WhatsApp: Ende-zu-Ende-Verschlüs­selung für alle Nutzer und Platt­formen freige­schaltet

Am 05.04.2016 veröffentlicht Lesezeit etwa 2:18 Minuten

whatsapp

WhatsApp hat am heutigen Abend die bereits seit längerer Zeit in kleinem Kreis getestete Ende-zu-Ende-Verschlüsseung für alle Nutzer und alle Plattformen freigeschaltet.

WhatsApp ist zwar der mit Abstand größte Messenger was die Zahl der Nutzer betrifft, doch scheinbar ruht man sich auf dem "Fast-Monopol" ein wenig aus oder man ist im Hause WhatsApp einfach etwas langsamer, was die Weiterentwicklung des Messengers betrifft. Ein bisheriger großer Kritikpunkt war die Tatsache, dass WhatsApp Nachrichten grundsätzlich umverschlüsselt übertragen hat, was sich aber mit dem heutigen Tage erledigt hat - zumindest zum Teil. Denn ab sofort ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für alle Nutzer freigeschaltet, einzige Voraussetzung ist, dass ihr die aktuellste Version der App besitzt. Zumindest für iOS und Android kann ich aber sagen, dass es scheinbar bereits in einem der letzten Update vorhanden war, denn bei mir ist die Verschlüsselung nun vorhanden, obwohl ich kein App-Update angezeigt bekommen habe.

Verschlüsselt werden nicht nur Nachrichten in Einzelchats, sondern auch Nachrichten in Gruppenchats, WhatsApp-Anrufe, Sprachnachrichten und verschickte Dateianhänge. Diese werden also auf dem Gerät des Versenders verschlüsselt und können nur auf dem Empfängergerät entschlüsselt werden - die Art und Weise der Integration ist also wohl auch eine Absage an eine Multi-Plattform-Lösung zur gleichzeitigen Nutzung á la Telegram. Der Vorteil: Im Gegensatz zu anderen Messenger ist die Verschlüsselung standardmäßig aktiv und kann nicht deaktiviert werden. Dies gilt aber nur dann, wenn euer Kontakt ebenfalls die Verschlüsselung nutzen kann; auch wird die Verschlüsselung aufgehoben, wenn einer im Gruppenchat keine Verschlüsselung nutzt. Tipp: Sollte bei euch eine aktive Verschlüsselung angezeigt werden, bei eurem Kontaktpartner aber nicht, einfach mal die Geräte neu starten - half bei mir.

Zusätzlich zur Verschlüsselung gibt es neuerdings auch die Möglichkeit, zu überprüfen, ob der Kontakt auch wirklich derjenige ist, für den er sich ausgibt. Dazu kann man sich einen QR-Code anzeigen lassen (in den Chat-Infos auf das Schloss-Symbol drücken), der nun gegenseitig eingescannt werden muss - erfordert natürlich, dass man sich mindestens einmal begegnet. Ist das erledigt, gilt der entsprechende Kontakt und zukünftige Nachrichten als verifiziert. Hat nichts mit der Verschlüsselung an sich zu tun, dient viel mehr dem Zweck, die Authentizität des Kontaktes sicher zu stellen. Übrigens de facto der gleiche Mechanismus, der auch beim Schweizer Messenger Threema oder auch Signal zum Einsatz kommt.

Apropos Signal: WhatsApp setzt bei der ganzen Geschichte nicht auf eine eigene Entwicklung (wie zum Beispiel Telegram), sondern verwendet die Verschlüsselungstechnik von Open Whisper Systems, die sich eben für das besagte Signal-Protocol (vormals Axolotl) verantwortlich zeichnen. Das Protokoll gilt als sicher, sogar Edward Snowden vertraut auf das Protokoll und dem gleichnamigen Messenger. Wer sich etwas einlesen möchte, der kann einen Blick in das Whitepaper mit tieferen technischen Einblicken werfen. Sie Verschlüsselung ist nicht nur auf iOS und Android, sondern auch auf Windows Phone, Nokia S40, Nokia S60 und BlackBerry verfügbar. Mal schauen, wann und ob überhaupt Security-Audits durchgeführt werden (können) und wie die WhatsApp-Verschlüsselung dann so abschneidet - immerhin ist nicht nur das Protokoll, sondern auch die Implementierung relevant...

WhatsApp Messenger
Entwickler: WhatsApp Inc.
Preis: Kostenlos
WhatsApp Messenger
Entwickler: WhatsApp Inc.
Preis: Kostenlos

whatsappcomplete2

Quelle WhatsApp Open Whisper Systems via Netzpolitik