Synology DS216+II: Arbeitsspeicher tauschen und aufrüsten

Marcel Am 01.11.2018 veröffentlicht Lesezeit etwa 4:24 Minuten

So ein NAS ist eine tolle Sache, vor allem wenn dieses nicht nur als reiner Datenspeicher herhalten kann, sondern auch noch erweiterbar ist. Synology zum Beispiel bietet eine ganze Reihe an Paketen an, mit dem eine DiskStation der zentrale Punkt im digitalen Leben werden kann. Verwaltung für Medien aller Art, Kamera-Überwachung, Server für CardDAV und CalDAV, privater Cloud-Ersatz, Office-Pakete, Apache-Server, Unterstützung für Docker-Container und einiges mehr. Neben den offiziellen Paketen gibt es auch noch weitere Anwendungen von fleißigen Drittentwicklern, wie beispielsweise Homebridge oder Resilio Sync, die auf meinem NAS zum Einsatz kommen. Das ganze ist nett, leider stößt die DS216+II dann manches mal an ihre Grenzen was den Arbeitsspeicher betrifft.

Die verbauten 1 GB RAM reichen zwar für die Nutzung als Datenablage und den ein oder anderen Dienst aus – wer aber mehr nutzt, der reizt die 1 GB Arbeitsspeicher schnell aus. Was also tun? Das auslagern in virtuelle SWAP-Dateien ist zwar möglich, aber nicht sonderlich effektiv. Wechsel auf ein anderes NAS? Möglich, aber mit Ausnahme des RAM reicht die gebotene Leistung ja eigentlich aus. Also wieso nicht das machen, was man auch früher bei einem Rechner oder Notebook gemacht hätte: Man tauscht den Arbeitsspeicher aus. Und da Synology seine DS216+II nicht verplombt und verklebt, sondern ganz klassisch verschraubt hat und noch dazu auf einen üblichen RAM-Riegel setzt, ist dies sogar in wenigen Minuten erledigt.

Das ganze ist kein Hexenwerk, trotzdem eine Info: Durch das Öffnen und den Austausch des Arbeitsspeichers verliert ihr natürlich sämtliche Gewährleistung und Garantie des Herstellers. Auch übernehme ich keine Haftung bei Datenverlust oder Schäden. Der RAM-Wechsel erfolgt auf eigene Gefahr.

Welcher Arbeitsspeicher darf es sein?

Die DS216+II besitzt einen Intel Celeron-Prozessor und kommt somit mit einem Arbeitsspeicher von bis zu 8 GB zurecht. Genutzt werden kann ein klassischer DDR3L-SO-DIMM-Riegel mit 204 Pin, 1.600 MT/s und 1,35 Volt. Wer die Google-Suche bemüht, der findet spezielle „Synology RAM-Upgrades“. Tipp: Lasst es sein. Es ist klassischer Arbeitsspeicher, der nur fast doppelt so teuer wie üblich verkauft wird. Ich habe in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit Crucial gemacht, passende Riegel gibt es mit 2, 4 und 8 GB. Aktueller Straßenpreis: 15 Euro, 20 Euro und 35 Euro. Je nach Nutzung der DiskStation können 4 GB ausreichen, aufgrund des sowieso recht geringen Preises würde ich aber immer zu vollen 8 GB greifen.

Werkzeug parat und sowas wie Vorbereitungen

Für den Austausch des RAM benötigt ihr lediglich einen mittelgroßen Kreuzschlitz-Schraubendreher. Kleines Off-Topic: Wer häufiger mal ein (Fein-)Elektronik herausschraubt, dem kann ich das Schraubendreher-Set von Xiaomi Mijia Wiha empfehlen. Außerdem wären zwei Flachschlitzschraubendreher oder ähnliches ratsam, um das Gehäuse später sanft aufhebeln zu können. Ich bevorzuge hierzu eher Kunststoff-Hebelwerkzeug, wie es z.B. zur Entfernung der Innenverkleidung bei Autos zum Einsatz kommt. Ein oder zwei flache Schraubenzieher sind aber auch völlig ausreichend. Habt ihr das Werkzeug parat, müsst ihr eure DiskStation natürlich erst einmal herunterfahren, alle Stecker entfernen und auf eure halbwegs gut ausgeleuchtete Arbeitsfläche bringen. Aber ist ja logisch.

Dann mal ran an die DiskStation

So, dann mal ran an den Speck. Zunächst entfernt ihr die vordere Kunststoffabdeckung an der DiskStation und entfernt die Festplatten. Tipp: Merkt euch hierbei, welche Festplatte in welchen Slot kommt, dies beugt eventuellen Problemen je nach genutztem RAID-System vor:

Nun die vier Schrauben des Lüfters auf der Rückseite der DiskStation entfernen und das Lüftergitter abnehmen:

Jetzt folgt der wohl kniffeligste Schritt, denn das Gehäuse ist mittels zweier Haltenasen am Festplattenkäfig  fixiert. Der Trick: Setzt eure Schraubenzieher oder das Hebelwerkzeug neben die beiden Haltenasen zwischen Kunststoff und der Metallleiste an und drückt das Gehäuse sanft und vorsichtig nach außen:

Gleichzeitig müsst ihr den Gehäusedeckel nach hinten schieben, sodass die Haltenasen von der Metallleiste gelöst werden. Klappt mit vier Händen unter Umständen etwas einfacher, mit etwas Geschick bekommt man es aber auch ohne große Probleme alleine hin. Nutzt ihr besagtes Hebelwerkzeug, kann ein Werkzeug ausreichend sein, was die Handhabung vereinfacht. Aber: Alles kein Hexenwerk.

Habt ihr den Gehäusedeckel gelöst und weiter nach hinten geschoben, könnt ihr diesen nun gerade nach oben abheben:

Nun müssen wir den Lüfter entfernen, der im Inneren mit einer Halterung fixiert wird. Dazu schraubt ihr einfach die kleinere Schraube los und nehmt die schwarze Halterung ab:

Der Stecker des Lüfters wird einfach nur vorsichtig nach oben abgehoben und schon könnt ihr den Lüfter komplett entfernen. Tipp: Im Vergleich zu den beiden Festplatten ist der Standardlüfter nicht sonderlich hörbar. Aber wer mag, der kann natürlich auch noch den Lüfter tauschen, zum Beispiel gegen diesen Noctua.

Nun muss nur noch der Festplattenkäfig entfernt werden, wozu das Lösen von fünf Schrauben notwendig ist. Schraube #1 sitzt im Verbindungsblech zwischen Festplattenkäfig und der Gehäuserückseite:

Die anderen vier Schrauben finden sich oben und unten am Festplattenkäfig. Achtung: Ihr habt auf beiden Seiten jeweils vier Schrauben. Entfernt werden müssen jeweils die Schrauben mit den runden Köpfen – nicht die mit den flachen Köpfen:

Nun könnt ihr den Festplattenkäfig mitsamt des Mainboards herausheben:

Der Arbeitsspeicher wird lediglich mittels zwei kleiner Metallclips fixiert. Diese müsst ihr sanft nach außen drücken, woraufhin der Arbeitsspeicher nach oben springt und easy entnommen werden kann:

Auch das Einlegen des neuen Speicherriegel ist unproblematisch. Dazu müsst ihr in lediglich ein wenig angewinkelt in die Halterung legen und nach unten drücken – ein Klick sagt euch, dass der Versuch erfolgreich war. Solltet ihr das Gefühl haben, einen Widerstand zu spüren, besser nochmal herausnehmen und neu positionieren, eventuell habt ihr einen falschen Winkel getroffen.

Tja, und jetzt müsst ihr eure DiskStation nur noch in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammenbauen. Das Einsetzen des Mainbaords mitsamt des Festplattenkäfigs kann nochmal ein wenig tricky werden, hier hilft es, erst die eigentliche Vorderseite ins Gehäuse zu setzen und dann die Rückseite leicht nach außen zu drücken, bis alles wieder an seinem Platz sitzt. Der Zusammenbau ist aber eigentlich selbsterklärend, wenn man sie zuvor selbst auseinandergenommen hat. Dann nur noch neu verkabeln und einschalten – fertig. Das System erkennt den neuen Riegel automatisch, ihr müsst also keine Einstellungen ändern oder ähnliches. Und dann heißt es: Viel Spaß mit eurem flotteren NAS.

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