Auch wenn immer mehr mit dem Smart­phone geknipst wird, haben digitale Kompakt­ka­meras und natürlich erst recht System- und DRSL-Kameras noch lange nicht ausge­sorgt. Einziger kleiner nerviger Punkt: Um die Bilder auf dem Rechner zu speichern, muss die Speicher­karte aus der Kamera geholt und in den Rechner gesteckt werden. Danach müssen die Bilder auf die Festplatte kopiert werden und das wird die ganze Prozedur in umgekehrter Reihen­folge durch­ge­führt. Möchte man die Bilder auch auf dem Smart­phone haben, ist das ganze noch etwas umständ­licher. Nun gibt es bereits eine ganze Reihe an Kameras, die eine WiFi-Funktion bieten, sodass sich die Bilder auch über Apps für Desktop, Smart­phone und Tablet kabellos auf die jewei­ligen Geräte trans­fe­rieren lässt. 

Leider haben die Apps der Hersteller – zumindest was Sony betrifft – nett ausge­drückt noch ordentlich „Optimie­rungs­bedarf“, wiederum andere Nutzer haben bei ihrer Kamera-Auswahl eben noch Pech gehabt und eine Kamera ohne WLAN gekauft. Als Alter­native zu den umständ­lichen Apps oder einem Kamera-Neukauf gibt es schon seit einiger Zeit SD-Speicher­karten mit integriertem WiFi-Modul, am bekann­testen, weil zuerst da gewesen, dürften sicherlich die EyeFi-Karten sein, aber auch Toshiba ist mit seinen FlashAir-Speicher­karten seit längerer Zeit im Geschäft. Und eben jene FlashAir W-03 mit 32GB habe ich nun einmal auspro­bieren können. 

toshiba-flashair-w03-test-4

Der erste Betrieb: Plug’n’Play

Die Speicher­karte ist schnell einsatz­bereit: Rein in die Kamera, fertig. Erst einmal funktio­niert diese natürlich wie eine gewohnte Speicher­karte, hier gibt es logischer­weise keine Einschrän­kungen. Sie speichert Bilder wie gewohnt und wer einmal Probleme mit der Verbindung hat, der kann die Bilder natürlich auch über den üblichen Weg über das Karten­le­se­gerät gehen. Ist aber ja irgendwie nicht Sinn der Sache, aber auch wenn man die Bilder kabellos auf seinen Desktop-PC oder sein Smart­phone trans­fe­rieren möchte, so ist dies ohne große Einstel­lungen oder die Instal­lation an Treibern oder Anwen­dungen möglich. 

Sobald ihr die Speicher­karte in die Kamera steckt und diese einschaltet, wird das interne WLAN-Modul der Speicher­karte aktiviert. Nun könnt ihr über die WLAN-Einstel­lungen von macOS, Windows, iOS und Android auf diesen WiFi-Netzwerk zugreifen (Standard-Passwort: 123456780). Nun könnt ihr direkt über den Browser (URL http://flashair oder http://192.168.0.1) auf eure gespei­cherten Bilder zugreifen oder aber ihr nutzt die entspre­chenden Apps, die eigentlich für alle relevanten Platt­formen zur Verfügung stehen (mehr dazu siehe nächstes Kapitel). Besonders praktisch: Die FlashAir-Karte lässt sich auch als WebDAV-Server in den Windows Explorer oder den Mac Finder einbinden – natürlich nur, solange euer Rechner mit dem Netzwerk verbunden ist. 

toshiba-flashair-w03-test-5

Natürlich verbraucht die Speicher­karte während die WiFi-Funktion aktiviert ist selbst deutlich mehr Strom, als es eine handels­üb­liche Speicher­karte macht. In meinem Test mit der Sony NEX-5T und der Sony RX1000 III aber war der Mehrver­brauch nicht zu stark reduziert, ich würde mal behaupten, dass dies kaum weiter auffällt. Dies liegt natürlich auch daran, dass die Speicher­karte die WLAN-Funktion nach einigen Minuten abschaltet, wenn kein Gerät auf die gespei­cherten Bilder zugreift – einschalten lässt sich die Karte dann wieder über ein Aus- und Einschalten der Kamera. 

Tipp

Ihr könnt die Speicher­karte auch in einem manuellen Modus stellen und die WLAN-Funktion dann manuell (de-)aktivieren. Funktio­niert aller­dings nur, wenn eure Kamera Bilder mit einem Schreib­schutz versehen kann: Aktiviert ihr den Schreib­schutz des standard­mäßig auf der Speicher­karte befind­lichen Bildes (FA000001.JPG) so wird die WLAN-Funktion ausge­schaltet, entfernt ihr den Schreib­schutz des Bildes wieder, wird das WiFi wieder aktiviert. Klappt aber eben nur, wenn eure Kamera den Schreib­schutz einzelner Bilder setzen kann. 

toshiba-flashair-w03-tipp-schreibschutz

Die mobilen Apps

Erst einmal: grund­sätzlich könnt ihr dank der WebDAV-Unter­stützung der Toshiba FlashAir natürlich jede App verwenden, die auf Netzlauf­werke zugreifen kann (zum Beispiel Documents von Readdle für iOS), aller­dings haben die Toshiba-eigenen Apps natürlich den Vorteil, dass ihr auch diverse Einstel­lungen eurer WLAN-Speicher­karte verändern könnt. Die Apps sehen auf beiden Platt­formen nahezu identisch aus, bieten den gleichen Funkti­ons­umfang und leider auch die gleichen Schwächen – was aber auch für die Desktop-Anwen­dungen gilt. Erst einmal die entspre­chenden Download­links der beiden Apps, die es natürlich kostenlos im App Store bezie­hungs­weise Play Store vorzu­finden gibt: 

FlashAir
Entwickler: TOSHIBA Corp.
Preis: Kostenlos
FlashAir
Preis: Kostenlos

Eigentlich erübrigen sich weitere Worte an dieser Stelle, die Funktionen der App sollten eigentlich durch die Screen­shots klar werden. Dennoch möchte ich einmal ein paar Dinge erwähnen, die vor allem die Unter­stützung der Datei­formate betrifft. Die Übertra­gungs­ge­schwin­dig­keiten ist in Ordnung (ein 9 MB großes JPEG-Bild benötigt etwa 8 Sekunden) und vor allem bei der Nutzung von JPEG-Dateien und bei Videos im MP4-Format gibt es auch keinerlei Probleme. Wer aller­dings auf RAW-Dateien setzt oder Videos im Format AVCHD aufnimmt, der bekommt Probleme, denn eben jene Dateien tauchen in der Übersicht der Speicher­karte nicht auf. Lässt man sich die Ordner­struktur in den Apps anzeigen, so tauchen die Dateien natürlich auf – aller­dings ohne Vorschau. 

Auch lassen sich die Dateien eben auf dem Gerät speichern, wobei diese unter iOS scheinbar verschwinden und es unter Android schwierig wird, entspre­chende Apps zu finden, mit denen sich RAW-Dateien bearbeiten lassen. Kann vielleicht auf Android-Smart­phones mit RAW-Unter­stützung etwas anders aussehen, auf meinem Nexus 5X jedoch wird das Format wohl nicht unter­stützt. Bleibt zu hoffen, dass sich mit Einführung des RAW-Supportes unter iOS 10 hier vielleicht noch etwas ändert – auch wäre es nett, wenn man über den Document Picker von iOS auf die Toshiba-App und damit die Speicher­karte zugreifen könnte. Ansonsten bleibt nicht mehr viel zu sagen: Nicht die hübschesten Apps, bei JPEG- und MP4-Dateien funktio­niert alles wie gewünscht. 

Apps für Windows und macOS

Auch für Windows und macOS gibt es natürlich auch zwei Anwen­dungen, wobei sich das FlashAirTool eher darauf konzen­triert, die Speicher­karte einrichten zu können – hierzu muss sie übrigens direkt an euren Rechner gebracht werden, eine Einrichtung per WLAN ist nicht möglich. Die Einstel­lungen sind recht überschaubar: Ihr könnt den Namen und natürlich das Passwort des WiFi-Netzwerks der Karte ändern, den automa­ti­schen Start­modus deakti­vieren und die automa­tische Abschaltung konfi­gu­rieren, das entspre­chende Bild zur manuellen (De-)Aktivierung austau­schen und die Speicher­karte forma­tieren.

Denn: solltet ihr die Karte einmal mit Windows oder macOS komplett forma­tiert haben, so ist eine Nutzung der WLAN-Funktion nicht mehr gegeben – in dem Falle müsst ihr die Karte eben über das FlashAir-Tool neu initia­li­sieren. Dies gilt auch, wenn ihr die Karte in der Kamera forma­tiert, auch hierbei wird die Karte zu einer „dummen Speicher­karte“ und muss erst wieder mit dem Tool forma­tiert werden. Lösung? Umständlich: Löschen über den Karten­leser am Rechner und Löschen einzelner Bilder von der Kamera… Schade. 

toshiba-flashair-w03-desktop-app-1

Ein beson­deres Augenmerk solltet ihr dabei auf den Pass-Through-Modus in den Netzwer­k­ein­stel­lungen legen, der sich auch über die mobilen Apps einrichten lässt. Problem der Speicher­karte: Seid ihr mit eurem Smart­phones oder dem Rechner mit dem WLAN der FlashAir verbunden, habt ihr natürlich weder Zugriff aufs Internet, noch auf etwaige Netzwerk­server. Befindet sich die FlashAir-Karte nun aber Pass-Through-Modus, so verbindet sie sich außerdem mit dem heimi­schen WLAN, sodass ihr euch zwar weiterhin noch mit dem Netzwerk der Karte binden müsst, dennoch eine Inter­net­ver­bindung habt und auch auf Geräte im Netzwerk zugreifen könnt. Eine Direkt­ver­bindung zwischen Karte und Netzwerk? Ist möglich, dazu gleich mehr. 

Zusatztipp 1: Automa­ti­scher Sync für macOS, Windows und Chrome

Wie beschrieben kann man natürlich über den Browser oder den WebDAV-Zugang vom Rechner auf seine Fotos zugreifen, unter macOS erleichtert die Nutzung der FlashAir­Drive-App den Schritt noch ein wenig. Hierbei muss aller­dings immer manuell Hand angelegt werden. Aller­dings ist auch ein automa­ti­scher Download möglich, dank entspre­chender FlashAir-APIs stehen hierzu auch eine ganze Reihe an Anwen­dungen von fleis­sigen Dritt­ent­wicklern zur Verfügung. 

Mac-Nutzer sollten sich einmal die App FlashAirSync anschauen: einmal gestartet und einge­richtet, sitzt das Tool in der Menüleiste und wartet auf eine aktive Verbindung zum FlashAir-Wifi; ist diese vorhanden, werden sowohl JPEG-, als auch RAW-Dateien und Videos automa­tisch auf eurem Mac gespei­chert. Für Windows gibt es mit dem FlashAir­Down­loader ein ganz ähnliches Tool, welches ebenfalls einen automa­ti­schen Sync bietet, dazu aber noch eine ganze Reihe an weiteren Features und auch Einstel­lungen der FlashAir verändern kann. 

Zusatztipp 2: FlashAir-Karte ins Netzwerk einbinden

Der Pass-Through-Modus der FlashAir-Karte ist eine tolle Sache: ihr könnt unterwegs per Direkt­ver­bindung mittels Smart­phone auf eure Bilder zugreifen, gleich­zeitig aber auch im Internet unterwegs sein – und zuhause habt ihr eben auch weiterhin vollen Zugriff auf Netzwerk. Einziger kleine Haken ist eben, dass ihr kurzfristig das WiFi-Netzwerk wechseln müsst. Es ist aber auch möglich, die Karte direkt mit dem heimi­schen WLAN zu verbinden – dafür muss aller­dings etwas Hand angelegt werden, da es sich hierbei um eine umdoku­men­tierte Funktion handelt. 

Achtung

Ich werde an dieser Stelle nur kurze Instruk­tionen benennen, keine ausführ­liche Schritt-für-Schritt-Anleitung. Grund­sätzlich ist der Pass-Through-Modus eine praktische Sache und da es sich hierbei eben nur um eine vorhandene, aber von Toshiba nicht wirklich unter­stützte Funktion handelt, gibt es auch ein paar Probleme, die ich weiter unten benennen werde. Es gilt: Wer weiß was er tut kann es gerne auspro­bieren, alle anderen sollten die Finger davon lassen. 

Zuerst einmal müsst ihr die Speicher­karte in euren Rechner stecken und euch auch versteckte Dateien einblenden lassen. Habt ihr das erledigt, findet ihr auf der Speicher­karte einen weiteren Ordner „SD_WLAN“ vor und darin eine Datei „CONFIG“ die ihr mit einem einfachen Texteditor öffnen müsst. Hier müsst ihr nun die unter­ste­henden Zeilen abändern bezie­hungs­weise hinzu­fügen und durch eure Eingaben ersetzen. Habt ihr die Bearbeitung abgeschlossen könnt ihr die Datei speichern, schließen und die Karte wieder in eure Kamera stecken. Nun verbindet sich die Kamera direkt mit eurem WLAN und ist im Browser oder als Netzwerk­server über die ihr zugewiesene IP-Adresse oder den „APPNAME“ erreichbar.

APPMODE=5 --- Abändern, aktiviert den Station Mode
APPNAME=flashairkarte --- Der Servername eurer FlashAir
APPSSID=mywifinetzwerk --- Name eures WiFi-Netzwerkes
APPNETWORKKEY=passwort123 --- Das Passwort eures WiFi-Netzwerkes (wird von der Karte verschlüsselt)

Funktio­niert wie erwähnt als Netzlaufwerk ohne große Probleme, die Lösung hat aber auch einige Nachteile, denn die mobilen Apps können sich so nicht mehr mit der Speicher­karte verbinden und es gibt keine Möglichkeit, schnell und einfach zwischen den Betriebsmodi wechseln zu können. Hat eben einen Grund, wieso die Funktion nicht weiter unter­stützt wird. Kommt eben darauf an, ob ihr die Bilder nur zuhause auf euren Rechner verschieben oder auch mobil auf die gespei­cherten Fotos (wenn auch nur JPEG) zugreifen wollt. Wenn ihr die Bilder nur zuhause trans­fe­rieren möchtet, könnt ihr den Modus gerne nutzen. Aber wie gesagt auf eigene Gefahr.

Die Geschwin­digkeit der FlashAir

Ein nicht ganz zu vernach­läs­si­gender Punkt ist die Geschwin­digkeit einer Speicher­karte – wenngleich ich die Priorität bei einer WiFi-Speicher­karte eben etwas nach unten verschieben würde, hier geht es eben primär um die Bequem­lichkeit und vor allem die App-Qualität. Dennoch habe ich einmal das altbe­kannte Black­magic Speed Test auf dem Mac durch­laufen lassen. Die Ergeb­nisse: Steckte die Speicher­karte direkt im Lesegerät des iMacs, so betrugen die Übertra­gungs­raten hier etwa 11 MB/s (Schreiben) und 18 MB/s (Lesen). Im WLAN sieht die Sache natürlich wieder anders aus, hier dürfte vor allem das Netzwerk bezie­hungs­weise der WLAN-Standard der Karte der Flaschenhals sein. Für ein etwa 10 MB großes JPEG benötigte die Karte etwa 8-9 Sekunden – macht also etwas über 1 MB/s im WLAN. 

toshiba-flashair-w03-speed

Fazit zur FlashAir W-03

Bei dem Fazit zur Toshiba FlashAir muss man sicherlich mit zweierlei Maß messen, basierend darauf, wie ihr fotogra­fiert und was ihr mit euren Bildern anstellen wollt. Wer nur im RAW-Format fotogra­fiert muss bedenken, dass die mobilen Apps das Format nicht unter­stützen und bei Zugriff vom Rechner aus keine Vorschau­gra­fiken sichtbar sind – das Kopieren auf den Rechner klappt hierbei aber zumindest. Auch etwas ungünstig gelöst: Wird die Speicher­karte forma­tiert, ist man die WiFi-Funktion los, sodass die Karte dann erst wieder über den Rechner mit dem FlashAir-Tool forma­tiert werden muss, dies ist zumindest bei den älteren EyeFi-Modellen besser gelöst (wie auch immer). Ist eben etwas umständlich, die Bilder mittels Kamera einzeln zu löschen, wenn die Kamera keine „Alle Bilder löschen“-Funktion bietet. 

Zu gute halten muss man der FlashAir jedoch, dass die Einrichtung völlig unpro­ble­ma­tisch funktio­niert und mit dem Internet Pass Through auch eine praktische Zusatz­funktion erhalten hat.

Die Geschwin­digkeit übers WLAN reißt nun keine Bäume aus, hier dürften sich die verfüg­baren Karten aber nicht viel tun. Dennoch hat die FlashAir auch ein paar Pluspunkte. Da wäre zuerst einmal die Tatsache, dass hinter die FlashAir nicht mit einem Cloud-Dienst verbunden ist. Zum anderen kann man auch die „Offenheit“ der Karte nennen. Wer die Karte zum Beispiel ins eigene Netzwerk integrieren möchte, der kann dies machen, ebenso gibt es duzende Apps von Dritt­ent­wicklern (siehe oben), mit denen man Software-Funktionen nachrüsten kann und zu guter Letzt gibt es eben von Haus aus eine WebDAV-Unter­stützung, mit der sich auch herum­spielen lässt. 

Daher gibt es meiner­seits keine klare Kaufemp­fehlung, anderer­seits aber auch keinen Daumen nach unten. Ihr fotogra­fiert nur im JPEG-Modus, könnt alle Bilder auf der Kamera löschen ohne die Speicher­karte forma­tieren zu müssen und wollt eure Knipse nur etwas smarter machen? Daumen hoch. RAW-Fotografen müssen abwegen, ob sie nicht besser zur Eye-Fi mobi Pro mit RAW-Unter­stützung greifen – diese ist aber wiederum doppelt so teuer, sodass man die Vor- und Nachteile abwiegen muss. Anders sieht es hingegen für Nutzer aus, die etwas Bastel­arbeit nicht scheuen und die WiFi-Karte in ihren Workflow integrieren möchten, denn dank offener Konfigurationsdatei(en) und Doku lässt sich viel Spielerei betreiben.