Tile Mate im Test: flacher Bluetooth-Tracker mit fest verbauter Batterie

Marcel Am 23.12.2017 veröffentlicht Lesezeit etwa 7:35 Minuten

Da will man nur mal kurz das Haus verlassen, stellt dann aber fest, dass man seinen Geldbeutel, Schlüssel oder was auch immer beim letzten Mal aus irgendeinem Grund nicht dort untergebracht hat, wo man es sonst immer tut – und schon „darf“ man sich erst einmal auf die Suche begeben. Für Schlüssel gibt es seit Jahrzehnten schon kleine Schlüsselfinder mit Funk, für andere Dinge findet der geneigte Nutzer ebenfalls seit längerer Zeit schon Bluetooth-Tracker, wie zum Beispiel den Nut mini oder der Gigaset keeper. Auch Tile reiht sich mit seinen verschiedenen Varianten in jene kleinen Gadgets ein und dürfte (zumindest soweit mir bekannt) mit zu den ersten Bluetooth-Treckern auf dem Markt gehören. Wird also Zeit, sich zumindest einen Tile-Tracker (genauer gesagt den Tile Mate) und vor allem das dahinterliegende System einmal anzuschauen.

Der Tile Mate

Der Tile Mate kommt relativ kompakt daher, die Seitenlängen betragen etwa 3,4 x 3,4 Zentimeter, das Gewicht fällt mit knapp 6 Gramm nicht weiter ins Gewicht. Lediglich die Höhe fällt mit etwa 4,6 Millimetern etwas zu hoch aus, als dass man ihn auch in die Geldbörse stecken könnte – zumindest dann, wenn man dieses so dünn wie möglich halten möchte oder ein Slim Wallet á la The Ridge nutzt. Die Rückseite ist grau gehalten, die Front Weiß – und mit einem kleinen, silbernen Kreis versehen, der gleichzeitig auch einen Taster darstellt. Für die Geldbörse wäre mir der Tile Mate etwas zu dick – allerdings wird der Tile Mate klar als Bluetooth-Tracker für den Schlüsselbund und anderem Kleinkram positioniert, was auch anhand der etwa 6 mm großen Öffnung für Schlüsselringe und ähnlichem verdeutlicht wird. Unauffälliges Design, Verarbeitung ohne Mängel – hier gibt es nicht viel auszusetzen.

Was auffällt: Der Tile Mate besitzt (wie auch die weiteren Tracker aus dem Tile-Portfolio) keine Möglichkeit, die Batterie austauschen zu können, es handelt sich also um ein Einwegprodukt. Der Hersteller begründet dies damit, dass man auf diese Weise sicherstellen kann, dass ein Tracker ein ganzes Jahr (zumeist etwas mehr) durchhält. Außerdem würden bestehende Bluetooth-Tracker aufgrund der beweglichen Teile öfter Störungen aufweisen und man erhält immer die aktuellsten Versionen. Muss man wohl so stehen lassen und einfach mal glauben. Sollte sich euer Tile nach 12 Monaten langsam verabschieden, könnt ihr am reTiling-Programm teilnehmen. Nach elf Monaten erhaltet ihr eine Benachrichtigung und könnt einen neuen Tile mit einem Rabatt von bis zu 40 Prozent bestellen – der alte Tile sollte dann an einer Recycling-Annahmestelle abgegeben werden, immerhin ist dieser zu 99% recycelbar.

Weitere Tile-Varianten und Zubehör

Neben der „Standard-Ausführung“ in Form des universellen Tile Mate gibt es auch noch eine Hand voll weiterer Tile-Modelle und entsprechendem Zubehör. Die Fläche des Tile Slim fällt mit einer Seitenlänge von 5,4 Zentimetern etwa doppelt so groß aus wie die des Tile Mate, dafür ist der Tracker allerdings mit einer Dicke von 2,4 Millimetern (etwa zwei Kreditkarten) deutlich flacher und damit auch für die Geldbörse oder mittels Klebebands für eine Reihe an weiteren Gadgets geeignet.

Des Weiteren gibt es im Rahmen der „Pro Series“ auch noch den Tile Style und den Tile Sport, die mit Abmessungen von 37,5 x 37,5 x 5,9 beziehungsweise 40 x 40 x 5,9 Millimetern in etwa mit dem Tile Mate vergleichbar sind. Beim Tile Style hat man allerdings den Fokus auf ein schmuckeres Design gelegt, während der Tile Sport etwas robuster ist. Beide Tracker der Pro-Reihe besitzen im Vergleich zum Tile Mate und Slim eine doppelte Lautstärke, eine erhöhte Bluetooth-Reichweite von bis zu 60 Metern und sind Wasser- und staubdicht gemäß Norm IP68.

Außerdem bietet man eine Reihe an Zubehör für die Bluetooth-Tracker an. Unter anderem eine aufbügelbare Tasche für Kleidungsstücke, ein Ratschenband für die Befestigung am Fahrrad, einen Geldclip und einen Gepäckanhänger für den Tile Slim, sowie verschiedene Formen an Klebefolien, mit denen sich die Tile-Tracker an verschiedenen Gerätschaften aufkleben lassen und die sich bei einem Wechsel rückstandslos entfernen lassen. Sicherlich: viel Spielerei dabei, rundet das ganze System rund um die Tile-Tracker allerdings nochmals etwas ab.

Der Tile im Einsatz

Bevor sich der Tile einrichten und nutzen lässt, muss zunächst die offizielle Tile-App für iOS oder Android aufs Smartphone befördert werden. Außerdem wird für die Nutzung zwingend ein Account benötigt, mehr als die Mail-Adresse und Passwort werden hierfür nicht abgefragt. Der Accountzwang wird durch ein paar der unten genannten Funktionen benötigt, ist also nicht „einfach nur so“ vorhanden. Wobei: irgendwie schon. Denn zum einen steht jedem Hersteller die Option offen, Funktion A und B nur optional einzuschalten, zum anderen besteht meiner Meinung nach immer die Möglichkeit, simple Cloud-Dienste durch Erzeugung einer ID beziehungsweise Nutzung der sowieso verfügbaren Geräte-ID zum Laufen zu bekommen. Derartige Optionen sieht man aber nur selten, der Einfachheit setzen die meisten Hersteller auf einen Registrierungszwang.

Tile - Find lost keys & phone
Tile - Find lost keys & phone
Entwickler: Tile, Inc.
Preis: Kostenlos+
Tile
Tile
Entwickler: Tile Inc.
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Habt ihr euren Account dann einmal erstellt könnt ihr auch schon euren ersten Tile hinzufügen, was flott von der Hand geht: Das entsprechende Modell auswählen, den Button des Tile betätigen und diesen neben das Handy legen. Ein paar Sekunden später ist er mit der App verbunden und kann zusätzlich noch einem Gegenstand zugeordnet und mit einem entsprechenden Foto versehen werden. Übrigens wird euer Smartphone ebenfalls als (virtueller) Tile hinzugefügt und hat entsprechend die gleichen Funktionalitäten in der App wie auch der Bluetooth-Tracker selbst.

Die Funktionen des Tracker und der App sind recht übersichtlich gehalten. Zunächst einmal könnt ihr euer Smartphone durch ein doppeltes Betätigen des Hardwaretasters auffinden. Sofern die Tile-App gestartet wurde (sie kann sich auch im Hintergrund befinden) fängt euer Smartphone an zu klingeln, selbst wenn dieses eigentlich auf lautlos gestellt ist. Wesentlich häufiger dürfte man Tile aber dazu nutzen, die dazugehörigen Gegenstände wiederzufinden. Über die App lässt sich ein akustisches Signal auslösen, welches mit rund 90 dB laut genug ist, dass man Schlüssel und Co. flott unter der Couch oder sonst wo wiederfinden kann. Funktioniert aber natürlich nur, wenn sich euer Tracker noch in Bluetooth-Reichweite befindet.

Ist dies aber nicht der Fall, zum Beispiel weil ihr den Gegenstand „wirklich“ verloren habt, hilft euch Tile trotzdem weiter. Denn die App speichert regelmäßig die letzten Standorte, an denen der Tracker noch erreichbar war und zeigt euch somit ungefähr an, wo ihr den Gegenstand verloren habt. Klar stellt sich immer die Frage, ob der Gegenstand noch dort liegt – trotzdem dürfte die Chance auf diesem Wege größer sein, als „ins Blaue hinein“ zu suchen. Und vielleicht ist es ja auch beruhigend zu wissen, dass man die Geldbörse nicht verloren, sondern nur im Büro hat liegen lassen.

Lässt sich ein Gegenstand trotz Suche nicht mehr auffinden, kann er in der App als Verloren gemeldet werden. In diesem Falle liegt alle Hoffnung in der Tile-Community: Der Tracker sendet weiterhin Signale aus. Sollte ein Nutzer mit installierter Tiles-App vorbeikommen, registriert diese den verlorenen Tracker und sendet eine E-Mail mit dem Standort des Funds an den Besitzer. Der Finder hingegen bleibt unwissend, denn sollte er den Gegenstand nicht aktiv finden, bemerkt er vom Fund nichts. Leider dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein anderer Nutzer in euer Dörfchen verirrt, verschwindend gering sein. In Großstädten wie Berlin, Hamburg und Co. mag es minimal anders aussehen – wirklich zuversichtlich wäre ich aber nicht, dafür ist die Verbreitung schlicht zu gering.

Was etwas schade ist: Einen „Notfallalarm“ sucht man vergeblich. Ich hätte es praktisch gefunden, würden Tile und Smartphone Alarm schlagen, sollte die Verbindung abbrechen – wie es beispielsweise bei einem Verlust oder Diebstahl der Fall wäre. Verhindert zwar beides nicht, sorgt aber dafür, dass man schneller und zeitnaher reagieren kann und den Verlust des Schlüssels zum Beispiel nicht erst zuhause bemerkt, sondern schon an der Raststätte. Dazu sollte die Verbindung natürlich ausreichend zuverlässig sein, was sie in meinem Test durch die Bank war und natürlich sollte man eine derartige Option mit entsprechenden Justierungen anbieten. Fehlt mir aber durchaus ein wenig.

Alexa, such meinen Schlüssel

Seit einigen Wochen bietet man auch einen Tile-Skill für Amazon Alexa an. Klingt nach einer Spielerei, weil „man ja irgendwas für Alexa“ anbieten muss, letztlich ist es aber eine ganz nette Sache. Ist der Skill einmal mit eurem Tile-Account verknüpft, könnt ihr einen bestimmten Tile zum Beispiel mit dem Sprachbefehl „Alexa, sage Tile suche meinen Schlüssel“ zum Piepen bringen (oder alternativ auch das Handy), während der Befehl „Alexa, frage Tile wo mein Schlüssel ist“ euch den zuletzt bekannten Standort mitteilt. Dies setzt allerdings voraus, dass euer Smartphone in Reichweite ist und sich die verlegten Tiles wiederum in Bluetooth-Reichweite eben dieses befinden – sonst klappt es nur mit der Standort-Abfrage. Ja, der Skill macht (mit Ausnahme der Handy-Suche) nichts, was man nicht auch mit der App könnte – was aber bei Philip Hue, Steckdosen und Co. ebenso der Fall ist.

Tile
Tile
Entwickler: Tile, Inc.
Preis: Kostenlos

Fazit und tl;dr

Fazit zum Tile? Viel Licht und Schatten, keine eindeutige Meinung. Die Verarbeitung ist, sofern man es bei so einem simplen Kunststoffteil sagen kann, absolut in Ordnung – in diesem Falle kann ich dies zwar nur zum Tile Mate sagen, ich gehe aber mal davon aus, dass die anderen Varianten ebenso solide gefertigt sind. Die Verbindung zwischen Smartphone (getestet mit einem iPhone X und einem Nexus 5X) war zuverlässig, auch diesbezüglich gibt es nichts negativ zu vermerken. Eine „Hey, du hast Gegenstand X vergessen“-Benachrichtigung wäre nett gewesen und vermisse ich etwas – allerdings besser, als eine halbgare Umsetzung á la Gigaset. Und eben jene Gigaset keeper machen das Fazit etwas schwammig. Denn so zuverlässig der Tile Mate auch war, die Aussicht auf einen jährlichen (kostenpflichtigen) Austausch trübt den Spaß ein wenig.

Beim Tile Slim kann ich den Verzicht auf eine Batterie noch verstehen, das Teil ist ja gerade mal so dick wie eine größere Knopfzelle. Beim Mate, Style und Sport ist die Entscheidung aber nur bedingt nachvollziehbar. Ein Jahr Laufzeit klingt verlockend, dennoch ist die Umsetzung aus finanzieller und umwelttechnischer Sicht wohl nur ein kleines Kaufargument – Recycling hin oder her.

Wer nur einen Tracker für Schlüsselbund, Rucksack und Co. sucht, der dürfte eher den Gigaset keeper bevorzugen, der keeper trotz beweglicher Teile keine Probleme machte und Batterien sind schnell gewechselt, auch wenn diese dann nur sechs Monate halten sollten. Wer hingegen einen extrem flachen Tracker für die Geldbörse sucht (Tile Slim) oder Wert auf ein schmuckeres Design (Tile Style) oder höhere Robustheit (Tile Sport) legt, für den spielt Tile seine Stärke aus.

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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