Vorwerk Kobold VR300 im Test: Schlüssige Modellpflege, aber mit Schwächen in der Software

Marcel Am 08.09.2019 veröffentlicht Lesezeit etwa 15:15 Minuten

Seit mehr als vier Jahren dreht in unserer Wohnung ein Kobold VR200 aus dem Hause Vorwerk seine Kreise – und dies mit vollster Zufriedenheit. Ich habe in der Zwischenzeit den ein oder anderen Saugroboter ausprobiert und angeschaut, der VR200 bot in meinen Augen aber das beste Rundum-Paket. Im Vergleich zu anderen Herstellern ließ der VR200 trotz WLAN und Alexa-Anbindung zwar ein paar Spielereien vermissen, bei der Erkennung von Hindernissen und das Umfahren selbiger und der Reinigungsleistung lag er jedoch ganz weit vorne. Nun hat das Wuppertaler Unternehmen im Frühjahr mit dem Kobold VR300 eine neue Generation ins Rennen geschickt, dessen Preislabel auch gleich mal um 200 Euro nach oben verlegt wurde – und das obwohl sich augenscheinlich zunächst einmal nicht viel getan hat. Ob die Leistung den hohen Preis und ein Upgrade vom VR200 auf den VR300 rechtfertigt, konnte ich in den letzten Wochen in Erfahrung bringen.

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Der Lieferumfang des VR300

Der Kobold VR300 bringt alles mit, was man für den Betrieb des Saugroboters benötigt.   Hierzu gehört die Ladestation mitsamt des Netzkabels, jeweils eine Haupt- und Seitenbürste und ein Staubbehälter mit wechselbarem Filter. Wer bereits den VR200 sein eigen nennt, der wird feststellen: Der Lieferumfang ist ein wenig geschrumpft, auch wenn die Kartonage dies nicht suggeriert. Denn interessanterweise hat man das „Innenleben“ der Verpackung zu jenem des Vorgängermodells nicht verändert, nur dass die Aussparungen für Fernbedienung, Magnetband und USB-Kabel beim VR300 eben leer sind. Statt einer Fernbedienung setzt man bei Vorwerk nun auf eine reine Steuerung per App, anstelle des Magnetbandes gibt es virtuelle Begrenzungen und Updates kommen direkt auf den Roboter.

Zunächst noch ein paar kurze Sätze zur Ladestation: Diese ist durchweg aus Kunststoff gefertigt und misst in etwa 32,5 x 12 x 12,5 cm Zentimeter, sodass sich überall ein Plätzchen finden dürfte. Praktisch ist, dass das Netzkabel nicht verbunden ist und dieses auf der Rückseite mit Hilfe einer kleinen Kabelführung auf die benötigte Länge „gekürzt“ werden kann. Ein Detail, dass solche Geräte abrunden kann. Wer die Ladestation des VR200 bereits untergebracht hat: Grundsätzlich lässt sich die alte Ladestation auch mit dem VR300 nutzen, allerdings bringt die neue Version eine leicht höhere Ausgangsleistung mit. Das aber nur am Rande, falls ihr den VR200 weiterhin in einer anderen Etage nutzen wollt, denn einen wirklichen Grund, weiterhin nur die alte Ladestation zu nutzen, gibt es natürlich nicht.

Den VR300 auseinandergenommen

Werfen wir nun zunächst einmal einen Blick auf den Kobold VR300, der sich optisch gar nicht so groß vom Vorgängermodell unterscheidet. Das Display ist weggefallen, die farbliche Gestaltung hat sich minimal verändert – ansonsten aber ist der VR300 baugleich zum VR200. Die Abmessungen des Saugers betragen etwa 34 x 34 x 9 Zentimeter bei einem Gewicht von etwas über vier Kilogramm und man hat sich auch beim VR300 wieder für die bewährte D-Form entschieden, die meinen Erfahrungen nach deutlich bessere Reinigungsergebnisse liefert. Die Höhe ist mit 9 Zentimetern gleich geblieben und liegt damit „nur“ im Mittelfeld der Saugroboter. Gängige Küchensockel sind 10 Zentimeter hoch und bei Sofas, Betten und anderen Möbeln schwankt die Höhe dermaßen, dass es letztlich keinen Unterschied machen würde, ob es nun 8 oder 9 Zentimeter sind.

Auf der Oberseite gibt es wie gehabt einen 360-Grad-Laser, den inzwischen viele andere Hersteller ebenso verbauen. Der Unterschied: Der „Laserturm“ ist mit einem Bumper versehen, der teilweise Goldwert ist. Denn es kann durchaus der Fall sein, dass der Sauger selbst unter ein Möbelstück fahren kann, der Turm jedoch nicht mehr hindurch passt. Andere Modelle fahren sich dann gerne mal fest, der VR300 (und auch der Vorgänger) bemerkt dank des drucksensitiven Sensors die fehlende Höhe jedoch und kann rechtzeitig umkehren. Neben dem Laserturm gibt es auch noch ein Bedienfeld, welches aus zwei Tasten und vier LEDs besteht. Letztere zeigen den aktuellen Status (WLAN-Verbindung, Spot-Reinigung, Basis anfahren und Eco-Modus) an, mit den Tasten lässt sich der Sauger auch ohne App starten, pausieren und zur Ladestation zurückschicken.

Den größten Teil der Oberseite nimmt eine Klappe ein, die den Griff auf den Staubbehälter freigibt. Beim VR200 kam es gerne mal dazu, dass sich die Scharniere der Klappe beim Schließen etwas verkantet haben. Leider ist dies auch beim VR300 der Fall. Lässt sich zwar binnen Sekunden selbst beheben, leider trübt die Klappe auch weiterhin den sonst so hochwertigen Eindruck bezüglich der Verarbeitung des Saugroboters. Das Leeren des Behälters kann wie gehabt auf zwei Wegen geschehen: Entweder entnimmt man Behälter und Filter und kippt den Schmutz in den Mülleimer. Oder aber man hält seinen „großen“ Staubsauger an die Öffnung und saugt den Behälter leer. Die Aussparung ist zwar an die eigenen Vorwerk-Sauger angepasst, der Behälter lässt sich aber mit anderen Saugern aussaugen – gerade für Allergiker die bessere Option. Ebenfalls auf der Oberseite: ein Griff, mit dem der Staubsauger sicher transportiert werden kann.

Auf der Unterseite gibt es das für Saugroboter fast schon übliche Bild: Eine Hauptbürste, die für nahezu alle erdenklichen Oberflächen geeignet ist, eine Seitenbürste und Räder zur Fortbewegung. Die Räder sind wie auch beim VR200 leicht gestuft und mit einer Kletterhilfe ausgestattet, dank dessen der VR300 Hindernisse mit bis zu zwei Zentimeter Höhe ohne große Probleme überfahren kann. Davon gibt es ja bekanntlich so einige: Türleisten, Teppiche, Rohre von Schwingstühlen und so weiter. Die Hauptbürste besteht aus kleinen Borsten und Silikonrippen, die nicht nur freiliegenden Dreck sicher in den Auffangbehälter befördern, sondern auch Haare aus Teppichen „herausbürstet“. Die Seitenbürste ist VR-typisch weiter vorne und seitlich angebracht und hilft dabei, umliegenden Schmutz aus Ecken und Kanten vor die Saugöffnung zu befördern – ein System, dass sich bewährt hat.

Zu guter Letzt gibt es an der abgerundeten Seite leicht nach oben ausgerichtete Öffnungen für die Motor-Abluft mitsamt den Kontakten für die Ladestation, an der Vorderseite des Saugers und auch an den vorderen Seiten gibt es dann nochmal ein paar Sensoren. Genauer gesagt einen Bumper, der bereits auf sachten Druck reagiert und eingelassene Ultraschallsensoren, die bereits beim VR200 auch Hindernisse unterhalb der Höhe des 360-Grad-Lasers bereits vor der Berührung zuverlässig erkannt haben. Alles in allem hat sich also im Vergleich zum Vorgängermodell rein äußerlich nicht sehr viel getan. Muss es aber auch nicht immer, der Aufbau und Verarbeitung des VR200 hat sich in den Jahren bewährt und insgesamt ist der VR300 (mit Ausnahme der oberseitigen Klappe) hochwertig verarbeitet: Stabiler Kunststoff, saubere Spaltmaße und es rappelt nichts.

Smarter dank App-Funktionen

Bevor es an die Reinigung geht, gibt es einen kurzen Blick auf die App. Hierbei nehme ich natürlich ein paar Features des VR300 vorweg, da die gesamte Einrichtung jedoch nur noch mittels App möglich ist, bleibt es nicht aus. Die App ist inzwischen recht schick geworden, herrscht Account-Zwang. Für Features wie Steuerung aus der Ferne oder auch Unterstützung für Sprachassistenten wie Alexa oder Google Home natürlich unabdingbar, für alle Features wäre aber sicherlich auch eine Lite-Version ohne Account möglich. Ist aber auch etwas, was bei anderen Herstellern nur sehr selten anders gelöst wird. Der Account ist aber ebenso schnell erstellt, wie der VR300 eingerichtet ist: Kurzerhand beide Tasten am Sauger berühren und den weiteren Schritten in der App folgen – ist eine Sache von 2-3 Minuten. Randbemerkung: Der VR300 versteht sich auf 2,4 und 5 GHz Netzwerke.

Kobold Roboter
Kobold Roboter

Nicht untypisch, dass euch zunächst ein Software-Update für euren Saugroboter angeboten wird und in diesem Falle auch ein Beispiel dafür, dass der VR300 dazugelernt hat: Statt Updates auf einen USB-Stick zu spielen und diesen dann mittels Adapterkabel an den VR200 anschließen zu müssen, werden Updates direkt über WLAN an den Sauger übertragen und installiert. Bevor ihr euch nun an die Erkundung der App oder der Reinigung macht, sollte der Sauger natürlich erst einmal geladen werden. Im Anschluss daran bietet euch die App an, zunächst einen Grundriss eurer Wohnung oder der Etage erstellen zu lassen. Hinzu solltet ihr alle Türen öffnen und jegliche Gegenstände wie Spielsachen, Kabel, hochflorige Teppiche oder Kleider vom Boden entfernen. Je weniger Hindernisse, desto besser-

Hat der Kobold seine Erkundungstour abgeschlossen, bekommt ihr den Grundriss in der App angezeigt. Hat auf den ersten Blick mehr spielerischen Charakter, wirklich praktisch sind aber die so genannten No-Go-Linien. Diese ersetzen die bisherigen Magnetbänder und erlauben euch, bestimmte Bereiche oder Räume von der Reinigung auszuschließen. Dies kann z.B. der Hochfloor-Teppich sein, das Kinderzimmer mit totalem Chaos auf dem Boden oder sonst ein Bereich, in dem der Sauger einfach nicht saugen soll. Einfach in die Ansicht hereinzoomen, die gewünschten Linien ziehen, fertig. Beachten sollte man lediglich, dass der VR300 die eingezeichneten Linien nur dann beachtet, wenn die Reinigung über die App (oder per Zeitplan) gestartet wurde. Mit Alexa/Google Home oder auch per Start-Button ignoriert er die No-Go-Lines gänzlich – für mich unverständlich. ¯\_(ツ)_/¯

Darüber hinaus bietet euch die App nach Abschluss der Reinigung eine Übersicht darüber, welche Bereiche gesaugt wurden und führt eine kleine Statistik über die insgesamt gesaugte Fläche und Zeitdauer. Bereits vom VR200 bekannt: Ihr könnt ihr App auch als Fernbedienung für die manuelle Reinigung nutzen, den Roboter starten und pausieren und automatische Reinigungszeiten festlegen. Im Grunde läuft es darauf hinaus, dass ihr nur einmal den Grundriss erstellen lassen, unerwünschte Bereiche eintragen und einen Zeitplan hinterlegen müsst – von da an benötigt ihr die App im Idealfall nicht mehr. Der VR200 fuhr bei mir über die vier Jahre zu 90 Prozent unbeaufsichtigt herum und machte dabei keine Probleme (von liegen gelassenen und aufgesaugten Socken mal abgesehen).

Im Dienste der Reinigung

Was den Punkt der Reinigungsweise und -leistung anbelangt, könnte ich quasi 1:1 die Inhalte aus dem Bericht zum VR200 kopieren. Kurz erläutert: Anders als viele (vor allem) günstigere Saugroboter fährt der VR300 nicht wahllos durch die Räume und reinigt „zufällig“ dort, wo er gerade hinkommt, sondern fährt eure Wohnung mit System ab. Das Herz stellt der 360-Grad-Laser dar, mit dem der Kobold seine Umgebung erfasst. Zunächst werden erst einmal sämtliche Ränder abgefahren, im Anschluss daran werden die Flächen in ca. 4×4 Meter große Flächen „zerteilt“, die dann Bahn für Bahn abgefahren werden (siehe SLAM-Prinzip). Es mag zwar ein wenig wirr wirken wie er die Räume zerteilt und in welcher Reihenfolge er an die Arbeit geht, intern ergibt es für den Roboter aber Sinn. Die systematische Fahrweise spart Zeit und gibt Sicherheit, dass die gesamte Fläche befahren wurde.

Auch Hindernisse werden elegant umfahren, ebenso kommt der Kobold dank der Steighilfen mit Hindernissen von bis zu zwei Zentimetern zurecht. Und dies war etwas, was bereits den VR200 von anderen Saugern unterschieden hat – auch den hochpreisigen und ähnlichen Neato-Saugern: Die Sensoren. Bestes Beispiel: Der Neato D5 hat zwar Hindernisse erkannt, allerdings nur ab mit der Mindesthöhe des Laserturms. Alles darunter wurde vom Laser nicht zuverlässig erkannt und mal mehr, mal weniger sanft angefahren – eben bis er durch den Bumper an der Front das Hindernis erkannt hat. Der VR300 hingegen erkennt wie auch sein direkter Vorgänger dank der in der Front zusätzlich untergebrachten Ultraschallsensoren Hindernisse bereits vor dem Anrempeln und bremst vorher ab, sodass ein Kontakt nur in den aller seltensten Fällen zu Stande kommt.

Der Grad zwischen einer „sehr guten“ Navigation, die inzwischen einige Saugroboter bieten, und einer „sehr sehr guten“ Navigation ist schmal. Nüchtern betrachtet reagieren der VR200 und VR300 aber einen Tick besser auf Hindernisse – wie man es dann angesichts des Preis-/Leistungsverhältnis bewerten möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Dennoch gibt es auch für den VR300 ein „Hindernis des Todes“: Hochflorteppiche. Liegt in der Natur der Sache oder besser gesagt in der rotierenden Bürste: Fasern, die länger als 2 cm sind, wickeln sich um die Bürste und blockieren diese. Also entweder vor dem Saugen den Teppich beseitigen oder diesen mittels der No-Go-Linien ausnehmen. Ebenso sollte man natürlich bedenken, dass man eine Wohnung zumindest ein wenig „robotersicher“ machen muss: (dünne) Kabel beseitigen, keine Socken liegen lassen und ähnliches…

Die Reinigungsleistung des VR300 gibt nur wenig Grund für Beanstandungen. Dank der D-Form und der seitlich versetzen Bürste am Rand werden auch Ränder und (für den Roboter) zugängliche Ecken von Staub und Schmutz befreit. Die mit 1.800 Umdrehungen pro Minute rotierende Bürste gibt sich ebenfalls keine Blöße und befördert auch kleine Schmutzpartikel und Haare aus dem Teppich. Natürlich darf man die Leistung nicht mit einem handelsüblichen Sauger mit mehreren hundert Watt vergleichen. Aber zumindest auf glatten Böden ist die Leistung meiner Meinung nach „identisch ausreichend“, bei Teppichen lässt sich im Labor mit 800 Watt sicherlich noch mehr Kleinstpartikel (wie zum Beispiel Sand) herausziehen. Mit rund 70 Dezibel ist der VR300 sicherlich nicht der leiseste Saugroboter, angesichts der Leistung ist dies jedoch zu verschmerzen – vor allem dann, wenn der Sauger in eurer Abwesenheit unterwegs ist.

Vorwerk gibt eine Akkulaufzeit von rund 60 Minuten an. Hier darf man sicherlich noch etwas abziehen, etwa 40-50 Minuten dürften absolut realistisch sein. Angst haben, dass er während des Saugvorgangs einfach stehen bleibt muss man jedoch nicht, denn der Kobold fährt vor dem „Saftverlust“ die Ladestation an, lädt dort ein wenig und macht dann an jenen Punkt weiter, an dem er mit der Reinigung aufgehört hat. Wer die Akkulaufzeit noch etwas erweitern möchte, der kann auch den Eco-Modus aktivieren. In diesem kommt der VR300 auf 80-90 Minuten und ist etwas langsamer und leiser unterwegs, allerdings verringert sich die Saugleistung von insgesamt 85 Watt auf 65 Watt. Macht auf glatten Böden keinen großen Unterschied, auf Teppichen bevorzuge ich jedoch 85 Watt. Schade hierbei, dass man im Grundriss keine Bereiche für „Normal“ und „Eco“ definieren kann, sondern sich für einen Modus entscheiden muss.

Probleme mit dem Grundriss?

Die Navigation und Reinigungsleistung des VR300 habe ich oben bereits angerissen, dennoch möchte ich an dieser Stelle auf ein Problem eingehen, dass mit dem neuen Grundriss-Feature zusammenhängt. Hat der Saugroboter einmal den Grundriss der Wohnung erstellt, dienen die ersten 4×4 Meter vor dem Sauger als Orientierungspunkte. Dies soll sicherstellen, dass der Sauger nicht in z.B. einem anderen Zimmer oder einer anderen Etage gestartet wurde. Aber: Genau diese Sicherheitsfunktion sorgt dafür, dass der VR300 nicht mehr so zuverlässig seine Arbeit verrichtet, wie noch der „dumme“ VR200. Werden vor einem Start Gegenstände in den ersten 4×4 Metern bewegt oder neu abgestellt, verweigert der Sauger nach wenigen Sekunden den Dienst.

Stellen Sie sicher, dass die Basisstation nicht bewegt wurde. Starten Sie Ihren Roboter bitte nochmal von der Basisstation. Sollte das Problem weiterhin bestehen, gehen Sie bitte im Hauptmenü unter „Mein Grundriss“, löschen diesen Grundriss und erstellen ihn erneut.

In meinem Falle ist es so, dass der Sauger in seiner ersten Parzelle einen Tisch und einen Stuhl vorfindet. Sobald sich der Stuhl aber auch nur ein bis zwei Zentimeter verschoben hat, kann es passieren, dass der VR300 die obige Fehlermeldung liefert und die Reinigung abbricht. Es kann vorkommen, muss aber nicht. In der einen Woche fährt er an drei von fünf Tagen, in der darauffolgenden Woche aber nur an zwei oder auch mal vier Tagen. Kurioserweise fuhr er sogar auch mal los, wenn der Stuhl komplett weggeräumt war. Würde er konsequent abbrechen, wäre es für mein Technisches-Ich nachvollziehbar, so aber hat es etwas von einer Runde Roulette im Casino. Das Update auf die Version 4.4.1 sorgte diesbezüglich bereits für leichte gefühlte Verbesserungen, zuvor war es noch schlimmer.

Laut Vorwerk ist es so, dass der Sauger nicht bei jedem Start einen Abgleich der ersten Parzelle macht, sondern nur alle 4-5 Male oder wenn er hochgehoben wurde. Dem entgegen steht aber ein ganz trockener Versuch: Ich starte den Sauger per App und warte die Positionserkennung ab. Bricht er den Vorgang ab, wiederhole ich das ganze nochmal. Startet er aber die Reinigung, breche ich die Reinigung via App ab und schicke ihn so zurück an die Basisstation. Auch dann wiederhole ich das ganze ein paar Mal. Das Ergebnis ist aber ähnlich wirr und ohne erkennbares Muster: Er möchte losfahren, dann bricht er wieder zweimal ab, dann möchte er wieder zweimal mit dem Saugen beginnen, dann bricht er erneut ein paar Male ab und so weiter. Wie oft er abbricht oder wirklich startet ist variabel.

Für den Sauger mag es sich aus technisch logischer darstellen, aus Kundensicht ist es aber unzuverlässig. Ich kann mir nicht sicher sein, dass er in Abwesenheit seine Arbeit verrichtet. Features hin oder her, der VR200 war zuverlässiger letztlich zählt genau das. Für Wohnungen oder auch wenn Kinder oder Haustiere vorhanden sind, empfinde ich eine sich nicht minimal verändernde 4×4-m-Parzelle als realitätsfern, vor allem wenn der Sauger nicht direkt offen herumstehen soll. Zum Vergleich: Die Durchschnittsmietwohnung in Deutschland hat etwa 70 Quadratmeter, bei drei Zimmern sind die 4×4 Meter fast schon ein gesamter Raum. Definitiv Verbesserungsbedarf, zumal es z.B. die Xiaomi-Sauger besser lösen. Workaround für den VRr00: Keinen Grundriss erstellen. Klappt zuverlässig, aber man muss auf No-Go-Lines und zukünftige Features, die darauf aufbauen, verzichten.

Wartung und Folgekosten

Ein Saugroboter ist natürlich keine Sache, die täglich in Aktion sein kann, im Gegenzug aber keine Wartung erfordert. Da wäre zunächst einmal die Entleerung des Staubbehälters, die je nach Verschmutzung und Fläche alle 2-3 Tage entleert werden sollte beziehungsweise muss. Leider besitzt der VR300 keine Sensoren zur Erkennung des Füllstands, vielmehr geht der Sauger nach einer festgelegten Fahrzeit davon aus, dass der Behälter voll sein müsste. Dieser Intervall lässt sich in den Einstellungen des Saugers (beziehungsweise in der App) festlegen, zwischen 30 und 150 Minuten sind möglich. Hier muss man einmal ein paar Fahrten bzw. Tage sammeln und dann schauen, wann der Behälter wirklich voll ist und sich eine Meldung lohnt. In meinem Falle habe ich den Intervall auf 150 Minuten gesetzt, was für eine Arbeitswoche ausreicht – kommt aber darauf an, wie viel Schmutz anfällt.

Darüber hinaus sollten natürlich auch Filter und die Bürsten in regelmäßigen Abständen überprüft und ausgetauscht werden. Der Filter aus Gründen der Hygienie, die Bürsten aus Gründen der Reinigungsleistung. Auch hieran erinnert euch die App per Push-Benachrichtigung anhand eines definierten Zeitraumes – zwischen 1-3 Monate beim Filter und 4-8 Monate bei den Bürsten. Einen Filter gibt es für 15 Euro (gibt es auch für günstiger von Drittanbietern), die Hauptbürste für 25 Euro und die Seitenbürste schlägt mit 5 Euro zu Buche. Dazu ein paar Worte als „Hausmann“: Bei regelmäßiger Reinigung schaffen es Filter und Hauptbürste mindestens über 12 Monate hinaus. Den Filter ordentlich ausklopfen oder auspusten, Haare von der Bürste schneiden und mit einer feinen (Fell-)Bürste abbürsten. So kann man die Haltbarkeit um einige Monate verlängern, die erste Bürste meines VR200 hielt so zwei Jahre ohne spürbaren Reinigungsverlust. Aber nicht täuschen lassen: Irgendwann wird trotz Pflege mal ein Austausch fällig.

Fazit und tl;dr

Beim VR300 handelt es sich bereits auf den ersten Blick um keine Revolution, sondern vielmehr um eine logische Weiterentwicklung: Ein im Vergleich zum VR200 nahezu identisches Gehäuse trifft auf einen „intelligenteren“ Sauger. Die Verarbeitung ist gewohnt hochwertig und gibt nur wenig Punkte für Kritik. Auch bei der Reinigungsleistung gibt sich der VR300 keine Blöße: Die rotierende Bürste holt auch Haare aus dem Teppich und dank der D-Form im Kombination mit der Seitenbürste werden auch Ecken zuverlässig gereinigt. Bereits bei dem Vorgängermodell gehörten die frontalen Sensoren gegenüber anderen Saugern zu den größten Pluspunkten: Hindernisse werden einen Tick eleganter erkannt und umfahren – vor allem dann, wenn sie unterhalb des 360-Grad-Lasers liegen.

Softwareseitig gibt es mit Grundriss und den No-Go-Linien neue technische Spielereien, die zwar nicht wirklich neu sind, aber auf die viele Nutzer gewartet haben. Leider ist jenes Feature auch zumindest für mich etwas, was den Sauger nicht mehr so zuverlässig sein lässt, wie es noch beim VR200 der Fall war. Eine Google-Suche zeigt, dass ich kein alleiniger Einzelfall bin. Hier bleibt zu hoffen, dass Vorwerk die Positionserkennung bei vorhandenem Grundriss weiter optimiert und weniger sensibel gestaltet. Zwar kann man sich mit einem Workaround behelfen und auf einen Grundriss verzichten, dann aber besitzt der VR300 nur noch einen geringen Mehrwert zum Vorgängermodell. Und immerhin bekommen andere Hersteller dies ja auch zuverlässig(er) auf die Reihe.

Eine Kaufempfehlung zum VR300 ist demnach schwierig. Wer einen VR200 besitzt und mit diesem glücklich ist, der kann diesen bedenkenlos noch weiter seine Runde kreisen lassen. Die technischen Verbesserungen fallen meiner Meinung nach nicht stark ins Gewicht, als dass sich ein erneuter Kauf rechtfertigt. Einen größeren Unterschied macht da schon neue Software mit den No-Go-Lines aus. Benötigt man diese allerdings nicht, zum Beispiel weil die gesamte Wohnung bereits „roboterfreundlich“ gestaltet ist, der kann ebenfalls weiterhin auf das Vorgängermodell setzen. Habt ihr allerdings auf die virtuellen Sperrflächen gewartet, dann könnte sich ein Blick auf den Kobold VR300 durchaus lohnen. Ob das ganze bei euch zuverlässig funktioniert, müsst ihr jedoch im Praxiseinsatz herausfinden. Anderenfalls könnt ihr den Sauger innerhalb von 30 Tagen zurücksenden.

Mit den angeschlagenen 900 Euro liegt der VR300 weiterhin an der Spitze. Betrachtet man aber nur die Fahrweise und die Reinigung, bietet Vorwerk das wohl beste Gesamtpaket. Natürlich kann man anderen Saugern nicht absprechen, dass sie gute Arbeit verrichten, hier werden zurecht die Roborock-Roboter aus dem Hause Xiaomi gerne und häufig genannt. Betrachtet man aber mal die kleinen Details, arbeiten die Kobold-Saugroboter aber ein wenig besser. Vergleiche ich gerne mit Autos: Ein Twingo ohne Sonderausstattung erfüllt seinen Zweck, das ein oder andere Zusatzfeature ist aber komfortabler. Lediglich bei der Software muss Vorwerk (für mich) etwas nachbessern, auch sollte der Funktionsumfang nun langsam erweitert werden, diesbezüglich hinkt man doch etwas hinter. Daher lasse ich den Abschluss mal bewusst offen und überlasse euch ein finales Urteil.

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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