Ausprobiert: SOMA Smart Shades macht eure Rollos smart – aber leider nur mit mäßigem Erfolg und Spaßfaktor

Marcel Am 03.09.2019 veröffentlicht Lesezeit etwa 7:02 Minuten

Wer in einer Mietwohnung lebt und in den Genuss eines smarten Zuhause kommen möchte, der muss sich mit Nachrüstgeräten zufrieden geben. Hiervon gibt es inzwischen ja eine ganze Menge, sowohl was die Systeme betrifft, als auch die dafür notwendigen Komponenten. Leuchtmittel und Steckdosen, verschiedenste Schalter, Heizungsthermostate, Bewegungs- und Rauchmelder, Türschlösser, Sirenen, Pflanzensensoren – viele Bereiche lassen sich inzwischen mehr oder weniger günstig ins Smart Home integrieren. Bei Rollos und Jalousien sieht es aber noch ein wenig anders aus: Wer keine bereits elektrisch angetrieben Außenjalousien besitzt oder klassische Rollos oder Jalousien an den Fenstern hat, der schaut in die Röhre und muss selbst Hand anlegen, wenn diese verstellt werden sollen.

IKEA bietet mit Kadrilj und Fyrtur zwar seit kurzer Zeit Lösungen an, diese lassen sich aber nicht in Drittsysteme einbinden und die Auswahl ist doch eher Mau. Vielversprechender sind da schon die Smart Shades aus dem Hause SOMA. Das Unternehmen mit Sitz in Estland bietet eine kompakte Box mit der Standard-Rollos mit Sidewind-Ketten smart werden. Klingt schon bedeutend spannender, wie auch das Ergebnis der damaligen Kampagne auf Indiegogo zeigt: Das angeschlagenen Ziel wurde mit rund 875 Prozent deutlich übertroffen. Nun ist das bekanntlich noch kein Zeichen dafür, dass Crowdfunding-Produkte auch wirklich halten was sie versprechen. Trotz dieser Skepsis habe ich mir die SOMA Smart Shades einmal genauer angeschaut – leider mit mäßigem Fazit…

Ausgepackt und montiert

In der neutralen braunen Box findet ihr bereits alles vor, was ihr fürs erste Ausprobieren des Soma Smart Shades benötigt. Herzstück ist eine weiße Box, die mit ihren 7,5 x 5,8 x 4,5 Zentimetern zwar nicht zu groß ist, aber auch alles andere als Unscheinbar ist. In dieser befindet ein Motorantrieb, welcher ein Zahnrad antreibt, welches wiederum die Perlen- oder Endlosschleife dreht. Das Einfädeln ist recht einfach gemacht: Einen Teil der Kette (oder der Schnurschlaufe) an die Einkerbung des Rades halten und den Motor mit einem Druck auf die Front (hier sitzt ein Touchsensor) in Gang setzen. Die Kette wird dann aufgenommen und automatisch weiter eingefädelt – funktionierte bei mir bereits im ersten Anlauf und das mit zwei handwerklichen linken Händen. Sollte eure Kette ein Verbindungsstück oder einen Stopper besitzen, müsst ihr gegebenenfalls die Schnur austauschen, eine Ersatzkette liegt dem Lieferumfang des Smart Shade bei.

An der Unterseite besitzt die Smart Shade-Box einen proprietären 3,5mm-Stecker mit dem der 1.400mAh-Akku geladen wird. Vom Hersteller primär vorgesehen erfolgt diese über das beiliegende Solarpanel. Dieses misst in etwa 22 x 5,5 0,7 cm und wird mittels doppelseitigen Klebestreifen ans Fenster geklebt (oder ihr bastelt euch eine weniger fixe Lösung). Die Idee ist eigentlich gar nicht mal so verkehrt, sieht allerdings zugegeben nicht sonderlich schick aus – kommt aber sicherlich darauf an, wie und wo ihr das Solarpanel an die Fensterscheibe montiert. Hinzukommt, dass das Solarpanel recht träge ist: Eine Akkuladung soll bis zu 50 Auf- und Abfahrten des Rollos ermöglichen, je nach Sonnenstunden kann eine volle Ladung des Akkus 3-5 Tage beanspruchen. Alternativ zum Solarpanel könnt ihr auch das beiliegende USB-Kabel nutzen um den integrierten Akku zu laden – entweder per Netzstecker oder aber einer Powerbank.

Die Box selbst wird entweder geklebt oder geschraubt – und zwar primär an die Wand. Dies führte bei mir aber zu Problemen, denn das Rollo ist mit Hilfe von Klemmträgern am Fensterrahmen montiert. Ist das Rollo nicht breiter als das Fenster, muss die Kette diagonal zur Fensternische hin gespannt werden. Sieht scheiße aus. Eine Montage direkt am Fensterrahmen ist zwar möglich, dann aber ist die Kette verdreht – für den Betrieb nicht gerade ideal und optisch auch nicht viel ansprechender. Ist sicherlich nicht überall der Fall, aber ich habe in den letzten Tagen und Wochen mal bewusst auf Rollos geblickt und in vielen Fällen würde es hieran scheitern. Ließe sich aber nur über einen anderen Aufbau der Box lösen, sodass sich die Kette parallel zum Fensterrahmen montieren lässt. Was die Verarbeitung betrifft: Ist halt Kunststoff. Das Smart Shade ist ordentlich verarbeitet und macht keinen schlechten Eindruck. Anders aber das Solarpanel, welches zwar auch keine großen Schwächen bei der Verarbeitung zeigt, aber eher wie Spielzeug wirkt. 

Die erste Einrichtung

Nicht täuschen lassen: Von der Reihenfolge her solltet ihr euch erst die App herunterladen, bevor ihr die Kette in das Smart Shade einspannt. Die Installationsroutine durchläuft sämtliche wichtige Schritte, u.a. auch, dass ihr das Rollo zuvor auf die Hälfte herunter- oder hochfahrt. Ohne weitere Hilfsmittel (siehe unten Soma Connect) kommuniziert die weiße Box nur über Bluetooth, was bei der Einrichtung aber kein Hindernis darstellte, da die Kopplung auf anhieb klappte. Nach erfolgter Montage der Box müsst ihr dem System dann einmal beibringen, was die höchste und was die niedrigste Position eures Rollos darstellt, indem ihr das Rollo via App hoch und runter fahren lasst. Zum Abschluss der Einrichtung könnt ihr dann noch einen Namen beziehungsweise einen Raum für das Rollo festlegen und das war es dann auch schon. Funktionierte überraschend simpel.

Bedienung und Praxiseinsatz

Die App ist ganz übersichtlich aufgebaut, gehört allerdings auch nicht wirklich zu den schönsten Ihrer Art. In der App könnt ihr über das linke Menü eine Seitenleiste aufrufen, die euch alle verbundenen Smart Shades anzeigt – per Tap springt ihr dann in die Steuerungsansicht. Ist dann eigentlich selbst erklärend: Per Fingerwisch könnt ihr die Position des Rollos festlegen, woraufhin sich der Motor in Bewegung setzt. Das ganze ist sehr träge, in meinem Fall brauchte das Smart Shade rund 1 – 2 Minuten um komplett hoch oder runter zu fahren. Damit könnte man sicherlich noch leben, aber auch die Lautstärke ist nicht ohne: Wer das Rollo morgens automatisch hochfahren möchte, um sanft vom Sonnenlicht geweckt zu werden, der kann sich auch gleich einen Wecker stellen. Der Motor ist nicht sonderlich leiser und so dürfte man dann bereits wach sein, bevor die Morgensonne ihre ersten Strahlen durch das Fenster schickt…

Wer keine Lust hat, das Rollo immer manuell hoch- und runterfahren zu lassen, der kann auch automatische Trigger nutzen. Diese beschränken sich aber auf fixe Uhrzeiten, zu denen das Rollo an die gewünschte Position gefahren wird. Wer hier auf erweiterte Auslöser wie Sonnenauf- oder untergang, Geofencing oder ähnliches gehofft hat, der schaut in die Röhre. Darüber hinaus können mehrere Rollos, die einem gemeinsamen Raum zugeordnet sind, nicht einzeln gesteuert werden – wenn man zwei Fenster an zwei unterschiedlichen Außenwänden hat, muss man sich mit zwei getrennten Räumen behelfen. Außerdem noch ein nicht unwichtiger Punkt, den ich bei der Montage noch ausgespart habe: Ist der Akku der Box leer oder kommt es bei der App-Steuerung wieso auch immer zu Verbindungsproblemen zum Smart Shade, dann steht ihr erstmal doof da. Denn eine manuelle Bedienung des Rollos ist nach der Montage des Smart Shade nicht mehr möglich.

Wenn es wirklich smart werden soll

Von Haus aus kommunizieren die SOMA Smart Shades nur über Bluetooth mit dem jeweiligen Smartphone. Eine Bedienung von unterwegs oder über die gängigen Sprachassistenten ist hierdurch ebenfalls nicht möglich. Hierzu gibt es aber eine offizielle Lösung, die auf den Namen SOMA Connect hört. Eine Box, die über die App mit eurem WiFi-Netzwerk verbunden wird und selbst via Bluetooth mit den installierten Boxen kommuniziert. Clever gelöst: Die Connect-Box kommt ohne einen notwendigen Account daher. Stattdessen müsst ihr euer Smartphone kurz an die Box halten, woraufhin sich diese in euer WLAN einbinden lässt. Die Kommunikation mit den Servern erfolgt über eine ID-Nummer, die auch für die Verbindung mit Amazon Alexa und Google Assistant genutzt werden muss. Ebenso könnt ihr SOMA Connect mit Apple HomeKit verknüpfen.

Im Falle von Alexa und dem Google Assistant gibt es jedoch keine „echte“ Smart Home-Unterstützung, sodass ihr beim Sprachbefehl immer „Alexa, sage SOMA, dass…“ beziehungsweise „frage SOMA Connect“ ergänzen müsst. Bei HomeKit entfällt diese Einschränkung natürlich. Was ich ebenfalls nicht hinbekommen habe, ist eine Bedienung der Rollos von unterwegs, auch nicht mit der Connect-Box. Über HomeKit und der Alexa-App funktionierte dies zwar, dennoch schade. Darüber hinaus fehlen weitergehende Integrationen und Anbindungen, denn zum Beispiel der Automatisierungsdienst IFTTT würde einen echten Mehrwert bringen um die smarten Rollos auch ins restliche Smart Home-System integrieren zu können. Kleiner Hoffnungsschimmer: Es ist zumindest eine HTTP API geplant, wann diese startet, steht aber noch in den Sternen.

Fazit & tl;dr

Sollte man nun bei den SOMA Smart Shades zugreifen? Ehrlich gesagt: Nein. Ja, die Box ist recht universell einsetzbar und könnte in der Theorie eine spaßige Angelegenheit darstellen. Das System funktionierte in meinem Test auch zuverlässig und ohne Aussetzer oder fehlgeschlagener Verbindungsversuche, bis hierhin hat man nicht viel verkehrt gemacht. In der Gesamtbetrachtung aber gibt es zu viele Schwachstellen und Kompromisse bei der Hardware: Das fängt bei der wenig flexiblen Montage der Box an, geht über den sehr trägen und dafür sehr lauten Motor weiter und endet damit, dass ohne die funktionierende Box und App kein manuelles Bedienen des Rollos mehr möglich ist. Technische Probleme können immer mal auftreten, sodass es für mich immer einen händischen Fallback geben müsste. Darüber hinaus ist die App für iOS und Android funktionell eher als eingeschränkt zu bezeichnen, mehr als stumpfe Zeitschaltuhren gibt es nicht.

Positiv festzuhalten wäre zwar, dass das System gänzlich ohne notwendige Nutzeraccounts zurechtkommt, wirklich rausreißen tut es das aber nicht. Die ersten Versuche sind noch spaßig, im weiteren Verlaufe erkennt man aber recht schnell, dass die SOMA Smart Shades noch ziemlich am Anfang stehen. Auch wenn ich eine Z-Wave- oder Zigbee-Version bevorzugen würde, könnte ich mit der Bluetooth-Variante leben, sofern die HTTP API halbwegs ordentlich umgesetzt wird. Aber auch in diesem Falle gilt das obige. Zum jetzigen Stand sind es in meinen Augen zu viele Kompromisse, vor allem mit Blick auf den angeschlagenen Preis: Für ein Smart Shade werden 149 US-Dollar (etwa 130 Euro) aufgerufen, für die Connect Box kommen nochmals 99 US-Dollar (knapp 90 Euro) oben drauf. Viel Geld für eine eigentlich tolle Idee, die aber leider nicht an allen Ecken zu Ende gedacht und nur halbgar umgesetzt wurde…

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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