Vor kurzem habe ich einmal meine ersten Eindrücke zum neuen Apple TV der vierten Generation nieder­ge­schrieben, nun gibt es mit dem Steel­Series Nimbus auch einen passenden Controller für die Apple’sche Multi­funk­ti­onsbox. Denn wir erinnern uns: Apple vermarktet den neusten Apple TV nicht nur als Media-Box, sondern auch als Ersatz für Konsolen. Kann funktio­nieren, immerhin gibt es bereits zahlreiche erfolg­reiche iOS-Titel, die durchaus auch ohne größere Anpas­sungen auf dem großen Fernseher bespielt werden können. Nicht unbedingt Casual Games wie Angry Birds, Candy Crush und Co., sondern eher Spiele wie Oceanhorn, Asphalt 8, GTA und vergleichbare Titel. 

Aller­dings ist das Zocken mit der Siri Remote nur bedingt spaßig, zu vielen Titeln gehört einfach ein anstän­diger Controller. Dank des MFI-Standards (Made for iOS) unter­stützt der Apple TV zwar sämtliche Controller mit eben diesem Standard, der Steel­Series Nimbus ist aller­dings speziell für den Apple TV entwi­ckelt worden – auch wenn er im Umkehr­schluss mit jedem iDevice kompa­tibel ist. Ich konnte mir den Nimbus in den letzten Wochen einmal etwas genauer anschauen und ein paar Runden zocken – meine Eindrücke findet ihr nun an dieser Stelle. 

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Der erste Eindruck

Optisch wirkt der Steel­Series Nimbus etwas wie eine Mischung aus den beiden Gamepads der Xbox One und der PlayStation 4, im Grunde sich der Controller auch ähnlich gut in der Hand, zumindest wenn man nicht unbedingt sehr kurze Finger hat. Rund 247 Gramm bringt der Nimbus auf die Waage, was ebenfalls zwischen den beiden genannten Controllern liegt und somit auch bei längeren Spiele­ses­sions nicht unangenehm schwer wird. Als Material kommt ein matt schwarzer, leicht angerauter Kunst­stoff zum Einsatz. Die Verar­beitung Controllers ist sehr gut, Spaltmaße sucht man vergeblich, es knarzt und klappert nichts – alles andere als billig. 

Beim Thema Button-Bestü­ckung entspricht der Nimbus ebenso bis auf eine Ausnahme dem gängigen Standard: So gibt es ein digitales Steuer­kreuz, zwei parallel angebrachte und für den besseren Grip leicht gummierte Analog-Sticks, vier Aktions­tasten mit der Beschriftung A, B, C und D, sowie einen zentral positio­nierten Menübutton (gleiche Funktion wie die Menütaste auf der Siri Remote). Im Gegensatz zu vielen anderen Gamepads besitzt der Nimbus aller­dings nur zwei große Schul­ter­tasten auf dem Rücken, die aber ohne Probleme mit dem Zeige- oder Mittel­finger zu erreichen und zu betätigen sind. 

Ebenfalls auf der Vorder­seite befindet sich eine Anzeige mit vier LEDs, die nicht nur die verblei­bende Akkuka­pa­zität anzeigen, sondern auch die Zuordnung der Spieler bei mehreren verbun­denen Controllern. An der Seite finden wir dann noch einen Power­button, eine Bluetooth-Taste und einen Lightning-Port, über den der Controller aufge­laden werden kann. Notiz am Rande: Ein Lightning-Kabel gehört nicht zum Liefer­umfang, alle AppleTV-Besitzer dürften aber eh das Kabel der Siri Remote besitzen, daher ist das Fehlen meiner Meinung nach nicht allzu schmerzhaft. 

Die Druck­punkte der Buttons ist eigentlich durch die Bank sehr gut, die Analog-Sticks lassen sich in alle Richtungen bewegen und können sogar auf Druck reagieren. Lediglich das digitale Steuer­kreuz ist etwas schwammig, die Buttons lassen sich leicht in alle Richtungen verschieben – aller­dings hätte man dieses auch fast entfernen können, denn sämtliche Spiele lassen sich auch mit dem Analog-Stick bedienen und das sogar noch wesentlich feinfüh­liger. Ein weiterer kleiner Schnitzer: Der Power­button trägt die Beschriftung „HOLD“, „On/Off“ hätte hier sicherlich besser gepasst, aber das wäre Jammern auf hohem Niveau.

Welche Spiele werden unter­stützt?

Unter­stützte Spiele gibt es eine ganze Menge, auf dem iPhone und iPad natürlich nochmals wesentlich mehr, als für den Apple TV. Leider hat Apple seinem App Store keine Möglichkeit spendiert, nach Spielen mit einer Controller-Unter­stützung zu filtern, was die Suche ein wenig aufwen­diger macht. Auf dem iDevice lässt sich dieser Umstand zum Beispiel über die Nimbus-Com­pa­g­non-App oder der App Game Controller Apps ein wenig besei­tigen, sucht man aller­dings Spiele für den Apple TV, so bringen auch diese Apps herzlich wenig. In dem Falle seid ihr gezwungen, die Spiele-Kategorie im App Store auf dem Apple TV Spiel für Spiel durch­zu­schauen, zum Glück zeigt Apple im Info-Screen ja eine Gamepad-Unter­stützung an. 

Ein paar Spiele, die ihr euch durchaus einmal anschauen solltet – einige davon kennen iOS-Spieler sicherlich bereits (oder sollten sie kennen ): Oceanhorn, Badland, Alto’s Adventure, Shadow­matic, Asphalt 8, Transistor, Lumino City, Galaxy on Fire: Manticore Rising, Rayman Adven­tures und Does not Commute. 

Game Controller Apps
Entwickler: Emoji Apps GmbH
Preis: Kostenlos+

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Verbindung und erster Einsatz

Verbunden wird der Nimbus mit dem Apple TV via Bluetooth, was eine Sache von wenigen Sekunden ist. Das Gamepad einschalten, die entspre­chenden Einstel­lungen auf dem Apple TV öffnen, den Controller verbinden, fertig. Könnte nicht einfacher sein – übrigens funktio­niert der Controller auch unter Mac OS X und den restlichen iDevices, wobei letztere die Instal­lation der Nimbus-App erfordern, über die auch Firmware-Updates auf den Controller gespielt werden. Was ihr übrigens direkt nach der Verbindung mit dem Apple TV bemerken werdet: ihr könnt den Nimbus auch als Ersatz für die Siri Remote nutzen, lediglich das Touch­panel und die Siri-Taste fehlt natürlich. 

Unter­stützte Spiele erkennen automa­tisch, ob ihr einen unter­stützten MFI-Controller nutzt und stellen die Steuerung automa­tisch auf den Controller um. Und das funktio­niert ohne Probleme oder spürbare Latenzen, trotz Bluetooth-Verbindung reagieren sämtliche Eingaben ohne Verzö­gerung. Natürlich profi­tieren nicht alle für den Apple TV erhält­lichen Spielen von dem Gamepad, Games wie Alto’s Adventure oder Jetpack Joyride lassen sich ohne Verlust des Mehrwerts auch mit der Siri Remote bespielen. 

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Anders sieht es jedoch bei „klassi­scheren“ Spielen aus: Asphalt 8 oder Does not Commute lassen sich wesentlich besser steuern, Oceanhorn, Transistor und Galaxy on Fire: Manticore Rising werden mit dem Gamepad sogar zu „richtigen“ Games mit Konsolen-Niveau. Eine kleine Beson­derheit bringt diesbe­züglich Rayman Adven­tures mit: Ohne Gamepad ein Jump’n’Run mit starken Anleihen eines Endless Runner, verwandelt sich das Spiel nach Verbinden des Gamepads in ein wasch­echtes Jump’n’Run und ist ein positives Beispiel dafür, wie Entwickler mit einer kurzen Anpassung des Gameplay sowohl Spieler mit Siri Remote, als auch mit einem Gamepad glücklich machen können. Bitte mehr davon. 

Ein paar Worte zur Akkulaufzeit: Laut dem Hersteller Steel­Series soll der Controller etwa 40 Stunden Spielspaß liefern und gibt damit eine Angabe raus, die durchaus realis­ti­scher ist, als die Akkulauf­zeit­angabe vieler Smart­phone-Hersteller. In meinem Test musste der Controller nach kumula­tiven 34 Stunden wieder an das Lightning-Kabel – einschließlich des Hinter­grunds, dass Akkus immer erst einige Ladezyklen benötigen und einschließlich Rechen­fehler meiner­seits durchaus ein Wert, den man erreichen kann. 

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Fazit

Bei dem Steel­Series Nimbus handelt es sich alles andere um ein billiges Zubehör für den Apple TV, statt­dessen hat man das Gefühl, einen wirklichen Premium-Controller in der Hand zu haben. Sehr gut verar­beitet, gute Druck­punkte der Tasten, eine gelungene Form und ein angenehmes Gewicht, welches weder zu leicht, noch auf Dauer zu schwer wird. Eigentlich in erster Linie als Gamepad für den Apple TV konzi­piert, lässt sich der Nimbus natürlich auch mit dem iPhone und iPad verbinden, das Spielen macht hier aufgrund einer fehlenden Halterung aber nur bedingt Spaß. 

steelseries-nimbus-gamepad-51Aber in Kombi­nation mit dem Apple TV und ein paar der genannten Spiele ist der Nimbus wirklich eine Wucht – oder besser gesagt: Die bisher in den App Store entlas­senen Games machen schon ordentlich Laune und ich behaupte mal, in Zukunft werden wir noch so einige Titel sehen, die sich mit Gamepad wie echte Konso­len­titel zocken lassen. Die iOS-Portie­rungen von GTA zum Beispiel wären ja wie gemacht, könnte man sicherlich als „Back to the roots“ sehen, von der Konsole auf’s Smart­phone und zurück auf eine „Konsole“. Über meine Meinung zum Apple TV als Spiele­konsole habe ich mich in diesem Artikel ja schonmal ausge­lassen, soll hier auch gar nicht das Thema sein. 

Mit einem Preis von etwa 60 Euro ist der Steel­Series Nimbus zwar wahrlich kein Schnäppchen, das man mal eben so beim Einkauf mitnehmen würde. Schaut man sich dann noch einmal die Einzel­preise der Controller für die Xbox One (etwa 50 Euro) oder der PS4 (etwa 55 Euro) an, so fällt der Apple-/MFI-Lizenzzuschlag sogar überra­schend gering aus. Für jene, die den Apple TV als reine Media-Box nutzen sicherlich kein Mehrwert, wer aber hin und wieder mal Bock auf eine gepflegte Runde Gaming hat, der ist mit dem Nimbus von Steel­Series mehr als gut bedient und kann beden­kenlos zuschlagen. 

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