Setapp: Abo-Flatrate für Mac-Apps geht in offener Beta an den Start und hat Potential – aber auch mehr?

Marcel Am 12.12.2016 veröffentlicht Lesezeit etwa 3:53 Minuten

Die ukrainischen Entwickler von MacPaw sind für Mac-Nutzer und Leser dieses Blogs keine Unbekannten, immerhin haben sie in der Vergangenheit mit Gemini, CleanMyMac und Hider 2 bewiesen, dass sie mehr als ordentliche Arbeit abliefern können. Nun haben sie sich einem Mammut-Projekt mit dem Namen Setapp verschrieben, mit dem man eine Alternative zum Mac App Store etablieren möchte. Haben schon einige mit mehr oder minder großem Erfolg versucht, in Setapp hat man aber ordentlich Schweiß investiert. Der große Unterschied zum Mac App Store liegt im Bezahlmodell, denn während Apps dort je nach Entscheidung der Entwickler gegen einen einmaligen Kaufpreis, kostenlos und mit In-App-Käufen oder mittels regelmäßiger Abo-Zahlungen den Besitzer wechseln, setzt man im Hause MacPaw voll und ganz auf ein Abo-Modell.

Und beim Wörtchen „Abo-Modell“ zucken sicherlich einige Mac-Nutzer bereits leicht zusammen, denn immer mehr Entwickler haben diese Art der Finanzierung zum Leidwesen zahlreicher Nutzer für sich entdeckt. Statt einer Einmalzahlung werden die Nutzer also regelmäßig im monatlichen oder jährlichen Turnus zur Kasse gebeten. Ob es nun gefällt oder nicht sei einmal dahingestellt, letztlich ist es aber eben so, dass eine ordentliche App auch nach dem Release Geld kostet (Wartung und Weiterentwicklung) und so regelmäßig Geld in die Kasse gespült werden muss. Ist auch ein wenig der Apple’schen (wobei Google es ja nicht anders handhabt) App-Store-Politik geschuldet, denn hier fehlen schlicht Update-Preise – lebenslange kostenlose Updates sind eben Wunschdenken, was so auf Dauer nicht funktionieren kann, wenn man nicht Apple, Google oder Microsoft heißt.

Mit Setapp schlägt also auch MacPaw diesen Weg des Abo-Modells ein, es gibt allerdings einen großen Unterschied: Für monatlich 9,99 US-Dollar (und wohl auch Euro) bekommt der Nutzer eine Vielzahl an Apps geboten, die er während des Abonnements kostenlos und in vollem Umfang nutzen kann. Natürlich beinhaltet Setapp auch die MacPaw-eigenen Anwendungen, man hat aber auch Anstrengungen unternommen, zahlreiche weitere Entwickler ins Boot zu holen – und dies hat man wohl auch geschafft. Aktuell sind rund 50 Apps in Setapp enthalten, unter anderem Alternote, ChronoSync, HazeOver, Blogo, iMazing, Paste, Numi, Screens und und und. Heißt also: Für rund zehn Euro im Monat lässt sich ein ganzer Haufen an (teils sehr namhaften) Apps kostenlos und in vollem Umfang nutzen – ohne weitere Einmalzahlungen oder In-App-Käufe.

Um die Entwickler von Setapp überzeugen zu können, müssen natürlich Einnahmen fließen. Grundsätzlich wird der Großteil von 70 Prozent der zehn Euro pro Nutzer und Monat direkt an die Entwickler verteilt – in Abhängigkeit zur Anzahl der Nutzer, diese diese über Setapp nutzen. Von den restlichen 30 Prozent behält MacPaw zehn Prozent selbst für Wartung und Weiterentwicklung ein, die verbliebenen 20 Prozent werden wiederum als eine Art „Partnergebühr“ an Entwickler ausgeschüttet, die aktiv für neue Nutzer sorgen. Das Modell ist sicherlich nicht unfair und im ersten Moment klingt dies nach einer soliden Finanzierung, dröselt man die ganze Sache jedoch einmal etwas genauer auf, stellt sich unweigerlich die Frage, ob es in dieser Art und Weise für Entwickler wirklich lohnenswert ist.

Geht man einmal davon aus, dass die rund 50 aktuell verfügbaren Apps allesamt gleichwertig genutzt werden, liegt der monatliche Betrag pro Entwickler also bei 14 Cent pro Nutzer. Nicht viel, allerdings werden einige Apps sicherlich mehr, andere weniger genutzt – Entwickler A bekommt vielleicht 20 Cent pro Monat und Nutzer, Entwickler B 8 Cent pro Monat und Nutzer. Kleinvieh, welches sich zusammenläppert, hier kommt es dann eben wirklich auf die Anzahl der Setapp-Nutzer an, denn bei 25.000 Nutzern käme man mit acht Cent auch auf 2000 Euro. Hat man nun aber mal im Hinterkopf, dass MacPaw langfristig rund 300 (ausgelesene) Apps vorhalten möchte, reduzieren sich diese Cent-Beträge natürlich noch viel weiter – bei gleicher Nutzung wären es 2,3 Cent pro Entwickler.

Andererseits macht die Aufbereitung einer App für Setapp wenig Arbeit und kann eine zusätzliche Einnahmequelle sein, die man so in dieser Form sonst nicht hätte. Immerhin heißt ein Setapp-Nutzer nicht, dass er diese App auch gekauft hätte und im Idealfall steigen Nutzer dann wiederum auf die Mac-App-Store-App um und generieren so Einmalkäufe. Der Erfolg von Setapp steht und fällt eben schlichtweg mit der Anzahl der Nutzer, einigermaßen Erfolgversprechend wird das ganze wohl erst ab einer Nutzerzahl von 50.000 aufwärts und ob man die erreichen kann, steht in den Sternen. Die derzeit 50 Apps sind zwar teilweise interessant, würden mich aber lange noch nicht davon überzeugen, auf das „Netflix für Mac-Apps“ zu setzen. Da die Zahl aber noch versechsfacht werden soll und MacPaw eher das Motto „Qualität statt Quantität“ ansetzen möchte, ist dies lediglich (m)eine Einschätzung zum Status Quo.

Interessant ist das Setapp-Projekt aber allemal und Potential ist vorhanden. Irgendwie glaube ich aber nicht, dass wir in ein oder zwei Jahren noch viel davon hören werden, aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren. Momenten befindet sich Setapp noch in einer (halb-)offenen Beta-Phase, während der sich der Abo-Dienst kostenlos nutzen lässt. Wer Interesse hat und sich Setapp einmal selbst anschauen möchte, der kann sich auf dieser Seite um eine Einladung bemühen. Für den finalen Start des Dienstes gibt es noch keinen konkreten Termin, MacPaw peilt allerdings ein Start im Frühjahr 2017 (genauer gesagt im März) an – bis dahin möchte MacPaw dann auch alle geplanten Anwendungen integriert haben und bereits während der Beta sollen nach und nach weitere Apps freigeschaltet werden.

Wie sieht es denn so bei euch aus? Mal angenommen, die App-Auswahl trifft euren Geschmack: Wäre so ein Dienst grundsätzlich interessant für euch?

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