten kann ich also nicht viel sagen. Schön ist jedoch das geringe Gewicht und die gewundene Form der Bügel, wodurch auch bei Kopfbewegungen die Brille nicht verrutscht.

Für die richtigen 3D-Freaks hat Samsung wie die meisten anderen TV-Hersteller einen 3D-Modus für 2D-Inhalte eingebaut, der das Bild entsprechend umrechnen soll. Im Test sorgte das sowohl bei Nachrichten, Actionszenen als auch Mangas nur für eins: das Bild ohne Brille wird verschwommen, verschiedene Ebenen sind durch die Brille jedoch nicht sichtbar, allerhöchstens ab und zu zu erahnen. Also totaler Müll und nur nutzloser Werbequatsch.

Klang

Der Fernseher ist gerade einmal 50mm an der dicksten Stelle dick, dennoch wird er gut laut und leidet auch bei hoher Lautstärke nicht unter einem blechernen Klang. Basstechnisch kann man verständlicherweise nicht zu viel erwarten, dennoch reicht der Klangkörper für Filme allemal, und für (laute) Musik ist bekanntermaßen dann doch eine vernünftige Heimanlage grundsätzlich die bessere Alternative. Der Lautstärkeregler hat eine Skala von 100, wobei für den normalen Konsum meiner Erfahrungen nach ohne große Hintergrundgeräusche bereits 10-15 völlig ausreicht. Wem das nicht reichen sollte, der kann per Digital Optical Out seine Heimtheateranlage anschließen, wem einfacher Stereosound reicht greift alternativ auf die klassischen analogen Audioausgänge zurück.

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Damit wäre die Pflicht für jeden (Flachbild-) Fernseher getan und es geht zur Kür, die einen vernetzten SmartTV vom klassischen Fernseher unterscheidet.

SmartTV – eingebunden im Netzwerk

Richtig groß werden ja nach wie vor die intelligenten Fernseher mit zusätzlichen Funktionen wie Internet-Browser und Apps wie auf dem Smartphone beworben, doch so richtig überzeugen konnte mich bisher keins dieser Konzepte, da meistens die Steuerung katastrophal ist. Vermutlich ist auch deswegen der Apple TV begehrt und der Wunsch nach einem iTV bei einigen so groß. Leider hat auch Samsung sich bei dem 6300er-Modell nicht groß mit Ruhm bekleckert, denn es gibt mehrere völlig unverständlicher Hürden. Aber alles der Reihe nach.

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Die beigelegte Fernbedienung ist laut meinen Informationen ein Standardmodell, welches bei quasi allen Samsung-Fernsehern genutzt wird. Auf dieser ist im oberen Bereich der übliche Nummernblock und andere essentielle Funktionen wie Teletext, Lautstärke und Programmwippe und die Quelle für das Signal. Die untere Hälfte hingegen ist hauptsächlich zur Steuerung durch Menüs und eben der smarten Zusatzfunktionen des Fernsehers.

Der zentral positionierte bunte Knopf mit dem Logo von Samsungs SmartTV führt (wer hätte das gedacht?) in eine extra Oberfläche, in der man verschiedene Apps starten kann oder Suchen durchführen kann. Navigiert wird dabei wie auch in den anderen Menüs mit dem Steuerkreuz, bestätigt mit dem Enterknopf in der Mitte – eigentlich sehr gut und intuitiv. Daneben sind noch am unteren Ende der Fernbedienung einige weitere Knöpfe untergebracht, die als Shortcut für verschiedene Apps fungieren – doch dazu später.

Beim Einrichten möchte Samsung uns am liebsten sofort in ein bestehendes Samsung-Konto einloggen lassen, oder – wenn wir etwa noch keins haben sollten – uns bei der Erstellung behilflich sein. Für sämtliche Funktionen braucht man es leider auch zwangsweise – also ein weiteres Konto, was ich niemals nutzen werde außer auf dem Fernseher, weil ich dazu gezwungen werde. Möchte man beispielsweise die vorinstallierten Apps anders anordnen, so funktioniert das nur, wenn man sich vorher mit seinem Samsung-Konto angemeldet hat.

Will man gar eine unnötige App einer Website entfernen, von der man noch nie gehört hat, so erscheint im Kontextmenü natürlich auch nicht diese Option, wenn man nicht eingeloggt ist. Das war spätestens der Zeitpunkt, wo ich verzweifelt bei Google nach einer Möglichkeit gesucht habe, doch wenigstens Google TV irgendwie anstelle von diesem smarten System zu installieren, doch leider ergab die Suche nichts. Immerhin: diese vorinstallierten Apps kann man normalerweise starten, man sollte allerdings vorher eine Internetverbindung per LAN oder WLAN (ab dem 37″ Modell verbaut) eingerichtet haben, denn diese Apps sind leider fast immer vollständig auf das Netz angewiesen. Was bei einfachen Nachrichtenapps aber auch irgendwie verständlich ist.

Updates, Updates, Updates und Bevormundungen én Mass

Nach einigen Updates, bei denen der Fernseher wie ein alter Rechner nicht ansprechbar war und aber auch keine Anstalten gemacht hat, überhaupt zu zeigen, dass er noch was macht, war ich dann schließlich eingeloggt und die Software auf dem neusten Stand – doch gleich mit sind knapp 10 Apps installiert, die ich niemals haben wollte. Gut, dass man die ja jetzt wenigstens auch wieder deinstallieren kann. Bei BMW TV, Panorama TV, den gefühlten 100 Fußball-Apps und sonstigen Müll geht das auch trotz der gigantischen 2-3 MB Größe in nicht einmal 2-5 Minuten.

Doch die Blöd, die jetzt prominent in der Leiste oberhalb der großen Kästen mit verschiedenen Samsung-Apps ist, die wie das Dock eines Launchers auf dem Smartphone auf jeder Seite immer präsent ist, will partout nicht den Menüpunkt „Deinstallieren“ im Kontextmenü anzeigen. Auch kann ich die App nicht aus dieser Schnellstartleiste auf eine andere Seite verstecken, denn wie bei vielem beim Samsungsystem scheißt man scheinbar auch hier geflegt auf die Nutzerwünsche. Wären hier wenigstens sinnvolle Funktionen des Fernsehers wie die Aufnahmenverwaltung oder der Programmmanager, so würde das ja wenigstens einen Sinn machen, aber die Bild brauche ich mir wirklich nicht anzutun, zumal so ein Fernseher auch kein Schnäppchen ist.

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Zu den mitgelieferten Apps (nicht den automatisch installierten) gehört ein EPG, welches jedoch trotz der Vernetzung und erkanntem analogen Kabelanschluss keinerlei Senderinformationen liefern kann. Für mich sollte so etwas ein SmartTV eigentlich schon von Haus aus können, wenn man mittlerweile schon beim HTC One so weit ist, dass das Smartphone dort zur Universalfernbedienung wird, die auch noch eine intelligente Programmübersicht mit den eigenen Wünschen und Vorlieben liefert.

Außerdem hat man beim Samsung-Fernseher einen scheinbar ebenfalls nicht funktionstüchtigen Fernsehrekorder verbaut, denn dieser verweigert grundsätzlich jegliche Aufnahme – vermutlich, da ich nicht einsehe, einen CL+-Modul mit seinen zusätzlichen nicht gerade niedrigen Kosten und verschiedenen Einschränkungen wie Kontrolle durch den Sender zu kaufen. Dadurch funktioniert übrigens auch die Bild-im-Bildfunktion (PiP) nicht.

Externe Dienste und vorinstallierte Apps

Neben den reinen fernsehrelevanten Apps hat Samsung eine obligatorische Suche eingebaut, die per Fernbedienung direkt gestartet werden kann und dann nach gerade einmal einer Minute endlich ein kleines Overlay mit Suchbox und darunter einer Historie, deplatziert wirkenden „Your Video“-Dienst (der mal wieder nicht funktioniert), den am meisten gesuchten Begriffen (YouTube, google, erotikfilme) und weiteren nicht wirklich reinpassenden „Beliebt. Anwend.“. Die Suche selber sucht in verschiedenen Apps wie YouTube, im Netzwerk, verschiedenen Samsung-Diensten und bei Bedarf (und Extraklick) im Browser.

Und damit gleich zum nächsten peinlichen Moment, den man sich bei Samsung mit seinem SmartTV-System gegönnt hat: der Browser ist katastrophal langsam und absolut nicht gut zu bedienen, da er mittels Cursor über das Steuerkreuz der Fernbedienung nur langsam und hakelig durch die geringe Datengeschwindigkeit von Infrarot angesteuert wird. Bei Eingabefeldern wie auch die URL selber hat Samsung überdies zwar die gleiche Tastatur wie im sonstigen System, jedoch muss man auch hier dafür den virtuellen Cursor auf die einzelnen Knöpfe bewegen und kann nicht direkt auf die Knöpfe der virtuellen Tastatur zurückgreifen.

Ein weiterer Dienst neben dem schon in der Suche erwähnten „Your Video“ ist Samsungs „Family Story“, der zum teilen von Bildern und Terminen innerhalb der Familie anscheinend gedacht ist und wie auch die Suche einen eigenen Knopf auf der Fernbedienung spendiert bekommen hat. Doch auch wie „Your Video“ hat man bei Samsung diesem Dienst keine Zukunft mehr zugetraut und beim ersten Starten bekam ich schon die Nachricht, dass der Dienst demnächst eingestellt wird – auf der Fernbedienung und im SmartTV Hub wird er dennoch prominent positioniert und lässt sich nicht entfernen.

Spätestens hier habe ich den Vergleich zu Samsungs Update-Strategie bei Smartphones gezogen, und kam zum Schluss, dass man im mobilen Sektor immer noch besser ist – und man ist da katastrophal, denn ein Update auf Android 4.1.2 nach knapp 10 Monaten nach dem Erscheinen dieser Version und 4 Monate nach der neusten Nachfolgeversion für das ehemalige Flaggschiff Galaxy S2 spricht für sich selber. Mit „Kids“ und „Fitness“ hat man wenigstens 2 Dienste in den Anwendungs-Boxen, die noch nicht eingestampft wurden, jedoch im Endeffekt für die volle Funktion dann doch noch mal aus dem mager gefüllten Samsung Apps Portal heruntergeladen werden muss.

Filme und Medien aus dem Web oder lokalen Netzwerk streamen

Auch wenn bislang fast alle vorinstallierten Apps ziemlich schlecht bis nutzlos oder schlichtweg nicht mehr funktionsfähig waren, so muss man sagen, es gibt eine Sache, die der Fernseher zum Glück wirklich gut kann: Filme darstellen. Das geht beispielsweise in der vorinstallierten YouTubeApp, mit der ich die Doku TPB:AFK in knackigen HD sehen konnte, oder auch der gelungenen TED-App, die zwar nicht vorinstalliert, aber groß beworben wird. Abseits von Streaming-Diensten kann man per DLNA/UPnP bzw. Samsungs eigener All-Share Funktion aber auch aus dem eigenen Netzwerk Medien bequem über den Fernseher abspielen lassen.

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So wurde unsere FritzBox direkt als Medienserver erkannt und auch per BubbleUPnP kann ich bequem Videos von meinem Nexus 7 auf den großen Bildschirm streamen, sofern es sich hier nicht um große Datenraten wie bei HD-Videos handelt, da es sonst zu Buffering und Abrissen kommen kann. Das ist jedoch vermutlich durch die App bedingt und nicht durch die Verarbeitung durch den Fernseher. Neben dem Streaming im Netzwerk kann man auch auf angeschlossene USB-Sticks zugreifen. Im Kurztest konnte ich MP3, Filme in gängigen MPEG-Kodierungen (und mit Aktivierung auch DivX) sowie Bilder in gif, jpeg und png-Format so abspielen.

Fazit

Auch wenn es anhand der Länge der Kritikpunkte vielleicht den Eindruck machen sollte, dass ich mit dem Fernseher gänzlich unzufrieden bin, so stimmt dies nicht. Als reiner Fernseher liefert er meiner Meinung nach gute Qualität im Bereich Bild und Sound und die Verarbeitung ist ebenfalls gut. Wenn es jedoch um den Bereich SmartTV geht, so ist Samsung auf dem gleichen Niveau wie die Konkurrenz – unterirdisch schlecht und an den Nutzer vorbei mit Einschränkungen zu Gunsten von Werbeeinnahmen – anders ist die feste Verankerung einer Klatschpresse wie Bild nicht zu rechtfertigen. Dazu kommt allgemein die schlechte Performance der Plattform mit häufigen Ladezeiten von durchaus auch mal einer Minute für eine einfache App und den vernachlässigten eigenen Diensten, die man wohl am liebsten selber einfach verdrängt.

Wer also sich eine intelligente Plattform wie im Handymarkt beim Kauf eines Samsung SmartTVs freut, wird gandenlos enttäuscht – doch das ist durchweg durch die gesamte Bandbreite der Fall. Man kann nur hoffen, dass die Übernahme von WebOS durch LG für deren SmartTVs endlich mal diesen Markt voranbringt, wobei ich hinsichtlich der vielen Gemeinsamkeiten von LG und Samsung hinsichtlich des Kundensupports und der Innovationen da leider nicht viel Licht am Himmel sehe.

Wem jedoch wie mir hauptsächlich die Qualitäten des Fernsehers sowie die Funktionen für’s Streaming innerhalb des Hauses wichtig sind, dem kann ich dieses Modell durchaus empfehlen, nur sollte man wie gesagt seine Erwartungen hinsichtlich von ausgeklügelten alternativen Steuerungen wie Kinect oder Apps wie man sie vom Smartphone oder Computer gewöhnt ist, entsprechend eher ganz weit unten ansiedeln.

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