[Wirre Gedanken] Über Adblocker, Webseitenbetreiber und die Nutzer: Wer trägt die Schuld?

Marcel Am 27.06.2013 veröffentlicht Lesezeit etwa 3:05 Minuten

Adblock-Plus-Mafia

Gestern machte ein Artikel von Sascha Pallenberg auf Mobilegeeks die Runde, in dem er über die Machenschaften der Eyos GmbH, Betreiber der Erweiterung AdBlock Plus, berichtet – und das auf einem durchaus hohen qualitativen Niveau. Ehrlich gesagt überrascht mich dieser nun folgende Aufschrei ein wenig, die Funktion der „Akzeptierten Werbung“ ist ja nicht neu und eigentlich war doch jedem klar, dass hier nicht nur „Community-Werbung“ angezeigt wird, sondern dass sich Werbetreibende auch dazu „freikaufen“ konnten. Aber gut, ist ja auch egal, denn dadurch wird die Sache – und vor allem die etlichen Verknüpfungen und Verzweigungen in den Geschäftsmodell nicht besser – noch schlimmer finde ich allerdings (weil nicht deaktivierbar) die Tatsache, dass man unter anderem Amazon-Links mit eigenen Referrers verziert. Letzteres ist dann echt unter aller Sau, dürfte fast schon den Tatbestand eines Betrugs gleichkommen.

Das Problem ist allerdings weniger bei den Betreibern der Werbeblocker-Plattform zu suchen – vielmehr sind das Problem die Nutzer, wenn auch nicht alleine. Ich kann durchaus verstehen, dass es viele Nutzer gibt, die sich durch Werbung enorm gestört fühlen und aus diesem Grunde einen Werbeblocker nutzen. Flash-Werbung. Popups. Popdown. Einfliegende Fenster. Werbung, die den Content verdeckt. Werbung, die den Lesefluss stark behindert. Es gibt eine Vielzahl von Werbeformen, welche man sofort vom Bildschirm verbannen sollte – wobei man hier fairerweise auch sagen muss, dass solche Seiten meistens auch keinen derartigen Content bieten würden, als dass man sie unbedingt besuchen müsste.

Schaue ich einmal zu Kollege Caschy rüber, so fällt mir auf, dass hier durchaus Werbung zum Einsatz kommt. Er hat aber einen richtigen Schritt getan und die Werbung innerhalb der Artikel entfernt – eine super Sache. Die restliche Werbung in der Sidebar und eine kleine Box unter dem Artikel? Hey – er lebt davon und bekommt die dadurch überhaupt erst die Möglichkeit, Nahrung zu sich zu nehmen. Und tut diese Werbung irgendwem weh? Abseits des eigentlichen Contents? Wohl eher nicht, sondern im Gegenteil: ihr bekommt ohne eine Zahlung Content geliefert – und würdet sicherlich nicht so oft hinüberklicken, wenn ihr diesen nicht mögen würdet.

Bildschirmfoto 2013-06-26 um 23.58.05

Das Problem ist inzwischen einfach, dass (nicht nur) im Web eine Art „Kostenlos-Mentalität“ vorherrscht. Die Meinung, dass alles kostenlos sein muss. Und wenn etwas kostenlos ist, muss es so supportet werden und so perfekt sein, wie etwas, was Geld kostet. Ich habe darüber schon einmal vor einigen Jahren gebloggt und merke es auch immer wieder im Zusammenhang mit meinem WordPress-Plugin WP-Appbox. Hier kommen Supportanfragen, die fast keine Supportanfragen mehr sind, sondern in die „anwenderspezifische Programmierung“ hineingehen. Sich einen Entwickler leisten oder einen Gegenwert leisten? Nö, ist ja kostenlos.

Nun habe ich zwei Punkte aufgezählt, die sich doch eigentlich gegenseitig aufheben, oder? Einmal sind es die Webseitenbetreiber selbst Schuld, dann wiederum die Nutzer, die alles kostenlos haben wollen. Aber schließt das eine das andere zwangsläufig aus? Mitnichten.

Ich habe in eigenen Kommentaren bezüglich des Artikel einige Kommentare gelesen, welche in die Richtung gehen „Hey, macht doch einfach einen Banner mit der Info, dass man den AdBlocker bitte deaktivieren soll“. Und nun überlegen wir uns mal, was „wir“ damit bezwecken würden: Richtig – „scheiße, schon wieder ein scheiß Banner“. Kontraproduktiv par exelance – genau wie der oben genannte Punkt mit den Werbeformen. Damit geben wir den Nutzern, die sowieso schon der Meinung sind, dass Werbung absolut scheiße und unnötig sei, nur noch mehr Wind in die Segel. Möchte ich „offline“ etwas in Sachen Computer & Co. lesen (oder auch über Autos, Sport, whatever) so würde glaube ich niemand behaupten, dass die Zeitschriften und Zeitungen kostenlos im Kiosk bereitliegen müssen. Die Autoren und Mitarbeiter müssen ja etwas verdienen.

kostenlosmentalitaet

Im Netz ist dieser Gedanke aber weitläufig noch nicht angekommen, Werbung und eventuell vorhandene Paywalls (ist durchaus eine Entscheidung der Verlage) werden verteufelt wie der neue Papst seine roten Schuhe (und nicht nur hier, sondern das gilt auch für andere Dienste, Apps und Co). Und hier muss man sehr viel nüchterne und sachliche Aufklärung betreiben, damit dies in den Köpfen der Nutzer und Leser ankommt. Ohne irgendwelche kontraproduktiven Maßnahmen. Natürlich weisen die von Sascha recherchierten Umstände Mafia-Strukturen auf und sind definitiv (um es einmal mit seinen Worten zu sagen) asozial. Aber Aufklärung ist das einzige, was dieses Problem lösen kann, denn solange es solche Tools gibt (und die wird es in einem „freien Internet“ immer geben) wird es auch Nutzer finden.

– Just my 2 cents –

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