Teufel Holist S Test: Smarter Lautsprecher mit Alexa-Integration angehört

Marcel Am 03.04.2021 veröffentlicht Lesezeit etwa 7:55 Minuten

Auf der IFA 2018 hat der Berliner Lautsprecherhersteller Teufel hinter verschlossenen Türen erstmals Prototypen seiner Smart Speaker mit Alexa-Integration gezeigt; ein Jahr später an gleicher Stelle präsentierte man diese offiziell in Form des Holist M und seines kleineren Bruders, den Holist S. Bis zur seitens Teufel zufriedenstellenden Marktreife dauerte es jedoch nochmals rund zwölf Monate, denn erst im August kündigte man dann wirklich den Verkaufsstart der beiden Lautsprecher an. Preislich befindet man sich bei den beiden Holist-Modellen natürlich im Premium-Segment: mit rund 250 beziehungsweise 500 Euro stechen beide Versionen im Bereich der Smart Speaker, der insbesondere von den eher günstigeren Echo-Geräten aus dem Hause Amazon dominiert wird. Mit den Echo-Lautsprechern haben die Holist-Modelle die Alexa-Basis gemein, in Sachen Sound verspricht man beim Holist S jedoch den „besten Klang in dieser Klasse“. Ich konnte mir das kleine Modell in den letzten Wochen genauer anschauen (oder besser anhören) – meine Eindrücke dazu findet ihr in den nun folgenden Zeilen.

Ausgepackt und angefasst

Optisch macht der Holist S eine gute Figur. Zumindest dann, wenn man die für Teufel typische, kantigere Designsprache zu schätzen weiß. Beim ersten Auspacken war ich dann aber doch einen Moment überrascht, denn auch wenn man sich vorher die Abmessungen in Zahlenform anschaut, wirken sie in der Hand dann noch etwas voluminöser. Genauer gesagt misst das der sechseckige Körper etwa 14,3 cm in der Breite und verteilt die 1,6 kg auf eine Höhe von 22,5 cm. Zum Vergleich: Der Apple HomePod bringt es auf einen Durchmesser von 14,2 cm und eine Höhe von 17,2 cm – und wirkt dabei optisch trotz geringerer Höhe und ähnlichem Durchmesser ein gutes Stück massiver. Der aktuelle Echo Plus fällt mit 14,8 x 9,9 Zentimetern deutlich kompakter aus; allerdings wäre der Echo-Herausforderer des Holist S eher im Echo Studio zu suchen, der wiederum mit 20,6 x 17,5 Zentimeter den „dicksten Fisch im Becken“ darstellt.

Wie für smarte Lautsprecher typisch befinden sich die Bedienelemente zur Steuerung auf der Oberseite des Gerätes – genauer gesagt berührungssensitive Tasten für die Anpassung der Lautstärke, zur Steuerung der Musikwiedergabe, Aktivierung des Line-In- und Bluetooth-Modus und zur Deaktivierung des Mikrofons. Das prominent platzierte „Teufel-T“ wiederum aktiviert die Alexa-Funktion. Alles Dinge, die man natürlich auch per Sprache steuern kann – wenn das aber mal nicht möglich ist, sind Tasten immer eine gute Idee. Was schade ist: Die Tasten sind nicht beleuchtet, auch nicht nach Berührung der Oberfläche. Einzige Hilfe im Dunklen wäre die passive Beleuchtung beim Aufleuchten des Alexa-typischen umlaufenden Ringes. Lediglich die Symbole für Mikrofon, AUX und Bluetooth werden bei Aktivierung farblich beleuchtet hervorgehoben. Das geht noch vorteilhafter.

Der größte Teil des Lautsprechers ist mit einem – je nach Farbvariante – schwarzem oder grauen Akkustikstoff bezogen, der Sockel wiederum hebt sich durch einen optischen Bruch ein wenig vom oberen Gehäuse ab. Dieser ist, wie der ganze Lautsprecher, aus mattem Kunststoff gefertigt, der sich an den Fingerspitzen leider nicht so hochwertig anfühlt wie sonst von Teufel gewohnt. Kann ich gar nicht an einem bestimmten Punkt festmachen, irgendwie wirkt der untere Sockel aber wie ein hohles Kunststoffgehäuse, dass so gar nicht zum ansonsten hochwertig verarbeiteten Gehäuse passen möchte. Aber vielleicht auch einfach Jammern auf hohem Niveau. Auf der Unterseite ist, ebenfalls in Form eines Hexagons, eine rote „Gummisohle“ eingearbeitet, die dem Lautsprecher auch bei etwas bassbetonter Musik einen rutschfesten und minimal entkoppelten Stand ermöglicht.

Zu guter Letzt finden sich in der Rückseite des Sockels die Anschlüsse für die Stromversorgung und einen 3,5mm-Klinkenstecker – sowie ein Resetbutton zum Zurücksetzen des Gerätes. Für mich leider unverständlich: Wieso man auf einen mehr oder weniger proprietären Rundhohlstecker setzt. Mag natürlich der irgendwann um oder in 2018 begonnenen Entwicklung oder einem anderen besonderen Hintergrund geschuldet sein, vielleicht wollte man aber auch ein paar Euro einsparen. Dennoch erwarte ich aus meiner Konsumentensicht im Jahr 2020 einen USB-C-Anschluss, zumindest stellt ein solcher inzwischen immer häufiger einen Pluspunkt bei Kaufentscheidungen meinerseits dar. Universeller, flexibler, moderner.

Einrichtung und Alexa

Im Gegensatz zu den Amazon-eigenen Echo-Geräten erfolgt die primäre Einrichtung des Lautsprechers nicht über die Alexa-App, sondern erfordert mit der Teufel Holist-App eine zusätzliche App. Diese steht natürlich kostenlos für iOS und Android zur Verfügung. Schade, die Gründe hierfür dürften aber bei Amazon zu suchen sein, denn auch bei anderen WiFi-Lautsprechern (mit und ohne Alexa an Bord) aus dem Hause Bose, Yamaha, Sonos und Co. ist die Sachlage nicht anders. Also App aufs Smartphone und ab dafür. Glücklicherweise verzichtet man bei der Einrichtung auf eine Registrierung. Ja, eine solche würde in diesem Punkt nicht wirklich Sinn ergeben – was aber nicht jeden Hersteller von einer Registrierungspflicht abhält. Die weiteren Schritte laufen völlig unproblematisch und binnen weniger Minuten durch, da gibt es soweit keine zu kritisierenden Punkte.

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Die App dient neben der Einrichtung auch zur rudimentären Musiksteuerung des Lautsprechers. Zur Auswahl stehen neben lokal gespeicherter Musik auch die Streaming-Dienste TuneIn. Spotify, Tidal und Napster bereit. Wer auf Apple Music setzt, der schaut allerdings in die Röhre und muss aufs good ol‘ Bluetooth zurückgreifen. In der Alexa-App ist zwar eine Verknüpfung mit Apple Music möglich, bei einem Zuruf per Sprachbefehl gibt es jedoch nur ein „Apple Music wird auf dem Gerät nicht unterstützt“. Und da sich AirPlay ebenso als abwesend erweist, bleibt nur noch Bluetooth. Schade Schokolade. Allgemein muss ich sagen, dass man auf die weiteren Funktionen in der App hätte verzichten können: Zum Einen ist sie optisch eher als rudimentär zu bezeichnen, zum Anderen kann die Musiksteuerung auch über die Alexa-App erfolgen – oder eben per Sprachbefehl.

Ist der Holist dann einmal mit eurem Alexa-Konto verbunden, taucht dieser wie erwähnt auch in der Alexa-App auf. Grundsätzlich sind alle Kernfunktionen von Alexa verfügbar, ihr könnt also einfache Fragen stellen, Musik wiedergeben lassen und steuern, Routinen erstellen und die üblichen Skills mit dem Holist nutzen. Was leider nicht möglich ist, ist beispielsweise das Gruppieren von Holist-Lautsprechern. Zwar könnt ihr die Musik auf dem Holist durch Sprachbefehle von anderen Alexa-Speakern steuern, aber eben nicht gruppieren. Multi-Room mit Holist-Geräten ist also nicht möglich, was Teufel aber auch klar kommuniziert. Hier bleibt auf ein Software-Update zu hoffen, denn rein technisch ist das Gruppieren von Drittanbieter-Lautsprechern inzwischen möglich. Mit der fehlenden Multiroom-Unterstützung gibt man natürlich einen dicken Punkt ab, leider.

Smart meets Sound?

In Sachen Sound hat Teufel dem Holist S einen Aluminium-Breitbandlautsprecher mit 25 mm spendiert, welcher von einem 89mm großen Tieftöner mit speziell beschichteten Papiermembran unterstützt und von drei Passivmembranen flankiert wird. Den Frequenzbereich gibt Teufel mit 50 – 20.000 Hz an, die Leistung liegt bei 25 Watt und der maximale Schalldruck liegt bei 92 dB/1m. Für ausreichend Lautstärke ist also gesorgt, soviel sei schonmal vorab verraten. In der Vergangenheit hat es Teufel sehr oft geschafft, viel Sound aus kleinen Geräten herauszudrücken – entsprechend groß waren natürlich auch die Erwartungen an den Holist S. In diesem Punkt hat der Holist S auch nicht wirklich enttäuscht und eine Performance abgeliefert, mit der sich sicherlich viele Ohren zufriedenstellen lassen.

Der kleine Holist kann insbesondere von der eigens von Teufel entwickelten Dynamore-Technologie profitieren. Hierbei wird der Klang entlang der Kegel in alle Richtungen geleitet, was für ein voluminöses, räumliches Klangbild sorgt. Der Lautsprecher liefert quer durch verschiedene Genre hinweg einen sauberen Sound ab, die Abstimmung bleibt aber dem Teufel-Logo treu: Die Höhen werden nicht zu spitz wiedergegeben, die Mitten allerdings rücken zugunsten der Tiefen ein wenig in den Hintergrund. Je nach gespielter Musik wird dies mal mehr, mal weniger offensichtlich – allerdings ist der für die genutzte Technik satte Bass nie zu aufdringlich. Die Handschrift der Entwickler der Soundcity Berlin muss man mögen, allerdings tut sie dem Hörspaß keinen Abbruch. Auch Hörbücher, Podcasts und andere sprachlästige Audioinhalte kann man bedenkenlos auf dem Holist S wiedergeben.

Der Holist S hat aber ein Problem: den ebenfalls im Raum befindlichen HomePod. Den Echo Plus der 2. Generation kann der Holist S in Sachen Sound überbieten, beim HomePod zieht er aber in meinen Augen den Kürzeren. Im direkten Vergleich ist der Klang des Holist S noch einen Tick klarer und differenzierter, während der HomePod eine noch stärkere Abstimmung in Richtung der Tiefen besitzt. Dies wäre noch Geschmacksache, allerdings füllt der HomePod den Raum klanglich mit mehr Volumen aus – und das sogar überraschend deutlich. Preislich trennen beide Lautsprecher aber in der UVP rund 100 Euro (sieht man mal von Preissenkungen zur Reduzierung der Lagerbestände ab), da darf man einen Unterschied schon beweisen. Preislich spielt der Holist S eher in einer Liga mit dem Echo Studio, hier kann ich allerdings keinen Vergleich ziehen.

Fazit und tl;dr

Das Gesamtbild des kleinen Holist S ist insgesamt betrachtet sehr rund geworden: Ein stimmiges und (Achtung: subjektiv) sehr gefälliges Gehäuse in Form eines auffälligen Hexagon. Die Verarbeitung gibt eigentlich keine großen Kritikpunkte und ist Teufel-typisch sehr gut, lediglich der Sockel hätte ein wenig mehr bei der Gewichtsverteilung berücksichtigt werden können. Was mir fehlen würde wäre eine Beleuchtung aller Tasten und USB-C, wenngleich letzteres zum jetzigen Zeitpunkt ein noch eher nerdiger Wunsch ist. Die Einrichtung ist absolut unproblematisch, bei Sprachbefehlen reagieren die beiden Mikrofone zügig und zuverlässig (sofern ihr nicht die Musik zu sehr aufdreht) und auch klanglich liefert der Lautsprecher eine ordentliche Performance ab. Insofern kein schlechter Einstieg in die Welt der Smart Speaker der Berliner. Nur hat Teufel leider zwei Probleme.

Problem #1 ist die Tatsache, dass zwar viele Alexa-Funktionen gegeben sind, aber eben nicht alle. Beispielsweise wird Apple Music zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht auf dem Holist unterstützt und auch wenn es exotisch klingt, schätze ich die Kombination Apple Music und Alexa als Assistentin nicht gerade als Sonderfall ein. Abseits dessen fehlt mit der Multi-Room-Unterstützung (also der Gruppierung mit anderen Alexa-Lautsprechern) eines der Alexa-Kernfeatures in Sachen Audio.

Problem #2 ist die Tatsache, dass man Geld verdienen muss. Dem HomePod muss sich der Holist S in Sachen Klang geschlagen geben, während er im Vergleich zum Echo-Lautsprecher der vierten Generation besser klingt. Aber der Echo liegt mit seinen 100 Euro UVP deutlich unter den 250 Euro des Holist S, der wiederum nicht mehr als „doppelt so viel“ Klang bietet. Wirtschaftlich hinkt der Vergleich zwar, da Amazon mit seinen Geräten nur die Kosten reinholt (wenn man nicht sogar Geld drauflegt) um den Echos und Alexa zu einer größeren Marktdurchdringung zu verhelfen – würde man noch realistische Margen aufschlagen, würden die Preislabel deutlich höher ausfallen. Den Konsumenten ist es aber (oftmals mit einem kleinen „leider“) egal, ob und wie die Firma ihr Geld verdient.

Daher fällt mein Fazit zum Teufel Holist S recht zwiegespalten aus. Ja, Teufel hat hier einen sehr runden Lautsprecher mit Alexa auf den Markt gebracht, der viel bietet. Wer nicht unbedingt auf Multiroom und Apple Music angewiesen ist, der bekommt einen sehr starken Lautsprecher in seiner Preisklasse geboten, der außerdem mit einem markanten, aber eher klassischeren Design daherkommt. Irgendwie mag ich den Holist S, muss aber ehrlich sagen, dass ich die Positionierung als sehr schwierig ansehe: Im Vergleich mit dem Echo würde ich den Holist S eher zwischen 150 bis maximal 200 Euro sehen. Im Gegensatz zum XXL-Speaker Holist M besitzt der Holist S einfach zu wenig ausgeprägte Alleinstellungsmerkmale mit deutlichem Mehrwert. Durch die aggressive Preispolitik von Amazon beim eigenen Lautsprecher-Reigen ist das Preisempfinden sehr nachhaltig getroffen worden…

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