#TwitterIsBlockedInTurkey – Die Türkei sperrt den Zugang zu Twitter

Marcel Am 21.03.2014 veröffentlicht Lesezeit etwa 2:08 Minuten

twitter-tuerkei

Dass in der Türkei das Thema Internetzensur ein von der Regierung geschätztes Mittel ist um etwaige Konfliktpotentiale im Kern zu ersticken dürfte seit dem auch in der Türkei umstrittenen Internetgesetz vom Februar 2014 kein sonderlich neues Thema sein. Dank des Gesetzes darf die Regierung um Ministerpräsident Erdogan ohne vorherigen Richterbeschluss Inhalte im Netz sperren. Nun hat man dieses Gesetzes scheinbar das erste Mal angewendet, denn wie verschiedene Nutzer und Medien berichten, ist der Zugang zu Twitter – welches heute übrigens seinen achten Geburtstag feiert – aus der Türkei komplett blockiert. Wie die Hürriyet meldet, wurde die Twitter-Bockade aktiv, nachdem die Twitter-Verantwortlichen Gerichtsentscheidungen ignoriert hätten.

twitterblockiert

Bereits wenige Stunden zuvor hetzte Erdogan noch gegen Twitter, Facebook und Co.: „Twitter und solche Sachen werden wir mit der Wurzel ausreißen. Was dazu die internationale Gemeinschaft sagt, interessiert mich überhaupt nicht“ – nun also dieser erste Schritt. Zuletzt sind auf Twitter immer wieder Mitschnitte eines Erdogan-Telefonats aufgetaucht, die den Ministerpräsidenten mit einer weitreichenden Korruptionsaffäre in Verbindung bringen – durchaus ungünstig, stehen doch am 30. März dieses Jahres Kommunalwahlen im Lande an, ebenso nutzen Erdogans politischen Gegner gut und oft die sozialen Kanäle um Wahlkampf zu betreiben. Also schlägt man doch direkt einmal zwei Fliegen mit einer Klappe und macht sowohl die politischen Kritiker, als auch die politischen Gegner mundtot – kennt man ja von Diktaturen, denn auch zum Beispiel im Iran und Nordkorea wird das Internet nach belieben zensiert.

Eine offizielle Stellungnahme seitens Twitter fehlt zwar noch, man hat die türkischen Nutzer jedoch bereits per Tweet aufgefordert, Tweets per SMS abzusenden, was bislang noch möglich ist – mal sehen, ob Herr Erdogan auch diesen Weg noch blockieren wird. Als nächstes dürfte dann sicherlich Facebook folgen, immerhin lagerten sich die Diskussionen hier hin aus und auch im Web gibt es inzwischen zahlreiche Anleitungen, wie man diese Sperre umgehen kann. Mal sehen, was da im Laufe der nächsten Stunden und Tagen noch so tut, denn vor allem die junge türkische Bevölkerung möchte nur ungerne bevormundet und zensiert werden, selbst Präsident Gül gab an, dass die Türkei ein Problem mit der Pressefreiheit im Lande hat – dennoch wurde das Gesetz durch gewunken.

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Der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG)  nach liegt die Türkei in Sachen Pressefreiheit noch hinter dem Irak und Russland auf Platz 154 von 180 Ländern. Ob diese Twitter-Blockade den Umgang mit Medien verändern wird, dass wird man in den kommenden Tagen sehen. Ob Erdogan über Korruption, Grundrechte und Twitter stürzt ebenso. So aber ist es meiner Meinung nach für die Türkei noch ein langer und weiter Weg in die Europäische Union. Und ein ebenso weiter Weg für ein weltweites, freies Internet – denn das Hauptproblem liegt nicht nur in dem Umgang mit Medien und Presse in vielen Teilen der Welt, sondern auch darin, dass es einfach an weltweiten Vereinbarungen zum Beispiel seitens der UN fehlt. Vielleicht frischt nun ja auch dieser Wind wieder etwas auf. Zu wünschen wäre es.

via Mashable, Focus Bild via @acarvin

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